Was hat Plastik-Recyling mit Solidarität zu tun?

Christian Thomas von l'Association Bouchons 276 sammelte in Le Havre die Plastikverschlüsse. Foto: Hilke Maunder
Christian Thomas von l'Association Bouchons 276 sammelte in Le Havre die Plastikverschlüsse. Foto: Hilke Maunder

Un bouchon = une sourire: In der Normandie helfen Plastik-Verschlüsse von Getränkeflaschen, Shampoo, Rasierschaum, Ketchup oder Tubendeckel Menschen mit Handicap. Seit ihrer Gründung im Jahr 2003 hat die Association Bouchons 276 in den Départements Eure und Seine-Maritime mehr als 2600 Tonnen Plastik-Verschlüsse an mehr als 400 Sammelstellen zusammengetragen.

„Allein im Jahr 2017 waren es 235 Tonnen, und das Jahr 2018 steuert auf einen neuen Sammelrekord hin“, berichtet Dab  Delaporte, der Gründer der Recycling-Initiative.  Die Plastikverschlüsse werden  zur Wiederverwertung an Ecoplastics in Pont-Brenouille (Oise) verkauft. Für jede Tonne erhält der gemeinnützige Verein 250 Euro.

In den letzten 15 Jahren kamen so mehr als 600.000 Euro für Menschen mit Handicap zusammen. 650 Behinderte erhielte von 2013-2018 so finanzielle Hilfen.

Besonders aktive Unterstützung für die Association Bouchons 276 kommt vom Nachwuchs: Vom Kindergarten bis zum College wird intensiv Plastik gesammelt; selbst die Sammelbehälter holen ehrenamtlich Schüler ab.

Wer Plastik recycelt, erhält von Réco einen Einkaufsbon.

2019: Neuerungen im Kampf gegen Plastik

Die französische Regierung beabsichtigt, 2019 ein „Bonus-Malus“-System einzuführen. Verpackungen aus nicht-recyceltem Plastik sollen dann teurer sein als aus umweltfreundliche Materialien. Bis 2025 solle es nur noch Verpackungen aus wiederverwertetem Plastik  in Frankreich geben, so Umweltstaatssekretärin Brune Poirson an.

Produkte in recycelten Verpackungen sollen  zehn Prozent weniger kosten, solche bis zu Prozent preiswerter sein. Das Recycling von Plastik soll steuerlich begünstigt, das Entsorgen von Plastik auf Müllhalden teurer werden.

Bislang recycelt Frankreich rund 20 Prozent seines Plastiks.  In Norwegen und Deutschland, beträgt die Recyclingquote von Plastikabfällen bis zu 40 Prozent. Was nicht wirtschaftlich recycelt werden kann, landet in den Hochöfen der Schwerindustrie oder wird zur Energierückgewinnung genutzt.

So schafften es Österreich, Deutschland, die Niederlande und Schweden, ihren Plastikmüll zu 99 Prozent zu verwerten. Belgien erreichte  98 Prozent, Frankreich nur 66 Prozent.

Platzhirsch im Plastikrecycling ist nach eigenen Aussagen die Paprec-Gruppe, die an 200 Standorten in Frankreich und der Schweiz tätig ist.  In Limay stellt France Plastiques Recyclage, das  2007 die Paprec-Gruppe mit Sita France gegründet hat, aus alten Plastikflaschen neues PET-Granulat (Polyethylenterephthalat) her.

Triman & gelbe Tonne

Alle Produkte, die recycelt werden können, tragen in Frankreich seit 1. Januar 205 das schwarz-weiße Zeichen „Triman“.

Für private Haushalte geben die Kommunen kostenlos gelbe Tonnen auf – und stellen sie als Großtonne auf zentralen Plätzen auf. Dort könnt  auch ihr, wenn ihr unterwegs seid, euren Müll aus Plastik und anderen recycelbaren Materialien entsorgen.

Verbieten will Macron auch Einmalprodukte wie Strohhalme, Pappteller und Becher. In Frankreich macht Kunststoff 62 Prozent der französischen Abfälle aus.

Christian Thomas mit einer Sammelbox der Association Bouchons 276. Foto: Hilke Maunder

 

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4 Kommentare

  1. Hallo Hilke, mit Begeisterung lese ich Deine Beiträge! Besonders schätze ich auch diesen Beitrag zum Kunststoffrecycling in Frankreich, erfährt man doch auf diesem Wege, wie es die Nachbarn handhaben. Spannend und interessant! Danke!

    • Liebe Inge, herzlichen Dank für Deine lieben Worte. Das freut mich – und spornt mich an! Mein Frankreich ist mein Herzblutprojekt, das nach dem Beruf abends und am Wochenende wächst und gedeiht. Ich wünsche Dir noch viele schöne Momente mit dem Blog! Bises, Hilke

  2. Heute haben wir den 1.Newsletter erhalten. Toll. Wir haben vor langer Zeit in Boardville auf dem Campingplatz schon eifrig Deckel gesammelt, als der ganze Plastikmüll in den normalen Müll kam. Schöne Artikel verschönern den trüben heutigen Dezembertag.
    Wir sind seit unserem 1.Urlaub mit der Ente quer durch Nordfrankreich,danach durch Süden und Südwesten gereist. Nach den folgenden Reisen durch Europa sind wir seit 33 Jahren auf der ile d’oleron. Als begeisterte Segler erkunden wir in jedem Jahr immer mehr die Südbretagne und hoffen auf noch viele schöne Momente und Erebnisse in unserer 2. Heimat. Vielen Dank für den Newsletter, Brigitte und Thomas.

    • Hallo Thomas, danke für diesen tolle Mail am Bibberdienstag in Hamburg! Île d’Oléron findest Du auch im Blog, auch die benachbarte Île de Ré. Die Region habe ich letzen Sommer besucht – und bin schwer begeistert. Viele Grüße! Hilke

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