Aufregend modern: La Confluence

Confluencen: Cube Verte auf der Halbinsel Confluence. Foto: Hilke Maunder
HIngucker auf der Confluence-Halbinsel: der Cube Verte. Foto: Hilke Maunder

Auf der dreieckigen Südspitze der Perrache-Halbinsel zwischen Saône und Rhône, vor der Milleniumswende von Brachland von Industrie, Hafen und der Bahn, baut Lyon bis 2030 auf 150 Hektar ein neues Stadtviertel: La Confluence, der Zusammenfluss.

Ein kleiner Schlenker von der ViaRhôna, geschwind über die neue Brücke, und schon seit ihr dort!

Am Zusammenfluss von Saône und Rhône. Foto: Hilke Maunder
Am Zusammenfluss von Saône und Rhône. Foto: Hilke Maunder

An der Spitze, wo Kopfstein und Schienen langsam in den Fluten versinken, könnt ihr euch mit euren Füßen in beide Flüsse stellen: links die hellere, oft milchig smaragdgrüne oder türkisfarbene Rhône, rechts die Saône.

Spitzen-Museum

Wirksam platziert: das Werbe-Logo von Lyon vor dem Musée de la Confluenc. Foto: Hilke Maunder
Wirksam platziert: das Werbe-Logo von Lyon vor dem Musée des Confluences. Foto: Hilke Maunder

Wenn ihr nicht flussabwärts schaut, sondern euch umdreht, seht ihr direkt auf das Wahrzeichen des Viertel: La Musée des Confluences. Als Wolke aus Glas und Beton setzte das österreichische Architekturbüro Coop Himmelb(l)au das Museum in dekonstruktiver Architektur an die Landspitze.

Im Innern widmen sich die Exponate den Träumen und Grundfragen der Menschheit in Zeit und Raum mit mehr als zwei Millionen Exponaten.

Das Museum an der Spitze der Halbinsel Confluence. Foto: Hilke Maunder
Das Museum an der Spitze der Halbinsel Confluence. Foto: Hilke Maunder

Seit Beginn der Zivilisationen gründet sich die Menschheit auf Treffen, Begegnung, Austauschen und Teilen. Dieses Erbe erhält und vermittelt das Museum mit Natur- und Geisteswissenschaften sowie Technik. Die 3.300 qm große Dauerausstellung  in vier Säle entführt euch in eine Zeitreise in in vier Kapiteln:

  • Ursprünge, die Erzählungen der Welt
  • Gesellschaften, das Theater der Menschen
  • Menschen, Teil des Lebenden
  • Ewigkeiten, Bilder des Jenseits

Eine zweite Etage bietet auf 2700 m² Raum für vier bis sechs Sonderausstellungen pro Jahr, digitale Ressourcen und museografische Experimente im Museolab.

Confluence: ein Viertel für alle

Wohnen am Wasser - in La Confluence mitten in der Stadt. Foto: Hilke Maunder
Wohnen am Wasser – in La Confluence mitten in der Stadt. Foto: Hilke Maunder

Auch die Architektur des neuen In-Viertels von Lyon spiegelt Antworten auf diese Fragen wider. Überraschend, bunt, spannungsreich. Wie die HafenCity Hamburg vereint La Confluence Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Kultur vor Ort.

Ansprechen will sein urbaner Mix alle Einkommens- und Altersklassen. Daher wurden für seine künftig 20.000 Einwohner auch Sozialwohnungen, Mehrgenerationenhäuser, Passivenergiebauten und Luxusappartements, große Einkaufstempel und ein Design-Zentrum gebaut.

Leben auf dem Wasser am Ufer der Saône am Kai von La Confluence. Foto: Hilke Maunder
Leben auf dem Wasser am Ufer der Saône am Kai von La Confluence. Foto: Hilke Maunder

Wer in Hausbooten und umgebauten Lastkähnen am Saône-Ufer wohnte, behielt seinen Liegeplatz. Alt und neu, Erbe und Aufbruch: Das sorgt für Atmosphäre, bringt schon heute Besucher und Leben ins Viertel.

Lyon: Hausboot am Saône-Ufer von La Confluence. Foto: Hilke Maunder
Lyon: Hausboot am Saône-Ufer von La Confluence. Foto: Hilke Maunder

Arbeiten, lernen & erleben

Rund 22.000 Arbeitsplätze sollen die Firmenzentralen von Großunternehmen wie Engie (ehemals GDF Suez) oder Banque de France, Büro von Kreativindustrien wie Euronews sowie Dienstleister, Einzelhandel und Gastronomie schaffen.

Für den neuen Campus der Université catholique de Lyon wurde das alte Gefängnis von Saint-Joseph nachhaltig umgebaut.

