Fête des Lumières: leuchtende Schirme. Foto: Hilke Maunder
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La Fête des Lumières: Lichterfest von Lyon

Jedes Jahr Anfang Dezember wird Lyon bei der Fête des Lumières zur Bühne für Kunst, Illumination und gemeinsames Staunen. Internationale Künstler und kreative Lichtinstallationen verwandeln dann vier Tage Häuserfassaden, Plätze, Parks und ganze Stadtviertel. Vom mittelalterlichen Altstadtkern bis zu den Hügeln hinauf lädt Lyon zu einem Spaziergang durch atemberaubende Lichtwelten ein.

Laserblitze kreuzen sich am nachtschwarzen Himmel. Eine Brücke wandelt sich zum digitalen Lichter-Schiff. Innenhöfe, Plätze und Fassaden werden zur Bühne von atemberaubenden Installationen, die Musik und Licht zu Kunstwerken verschmelzen. Sie nehmen mich so gefangen, dass ich die Kälte vergesse, im Pulk der Massen stundenlang durch die Stadt laufe, schaue, stehe und staune.

Ein Rausch für Augen und Ohren

Vier Nächte lang, vom frühen Abend bis Mitternacht, laufe ich so durch Lyon. 17, 21, 19 Kilometer zeigt mein Handy als abendlicher Bummelrekord. Fête des Lumières heißt das Spektakel, das alljährlich Anfang Dezember bis zu vier Millionen Menschen nach Lyon lockt. Alljährlich wechseln Themen und Illuminationen des Lichterfestes, das die gesamte Innenstadt und die Ufer ihrer beiden Flüsse Rhône und Saône erobert.

Für das Lichterfest 2019 hatten drei Studenten der Uni Lyon passend zum Renaissance-Gedenkjahr im Loire-Tal eine Lichterinstallation zu Leonardo da Vinci entworfen. 2021 konntet ihr 29 Werke in der gesamten Innenstadt bewundern. Auch 2022 wurde trotz der Energiekrise rauschend gefeiert. Trunken vor Licht war die Metropole.

Fête des Lumières: im Innenhof des Rathauses. Foto: Hilke Maunder
Die Installation der Fête des Lumières im Innenhof des Rathauses. Foto: Hilke Maunder

Energiesparende LEDs

Doch die Fête des Lumières ist nicht so energieintensiv, wie es auf dem ersten Blick scheint. Die Energiequellen haben sich stark weiterentwickelt und sind heute LEDs, die viel weniger Energie verbrauchen als  herkömmliche Leuchten. Um die Werke zu zeigen, schaltet Lyon die übliche Straßenbeleuchtung nahezu ab.

Stromsparend wirken auch die Besucher, argumentiert Marion Traversi, zuständig für die Umweltfreundlicheit der Fête des Lumières. Die Hunderttausende Menschen, die stundenlang auf den Straßen Lyons unterwegs sind, sind nicht zu Hause, haben kein Licht angeschaltet und benutzen auch Geräte wie TV, Computer oder Herd nicht.

Es gibt auch immer mehr Datendesign. Bei Algorythm im Parc de la Tête d’Or oder The Shape of Things to Come auf der Place Antonin Poncet wurde die Beleuchtung durch die Analyse von atmosphärischen Daten, Wasser und Luft generiert.

Fête des Lumières: Vor dem Bahnhof stand dieser Elefant. Foto: Hilke Maunder
Vor dem Bahnhof stand dieser Elefant bei der Fête des Lumières. Foto: Hilke Maunder

Ein Unwetter als Ursprung

Die Fête des Lumières, heute ein ungeheuer beliebtes Volksfest und ein faszinierender Showcase der besten Lichtkünstler Frankreichs, hat religiöse tiefe Wurzeln. 1643 gelobten die Stadtoberen Lyons der Jungfrau Maria jährlich eine feierliche Prozession, wenn die Stadt von der Pest verschont bliebe; daraus entstand die marianische Tradition des 8. Dezember auf dem Hügel von Fourvière. Diese Pestgeschichte ist der religiöse Ursprung der Marienverehrung von Lyon.

