Menhire & Torre – die Magie von Filitosa 4


Stellt euch ein weites Tal vor, einen alten Olivenhain mit einer großen Wiese im Herzen, umschlossen von den ersten Bergen. Dann wendet euren Blick gen Westen. Silbrig funkelt das Meer. Ein paar Boote tanzen auf den Wellen. Ihr habt das Empfangsgebäude durchschritten, seid vorbei an einem kleinen Garten einen schattigen Weg entlang gegangen… und dann:

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Eindringlich blickt euch dieses Gesicht an. Es verzieht keine Miene, ist kaum zu erkennen. Eine Maske aus Stein, mehr als 4.000 Jahre alt. Auf einer Granitsäule blickt sie alle an, die Filitosa besuchen: Das Minidorf im unteren Taravo-Tal ist Korsikas Hauptstadt der Prähistorie.

Megalither & Torreaner: kein friedliches Miteinander

Nur auf dem Cauria-Plateau, ebenfalls im Sartenais gelegen, gibt es ähnlich bedeutende Zeugnisse der Megalithkultur. Filitosa jedoch erzählt von einem Kultur-Clash der Vorzeit: korsische Megalither treffen auf eindringende Torreaner. Und unterliegen. Die Kolonialisierung der Insel – bereits vor 5000 Jahren verlief sie nicht friedlich.
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Menhire & Torre

Entdeckt wurde Filitosa 1946 von Charles-Antoine Cesari, der beim Beackern seines Geländes vier Menhirstatuen freilegte, die mit dem Gesicht nach unten im Erdreich versteckt gewesen waren. Unter Roger Grosjean, dem  Leiter des „Centre de Préhistoire Corse“, wurde ab 1954 das Gelände systematisch untersucht.

Mit seinem Team legte Grosjean auch Monumente der Torreaner frei, die um 2000 v. Chr. nach Korsika eingedrungen waren: Torre (Rundbauten), überdachte Gänge, Kammern, Brunnen und mehr. Nach Grosjeans Tod 1975 setzte das Museum von Sartène ab 1977 die Ausgrabungen fort.

Zeitreise ganz multimedial

Bis heute ist die archäologische Stätte im Besitz der Familie Cesari, die sich bis heute engagiert der  Erforschung der korsischen Frühgeschichte widmet und sie mit Audiokommentaren und Musik den Besuchern nahebringen möchte. Ab April 2017 will ein neues Museum die Geschichte von Filotosa lebendig und interaktiv vermitteln.
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Was könnt ihr in Filiosa sehen und erleben?

In der archäologischen Ausgrabungsstätte  wurde ein Rundgang angelegt, für den ihr mindestens zwei Stunden Zeit nehmen solltet. Er führt von der rund 2,5 m hohen Menhirstatue Filitosa V mit Schwert und Dolch zu Tafoni, ausgehöhlten Granitfelsen mit Felsdach, die in der Vorzeit als „abris“ dienten und als natürlicher Schutz- und Wohnstätte genutzt wurden.
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Was geschah in der Cella?

Wenige Schritte weitere sind Fundamente aus der Bronzezeit erhalten. Nur sehr wenig wissen die Archäologen über das zentrale Kultmonument. Da im Innenraum der Cella Feuerspuren gefunden wurden, gehen sie davon aus, dass dort vermutlich Opfer- und Bestattungsrituale stattgefunden haben. Auf dem Monument erheben sich die Überreste von sechs weiteren Menhirstatuen – sie sind die eigentlichen Highlights!

Rätselhaft und mystisch

Der Ort hat bis heute eine mythische Aura. Olivenbäume spenden Schatten. Ihr Blätterdach filtert die Sonnenstrahlen, die auf dem Granit tanzen. Hier und da haben Flechten den Fels überzogen.

Das Westmonument gleich einem Labyrinth aus Gängen und Kammern, behauenen Steinen und Fels, der mit in den Bau integriert wurden. Wilde Alpenveilchen blühen in Felsnischen, Kinder und Erwachsene klettern über die Steine.
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Der Ring der Olive

Ein schmaler Fußweg führt den Hügel hinab, überquert den Barcajolo-Bach und leitet zu einem uralten Olivenbaum, den ein Ring der ersten Menhirstatuen, die in Filitosa gefunden wurden. Anfangs deuteten ihre Künstler nur die Umrisse von Schultern, Hals und Kopf an.

Später dominierte ein schematisches Antlitz mit Augen, Nase, Mund und Kinn. Ursprünglich waren die Menhirstatuen vermutlich auch nicht nackterStein, sondern mit Hämatit rot bemalt.
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Der unbewegliche Dinosaurier

Dahinter ragt aus einem Felschaos „le dinosaure“ empor – ein bizarr erodierter Fels, in dem man mit etwas Fantasie tatsächlich dieses Urviech erkennen könnt.

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Der Rundgang endet am neuen Museum, das im April 2017 eröffnen wird. Wer mehr über Filitosa erfahren will, sollte sich am Ticketschalter den kleinen Führer zur Ausgrabungsstätte holen, den es auch in deutscher Übersetzung gibt.

