Grotte de Lombrives: Europas größte Höhle

Der unterirdische See von Lombrives. Foto: Hilke Maunder
Der unterirdische See von Lombrives. Foto: Hilke Maunder

Deep Time! Diese Expedition hatte Lombrives in aller Welt bekannt gemacht. 40 Tage lang hatten sich 15 Freiwillige in der Grotte de Lombrives im Département Ariège eingeschlossen.

Die Höhle in der Übersicht. Foto: Hilke Maunder
Die Höhle in der Übersicht. Foto: Hilke Maunder

Die Höhle bei Ussat-les-Bains ist eine der größten und faszinierendsten Höhlen Europas. Sie befindet sich nicht im Talboden der Ariège, sondern hoch am Hang des Cap de la Lesse-Massivs. Vom Kassenhäuschen rattert ein Minizug 1,4 Kilometer lang den Hang hinauf zum Eingang der Höhle.

Das Kassenhäuschen ist zugleich ein kleiner Laden mit lokalen Erzeugnissen. Foto: Hilke Maunder
Das Kassenhäuschen ist zugleich ein kleiner Laden mit lokalen Erzeugnissen. Foto: Hilke Maunder

Vom Gletscher geformt

„Es war kein Fluss, sondern ein Gletscher, der die 14 Kilometer lange Höhle geformt hat“, sagt Michel Birebent. Der hoch aufgeschossene Franzose führt seit vielen Jahren Besucher durch die Höhle. Und ist dabei immer wieder von ihr so begeistert, dass er – wie die Teilnehmer von Deep Time – dabei völlig das Zeitgefühl verliert.

Wunderwelt im Berg: die Grotte von Lombrives. Foto: Hilke Maunder
Wunderwelt im Berg: die Grotte von Lombrives. Foto: Hilke Maunder

Statt der geplanten zwei Stunden liefen wir fast doppelt so lange durch die größte Höhle Europas. Sie birgt eine Wunderwelt aus Stein in XXL: mit riesigen Galerien, riesigen Stalaktiten und Stalagmiten und einem See mit geheimnisvollen Wellen und unvergleichlichen Farben. Ungewöhnlich ist auch La Carène. 600 Meter lang ist diese Galerie. Ihre Form ähnelt einem umgedrehten Bootsrumpf.

<em>La Carène</em>. Foto: Hilke Maunder
La Carène. Foto: Hilke Maunder

Konzertsaal unter Tage

Der größte Saal der rund 20 Säle ist La Cathédrale: 50 Meter breit, 80 Meter lang und fast 100 Meter hoch ist dieses Kirchenschiff aus Stein. Seine Akustik ist perfekt – und macht La Cathédrale zum beliebten Konzertsaal.

Der Zugang zu <em>La Cathédrale</em>Foto: Hilke Maunder
Der Zugang zu La Cathédrale. Foto: Hilke Maunder

1929 spielte Pierre Ducis mit dem Orchestre du Capitole aus Toulouse „Fausts Verdamnis“ von Berlioz auf. Spaniens König Alfons XIII. wohnte damals der Aufführung bei. Die imposante Stahltreppe des Kathedralsaals schuf ein Mann, der auch beim Eiffelturm als Ingenieur tätig gewesen war: Raoul Perpère.

<em>La Cathédrale</em>Foto: Hilke Maunder
La Cathédrale. Foto: Hilke Maunder

Banditen und Geldfälscher

Der größte Saal der Höhle war auch ein beliebtes Versteck von Banditen. Im 19. Jahrhundert wollte der Colonel de Beaumont diesem Treiben ein Ende setzen. Er schickte daher Soldaten in die Höhle. Um in den Kathedralsaal zu gelangen, mussten seine Männer jedoch einen sehr engen Durchgang bewältigen und sich zwischen Felsbrocken hindurchzwängen.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Dies nutzten die Räuber. Sie warteten mit einer Axt hinter den Steinen und schlugen jedem einzelnen den Kopf ab. Seitdem heißt dieses Wegstück Passage du Crime. Ihre bizarren Felsformationen haben die Fantasie der Menschen seit Jahrtausenden inspiriert. Das sanfte Tröpfeln auf steten Stein hat ein riesiges Mammut geschaffen, eine Hexe entstehen lassen – und Pyrene ein Grab geformt.

Die Legende von Pyrène

Das Grab von Pyrène. Foto: Hilke Maunder
Das Grab von Pyrene. Foto: Hilke Maunder

Pyrene war die Tochter des Königs der Bekryden und wurde von vielen Fürsten umworben. Doch keiner fand Gnade vor ihren Augen, bis eines Sommers Herkules, der Sohn des Zeus, in ihr Reich kam. Herkules wurde als Held empfangen und zu einem üppigen Festmahl eingeladen, bei dem er von seinen Abenteuern berichtete. Pyrene war sofort von diesem außergewöhnlichen Mann begeistert.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Und auch Herkules war dem Charme dieses schönen blonden Mädchens erlegen. Sie beschlossen, ihre Liebe geheim zu halten und genossen zärtlich den Sommer. Als die ersten Gewitter den Herbst ankündigten, wartete Herkules auf einem Felsen auf Pyrene.

