Königliche Plätze in Paris: Place de la Concorde

Paris: Place de la Concorde, nachts. Foto: Hilke Maunder
Die Place de la Concorde bei Nacht. Foto: Hilke Maunder

479 Plätze gibt es in Paris. Doch nur fünf davon sind “königliche Plätze”: die Place des Vosges (der älteste), des Victoires, Dauphine, Vendôme und de la Concorde – der größte Pariser Platz. Und blutrünstigste.  

Wo am 14. Juli beim Nationalfeiertag getanzt und sich in der Weihnachtszeit das Riesenrad Grande Roue de Paris dreht, wurden in den Revolutionsjahren 1.300 Menschen geköpft.

Bereits die Architektur ist anders: Während die anderen vier königlichen Plätze von Paris Gebäudeensembles einrahmen, präsentiert sich die Place de la Concorde weit und offen. Mit einer Fläche von 8,6 Hektar ist sie der größte Platz von Paris und wird in Frankreich nur von der Place des Quinconces in Bordeaux übertroffen.

Auf der historischen Achse

Angelegt wurde der Platz im Schnittpunkt der Achsen Louvre – Triumphbogen und MadeleinePalais Bourbon in den Jahren 1755/6 von Jacques-Ange Gabriel als Bühne der Monarchie. Er sollte dem zentralen Reiterstandbild von Ludwig XV. einen würdigen Rahmen verleihen. Damals hieß die achteckige Anlage Place Louis XV. Je nach den Machtverhältnissen jedoch wechselten später die Namen.

Schmuckvoll: die Leuchten der Place de la Concorde. Foto: Hilke Maunder
Schmuckvoll: die Leuchten der Place de la Concorde. Foto: Hilke Maunder

Familienfest an der Guillotine

Ab 1793 hieß sie Place de la Révolution – und war Standort der Guillotine, die schräg gegenüber des heutigen Hôtel Crillon aufgestellt war.

Zu den mehr als 1300 Feinden des Umsturzes, die hier geköpft wurden, gehörten Ludwig XVI. und seine Gemahlin Marie-Antoinette, Madame du Barry, Charlotte Corday, Danton sowie Robespierre und seine Anhänger.

Berühmt wurde der legendäre Satz, den Madame Philipon Marie Jeanne Roland (1754 – 1795), Schriftstellerin und Sympathisantin der Girondisten, auf dem Schafott tat:.

Freiheit, welche Verbrechen werden in Deinem Namen begangen.

Die Hinrichtungen waren ein Spektakel, das die Pariser in Massen anlockte. Lieder und Gedichte verherrlichten sie. Auf der Place de la Concorde herrschte Volksfeststimmung. Kinder brachten ihre Mini-Guillotine als Spielzeug mit und köpften mit Begeisterung Puppen und Plüschtiere.

Der Andrang war schließlich so groß, dass für Sitzplätze Eintritt erhoben wurde. Kostenlos, aber begehrt, waren die Plätze auf den Mauern der Tuilerien. Nach der Hinrichtung traf man sich zum Essen und Trinken im nahen Bistro Cabaret de la Guillotine.

Von der Reiterstatue zur Stele

Während der Revolution wurde die Reiterstatue zerstört. Sie machte einer monumentalen Siegessäule Platz, welche später Bürgerkönig Louis Philippe ein Dorn im Auge war. Er verfügte, sie durch ein neutrales Denkmal zu ersetzten.

Und wählte eine Steinsäule, die ihm im Jahr zuvor der ägyptischen Vizekönig Muhammed Ali Pascha geschenkt hatte. Seitdem schmückt ein 3200 Jahre alter Obelisk aus dem Ramsestempel in Luxor den Platz.

22 m hoch aus rosa Granit gefertigt, ist er Symbol für den schwierigen Weg eines Volkes, die Eintracht zu erreichen. Äußerst schwierig war auch der Transport der 230 Tonnen schweren Stele.

Der Obelisk wurde in Gänze von Luxor nach Paris gebracht – wie, verraten Zeichnungen im Sockel. Seit 1998 schmückt die Spitze ein 3,6 m hoher, pyramidenförmiger Schlussstein aus vergoldeter Bronze, die der Lebenspartner von Yves Saint Laurent, Pierre Bergé, gespendet hat.

Die weltgrößte Sonnenuhr

Der Obelisk aus Ägypten ist jedoch mehr als ein Schmuckstück – er bildet den Zeiger der weltgrößten Sonnenuhr! Seht euch das Pflaster genau an. Im Fahrweg sind die strahlenförmig angelegten Stundenlinien mit blank geputzten Messingnägeln markiert, auf dem Bürgersteig durch Streifen. Auch römisch Ziffern fehlen nicht.

Mittags um zwölf zeigt der Schatten des Obelisken fast genau auf das Hôtel de Crillon. Dort könnt ihr  auf dem Bürgersteig in einem Kästchen eine römische XII erkennen.

Die Idee, den Platz für eine riesige Sonnenuhr zu nutzen, hatte der Astronom Camille Flammarion (1842-1925). Die Entfesselung des Ersten Weltkrieges verhinderte jedoch die Umsetzung. Die Witwe des Gründers der Société Astronomique de France indes ließ nicht locker. Sie fand im Architekten Daniel Roguet einen Unterstützer – und scheiterte erneute. Diesmal stoppt der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges das Vorhaben. Erst als Millenniumsprojekt wurde Flammarions Vision im Jahr 2000 wahr.

Die Place de la Concorde bei Nacht. Foto: Hilke Maunder
Die Place de la Concorde bei Nacht. Foto: Hilke Maunder

Brunnen und Statuen

Der Kölner Architekt Jacob Ignaz Hittorff rahmte den Obelisken zwischen 1836 und 1854 mit zwei Brunnen ein. Die ­nördliche Fontaine des Fleuves zieren Allegorien von Rhein und Rhône, von Landwirtschaft und Industrie. Die südliche Fontaine des Mers schmücken allegorische Figuren von Mittelmeer und Atlantik, Seefahrt und Fischfang.

