Postkarte vom …. Mont-Saint-Michel

Der Mont-Saint-Michel ragt majestätisch am Horizont jenseits der Weiden auf, auf den Salzlämmer und Kühe weiden. Foto: Hilke Maunder
Der Mont-Saint-Michel ragt majestätisch am Horizont jenseits der Weiden auf, auf den Salzlämmer und Kühe weiden. Foto: Hilke Maunder

Silbern bedeckt das Meer die Couesnon-Bucht. Im Dunst erhebt sich, „unglaublich fremd und schön, wie ein Traumpalast“, der Mont-Saint-Michel. Von ihm schwärmte bereits Guy de Maupaussant.  

Der Klosterberg gilt als Wunder des Abendlandes. Er  ist ein UNESCO-Weltkulturerbe, französisches Nationaldenkmal und Mini-Dorf mit rund 40 Einwohnern. Majestätisch und mystisch taucht der Bergkegel aus dem Meer auf, und begeistert alljährlich mehr als eine Million Besucher.

Himmlische Schönheit der Mont-Saint-Michel. Foto. Hilke Maunder

Mont-Saint-Michel für alle Sinne

Seit mehr als 1000 Jahren strömen Pilger in die Klosteranlage. Vorbei an den Platzhirschen La Mère Poulard und L’Auberge Saint-Pierre drängen sie die Grande Rue hinauf bis zur Abtei mit den Reliquien von Erzengel Michael, der an der höchsten Stelle des Klosterberges thront.

Schauplatz abendlicher Kultur und Kunst. die Abtei des Mont-Saint-Michel. Foto: Hilke Maunder

Im Sommer verwandelt sich die Abtei nachts in einen faszinierenden Kultur- und Klangraum bei den Promenades Nocturnes.Bei den abendlichen Spaziergängen durch die Abtei setzen klassische Musik von Solisten am Cello und der Harfe, Videoinstallationen und stimmungsvolle Lichtspiele die Klosterräume völlig neu und faszinierend anders in Szene.

Lichterspiele, Klanginstallationen, Harfenmusik und Tuschezeichnungen . Die Nocturnes am Mont-Saint-Michel inszenieren Kunst und Kultur kreativ und überraschend. Foto: Hilke Maunder

Dann werden sie wieder lebendig, die alten Pilgerzeiten, als nur die eigenen Füße den Gläubigen durchs trügerische Watt zur Gottesburg trugen.Weit geht der Blick durch die Bögen des Kreuzgangs oder von der Westterrasse Richtung Sonnenuntergang.

Das gesamte Kloster ist Bühne der Nocturnes. Foto. Hilke Maunder

Und dann klingen die alten Legenden gar nicht so unwahrscheinlich, wonach der Erzengel Michael dem Bischof Aubert von Avranches den himmlischen Auftrag erteilt hat, eine Kapelle auf dem Berg mitten im Meer zu errichten – im Jahr 708.

Die Abteikirche des Mont-Saint-Michel. Foto: Hilke Maunder

Himmlischer Auftrag

Bischof Aubert von Avranches war kein leichtgläubiger Mann. Als ihm im Jahr 708 der Erzengel Gabriel im Traum erschein, tat er dies zuerst als Sinnestäuschung ab. Doch der Himmelsbote wiederholte in einer der folgenden Nächte seine bedeutende Botschaft an den Bischof recht eindrücklich.

Im Kreuzgang der Abtei des Mont-Saint-Michel. Foto: Hilke Maunder

Er tippte dem Gottesmann so unsanft an die Stirn, das jene ungewöhnliche Einbuchtung in der Schädeldecke zurück blieb, die heute in Avranches als Reliquie verehrt wird.

Das Kirchenschiff der Abteikirche. Foto: Hilke Maunder

Der Erzengel Gabriel, so erzählt die Legende, soll Bischof Aubert den himmlischen Auftrag erteilt haben, eine Kirche mitten im Meer zu errichten – auf dem Mont Tombe. 78 Meter hoch ragt der kreisrunde Granitkegel mit 900 Meter Umfang aus den Fluten des Atlantiks.

