Die Saône in Lyon. Foto: Hilke Maunder
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Ein Wochenende in … Lyon

Lyon ist nach Paris die Nummer zwei im Land. Sagt Lyon. Marseille nimmt diesen Titel auch für sich in Anspruch. Mit wahrer Begeisterung rivalisieren die beiden Städte bei der Wirtschaftskraft, Einwohnerzahl, Fläche und anderen objektiven Fakten um den Vize-Titel. Doch eines ist unstrittig: Lyon ist die gastronomische Hauptstadt Frankreichs, UNESCO-Weltkulturerbe – und eine sehr pulsierende, kreative und überraschende Stadt.

Die malerischen Gassen von Vieux Lyon sind wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Dort erwartet euch ein Labyrinth aus Kopfsteinpflasterstraßen, historischen Fachwerkhäusern und charmanten Plätzen rund um die imposante Kathedrale Saint-Jean-Baptiste.

Innenhof in der Welterbe-Altstadt von Lyon. Foto: Hilke Maunder
Innenhof in der Welterbe-Altstadt von Lyon. Foto: Hilke Maunder

Den urbanen Gegenpol bildet Lyons neues Stadtviertel Confluence auf der Halbinsel, wo sich die futuristische Glasstruktur des Musée des Confluences der Architektengruppe Coop Himmelb(l)au in den Fluten spiegelt.

Taucht ein in die faszinierende Ausstellung, die Natur, Wissenschaft und Kultur auf einzigartige Weise verbindet. Und lauft dann hin zu architektonischen Ikonen wie dem Orange Cube von Jakob + MacFarlane, der mit seiner lebendigen Fassade aus der Masse hervorsticht.

Quai Rambaud mit dem cube orange. Foto: Hilke Maunder
Der Quai Rambaud mit dem Orange Cube. Foto: Hilke Maunder

Das Viertel La Croix Rousse, einst das Zentrum der Seidenindustrie, ist heute ein pulsierender Ort für Kreative – mit Ateliers, Galerien und Kunsthandwerksläden, die lokale Künstler und Kunsthandwerker präsentieren. Ein riesiges Wandbild stellt die Gesichter und Geschichte der Seidenweber vor.

Lyon ist ein Paradies für Feinschmecker, und ein Besuch wäre nicht komplett ohne eine kulinarische Entdeckungsreise. Probiert in traditionellen Lyoner Bouchon-Restaurants herzhafte lokale Spezialitäten wie quenelles-Klößchen oder Kalbsbries und erlebt ein kulinarisches Schlaraffenland in den Halles de Lyon-Paul Bocuse.

Leben auf dem Wasser am Ufer der Saône am Kai von La Confluence. Foto: Hilke Maunder
Leben auf dem Wasser am Ufer der Saône am Kai von La Confluence. Foto: Hilke Maunder

Wenn es Abend wird, gehört ein Bummel auf den Uferpromenaden von Rhône und Saône einfach dazu, vorbei an berühmten Brücken wie dem Pont de l’Université und der eleganten Passerelle du Palais de Justice.

Von den engen Gassen von Vieux-Lyon bis zu den futuristischen Bauten von La Confluence: Entdeckt die Stadt an einem Wochenende mit meinem Reise-Plan!

Der Pont de l’Université über die Rhône. Foto: Hilke Maunder
Der Pont de l’Université über die Rhône. Foto: Hilke Maunder

FREITAG

Gut angekommen? Dann beginnt euer Wochenende mit einem Spaziergang durch die Altstadt von Lyon. Mit ihren Stadthäusern in Ocker und anderen Naturtönen, ihren traboules-Passagen, ihren Renaissance-Palais und ihren schmalen Gassen gehört sie heute zum Welterbe der UNESCO.

Früher war die Altstadt dreigeteilt. Im südlichen Quartier Saint-Georges wohnten einst die Seidenweber, bevor sie auf den Hügel von La Croix Rousse zogen. Das Quartier Saint-Jean war im Mittelalter die Heimat des Klerus. Im Quartier Saint-Paul errichteten die Kaufleute und Bankiers ihre prachtvollen hôtels particuliers.