Am Rand begrenzte Hittorff mit acht Frauenstatuen, die im Uhrzeigersinn die größten Städte Frankreichs symbolisieren: Marseille, Bordeaux, Nantes, Brest, Rouen, Lille, Straßburg und Lyon. Ihre Sockel waren einst als Häuschen mit großem Kellergeschäft bewohnt!

Die Pferde von Marly markieren den Anfang der Champs-Élysées. Die schweren weißen Marmor-Rösser, von Guilllaume Coustaou geschaffen, holte der Maler David 1794 vom Schloss Marly auf die Place de la Concorde, die sie rund 100 Jahre zierten.

Nach umfangreicher Restaurierung, bei der eine Kopie des letzten Werkes von Coustaou geschaffen wurden, wanderten die Chevaux de Marly in Museum. Ihr findet sie heute im Richelieu-Flügel des Louvre auf dem Patio des Cour Marly.

Die Verwandung: das Hôtel de la Marine

Die Fassade des Hôtel de la Marine zur Place de la Concorde. Copyright: Jean-Pierre Delagarde / Centre des monuments nationaux (Pressebild)
Die Fassade des Hôtel de la Marine zur Place de la Concorde. Copyright: Jean-Pierre Delagarde / Centre des monuments nationaux (Pressebild)

Im Norden begrenzt Ange-Jacques Gabriel den Platz mit zwei Prachtbauten. Rechts erhebt sich mit dem Hôtel de la Marine das einstige Garde-meuble de la Couronne.

Das Zimmer von Madame Thierry de Ville-d'Avray. Copyright: Didier Plowy / Centre des monuments nationaux (Pressebild)
Das Zimmer von Madame Thierry de Ville-d’Avray. Copyright: Didier Plowy / Centre des monuments nationaux (Pressebild)

Als Vorgängerin des mobilier national verwaltete sie im Ancien Régime die Möbel und Kunstgegenstände zur Dekoration königlicher Residenzen. Nach der Französischen Revolution zog die Marine ins Garde-meuble und machte seine 700 Räume zum Hauptquartier.

Die Prunksalons des 19. Jahrhunderts. Copyright: Jean-Ambroise Tézenas / Centre des monuments nationaux (Pressebild)
Die Prunksalons des 19. Jahrhunderts. Copyright: Jean-Ambroise Tézenas / Centre des monuments nationaux (Pressebild)

2021 eröffnete das Hôtel de la Marine nach vier Jahren Bauzeit wieder als imposantes Juwel, das auf zwei Rundgängen die Pracht und Lebensart des 18. und 19. Jahrhunderts inszeniert.

Der Speisesaal der Intendantenwohnung. Copyright: Didier Plowy / Centre des monuments nationaux (Pressebild)
Der Speisesaal der Intendantenwohnung. Copyright: Didier Plowy / Centre des monuments nationaux (Pressebild)

Im Hof des Schatzmeisters verwandelt ein Baldachin in einen offenen Raum der Begegnung. Sein riesiger digitaler Kronleuchter zeigt im Innenkreis das aktuelle Kulturprogramm.

Das Glasdach über der cours des intendants. Nicolas Trouillard / Centre des monuments nationaux (Pressebild)
Das Glasdach über der cours des intendants.
Nicolas Trouillard / Centre des monuments nationaux (Pressebild)

Buchhandlung, Restaurant, Geschäfte, co-working-Bereiche und Büros holten die Lebensart von heute hinein ins wieder auferstandene Hôtel de la Marine.

Der co-working-Bereich von Morning. Copyright: Morning (Pressebild)
Der co-working-Bereich von Morning. Copyright: Morning (Pressebild)

Das Luxushotel des Platzes

Links findet ihr das Hôtel de Crillon. In dem Adelspalais, in dem einst Marie-Antoinette ihre Klavierstunden erhielt, residiert seit 1907 ein Luxushotel. Charlie Chaplin, Helmut Kohl, Andy Warhol und Arnold Schwarzenegger stehen im Gästebuch.

2013 schloss das Haus. Ein saudischer Prinz kaufte die Immobilie und setzte als Betreiber die  US-amerikanische Luxushotelgruppe Rosewood ein. Ende 2017 wurde es nach vierjähriger „Rückverwandlung“ ins 18. Jahrhundert neu eröffnet.

Karl Lagerfeld höchstpersönlich gestaltete noch vor seinem Tod zwei Suiten nach royalem Vorbild als Grands Appartements. Mit Spa und Schwimmbad, Weinbar und Sternerestaurant gehört das Fünfsternehaus zur exklusive „Palace“-Kategorie der französischen Hotelklassifizierung.

Zeitgenössische Kunst

Der Historiker Quentin Bajac ist seit Herbst 2018 künstlerische Leiterin der Galerie du Jeu de Paume. In der ehemaligen Sporthalle, die für den Vorläufer des Tennis im Zweiten Kaiserreich errichtet wurde, zeigt sie Fotokunst der Gegenwart und Video Art – gerne auch unbequeme oder unbekannte Künstler.

Junge französische Künstler in Malerei, Installationen, Mode und Videokunst könnt ihr in der Fondation Pernot-Ricard entdecken – die Stiftung lässt den jungen Kuratoren völlig freie Hand bei der Gestaltung ihrer Schau. Auch mit Workshops, Konferenzen und einem alljährlichen Kunstpreis wird der kreative Nachwuchs gefördert.

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Mein Reiseführer: Baedeker „Paris“*

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