Der Eingang zur Abteikirche des Mont-Saint-Michel. Foto: Hilke Maunder

Schwieriges Bauvorhaben

Der Bau der Klosteranlage, die sich Laufe der Jahrhunderte zu einer der mächtigsten Abteien Europas heran wuchs, brachte ungeahnte Probleme mit: ein steiles Gefälle und schwierige Bodenverhältnisse. Nur langsam, in vielen Etappen, gedieh der Bau.

Die Abtei des Mont-Saint-Michel. Foto: Hilke Maunder

So gleicht der Aufstieg einem Spaziergang durch die mittelalterliche Architektur: vom karolingischen Stil des 10. Jahrhunderts über einen labyrinthartigen Komplex aus massiger Romanik bis zur himmelstürmender Flamboyantgotik des Klosters La Merveille, das mit sechs Sälen auf drei Etagen am Hang hängt.

Ungeheuer beeindruckend, wie im Mittelalter die Abtei auf den Fels gesetzt wurde! Foto: Hilke Maunder

Dicht an dicht drängen sich die Gebäude und Türme  gleich einer „Pyramide im Meer“, wie Victor Hugo es formulierte. Die wertvollen Manuskripte der Abtei Mont-Saint-Michel zeigt heute das  Scriptorial von Avranches.

Mère Poulard: Die Auberge ist eine Institution am Klosterberg. Foto: Hilke Maunder

Neben der Seelsorge kam auch das leibliche Wohl nicht zu kurz, wie Refektorium, Gästesaal und Vorratskammer der Klosteranlage beweisen. Ab 1888 beköstigte „La Mère Poulard“ in der Grande Rue die Pilger mit köstlichen Omeletts.

Heute ist die einfache Auberge selbst eine Institution, berühmt wie der Klosterberg. Die Sterneküche hat ihren Preis. Die berühmten Kekse von Mutter Poulard sind hingegen eine erschwingliche Köstlichkeit.

In der Küche von Mère Poulard. Foto: Hilke Maunder

Der Streit der Platzhirsche

Der Mont-Saint-Michel bedeutet big business. Die beiden Platzhirsche, die Hotellerie und Gastronomie entlang der Grande Rue dominieren, heißen Eric Vannier und Jean-Yves Vételé.

Vannier, 1952 auf dem Klosterberg geboren und bereits vier Mal an die Spitze der Minikommune von 100 Einwohner gewählt, gehören neben dem Imperium von Mère Poulard. Weltweit ist es berühmt für seine Omelettes und seine Butterkekse. Doch ihm gehören noch 25 andere Unternehmen innerhalb der Festungsmauern und in La Caserne: Hotels, Restaurants, Souvenirshops und zwei Museen.

Vom Wehrgang aus seht ihr auch diese kleine Crêperie am Mont-Saint-Michel. Foto: Hilke Maunder

Die Streithähne

Sein Rivale Jean-Yves Vételé ist Herrscher über Sodétour. Dazu gehören sechs Hotels der Kette Les Portes du Mont, der Camping Haliotis in Pontorson und ein Supermarkt.  Jahrelang stritten die Platzhirsche Vannier und Vétéle, wer mehr von dem geänderten Zugang zum Berg profitiert.

Beide strebten eine klare Nord-Südteilung des touristischen Geschäften an. Und das bereits von La Caserne aus, Standort der Großparkplätze und Startpunkt des Shuttle.

Der lachende Dritte

Nostalgisch drinnen wie draußen: die Auberge Saint-Pierre. Foto: Hilke Maunder

Darüber freute sich der Dritte im Bunde, der ehemalige Bürgermeister Claude Gaulois. Aus seiner Familie führen Christine und Mathieu Gaulois mit der Auberge St-Pierre den traditionsreichsten Konkurrenten von Mère Poulard an der Grande Rue.

Der Speisesaal der Auberge Saint-Pierre. Foto: Hilke Maunder

In der Hochsaison kann man kaum empfehlen, bei einem von ihnen zu logieren. Zwar betreiben alle drei Herbergen voller Historie. Doch die Kammern sind winzig. Und liegen mitten im touristischen Trubel. Zu laut dring der Lärm der engen Gasse durch die einfachverglasten Fenster der Traditionsherbergen. Im Herbst jedoch ist es  jedoch ein Hochgenuss – und kein unglaublich überteuerter Luxus mehr.

Rauf auf die Remparts!