Die Bummelmeile von Vieux-Lyon ist die lebendige Rue Saint-Jean mit einer schier unendlichen Fülle von Restaurants, Cafés, Souvenirläden und Boutiquen. Typisch für das alte Lyon sind die traboules, versteckte Durchgänge, Passagen und Treppenwege, die ganze Häuserblöcke und bis zu drei Innenhöfe durchqueren.

Im Herzen des alten Lyon. Foto: Hilke Maunder
Im Herzen des alten Lyon. Foto: Hilke Maunder

Die traboules von Vieux-Lyon

Die längste traboule führt von der Rue Saint-Jean 54 hinüber zur Rue du Bœuf 27. Einst nutzten die Lyoner Seidenarbeiter die rund 230 traboules von Lyon, um bei jedem Wetter ihre wertvolle Ware schnell und sicher zu transportieren. 40 von ihnen sind heute öffentlich und dürfen besichtigt werden. Zu den schönsten traboules gehören:

  • 34, rue Saint-Jean – 7, rue du Bœuf
  • 27, rue Saint-Jean – 6, rue de Trois Maries
  • 19, rue Saint-Jean – 2, rue des Trois Maries
  • 7, quai Romain-Rolland – 7, rue Saint-Jean

Die Rue Saint-Jean bringt euch zur Kathedrale Saint-Jean-Baptiste. Drinnen birgt sie eine der ältesten astronomischen Uhren Frankreichs. Vermutlich wurde sie im späten 14. Jahrhundert gefertigt. Seitdem zeigt sie nicht nur die Zeit an, sondern auch astronomische Daten wie den Stand der Sonne, den Mond und die Tierkreiszeichen.

Wenige Schritte weiter saust ihr mit der funiculaire-Linie F 2, einer nostalgischen Standseilbahn, den Fourvière-Hügel hinauf. 300 Meter Höhenunterschied überwindet die rot-weiße Kabine seit 1892. Früher gab es fünf solcher Bahnen. Heute sind noch zwei funiculaires in Lyon in Betrieb. Die Linie F 1 verkehrt seit 1878 zwischen Saint-Jean und Saint-Just.

Der Hügel von Fourvière

Die Basilika Notre-Dame de Fourvière. Foto: Hilke Maunder
Die Basilika Notre-Dame de Fourvière. Foto: Hilke Maunder
Die schwarze Madonne findest Du in der Krypta der Basilika von Fourvière. Foto: Hilke Maunder
Diese schwarze Madonne steht in der Krypta der Basilika von Fourvière. Foto: Hilke Maunder

Den Fourvière-Hügel bekrönt strahlend weiß die Basilique Notre-Dame de Fourvière, die Pierre Bossan Ende des 19. Jahrhunderts erbaute. Auf ihrer Spitze wacht die Jungfrau Maria über Lyon. Ihr zu Ehren feiert Lyon am 8. Dezember ein großes Lichterfest, die Fête des Lumières.

Wer sich für sakrale Kunst und Kirchenarchitektur interessiert, sollte neben dem Gotteshaus auch die Krypta besichtigen. Die Esplanade der Kirche gehört zu den schönsten Aussichtsplätzen von Lyon. Weit schweift der Blick von dort oben über die Flüsse Saône und Rhône hin zu den Türmen des Geschäftsviertels Part-Dieu. Bei klarer Sicht erscheinen sogar die Alpen am Horizont.

Der Blick auf Lyon vom Aussichtspunkt neben der Basilika Notre-Dame de Fourvière. Foto: Hilke Maunder
Der Blick auf Lyon vom Aussichtspunkt neben der Basilika Notre-Dame de Fourvière. Foto: Hilke Maunder

Wer ein wenig verweilen will: Das Gartencafé der Esplanade ist beliebt für eine Pause. Ruhiger ist eine Bank im nahen Parc des Hauteurs, der ebenfalls tolle Aussichten auf Lyon bietet und einen kleinen Bruder des Eiffelturms birgt: die Tour Métallique de Fourvière.