Da erregte ein Schwarm Wildgänse, der in Richtung Heimat flog, plötzlich seine Aufmerksamkeit. „Das ist ein Omen, ich muss gehen“, sagte er zu sich selbst. Als Pyrene an ihrem Treffpunkt ankam, merkte sie, dass Herkules fortgegangen war – und begann nach ihm zu suchen.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Unglückliche Liebe

Sie kletterte über Hügel, durchquerte Sümpfe und hielt nur an, um zu trinken und zu weinen. Als ihr klar wurde, dass sie ihn nie einholen würde, legte sie sich schließlich ins Gras. Erschöpft von der Kälte und dem Hunger ließ sie schließlich den Stock fallen, mit dem sie die Wölfe auf Distanz gehalten hatte, und schrie ein letztes Mal aus Trauer.

Als Herkules ihren Schrei hörte, wurde ihm plötzlich bewusst, dass Pyrene in Gefahr war. Er kehrte um. Nachdem er jeden Winkel des Waldes abgesucht hatte, entdeckte er schließlich den leblosen Körper seiner Geliebten.

Vor Wut und Schmerz legte er den Körper seiner Geliebten auf ein Bett aus Blumen und Blättern und beschloss, ihr ein Grab zu bauen, das ihrer Liebe gerecht werden sollte. Zum Abschied soll er diese Worte gesprochen haben: „Damit dein Name, meine liebe Pyrene, den Menschen für immer erhalten bleibt, sollen diese Berge, in denen du für die Ewigkeit schläfst, die Pyrenäen heißen.“

Foto: Hilke Maunder
Immer wieder überrascht die Höhle mit neuen, bizarren Formen in Stein. Foto: Hilke Maunder

Zuflucht seit Jahrtausenden

Die Höhle von Lombrives wurde nie offiziell entdeckt, sondern war seit Urzeiten den Menschen bekannt. Bereits die Magdaléniens haben dort um 16.000 v. Chr. ihre Spuren hinterlassen.

In der Bronzezeit diente sie als Begräbnisstätte, im Mittelalter den Katharer als sicherer wie heiliger Ort. Während Religionskriegen und Revolutionen, Weltkriegen und vielen anderen Wirren war Lombrives ein Zufluchtsort.

Das Mammut. Foto: Hilke Maunder
Das Mammut. Foto: Hilke Maunder

Auch davon erzählen die Wände, die mit zahlreichen Unterschriften und rätselhaften Zeichen verziert sind, von denen einige aus dem 12. Jahrhundert stammen. Sie verraten auch, dass König Heinrich IV. 1578 die Höhle besucht haben soll. Auch Hinweise auf Hugenotten, die sich in Lombrives versteckt hatten, geben die Graffiti. 3600 Schriftzüge werden derzeit noch studiert.

Seit Jahrtausenden haben Menschen in der Grotte von Lombrives ihre Zeichen hinterlassen. Foto: Hilke Maunder
Seit Jahrtausenden haben Menschen in der Grotte von Lombrives ihre Zeichen hinterlassen. Foto: Hilke Maunder

Ab 1822 begannen die Ausgrabungen. Sie holten intakte menschliche Schädel, Tierknochen und Töpferwaren aus vergangenen Zeiten aus dem Höhlenboden.

Bei den Erkundungen des Gangsystems fanden die Forscher auch eine Verbindung zur Welterbe-Höhle von Niaux. Diese Verbindung ist heute zum Schutz der prähistorischen Kunst gesperrt.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Grottes de Lombrives: meine Reisetipps

Die Höhle

• 09400 Ussat-les-Bains, Tel. 06 49 44 45 00, www.grottedelombrives.com

Kostenloser, unbewachter Parkplatz an der N20. Markierter Weg vorbei an denen ehemaligen Thermen und einfachem Toilettenhäuschen hinauf zum Kassenhäuschen mit kleinem Shop. Im Angebot: Lokale Spezialitäten wie Honig, Bier, Seife sowie Kuscheltiere. Verschiedene Höhlentouren; klassischer Rundgang ca. 2 km, 174 Stufen.

Schlemmen und schlafen

Maison Beaucoup

Franck Oberdorff beim Marmelade kochen. Foto: Hilke Maunder
Franck Oberdorff beim Marmelade kochen. Foto: Hilke Maunder

Franck Oberdorff (Jg. 1968) und sein Mann Luc, Modeprof aus Toulouse, haben gemeinsam das einstige Presbyterium (1870) neben der Pfarrkirche Saint-Martial in eine Genuss-Oase verwandelt –mit drei stylish-nostalgischen Gästezimmern und bester Marktküche in zwei kleinen Speisesälen.

Seeteufel-Bäckchen mit Süßkartoffelpürée. Foto: Hilke Maunder
Seeteufel-Bäckchen mit Süßkartoffelpüree und Risotto. Foto: Hilke Maunder
Eines der beiden Speisezimmer. Foto: Hilke Maunder
Eines der beiden Speisezimmer. Foto: Hilke Maunder

In der Küche stellt Franck in Kupferkesseln ganz handwerklich köstliche Konfitüren her!
• 73, Rue Principale, 09310 Les Cabannes, Tel. mobil 06 88 67 16 31, http://beaucoup.fr

Ein Zimmer der Maison Beaucoup Foto: Hilke Maunder
Ein Zimmer der Maison Beaucoup Foto: Hilke Maunder

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Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

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