Der wilde Charme der Grande Brière

Grande Brière. Ile de Fédrun: Bootsanlegestelle für die Kähne der Bewohner, mit denen auch Besucher durch das Sumpfgebiet geführt werden. Foto: Hilke Maunder
Die Bootsanlegestelle von L'ÎLe de Fédrun für die Kähne der Bewohner, mit denen auch Besucher durch das Sumpfgebiet geführt werden. Foto: Hilke Maunder

„Eine wilde Sumpflandschaft, erfüllt vom Schweigen der Menschen und dem Gesang der Vögel“,

so beschrieb Alphonse de Châteaubriant in seinem 1923 erschienenen Roman La Brière* („Schwarzes  Land“) die zweitgrößte Moorlandschaft Frankreichs.

Sie erstreckt sich bis heute auf 6.700  ha zwischen den Mündungen von Loire und Vilaine. Um Flora und Fauna zu schützen und naturnahen Tourismus zu fördern, werden seit 1970 rund 4.000 ha als regionaler Naturpark Parc Naturel Régional de la Brière geschützt.

Grande Brière. Ile de Fédrun: Bootsanlegestelle für die Kähne der Bewohner, mit denen auch Besucher durch das Sumpfgebiet geführt werden. Foto: Hilke Maunder
Grande Brière. Ile de Fédrun: Bootsanlegestelle für die Kähne der Bewohner, mit denen auch Besucher durch das Sumpfgebiet geführt werden. Foto: Hilke Maunder

Versteckte Urlandschaft

Von den Straßen, die rund um das Moorbecken führen, ist von der Schönheit dieser Urlandschaft kaum etwas zu erkennen. Sie lässt sich nur per Boot entdecken. Kleine Schilder weisen auf die Liegeplätze hin, die sich hinter den Häusern der Weiler verstecken oder plötzlich an einer Straße, die im Nichts zu enden scheint, auftun.

Dunkelgrün oder schwarz gestrichen, warten dort chalands, schmale Boote mit Außenbordmotor auf euch. Oder blins, flache Kähne, mit denen ihr mit einer langen Stange durch den Kanal gestakt werdet.

Grande Brière. Ile de Fédrun: Bootsanlegestelle für die Kähne der Bewohner, mit denen auch Besucher durch das Sumpfgebiet geführt werden. Foto: Hilke Maunder
Grande Brière. Ile de Fédrun: Bootsanlegestelle für die Kähne der Bewohner, mit denen auch Besucher durch das Sumpfgebiet geführt werden. Foto: Hilke Maunder

Von der Moderne bedroht

Seitdem der Torf jedoch nicht mehr regelmäßig gestochen, das Schilf nicht mehr geschnitten wird, drohen die Sumpf- und Wasserflächen, die nirgends tiefer als 70 cm sind, auszutrocknen. Die ersten traditionellen Verbindungswege sind bereits völlig zugewuchert.

In den alten Dörfern der Torfstecher verdrängen moderne Eigenheime die reetgedeckten chaumières, und statt ins Moor fahren die Brièrons heute zur Arbeit bis nach Nantes.

Grande Brière: Kerhinet. Das ganze Dorf ist restauriert und heute Freilichtmuseum. Foto: Hilke Maunder
Kerhinet. Das ganze Dorf ist restauriert und heute Freilichtmuseum. Foto: Hilke Maunder

Diese Orte müsst ihr sehen!

Größter Ort der Brière ist Saint-Joachim mit rund 4.000 Einwohnern. Ende des 19. Jh.s entstand hier eine Manufaktur, in der Frauen Orangenblüten für den traditionellen Brautschmuck anfertigten. Im Haus der Braut (Maison de la Mariée; Haus Nr. 130) von Île de Fédrun ist eine originelle Brautschmucksammlung zu sehen.

Erhalten ist in Île de Fédrun auch noch die traditionell runde Anlage eines Brière-Dorfes erhalten mit den typischen chaumières, meist weiß gekalkte Katen, zu beiden Seiten der Straße.

Sie verdecken den Blick auf die levée, die Obst- und Gemüsegärten, die an den Kanal stoßen. Jedes Haus hat an der curée, die die Inseln ringförmig umschließt, seinen eigenen Bootssteg. Das vor Überschwemmungen geschützte Ackerland im Innern der Insel heißt gagnerie.

Grande Brière: Kerhinet. Das ganze Dorf ist restauriert und heute Freilichtmuseum. Foto: Hilke Maunder
Kerhinet: Diese chaumière setzt mit roten Fensterläden Akzente zum Feldstein und Efeu. Foto: Hilke Maunder

Im Besitz der Bewohner

Einzigartig wie die Landschaft und die Ortsanlage ist bis heute der rechtliche Status der Brière. 1461 verfügte der bretonische Herzog  in der Charte de la Brière, dass die Grande Brière auf alle Zeiten gemeinsames, unteilbares und unveräußerliches Eigentum der Bewohner der kleinen Gemeinden sei.

Grande Brière: Kerhinet. Das ganze Dorf ist restauriert und heute Freilichtmuseum. Foto: Hilke Maunder
Die  meisten chaumières der Grande Brière sind weiß verputzt. Foto: Hilke Maunder

Dabei blieb es auch, nachdem die Bretagne zunächst im Königreich und später in der Republik aufging. Noch heute wird das Moorland von einem Syndikat verwaltet, das aus den Vertretern aller 21 Gemeinden besteht und u.a. den Wasserstandsausgleich für das Weideland über ein Schleusensystem zur Loire regelt.

Grande Brière: Kerhinet. Das ganze Dorf ist restauriert und heute Freilichtmuseum. Foto: Hilke Maunder
Kerhinet: Das ganze Dorf ist restauriert und heute Freilichtmuseum. Foto: Hilke Maunder

Grande Brière: meine Reisetipps

Rundfahrt

Eine 85 km lange, markierte Rundfahrt beginnt im Südosten und führt im großen Kreis gegen den Uhrzeigersinn einmal um das Sumpfgebiet. Info: Maison du Tourisme de la Brière, 38, rue de la Brière, F – 44410 Chapelle-des-Marais, Tel. 02 40 66 85 01, www.parc-naturel-briere.fr

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