Im großen Bogen geht es zurück zur Altstadt. Dabei führt der Weg an Lugdunum vorbei, der galloromanischen Keimzelle von Lyon. Einen Schlenker wert ist der Schlemmertempel von Christian Têtedoie, dem wohl berühmtesten Sternekoch von Lyon. 1958 in Tournon-sur-Rhône geboren, entdeckte er schon früh eine Leidenschaft für das Kochen und ließ sich an der renommierten École Hôtelière de Thonon-les-Bains ausbilden.

Zu seinem Gastrokomplex gehören neben einem Sterne-Restaurant auch ein Bistro mit frischer, kreativer Marktküche und Rooftop mit Sommerküche – allesamt mit besten Aussichten auf die Stadt!
• 4, rue Professeur Pierre Marion, Tel. 04 78 29 40 10, https://tetedoie.com

Die Montée du Chemin Neuf  leitet bergab bis zur Rue du Bœuf. Jetzt seid ihr wieder im Herzen der Altstadt – und am Beginn einer Genussreise mit vielen Restaurants, Bars und Cafés. Typisch französisch sind Les Adrets (Nr. 30) und Le François Villon (Nr. 20). Jérémy Galvan serviert in Nr. 29 Haute Cuisine.

Die echten Lyoner Bouchons verstecken sich auf der Halbinsel zwischen Rhône und Saône – die Bouchons im Altstadtviertel Saint-Paul sind nur gewöhnliche Bistros. Für  die Echtheit und Qualität eines Lyoner Bouchon bürgt eine Plakette mit der Aufschrift: Authentique Bouchon Lyonnais. Das steht morgen auf dem Programm!

SAMSTAG

La Croix-Rousse

Hoch auf einem Hügel befindet sich auch La Croix Rousse. Fourvière war der Hügel, auf dem gebetet wurde. La Croix Rousse war la colline qui travaille – dort wurde geschuftet. Waren es einst die Seidenarbeiter, pulsiert dort heute eine junge, bunte Kreativität in den Ateliers und Werkstätten.

Auch nach La Croix-Rousse führt eine Bahn auf den Hügel– diesmal allerdings die Métro. Vom Hôtel de Ville klettert sie als unterirdische Zahnradbahn den steilen Hang hinauf.

Während des 19. Jahrhunderts war La Croix Rousse das Epizentrum der Seidenindustrie in Lyon. An die Seidenmacher erinnert ein riesiges Wandbild. Auf 1.200 Quadratmetern zeigt le Mur des Canuts an der Rue Denfert-Rochereau Szenen und Figuren, die mit der Seidenindustrie und dem Leben der Seidenweber in Verbindung stehen. Diese Hommage entstand 1987 und ist ein Werk der internationalen Künstlergruppe CitéCréation, die in Lyon mehrere Wandbilder zur Stadtgeschichte geschaffen hat.

Le Village nennen die Einwohner ihr Viertel, das Dorf – und ein wenig dörflich, weit entfernt vom Getriebe der Großstadt, ist es tatsächlich dort. Auf der Place de la Croix Rousse ist täglich Marktzeit. 17 Händler verkaufen dort ab sechs Uhr früh Obst und Gemüse, Käse und Blumen.

Hinab ins Stadtzentrum führt La Grande Côte, eine große, steile Treppe, die einst die Seidenweber nutzten. Berühmt wurde auch die Cour des Voraces, ein Innenhof von 1840 mit  sechsstöckigem Traboules-Treppenweg und Street-Art.

Die Presqu’île

Weiter gen Süden erreichst du die Place des Terreaux und bist damit im Herzen der Presqu’île, die sich im 17. Jahrhundert  zum Stadtzentrum entwickelte. Den großen Stadtplatz und sein Hôtel de Ville, den Prunkbau des Rathauses, erbaute zwischen 1645 und 1651 Simon Maupin.

Als Freifläche für Fußgänger im Herzen des dicht bebauten Zentrums entstand die Place Bellecour. Nach der Place des Quinconces in Bordeaux und der Pariser Place de la Concorde ist die Place Bellecour der drittgrößte Platz Frankreichs. Zu Fußen des Reiterdenkmals von Ludwig XIV. in der Mitte des Platzes trifft sich Lyon.