Mehr als ein Fünftel von La Confluence – 35 Hektar – sind für Grünflächen vorgesehen, die die Natur in die Stadt holen: Wälder und Wiesen statt Alleen und Parks. Ein wichtiges Gestaltungselement ist schließlich auch das Wasser.

So wohnt man in La Confluence. Foto: Hilke Maunder
So wohnt man in La Confluence. Foto: Hilke Maunder

Blaue Oase: Place Nautique

Die von ADR Architectes und Georges Descombes gestaltete Place Nautique holt seit 2010 als 340 m langes Bassin mit 30 Liegeplätzen die Saône ins Quartier.

Die beiden 40 bis 70 m entfernten Ufer des Wasserplatzes überspannt mit Holz und Stahl eine Fußgängerbrücke.

Terrassiert angelegte Steinbänke säumen den Kai, Cafés und Restaurants laden zum Verweilen.

Quai Rambaud mit dem cube orange. Foto: Hilke Maunder
Quai Rambaud mit dem cube orange. Foto: Hilke Maunder

Als zweite Gastro-Meile hat sich der Quai Rambaud etabliert. Im Erdgeschoss des von Jean-Michel Wilmotte umgestalteten Zollgebäudes Pavillon des Douanes residiert das italienischer Ristorante Fratelli.

Die angesagte Restaurant-Bar Docks 40 unterhält donnerstags bis sonnabends mit Live-Musik und DJs bis zum Morgengrauen. Im Point Contemporain findet alljährlich der Photo DocksArtFair statt.

Architektur-Ikonen am Saône-Ufer

Bereits komplett fertig gestellt wurde von 2003-2015 auf 41 Hektar das Saône-Ufer, das namhafte Architekten prägten. Lyon Island von Massimiliano und Doriana Fuksas vereint Wohnungen und Geschäften.

Le Monolithe von Winy Maas, Jacob van Rijs und Nathalie de Vries ist ein gigantischer Block mit Eigentums-, Miet-, Sozial- und Ferienwohnungen, Einzelhandel und Büros, der zur Wasserseite eine Aluminiumfassade erhielt, die sich in den Fluten spiegelt.

Knallige Hingucker am Ufer sind zwei große, durchlöcherte Kuben von Jacob + MacFarlane. Den  Cube Orange (2010) überzieht eine Haut aus orangefarbenen Aluminium-Maschen.

Der cube verte von La Confluence. Foto: Hilke Maunder
Der cube verte von La Confluence. Foto: Hilke Maunder

Das Luftblasen-Muster durchstößt im Nordosten ein riesiger, kegelförmiger Patio. Die giftgrüne Haut des Cube Verte (2006 – 2013), in dem Euronews residiert, durchlöchern zwei große Kegel.

Confluence: Die revitalisierte "Sucrerie" am Saône-Ufer. Foto: Hilke Maunder
Confluence: Die revitalisierte “Sucrerie” am Saône-Ufer. Foto: Hilke Maunder

Wenig weiter die 1930 erbauten und 1960 erweiterten Zuckersilos zum Ausstellungszentrum La Sucrière umgestaltet. Seit 2003 zeigt es die Biennale d’art contemporain.

La Sucrerie. Foto: Hilke Maunder
La Sucrerie. Foto: Hilke Maunder

Nicht verpassen solltet ihr den Confluence, Pôle de commerces et de loisir von Jean-Paul Viguier et Associés. Mitten durch das Freizeit- und Einkaufszentrum mit 80 Boutiquen, Multiplex-Kino, Kletterwand, Hotel, Restaurants führt eine Bahnbrücke.

Das neue Rhône-Ufer

An der Neugestaltung des Rhôneufers wird noch bis 2025 gearbeitet. 2011 eröffnete dort das Hôtel de Région Rhône-Alpes von Christian de Portzamparc. Der Verwaltungssitz birgt 45.000 qm Nutzfläche hinter seiner 128 m langen Fassade.

Mit einer grosszügigen Verglasung und der Verwendung von warmen Materialien wie Terrakotta für die Aussen- und Holz für die Innenverkleidung wollte der Pritzker-Preisträger Portzamparc die Monumentalität des Baus mildern. Ich finde ihn immer noch sehr massiv.

Imagewandel im Quartier Sainte-Blandine

Die Ballsportfelder und Bouleplätze von La Confluence sind für alle geöffnet. Foto: Hilke Maunder
Die Ballsportfelder und Bouleplätze von La Confluence sind für alle geöffnet. Foto: Hilke Maunder

Bagger und Baukräne prägen auch noch das Bild vom Quartier Sainte-Blandine, das bis 2030 auf 70 Hektar revitalisiert wird.

Auf dem Programm: die Umnutzung der aufgegebenen Gefängnisse Saint-Joseph und Saint-Paul sowie die energetische Sanierung und Aufwertung des vorhandenen Wohnbestandes.