Der heutige Brauch, am Abend des 8. Dezember kleine Lichter ( lumignons) in die Fenster zu stellen, geht auf den 8. Dezember 1852 zurück, als wegen Unwetters die Einweihung einer Marienstatue auf Fourvière verschoben bzw. gestört wurde und die Bewohner spontan ihre Häuser mit Kerzen erleuchteten. Diese Episode markiert nach den unmittelbaren Auslöser der Lichter‑Tradition und damit die direkte Vorgeschichte der modernen Fête des Lumières.

Bester Startpunkt: die Basilika

Die Basilika Notre-Dame de Fourvière. Foto: Hilke Maunder
Die Basilika Notre-Dame de Fourvière. Foto: Hilke Maunder

An der schneeweißen Basilika Notre-Dame de Fourvière, bis heute Wahrzeichen des Lichterfestes, beginnen daher auch traditionell die Prozessionen der Fête des Lumières. Lauft danach von dort hinab auf die Presqu’île, die Halbinsel zwischen der Saône und der Rhône.

Versucht nicht, euch gegen den Strom der Menschenmassen zu stemmen. Sie strömen  – sich rechts haltend – von der Place des Terreaux mit Rathaus und Bartholdi-Springbrunnen, dem Théâtre des Célestins und der Place de la République nach Bellecour. Und als ebenso dicht gedrängter Strom auf der linken Straßenseite retour.

Fête des Lumières: Auf dem Riesenrad erzählt die Illumination die Geschichte einer Reise. Foto: Hilke Maunder
Auf dem Riesenrad erzählt die Illumination die Geschichte einer Reise. Foto: Hilke Maunder

Nicht nur dort, auch in der Altstadt kanalisieren Straßensperrungen den Zugang. Vor der Cathédrale Saint-Jean-Baptiste schiebt sich die Warteschlange im Schneckentempo zur imaginären Reise auf der Kirchenfassade.

Darüber freuen sich die Straßenhändler, die mitten im Gewühl heißen Kakao, Kaffee, Glühwein und Bratwürste verkaufen.

Kerzen als Zeichen der Solidarität

Fête des Lumières: An der Place des Terreaux sind alle Fassaden in das Lichterspektakel eingebunden. Foto: Hilke Maunder
An der Place des Terreaux sind alle Fassaden in das Lichterspektakel eingebunden. Foto: Hilke Maunder

Vor den Bars, Cafés und Geschäften, die spätabends noch geöffnet haben, könnt ihr an kleinen Ständen die Lumignons du Cœur kaufen.

Mit diesen „Lämpchen der Herzen“ könnt ihr nicht nur die Lichtinstallation im antiken Odeon-Theater mitgestalten, sondern zugleich etwas Gutes tun. Jedes Jahr gehen die Erlöse aus dem Verkauf an eine andere Hilfsorganisation.

Lichterspiel auf der Place des Terreaux. Foto: Hilke Maunder
Lichterspiel auf der Place des Terreaux. Foto: Hilke Maunder

Drei Dutzend Großprojekte erwarten euch allein in der Innenstadt. Hinzu kommen Dutzende von Installationen in allen Bezirken der zweitgrößten Metropole Frankreichs.

Vorführungen, Film, Straßentheater und überraschende Happenings begleiten den Licht-Parcours, der sich auch aufs Wasser wagt: 365 blinkende Bojen verwandelten die Rhône bei meinem Besuch in einen romantischen Sternenteppich.

Foto: Hilke Maunder

Leuchtendes Wissen

Jenseits des Volksfest-Charakters hat das Lichterfest handfeste wirtschaftliche Gründe. Restaurants und Hotels freuen sich über zusätzliche Einnahmen in der touristisch sonst eher toten Jahreszeit, die Stadt über Imagepflege und Werbung für ihre Expertise in Licht-Management.

Foto: Hilke Maunder

Wie können Gebäude attraktiv, effektiv und stromsparend in Szene gesetzt werden? Was kann farbiges Licht in Wohnvierteln und urbanen Zentren bewirken? Wie beeinflusst Straßenlicht Sicherheit und Verkehr? Und wie kann sich eine Metropole vor Lichtverschmutzung schützen?