Hier liegt der Nullpunkt der Stadt, von dem aus alle Straßen der Metropole bemessen werden, hier kreuzen sich die U-Bahn-Linien A und D, hier stürzt man sich ins Shopping: gen Norden auf der Rue de la République, gen Süden auf der Rue Victor Hugo.

Die Place Ampère auf der Presqu'île. Foto: Hilke Maunder
Die Place Ampère auf der Presqu’île. Foto: Hilke Maunder

Deftig genießen im Bouchon

Bouchon – das klingt nach Kalbsbries, Kutteln und Quenelles. Und so bodenständig präsentiert sich auch der wohl berühmteste Bouchon Lyons: das Café des Féderations, nur zwei Schritte von der Oper entfernt. Von der Decke baumelt eine fast zwei Meter lange Rosette-Dauerwurst. Rote Lederbänke säumen die wenigen Tische seines Lokals, die rustikal mit rot-weiß karierten Tischdecken und Servietten eingedeckt sind.

Statt Musik vom Band erfüllt Stimmengewirr den Raum; statt einer gedruckten Speisekarte präsentiert Patron Yves Rivoiron höchstpersönlich das Menü für den Mittag. Als Vorspeise gibt es Charcuterie, Wurst und Schinken aus der Region – Rosette, Jésus und Saucisson de Lyon. Dazu serviert Rivoiron einen Caviar de la Croix Rousse – der „Fischrogen“ der Seidenweber entpuppt sich als Salat aus roten Linsen.

Für den Hauptgang empfiehlt der umtriebige Gastwirt wahlweise Andouillette sauce moutarde, Kaldaunenwurst in Senfsoße, trîpes grillés, gegrillte Kutteln, oder einen warmen Geflügelleberkuchen – Innereien sind typisch für die Lyoner Küche. Doch zu allem, da diskutiert Rivoiron nicht, gehört kein anderer Wein als ein Beaujolais, und stellt den Roten auf den Tisch, offen, wie üblich, in einer Flasche ohne Etikett, mit einem mehrere Zentimeter dicken Glasboden.

Ebenso unumstößlich steht für den Patron fest: Danach gibt es einen Käse von Renée Richard, der Königin der Lyoner Markthallen. Auf der Tafel stehen Saint-Marcellin und ein Cervelle des canuts, ein stark aufgeschlagener Frischkäse mit Kräutern. Danach noch eine poire au vin, eine Birne in Rotwein, zum Dessert und einen Petit Noir. Zu viel, schon satt? Pas de discussion. Ça ira – das werden Sie schon schaffen!

Die Place Gailleton auf der Presqu'île. Foto: Hilke Maunder
Die Place Gailleton auf der Presqu’île. Foto: Hilke Maunder

Sightseeing per Schiff

Nach dem Schlemmen zu müde zum Sightseeing? Dann setzt euch in ein Boot und lasst euch eine Stunde lang auf der Rhône und der Saône vorbei an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Lyon schippern. Beim Sightseeing per Schiff zeigt sich Lyon ganz entspannt aus einer völlig anderen Perspektive. Die Törns beginnen am Fuße der Brücke des Justizpalastes am linken Ufer der Saône zur Seite der Place Bellecour.

Das Musée des Confluences. Foto: Hilke Maunder
Das Musée des Confluences. Foto: Hilke Maunder

La Confluence

Im Süden der Halbinsel zwischen Sâone und Rhône, einst Industriebrache, realisiert Lyon bis 2030 das Stadtviertel La Confluence.

Sein Wahrzeichen ist das Musée des Confluences. Das  österreichischen Architekturbüro Coop Himmelb(l)au entwarf das Museum als einen kantigen Kristall in Grau, der im Innern Naturgeschichte, Wissenschaft und Kultur zu einem interdisziplinären  „Strom des Wissens“ der Menschheitsgeschichte verbindet.

