Les Falaises d’Orque: beim Steinadler

Die Falaises d'Orque von der Départementsstraße D922 aus. Foto: Hilke Maunder
Die Falaises d'Orque von der Départementsstraße D 922 aus. Foto: Hilke Maunder

Mit einer Höhe von 200 Metern bilden die Orque-Felsen nördlich der Massive Caroux und Espinouse die höchste Kalksteinwand im Parc Naturel Régional du Haut Languedoc. Sie sind das Reich des Steinadlers, der hier am hohen Himmel seine Kreise zieht – und ein herrliches Wanderziel.

Von Saint-Gervais-sur-Mare windet sich die Départementstraße D 922 hinauf zum Pass des Croix de Mounis. Auf dem Weg dorthin berührt sie den Weiler Péras. Zwischen der Handvoll Häuser, die zur Gemeinde Castanet-le-Haut gehören, eröffnet sich von einem kleinen Parkplatz ein Paradeblick auf die Klippen von Orque.

Auf diesen Felsen nisten Adler. Foto: Hilke Maunder
Auf diesen Felsen nisten Adler. Foto: Hilke Maunder

Die Klippen – eine ZNIEFF

Die Falaises d’Orque gehören zu einer geschützten ZNIEFF, einer Zone Naturelle d’Intérêt Écologique, Faunistique et Floristique. Auf 293 Hektar umfasst sie ein schützenswertes Biotop mit abwechslungsreicher Flora und Fauna einer hohen Bedeutung für eine gesunde Natur und Umwelt.

Bei den Falaises d’Orque im Norden des Hérault handelt sich um einen nach Süden exponierten Kalksteinfelsen mit einem bis zu 800 Meter hohen Plateau im Norden und stark erodierten Hängen gen Osten und Westen, die mehrere Höhlen bergen.

Hier brüten Steinadler

Die Felsen sind das Brutgebiet des Steinadlers. Um die Aufzucht seines Nachwuchses nicht zu stören, führt nur ein einziger Wanderweg durch dieses Gebiet. Wer in Péras ist, kann vom Parkplatz einer kleinen Straße folgen, die zur Mühle von Orque führt. Von dort könnt ihr zum Fuß der Klippen hinaufsteigen, begleitet vom Tosen des Wildbachs und dem einen oder anderen Steinadler, der seine Horste in Felsnischen, Spalten und Höhlen hat.

Größere Wanderungen und mehrstündige Rundwanderungen um die Felsen beginnen in Saint-Geniès-de-Varensal. Wichtigstes Utensil beim Wandern ist ein gutes Fernglas – nur die Augen reichen zum Beobachten der Steinadler und anderer Vögel nicht aus.

Die Felsen beim Weiler Péras. Foto: Hilke Maunder
Die Felsen beim Weiler Péras. Foto: Hilke Maunder

Spotting-Zeit: Winter

Die beste Jahreszeit zum Spotten von Steinadlern ist der Winter. Wenn auf den obersten Lagen des Haut-Languedoc der Schnee liegt, hocken die Steinadler auf ihren Ansitzen und putzen stundenlang ihr Gefieder. Jede Feder stellen sie dabei auf – denn der Winter ist ihre Balzzeit.

Sind sie geputzt, starten sie zum Balzflug, schweben mit rund zwei Meter Flügelspannweite um ihren Horst und rufen dann und wann auch ihren Balzruf aus – zwar recht selten, aber doch eindringlich. Miiiääää! Miiiääää!

Kein Beobachten in der Brutzeit

Während der eigentlichen Brutzeit von Februar bis Mai sollte man auf Wanderungen entlang der Felsen verzichten, um die 44-tägige Brutzeit nicht zu stören. Ist der Nachwuchs geschlüpft, verbleibt er als Nesthocker zunächst im Horst. Dort lernt er, zunehmend eigenständig seine Nahrung zu zerlegen: Murmeltiere, Rabenvögel, Rehe sowie Ziegen, Schafe und selbst Steinböcke.

Neben dem Steinadler und dem bedrohten Bonelli-Adler leben noch viele weitere Vogelarten in den Felsen von Orque und den Bergregionen des Naturparks. Dazu gehören neben Wanderfalken und dem Uhu die Alpenbraunelle, der Mauersegler und die Blaumerle.

Die Falaises d’Orque im Winter. Foto: Hilke Maunder
Die Falaises d’Orque im Winter. Foto: Hilke Maunder

So ursprünglich wie sonst kaum

Wicken und Bärenklau, Hundskamillen und Fettkräuter wachsen auf den Wiesen. Flora und Fauna sind so reich und ursprünglich wie sonst selten im Haut-Languedoc erhalten – auch, weil der Tourismus hier bislang kaum stattfindet.

Die Landwirtschaft ist bis heute von kleinen, meist familiengeführten Höfen dominiert, die im kleinen Rahmen Ackerbau betreiben oder extensiv Rinder oder Schafe züchten.

945 Arten insgesamt haben die Forscher hier erfasst. 139 davon sind geschützt, 17 davon vom Aussterben bedroht. Dazu gehören neben dem Rotmilan (Milvus Milvus) auch der Mauerläufer (Tichodroma muraria), das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) und selbst die Provencegrasmücke (Sylvia undata).

Pech de Bugarach: wandern. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Les Falaises d’Orque: meine Reise-Tipps

Die Felsen befinden sich im Norden des Hérault nahe der Grenze zu den Départments Tarn und Aveyron im regionalen Naturpark Haut-Languedoc bei der Kommune Castanet-le-Haut.
Maison du Parc naturel régional du Haut-Languedoc: 1 place du Foirail – BP 9, 34220 Saint-Pons-de-Thomières, Tel. 04 67 97 38 22, www.parc-haut-languedoc.fr

Welche Arten im Schutzgebiet vertreten sind, verraten das Stammblatt der ZNIEFF (inpn.mnhn.fr) und die vom Naturpark herausgegebene Übersicht für Vogelfreunde (fr.calameo.com).

Aktiv

Wandern

Ganz in der Nähe der Felsen verläuft der Weitwanderweg Grande Randonnée 653, der auf dem Jakobswegs der Via Tolosana vorbei an Castanet-le-Haut nach Santiago de Compostela führt.

Schlemmen und genießen

Saint-Geniès-de-Varensol ist ein kleines Dorf mit rund 200 Einwohnern. Im Foyer Rural gibt es einen Kaufmannsladen. Jeden Montag- und Donnerstagmorgen hält der Bäckerwagen der mobilen boulangerie in Saint-Geniès.

Jeden Dienstagmorgen kommt der Fischmann mit seinem mobilen Verkaufsstand ins Dorf. Jeden Donnerstag verkauft Jean-Luc in seinem Lebensmittellieferwagen Gemüse, Fleisch, Aufschnitt und Käse.

Schlafen

Les Sagnes

Einzige Unterkunft im Dorf sind die kommunalen Gîtes Les Sagnes mit Einzelzimmern, einem kleinen Ferienhaus für vier bis sechs Personen, einem mittelgroßen Ferienhaus für acht bis zehn Betten sowie eine Gruppenunterkunft mit 14 Schlafplätzen.

Reservierung: 34610 Saint-Geniès-de-Varensal, Tel. 04 67 23 60 95, Mail: mairie.stgeniesdevarensal@orange.fr, www.stgeniesdevarensal.wixsite.com/mairie/gites

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Im Winter liegt auf den Höhen des Haut-Languedoc nicht selten Schnee. Foto: Hilke Maunder
Im Winter liegt auf den Höhen des Haut-Languedoc nicht selten Schnee. Foto: Hilke Maunder

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