All diese Fragen sind Themen des Netzwerkes Lightning Urban Community International (LUCI), dem Lyon seit 2002 vorsitzt. Mehr als 300 Firmen, Labors und Forschungsstätten stehen für das Know-how von Lyons „Technikschwerpunkt Licht“, der parallel zum Lichterfest mit dem Lyon Light Festival Forum ein Expertentreffen veranstaltet.

Der Pont de l’Université über die Rhône. Foto: Hilke Maunder
Auch außerhalb des Lichterfestes setzt Lyon seine Monumente mit Licht in Szene. Foto: Hilke Maunder
Auch außerhalb des Lichterfestes setzt Lyon seine Monumente mit Licht in Szene. Foto: Hilke Maunder

La Fête des Lumières in Lyon: meine Reisetipps

Schlemmen und genießen

Bouchons

Wer es rustikal und deftig mag, geht in Lyon in einen bouchon, ein rustikales Lokal wie Chez Paul, wo David hinter einem Tresen steht. Von der Decke baumelt eine fast zwei Meter lange Rosette-Dauerwurst. Rote Lederbänke säumen die wenigen Tische, die rustikal mit rot-weiß karierten Tischdecken und Servietten eingedeckt sind.

Statt Musik vom Band erfüllt Stimmengewirr den Raum; statt einer gedruckten Speisekarte präsentiert der Patron jeden Werktag persönlich das Menü für den Mittag. Als Vorspeise gibt es Charcuterie, Wurst und Schinken aus der Region – Rosette, Jésus und Saucisson de Lyon. Dazu serviert David einen Caviar de la Croix Rousse. Der „Fischrogen“ der Seidenweber entpuppt sich als Salat aus roten Linsen.

Für den Hauptgang empfiehlt der umtriebige Gastwirt wahlweise Andouillette sauce moutarde, Kaldaunenwurst in Senfsoße, Trîpes grillées, gegrillte Kutteln, oder einen warmen Geflügelleberkuchen – denn „Innereien sind typisch für die Lyoner Küche!“ Lieber Fisch ? „Dann probieren Sie doch mal die Quenelles de brochet, die Hechtklößchen in Krebssoße!“

Doch zu allem, da diskutiert David nicht, gehört kein anderer Wein als ein Beaujolais, und stellt den Roten auf den Tisch, offen, wie üblich, in einer Flasche ohne Etikett, mit einem mehrere Zentimeter dicken Glasboden. Die steht dann auch noch, wenn die Gäste nicht mehr ganz so standfest sind.

Ebenso unumstößlich steht für den Patron fest: Danach gibt es einen Käse von Renée Richard, der Königin der Lyoner Markthallen: Saint-Marcellin, Reblochon und einen fromage aux raisins, danach noch eine poire au vin, eine Birne in Rotwein, zum Dessert und einen petit noir. Zu viel, schon satt? Pas de question. Ça ira – das werdet ihr schon schaffen!
• 11, rue Major-Martin, Tel. 04 78 28 35 83, www.bouchonchezpaul.fr

La Limonade de Marinette

Gegenüber der Kirche Saint-Georges im Altstadtviertel Vieux-Lyon wandelte sich ein ehemaliges Lebensmittelgeschäft zum Retrobistro: mit Duralex-Glas und Resopalstühlen, Waage, Registrierkasse und 3.000 Objekten im Dekor einer Gemischtwarenhandlung der Sixites.
• 46, rue St Georges, Lyon, Tel. 04 72 32 21 73, www.facebook.com

Hier könnt ihr schlafen

Cour des Loges*

Vier Häuser aus dem 14. – 17. Jahrhundert wurden von Yves Boucharlat und Pierre Vurpas zu einem edlen Arkadenhotel zusammengefügt, in dem kein Raum, kein Stockwerk sich gleicht.
• 2-8, rue du Bœuf, F – 69005 Lyon, Tel. 04 72 77 44 44, www.courdesloges.com

Collège Hôtel*

Pauker, Streber oder Klassenclown? Fühlt euch mal wieder als Schulkind! Das ungewöhnliche Viersternehotel Le Collège , das  sich mitten im Welterbeviertel Vieux Lyon versteckt, hat sich wie eine Schule von einst gestylt. Alle 40 Zimmer der dortoirs sind komplett weiß. Als Schrank dient ein Spind, als Tisch ein Pult. Auf dem Bücherbord liegt ein Mathebuch. Es ist alles etwas spartanisch – aber konsequent durchgestylt. Als Entschädigung gab es dafür bei meinem Besuch auf dem Flur kostenlose Soft-Drinks im Kühlschrank.