Der cube verte von La Confluence. Foto: Hilke Maunder
Der cube vert von La Confluence. Foto: Hilke Maunder

La Confluence setzt bewusst auf außergewöhnliche Architekturikonen, die visuelle Signale setzen und gewohnte Wahrnehmungen und Nutzungen aufbrechen. Die beiden Kuben der Architekten Jakob + MacFarlane besitzen knallige Fassaden aus perforierten Metallplatten – der Orange Cube in Orange, der Cube Vert in Grün.

Jean Nouvel wählte für sein Ycone-Wohnhaus ebenfalls eine ungewöhnliche Fassade. Ihre glänzenden Metallpaneele sorgen für ein immerwährendes, faszinierendes Spiel von Licht und Reflexionen.

<em>La Sucrière</em>. Foto: Hilke Maunder
La Sucrière. Foto: Hilke Maunder

Zwei einstige Zuckersilos wandelten sich in den 1990er-Jahren zum Kulturzentrum La Sucrière, alle zwei Jahre Bühne der internationalen Kunstausstellung Biennale de Lyon. Arbeiten, Wohnen und Leben will La Confluence nachhaltig verbinden. Daher gehören auch Freizeiteinrichtungen und ein großes Shoppingzentrum zum Viertel.

Architekt Jean-Paul Viguier ließ sich beim Bau von der Welt der Meere und der Boote inspirieren. Drinnen birgt sein 2012 eröffneter Komplex 75 Boutiquen, 26 Restaurants, ein UGC-Kino mit 14 Sälen und ein Hotel mit 150 Zimmern.

Die Fußgängerbrücke zum Einkaufszentrum. Foto: Hilke Maunder
Die Fußgängerbrücke zum Einkaufszentrum La Confluence. Foto: Hilke Maunder

SONNTAG

Die Märkte von Lyon

Sonntags zieht es die Lyoner auf den Markt.  Zu den ältesten Märkten der Stadt gehört der Marché Saint-Antoine-Célestins. Hier könnt ihr lokale Produkte wie Käse, Wurst, frisches Obst und Gemüse entdecken und vielleicht sogar ein paar Souvenirs mit nach Hause nehmen.

Die Halles de Lyon-Paul Bocuse sind der gastronomische Hotspot von Lyon und erinnern mit ihrem Namen an den 2018 verstorbenen Koch, der von 1965 bis 2019 ununterbrochen mit drei Sternen ausgezeichnet wurde. Er war der wichtigste Wegbereiter der Nouvelle Cuisine und galt als einer der besten Köche des 20. Jahrhunderts. In den Markthallen von Lyon kaufte er seine Erzeugnisse.

Die Aromen von frischem Brot, Käse, Gewürzen und anderen Köstlichkeiten füllen dort die Luft und verführen die Sinne. Das geschäftige Treiben der Marktbesucher, die das Beste für ihre Mahlzeiten auswählen, verleiht der Halle eine pulsierende Energie. Schlendert durch die Gänge, kostet lokale Spezialitäten und erlebt die lebhafte Atmosphäre dieser weltberühmten Markthalle, deren nüchterne Hülle aus Beton kaum ahnen lässt, welch ein Schlemmerreich sich drinnen verbirgt.

Der Parc de la Tête d’Or

Und danach: ins Grüne! Der Parc de la Tête d’Or gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen für einen Sonntag in der Stadt. Der umfriedete Park im Brotteaux-Viertel besitzt mehrere Eingänge, doch besonders schön ist La porte des enfants du Rhône, ein großes geschmiedetes Eingangsportal zur Rhône-Seite hin. Den ungewöhnlichen Namen des Parks erklärt die Legende vom goldenen Kopf. Im Park soll ein Tresor mit einem goldenen Kopf Jesu Christi vergraben sein, auf Französisch la tête d’or.

Große Wiesen, breite, avenues genannte Wege und ein künstlich angelegter See mit vier Inseln, den die Rhône mit ihrem Wasser speist, prägen den Park mit seinen Koniferen, Libanon-Zedern, Gingkos und Riesenmammutbäumen. Zum Park gehört ein botanischer Garten mit 15.000 Pflanzen und mehreren Gewächshäusern, die Orchideen und fleischfressende Pflanzen präsentieren. Hinzu kommen gleich drei Rosengärten – und ein Zoo, der kostenlos (!) ist.