Mittags am eindrucksvollsten!

Nach dem Besuch der Anlage könnt ihr euch in einer Café-Bar stärken, die sich direkt neben dem Ausgang befindet. Beste Besuchszeit ist mittags – dann könnt ihr die in den Stein gemeißelten Strukturen – Gesichter und Waffen – dank der hoch stehenden Sonne am besten erkennen.

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Filitosa: meine Reisetipps

Hinkommen

Die Ausgrabungsstätte liegt an der D57. Am besten erreicht ihr sie von Propriano aus – von dort startet Philippe von Taxi Tours im Peugeot 807 (6 Pers.) und VW Caravelle (8 Pers.) zu individuellen Ausflügen nach Filitosa.

Schlemmen

Le Frère

Küchenchef Henri Abbatucci serviert nur, was seine Brüder liefern. Bauer Jacques Abbatucci lässt seine Rinder halbwild in der Macchia weiden (http://vachetigre.com); gleich neben dem Restaurant gedeihen die köstlichen Bioweine der Domaine Comte Abbatucci.
• Domaine Kiesale, Pont de Calzola (zwischen Pila Canale und Sollacaro), 20140 Casalabriva, Tel. 04 95 24 36 30, www.restaurantlefrere.com

Lesen, gucken, träumen

f_jenny-koch_gebrauchsanweisung-fu%cc%88r-korsikaGebrauchsanweisung für Korsika

33 Sommer hat Jenny Hoch auf der Insel verbracht, doch erst jetzt, da sie da quasi lebt, wird sie langsam ovn den Einheimischen ins Herz geschlossen und integriert. Gerade diese persönlichen Erfahrenungen machen den Reiz dieser Taschenbuchreihe im Piper-Verlag aus – und Jenny Hoch hat sie hintergründig wie humorvoll zu Papier gebracht. Dazu noch ein paar Daten und Fakten: ein perfekter Einstieg, um sich mit der Insel zu beschäftigen. Besser kann keine Reiseplanung beginnen!
Piper Verlag 2014, ISBN 978-3-492-27640-5, 14,99 Euro, www.piper.de

f_film_das-haus-auf-korsikaDas Haus auf Korsika

Mit wenig Geld und Aufwand hat Pierre Duculot  2011 einen meiner Lieblingsfilme gedreht, die Geschichte eines Ausbruchs, Sich-Finden, die Rückkehr zu den Wurzeln. Und eine Geschichte des Mutes. Ausgelöst durch die Erbschaft eines Hauses, das Christina erbt. Die Hauptfigur, fast 30, lebt seit zehn Jahren mit ihrem Freund zusammen, jobbt in der Pizzeria ihres Schwiegervaters, überlebt im belgischen Charleroi. Ein eigenes Leben nach ihren Vorstellungen? Das ist ein Luxus, den sie sich nicht leisten kann. Und mit der Erbschaft doch wagt. Sie macht auf den Weg in den Süden. Und verliebt sich – in die geerbte Bruchbude, die Insel, einen neuen Mann.

Reiseführer für Entdecker

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Der freie Reisejournalist Marcus X. Schmid hat für alle, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind, den besten Reisebegleiter verfasst: sachlich, mit viel Hintergrund, Insiderwissen und Tipps, und doch mitunter sehr unterhaltsam und humorvoll. Kann ich aus ganzem Herzen empfehlen (und nein, keine gesponserte Werbung!). Der gebürtige Schweizer, Jahrgang 1950, hat in Basel,Erlangen und im damaligen Westberlin Germanistik, Komparatistik und Politologie studiert und lebt heute als Autor und Übersetzer in der französischsprachigen Schweiz. Ebenfalls im Michael-Müller-Verlag sind von Schmid die Reiseführer „Bretagne“ und „Südfrankreich“ erschienen sowie Führer zu italienischen Destinationen.

Marcus X. Schmid, Korsika. Michael Müller Verlag, 11. Auflage 2015, www.michael-mueller-verlag.de.


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4 Gedanken zu “Menhire & Torre – die Magie von Filitosa

  • Jörg HARTWIG

    Wer tiefer in die Geheimnisse Korsikas eindringen möchte und gut Englisch spricht sollte unbedingt das Buch „Granite Island: A Portrait of Corsica“ lesen. Dorothy Carrington, die Ende Januar 2002 in Ajaccio verstarb, veröffentlichte es 1971 erstmalig. Es gibt eine Neuauflage von 2008. Der Verlag sagt über das Buch: ‚Get away from here before you’re completely bewitched and enslaved…‘ Dorothy Carrington was told, while sitting in a fisherman’s cafe at the magically quiet midday hour. But enslaved she was. „Granite Island“, much more than a travel book, grew out of years spent in Corsica and is an incomparably vivid and delightful portrait. For the first time Corsica is brought to light as a vital element in Europe: a highly individualistic island culture whose people have nurtured their love of freedom and political justice, as well as their pride, hospitality and poetry.