Im weitläufigen Viertel verkehrt emissionsfrei der Minibus Navly. Er bringt euch kostenlos vom Hôtel de Région in den Süden des Viertels. 1,3 km misst bislang die Route der Elektro-Navette.

Kostenlos: der Shuttle-Bus von La Confluence. Foto: Hilke Maunder
Kostenlos: der Shuttle-Bus von La Confluence. Foto: Hilke Maunder

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Lyon, La Confluence, Bürogebäude. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

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4 Kommentare

  1. Super! Lyon ist spannend. Für den normalen Touristen ist es zwar eine verwirrende Stadt – und sehr, sehr teuer und etwas zu sehr selbstzufrieden und fast schon hochnäsig – aber natürlich einen Besuch wert .

  2. Als mich meine Freundin Hilke vor einiger Zeit fragte, ob ich sie für eine Reportage auf der ViaRhôna begleiten und unterstützen könnte, habe ich sofort ja gesagt. Wir haben bereits so manchen Landstrich in Frankreich bereist und, die Leidenschaft zu “France” wurde dadurch immer weiter gestärkt.

    Frankreich mit dem Rad zu erobern, ist einfach schön, dass habe ich bereits mehrfach in Paris erlebt. Diese Freiheit und die anderen und besonderen Blickwinkel, die man dadurch erhält, sind einfach unbeschreiblich. Deswegen war ich ganz gespannt auf die ViaRhôna, wo wir eine wichtige Lebensader des Landes – “die Rhone” – auf dem Weg von Lyon zum Mittelmeer, mit dem Rad begleiten dürfen.

    Lyon stand schon lange auf meiner Reiseliste. Viel wurde über das “kleine Paris” und die herausragende Gastronomie der Stadt in letzter Zeit berichtet. Und wir wurden nicht enttäuscht. Herzlich wurden wir von Julia Grunert in Empfang genommen. Im Away Hostel, für die jüngere Zielgruppe wird es bestimmt ein Hotspot, haben wir Quartier bezogen und waren sehr überrascht über die geräumigen Zimmer und die technische Ausstattung, die keine Wünsche übrig ließ.

    Kurz das Gepäck auf das Zimmer und dann ging es auch schon los, die Stadt zu erobern.Unten standen bereits unsere Bikes, kurzer Check zur Handhabung und Utensilien, alles klar – Abfahrt.Es war gerade Feierabend-Zeit in Lyon, so dass wir sehr aufmerksam mit dem Rad fahren mussten. Ich habe das Gefühl, dass die Symbiose zwischen Autofahrern und Radlern in Städten erst noch wachsen und gedeihen muss. Aber wer das Radeln in einer Großstadt gewohnt ist, in meinem Falle Hamburg, der nimmt die Herausforderung gerne an.

    Die quicklebendige Altstadt, mit den vielen individuellen Geschäften und den kleinen, aber feinen Bistros und Restaurants, die besondere Stimmung am Fluss, wo ich ab und zu das Gefühl hatte, dass ich mich in Paris befinde,
    denn sogar ein kleiner Eiffelturm war im Hintergrund zu sehen – all das hat mir sehr gut gefallen.

    Ganz besonders das abendliche Restaurant “Bijouterie” möchte ich noch erwähnen. Ziemlich unscheinbar und relativ klein und schlicht von der Einrichtung kommt es daher, aber das Essen. Für mich hieß es am Ende des besonderen Menüs – Bijouterie – mindestens ein Stern. Das kann ich wirklich empfehlen.

    Die Tour zur Confluence mit der neu gestalteten Hafencity, hatte mich begeistert. Die ist fast wie in Hamburg, nur das Lyon, so scheint es, geschafft hat mehr Leben in den Bereich durch vielfältigere Bebauung, mit diversen Grünflächen und kulturellen und gastronomischen Betrieben, zu erwecken.

    Also mein Fazit für Lyon: Es ist eine sehr interessante Stadt. Sie ist sehr vielfältig, was das Freizeitangebot angeht und eigentlich ist für jeden etwas dabei.
    Ich werde auf jeden Fall wieder kommen und mir für die Stadt mehr Zeit einplanen, denn unser kurzer Besuch, konnte nur einen
    Eindruck vermitteln, den ich gerne vertiefen würde.

    … auf geht’s zur nächsten Tagesetappe!

    • Hallo Claudia, das war wieder eine herrliche Reise! Ich war ja in Lyon auch ganz begeistert davon, an der Spitze von La Confluence mit beiden Beinen in den beiden Flüssen zu stehen, die durch Lyon fließen. Herrlich!
      Auf geht’s, weiter radeln :-))
      Herzlich, Hilke

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