Ein Bollwerk des Glaubens: der Mont-Saint-Michel. Foto: Hilke Maunder

Nach dem nächtlichen Besuch der „Merveille“ muss ich auch bei jedem Besuch hinauf auf die Remparts und einen Spaziergang auf dem Wehrgang des stark befestigten Klosterberges machen.

Blick von den Abteigärten auf das Dorf im Schatten des Klosters. Fot

Die Lage der der Mündung des Couesnan, Grenzfluss zwischen der Normandie und der Bretagne, machte den Mont Saint-Michel zu einem strategisch wichtigen Grenzposten.

Beim Baubeginn lag der Klosterberg noch in der Bretagne. Doch der kleine Fluss Couesnon verschob ihn in die Normandie. Der Volksmund sagt dazu:

Le Couesnon dans sa folie
a mis le Mont en Normandie

Aussichtswege: die Wehrgänge des Klosterberges. Foto: Hilke Maunder

Im 100-Jährigen Krieg erhielt er als Antwort auf die Angriffe der Engländer mächtige Befestigungsmauern und -türme. Vom Bollwerk eröffnen sich immer wieder neue Ausblicke auf die weite Bucht und die Salzmarschen, auf denen Schafe und Kühe grasen.

Besonders gut ist der Blick vom Nordturm, von dem ihr den Felsen von Tombelaine erkennen könnt. Hinauf kommt ihr von den Zuwegen an der Grande Rue oder gleich beim Turm am Eingang zum Klosterberg.

Langsam zieht sich das Wasser zurück und legt das Watt frei. Foto: Hilke Maunder

Raus ins Watt!

Wer am Mont-Saint-Michel nicht die von Souvenirshops, Lokalen und Imbissen gesäumte Grande Rue Richtung Abtei hinauf bummelt, sondern nach dem Eingangstor seine Schritte nach links lenkt, erreicht an der Tour Gabriel eine kopfsteingepflasterte Rampe hinunter zum Meeresboden.

Auf dieser Rampe gehts hinab zum Watt. Foto: Hilke Maunder

Die Ebbe legt ein traumhaft schönes Terrain zum Spaziergehen frei – ein festes Sandwatt, durchzogen von feinen Rippen, die das Meer bei seinem Rückzug hinterlassen hat.

Die Tour Gabriel entstand im 16. Jahrhundert im Auftrag von Gabriel du Puy. Der Wehrturm verteidigte die Westseite. Seine Kanonen, die auf drei Stockwerken angeordnet waren, konnten durch nach außen aufgeweitete Schießscharten in alle Richtungen feuern. Foto: Hilke Maunder

Ein Revier zum Barfußlaufen, in dem nur sehr selten scharfe Muschelkanten heraus  schauen, einsam und weit, das einlädt, bis an den Horizont zu laufen… wäre da nicht die Flut, die stets pünktlich erst die Priele, dann das Watt überspült… und das blitzschnell.

Was für eine himmlische Weite und Stille! Foto: Hilke Maunder

Besonders schön ist der Spaziergang auf dem Meeresboden bei einer Grande Marée, einer Springflut. Die Tiden sind dann stärker als sonst – die Flut ist höher, und bei Ebbe zieht sich das Watt noch weiter zurück als sonst. Genießt die Impressionen aus dem Wunderwatt mit der Chapelle St-Aubert, die dem Gründer des Mont St-Michel gewidmet ist.

Stundenlang könnt ihr durch das Watt laufen – und vom Klosterberg zurück an Land. Foto: Hilke Maunder

Der Klosterberg im Laufschritt

Sport und Sightseeing verbindet seit 1997 der internationale Mont-Saint-Michel-Marathon. Nach dem Start in Cancale säumt die 42,195 Kilometer lange Strecke die weite Bucht Baie Mont-St-Michel, ehe sie hinter Chapelle St-Anne bei Kilometer 25 ins Hinterland abbiegt und dem Lauf des Couesnon zum Mont-St-Michel folgt.
• Association du Marathon de la Baie du Mont Saint Michel, 16, rue du Général Leclerc, F – 35260 Cancale, Tel. 02 99 89 54 54, www.runinmontsaintmichel.com

Kunst, ausgestellt bei den Nocturnes. Foto: Hilke Maunder

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Hier und da sind Ferngläser aufgestellt, um die Küste und das Meer näher zu holen. Foto: Hilke Maunder
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