Für Familienspaß sorgen auch zwei alte Karussells mit handbemalten Figuren, ein Puppentheater mit dem guignol (Kasperle), Ponyreiten und Kutschfahren, Bootsfahrten auf dem See, eine Minigolf-Anlage und eine kleine Eisenbahn, die im Park ihre Runden dreht. Gleich neben dem Park stellt das Musée d’Art Contemporain aktuelle Kunst von heute vor.
• Métro: Masséna (Linie A).

Einkehrtipp:  Brasserie des Brotteaux

Seit 1913 serviert die Brasserie des Brotteaux typisch Lyoner Kost in typisch französischem Ambiente.
• 1, Place Jules Ferry, 69006 Lyon, Tel.  04 72 74 03 98, www.brasseriedesbrotteaux.com

Le Clan des Mammas nennt sich dieses charmante italienische Restaurant der Presqu'île. Foto: Hilke Maunder
Le Clan des Mammas nennt sich dieses charmante italienische Restaurant der Presqu’île. Foto: Hilke Maunder

Lyon: noch mehr Reisetipps

Schlemmen und genießen

Brasserie Georges

Typisch Lyoner Küche – seit 1836.
• 30, Cour de Verdun Perrache, 69002 Lyon, Tel. 04 72 56 54 54, www.brasseriegeorges.com

Le Neuvième Art

Kreative Zweisterneküche von Christophe Roure.
• 173, Rue Cuvier, 69006 Lyon, Tel. 04 72 74 12 74, https://leneuviemeart.com

La Mère Brazier

Klassische französische Zweisterneküche.
• 12, Rue Royale, 69001 Lyon, Tel. 04 78 23 17 20, https://lamerebrazier.fr

Takao Takano

Fernöstliche Zweisterneküche.
• 33, Rue Malesherbes, 69006 Lyon, Tel. 04 82 31 43 39

Au 14 Février

Franko-japanisch und sehr kreativ ist die Küche von Tsuyoshi Arai – dafür gab es von Michelin einen Stern.
• 36, Rue du Bœuf, 69005 Lyon, Tel. 04 78 92 91 39, www.ly-au14fevrier.com

Les Terrasses de Lyon

Einsterneküche mit Aussicht in der Villa Florentine.
• 25, Montée Saint-Barthélémy, 69005 Lyon, Tel. 04 72 56 56 02, www.villaflorentine.com/fr/restaurant.html

Les Loges

Moderne Küche von Anthony Bonnet im Nostalgie-Ambiente eines Altstadt-Innenhofs.
• Cour des Loges, 6 rue du Bœuf, 69005 Lyon, Tel. 04 72 77 44 44, https://courdesloges.com/gastronomie

Sauf Imprévu

Die Marktküche von Félix Gagnaire, gelernter Konditor und Sohn des Sternekochs Pierre Gagnaire, zeichnete Michelin mit einem Bib Gourmand aus.
• 40, Rue Pierre Corneille, 69006 Lyon, Tel. 04 78 52 16 35,

Le Tiroir

Kaum aus La Réunion zurückgekehrt, starteten vier Freunde ihr eigenes kulinarisches Abenteuer: Faustine Rémy, Fabien Guillaume, Mathieu Masson und Rémi Charvet lassen ihre Sicht auf die heutige Gastronomie so gut schmecken, dass Michelin das gute Preis-Leistungsverhältnis mit einem Bib Gourmand honorierte.
• 20, Grand Rue de Vaise, 69009 Lyon, Tel. 04 78 64 75 96, https://restaurant-letiroir.fr

L’Agastache

Das klare, moderne Interieur setzt die Note für die kreative saisonale Küche  von Mathieu und Benjamin, die eine große Vorliebe für Gemüse prägt. Beste Bistronomie am linken Ufer, ebenfalls ausgezeichnet mit einem Bib Gourmand.
• 134, Rue Duguesclin, 69006 Lyon, Tel. 04 78 52 30 31, www.agastache-restaurant-lyon.fr

