Pointe-à-Pitre: die Street-Art-Stadt

Guadeloupe: Street Art in Pointe-à-Pitre. Foto: Hilke Maunder

Auf Guadeloupe saniert ein Verein seit mehreren Jahren Straßen und Gassen im historischen Zentrum von Pointe-à-Pitre. Ehrenamtliche und Einwohner streichen die Fassaden der Häuser neu, schmücken Wände mit Street Art  oder schafft Gemeinschaftsgärten. Das Ziel: das Image und das Leben der Nachbarschaft zu verändern und aufzuwerten.

Hinter dem Engagement zum Erhalt des alten Bauerbes von Pointe-à-Pitre steht der Ateliers Odyssée. Sylvie Adélaïde, Architektin, Stadtplanerin und bildende Künstlerin, ist Präsidentin des Vereins. Sie erklärt, wie das Projekt entstanden ist.

Im Rahmen der Aktion „Pli Bel La Ri“ angestrichen: ein traditionelles Haus von Pointe-à-Pitre. Foto: Hilke Maunder

„2014 eroberten Drogen und Prostitution das Altstadtviertel. Spanisch erklang in den Gassen, in denen Frauen aus La Domenica schnellen Sex für wenig Geld anzubieten begannen. Ein Gefühl der Unsicherheit und Angst breitete sich damals unter den Anwohnern aus.

Bei einem Treffen mit den Bewohnern und Vereinen des Viertels suchten wir Lösungen. Und entschlossen uns, unsere Häuser, die allesamt grau aussahen, neu zu streichen. Dabei half uns ein Berufsmaler, der uns zeigte, wie man Häuser richtig streicht.“

Street Art allerorten: in der Altstadt von Pointe-à-Pitre. Foto: Hilke Maunder

2014 fiel der Startschuss für die Kampagne Pli bel la ri. Auf der Facebook-Seite verraten Fotos, wie sehr die Kampagne bei den Bewohnern des Viertels ankommt: Stolz posten sie Vorher-/Nachher-Fotos der Häuser. Die Altstadt, einst geprägt von Prostitution, Drogen und Kriminalität, wurde „branché“.

Anwälte und Notare mieteten sich ein – oder ließen gegen Bezahlung einen Briefkasten an eine Hauswand des Viertels montieren. Mit Restaurants wie 1973 Food & Sound stieg das Hafenviertel für die Insulaner endgültig zum hippen Geheimtipp auf.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Welt dies mitbekommt. Die ersten Neugierigen sind schon da: junge Menschen aus den USA und Kanada, die im Rahmen von Ausbildung und Studium mit anpackten.

Street Art, entstanden beim World Kreoyl Art Festival 2019. Foto: Hilke Maunder

Die Altstadt von Pointe-à-Pitre birgt noch sehr viele Häuser, die ganz traditionell auf einem Steinsockel aus Holz mit Balkonen verbaut wurden. Sie sind von historischem Interesse, sollten erhalten werden, sind aber häufig längst verlassen. Die Initiative Pli bel la ri hat bereits einige von ihnen  gerettet.

Dort, wo der Kulturverfall Lücken gerissen hat in die geschlossene Bebauung des 19. Jahrhunderts, haben die Ehrenamtlichen des Ateliers Odyssée das Land gereinigt, und in urbane Gärten verwandelt. Paletten, Reifen und anderes recyceltes Material wurde dabei verwendet. Entstanden ist so beispielsweise auch ein kreolischer Garten, der heute ein veritabler Nachbarschaftstreff ist.

In Pointe-à-Pitre erinnert Street Art auch an die schicksalshafte Geschichte der Sklaven. Foto: Hilke Maunder

Auf seinen Beeten wachsen Obst und Gemüse, Blumen und Heilpflanzen. Marienkäfer fliegen umher, Vögel singen. Auf einem solcher unbebauten Grundstück rief der Verein zu einem Street-Art-Workshop ein und ging eine Partnerschaft mit Al Pacman ein.

Die Wandbilder von Al Pacman findet ihr vor allem auf den hohen Fassaden der Wohnblöcke von Les Abymes. Foto: Hilke Maunder

Der bekannteste Street-Art-Künstler von Guadeloupe holte Kollegen und Freunde mit ins Boot. Er kümmert sich seitdem um die Fresken, der Verein um den Anstrich der Häuser. Und das so erfolgreich, das inzwischen die ganze Stadt den Pinsel schwingt…

Martin Luther King, auf einer Wand verewigt von Al Pacman. Foto: Hilke maunder

Pacman war es auch, der dem Archipel zu einem internationalen Graffiti-Festival verhalf. 2019 malten zur zweiten Ausgabe des World Kréyol Art Festival im Mai 54 bekannte Street-Art-Künstler aus Guadeloupe, Martinique und Frankreich drei Wochen lang die grauen Wände bunt.

Rue Duplessis, Rue Vatable und Rue Denfert sind Hotspots für Street Art in Pointe-à-Pitre. Foto: Hilke Maunder

Die Street-Art von Pointe-à-Pitre

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2 Kommentare

    • Lach, ja, mag sein, dass die Farbe eine solche Kraft dort hat. Aber auch der Wille der Menschen, ihre Kultur zu erhalten – und nicht dem kantingen, „modernen“ Beton zu opfern, ist bemerkendswert. Und, nein, Angst muss man da nicht haben. Ich wurde zwar ab und zu beäugt, aber keine Sekunden lang hab ich mich unwohl oder unsicher gefühlt. Und inzwischen sind dort auch erste andere Neugierige unterwegs… Bises! Hilke

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