Als Rezeption des Collège Hôtel dient der ledergepolsterte Turnkasten. Gefrühstückt wird in einem alten Klassenraum – das Büfett ist liebevoll zusammengestellt, schmackhaft und abwechslungsreich. Und auch der Service ist allerbeste alte Schule! Tipp: Nehmt ein Zimmer nach hinten raus – zur Straße kann es laut werden, wenn morgens die Müllabfuhr kommt und die Tonnen aufs Kopfsteinpflaster knallt.
• 5, place Saint-Paul, F-69005 Lyon, Tel. 4 72 10 05 05, www.college-hotel.com

MOB Hôtel*

Unverputzte Betonwände, Samtvorhänge als Betthaupt, Bio-Produkte im Bad und Ausblicke vom Mini-Balkon auf die Saône: In der Architektur-Ikone Orange Cube hat der Erfinder der Mama-Shelter-Kette eine neue, junge Kette gegründet. Zimmer und Gemeinschaftsräume versteht er als kreative Inseln.
• 55, quai Rimbaud, 69002 Lyon, Tel. 04 58 55 55 88, www.mobhotel.com/lyon

Slo Lyon Saxe*

Zwei Doppelzimmer mit Bad, Mehrbett-Schlafräume für zwei bis acht Personen, Lobby-Bar: Das kleine, zentrale Hotel heißt euch mit viel Holz und modernen Kunstwerken willkommen. Und bestimmt spottet ihr hier und da IKEA.
• 5, rue Bonnefoi, 69003 Lyon, Tel. 04 78 59 06 90, https://slohostels.com/en/lyon-saxe

Slo Lyon Pentes*

An den angesagten pentes von Croix-Rousse bietet dieses Hostel günstige Betten in Mehrbettzimmern. Vergleichsweise preiswert sind auch die sehr geräumigen Doppelzimmer. Wer lärmempfindlich ist, greift in den Glastopf an der Rezeption: Er ist randvoll mit gelben Ohrstöpseln befüllt.
• 21, rue Alsace-Lorraine, 69001 Lyon, Tel. 04 78 98 53 20, https://slohostels.com/en/lyon-les-pentes

Noch mehr Betten*

 

Weiterlesen

Im Blog

  • Mit La Confluence hat Lyon eines der größten Revitalisierungsprojekt in Herzen der Stadt umgesetzt – entdeckt das neue Inselquartier hier.
  • Die Seidenweber haben Jahrhunderte lang Lyon geprägt. Mehr über die canuts erfahrt ihr hier.
  • Nicht nur zur Fête des Lumières lohnt Lyon einen längeren Besuch. Ein abwechslungsreiches Programm für ein erlebnisreiches Wochenende in der Rhônemetropole findet ihr hier.

Im Buch

Klaus Simon, Hilke Maunder, Secret Citys Frankreich*

Gemeinsam mit meinem geschätzten Kollegen Klaus Simon stelle ich in diesem Band 60 Orte in Frankreich vor, die echte Perlen abseits des touristischen Mainstreams sind. Le Malzieu in der Lozère, Langogne im Massif Central, aber auch Dax, das den meisten wohl nur als Kurort bekannt ist.

Mit dabei sind auch Senlis, eine filmreife Stadt im Norden von Frankreich, und viele andere tolle Destinationen. Frankreich für Kenner  – und Neugierige!

Lasst euch zu neuen Entdeckungen inspirieren … oder träumt euch dorthin beim Blättern im Sessel oder am Kamin. Wer mag, kann das Lesebuch mit schönen Bildern hier* bestellen.

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