PRaiRial

Die Küche von PRaiRiaL lässt sich von dem vielfältigen Terroir der Region Auvergne-Rhône-Alpes inspirieren. Je nach Jahreszeit und Wetterlage wechseln die Menüs.  Die Weine der Karte sind allesamt ohne Chemie, die Küche kommt ohne künstliche Hilfsmittel aus, alle Produkte sind bio oder handwerklich. PRaiRiaL gehört seit 2020 zur Auswahl „Nachhaltige Gastronomie“ im Guide Michelin und ist mit einem Stern ausgezeichnet.
• 11, Rue Chavanne, 69001 Lyon, Tel. 04 78 27 86 93, www.prairial-restaurant.fr

Café des Fédérations

Les Feds ist ein Mythos – und Yves Rivoirons der Patron des Bouchon, der es 1997 von Roland Fulchiron übernahm und seitdem die  Speisekarte mit einer Überzeugung rezitiert, die tief im Herzen verwurzelt ist.
• 9, Rue Major Martin, 69001 Lyon, Tel. 04 78 28 26 00, https://restaurant-cafedesfederations-lyon.fr

Le Garet

Zu den ältesten Bouchons der Stadt gehört Le Garet, ein lautes, lustiges Lokal, das seit 1920 die Lyoner begeistert. Am Herd steht seit 2018 Emmanuel Ferra, der zwei Jahre lang bei Bocuse Sternstunden der Haute Cuisine kreierte – und dabei Sehnsucht bekam nach Bodenständigem. Statt Gourmetkunst kocht er nun bodenständig und serviert cervelle de veau à la meunière – Kalbshirn nach Müllerin Art.
• 7, Rue du Garet, 69001 Lyon, Tel. 04 78 28 16 94

Café du Jura

Eine echte mère steht im Cafe du Jura am Herd: Brigitte Josserand. 1974, vor rund 40  Jahren, übernahm sie das Traditionslokal mit gelben Wänden, weiß eingedeckten Tischen und Holzstühlen gemeinsam mit ihrem Mann. Er stand hinter der Theke, sie wirbelte in der Küche, panierte den Rinderpansen oder füllte Geflügelleber in die Pasteten. Seit dem Tod ihres Mannes unterstützt sie ihr Sohn Benoît als chef de salle und Sommelier.
• 25, Rue Tupin, 69002 Lyon, Tel. 04 78 42 20 57, https://cafedujura.fr

Schlafen*

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Abendstimmung an der Saône. Foto: Hilke Maunder
Abendstimmung an der Saône. Foto: Hilke Maunder

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Secret Citys Frankreich*

Gemeinsam mit meinem geschätzten Kollegen Klaus Simon stelle ich in diesem Band 60 Orte in Frankreich vor, die echte Perlen abseits des touristischen Mainstreams sind. Le Malzieu in der Lozère, Langogne im Massif Central, aber auch Dax, das Frankreichs größter – und zugleich am wenigsten bekannter – Kurort  ist.

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10 Kommentare

  1. Liebe Frau Maunder,
    endlich auch einen wunderbaren bildlich und sprachlich schön formulierter Bericht zu Lyon. Was für eine herrliche Stadt, wo ich so gerne verweile, weil ich dort viele sehr nette Menschen traf, ja, wo es so vieles zu ´entdecken´ gibt. Die Natur der französischen Menschen, ihre ureigensten Bräuche, ihr Bekenntnis zur Schönheit und zum einfachen glücklichen Leben. Dort, im Stadtteil Croix-Rousse, lebt eine junge Familie, die mir sehr ans Herz gewachsen ist. Auch im nahegelegenen Außenbezirk Caluire kenne ich eine wahre Bekennerin zur deutsch-französischen Freundschaft. Danke für die erneut zahlreichen Hinweise auf die auch mir noch in Teilen verborgenen kleine Orte und szenischen Außen- wie Innenräume. Lyon ist jede Reise wert! Eine lebensfrohe Kultur, die sich auch durch allerlei historische Fakten hervorhebt.

    1. Lieber Herr Heise, ganz herzlichen Dank für Ihre wunderschönen Eindrücke – es freut mich sehr, dass es dort gerade die Menschen sind, die für Sie Lyon zu einer besonderen Stadt machen. Ich wünsche Ihnen noch viele wunderschöne Begegnungen!
      Herzliche Grüße, Hilke Maunder

  2. Liebe Hilke,
    unsere Tochter hat von 2011 bis 2016 in Lyon studiert und gelebt und bei dieser Gelegenheit haben wir Lyon kennen- und lieben gelernt! Mittlerweile ist dieser Funke auf viele Familienmitglieder, Freunde und Bekannte übergesprungen.
    Lyon ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert, im Sommer sollte man allerdings schon etwas „hitzeresistent“ sein, vor allem, wenn man Sightseeing machen möchte. Da kann man sich im „Miribel“ abkühlen ( Parc de Miribel-Jonage).
    Lyon ist wirklich unser Favorit in Frankreich und wir lassen kaum
    eine Gelegenheit zu einem Besuch aus, wenn wir zu unserem zweiten Wohnsitz in der Provence unterwegs sind.
    Absolut empfehlenswert diese schöne Stadt, nicht zu vergessen die umliegenden Dörfer der Monts d’or. Ganz nahe bei Lyon mit schönen Wander- und Spaziermöglichkeiten.
    Herzliche Grüße Gudrun

    1. Liebe Gudrun, ganz herzlichen Dank für Deine Eindrücke und Deinen Abkühl-Tipp – merci! Die Dörfer der Monts d’Or im Nordwesten von Lyon bin ich noch am Erkunden… bises! Hilke

  3. Habe 1967 mal auf Kosten der deutschen und französischen Steuerzahler als Stipendiat des Deutsch-Französischen Jugendwerks an der Uni von Lyon verbracht. Obwohl ich seit 1994 auf der Fahrt zu unserem Zweitdomizil im Languedoc dort mehrfach im Jahr vorbeifahre, war das Stück in Teilen ein schönes Kompendium all dessen, was ich seinerzeit noch im alten, dem Mitttelalter viel näheren, Zustand erlebt habe. Damals war die Kläranlage rechts der Saône im Quartier St. Jean noch lückenhaft. Mit allen olfaktorischen Kollateralzuständen… Die Autos durften da noch fahren, Poller gab es nicht – und man fand, wenn mans brauchte, in der ganzen Stadt Parkplätze. Ich wohnte fußläufig in der Av. Jean Jaures und konnte über die Pont de l’Universté per pedes täglich ins Institut in der Rue de la Charité spazieren. U-Bahn und Tram gab es damals noch nicht und der Bus war (wegen einiger Umwege auf dieser Strecke) nicht schneller. Meine Ente, die sehr gut dorthin gepasst hätte, hatte ich in Berlin gelassen – der Staat hat sogar den Flug bezahlt. Voilá.
    2018 war anlässlich einer Messe wieder mal etwas länger in Lyon und habe meinen Stamm-Bouchon aus alten Zeiten besucht. Der jetzige Patron hat sich sehr über die mitgebrachten Fotos (auf dem Smartphone) gefreut. Aus den 60er Jahren hatte er nichts in seiem Archiv und ein paar Bilder habe ich gleich vor Ort per Mail überlassen können. Eine ordentliche Portion Boudin und eine Karaffe Beaujolais waren das passende Beiwerk für einen netten Abend – nunmehr in einer Fußgängerzone gelegen. Sauber, wohl beleuchtet, ordentlich nach Döner duftend – aber ohne die Atmosphäre und Ambience der alten Tage. Wie eigentlich überall…
    Den Stau auf der A6, die ja praktisch durch die Stadt führt, kann man wunderbar über die östliche Umgehungsautobahn „Périphérique“ vermeiden. Sind ein paar Kilometer mehr, aber es geht (meistens) ohne Stau ab. Kurz vor Vienne ist man auf der A7 wieder auf dem direkten Weg in den Süden.

  4. Herzliches Dankeschön für diese hervorragend informative Reportage über diese absolut großartige Stadt Lyon. Wie immer bekommt man Appetit und möchte sofort (wieder) hinfahren. Und die besondere Art des Fotografenblicks hat mich bei „Mein Frankreich“ schon immer fasziniert. Brava!

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