Présidentielle: Frankreich wählt seinen Präsidenten

Municipales: Eure Wahlkarte als EU-BürgerIn. Foto: Hilke Maunder
Der französische Wahlausweis. Foto: Hilke Maunder

Im Frühjahr 2022 wählt Frankreich seinen neuen Präsidenten.  Die erste Runde der élection présidentielle française de 2022 findet am 10. April 2022 statt.

Direkt vom Volk gewählt

Im ersten Wahlgang gilt als gewählt, wer mehr als die Hälfte der abgegebenen und gültigen Stimmen auf sich vereinigen konnte. Doch das jedoch nur, wenn  der Kandidat in seinem Wahlkreis 25 Prozent der Stimmen einsammeln konnte.

Seit den Präsidentschaftswahlen 1965 hat es kein Bewerber geschafft, bereits im ersten Wahlgang direkt in den Élysée-Palast einzuziehen. In der Zweiten Republik war dies nur Louis-Napoléon Bonaparte mit mehr als 74 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang gelungen.

Erster und zweiter Wahlgang

Daher wird vermutlich auch 2022 ein zweiter Urnengang folgen. Der zweite Wahlgang sieht stets eine Stichwahl den beiden Bewerbern vor, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten haben. Zum Sieg  reicht dann die einfache Mehrheit. 

Der Staatschef wird seit 1965 direkt vom Volk gewählt. Seine Amtszeit beträgt seit 2002 fünf statt sieben Jahren. Das quinquennat von Emmanuel Macron endet am 14. Mai 2022. Spätestens am 13. Mai 2022 hat der neue Staatschef die Nachfolge anzutreten.

Présidentielle 2022: Die Kandidaten

Wer es wird? Das sind die Kandidaten! Mehr als vier Dutzend Kandidaten gibt es bereits. Und in der Liste ist viel Bewegung. Für Überblick sorgt diese Aufstellung von France Info. Ob Emmanuel Macron wiedergewählt werden möchte, hat er noch nicht erklärt. Theoretisch ist dies unbegrenzt häufig möglich.

Im Rampenlicht bei der Présidentielle 2022 stehen diese Spitzenkandidaten für das höchste Staatsamt.

Emmanuel Macron ( La République en Marche / LREM )

Will er es noch einmal wissen? Das Land rätselt. Und sieht auch den amtierenden Staatschef als Kandidaten. Indizien dafür, dass Macron auf Wiederwahl hofft, sind die Szenarien, die er für 2030 entwirft, und die seitdem bewusst gesuchte Volksnähe.

Unter den Präsidenten der letzten Jahrzehnte war es zuletzt Jacques Chirac gewesen, der es geschafft hatte, wiedergewählt zu werden. Hollande war am Ende der fünfjährigen Amtszeit so unbeliebt gewesen, dass er auf eine Kandidatur verzichtet hatte.

Anne Hidalgo ( Parti Socialiste / PS )

Die Spitzenkandidatin des Parti Socialiste ist die Pariser Bürgermeister Anne Hidalgo. Sie hat Paris in den letzten Jahren einen umfassenden Stadtumbau verordnet, Tempo 30 auf nahezu allen innerstädtischen Straßen eingeführt, die Verkehrswege an den Ufern der Seine zu Oasen am Fluss rückgebaut und auch zahlreiche Plätze verkehrsberuhigt.

Das hat ihr nicht nur Freunde, sondern auch viele Kritiker beschert. Mit grünen Themen will die 62-Jährige in den Élysée-Palast einziehen. Zudem will sie mehr soziale Gerechtigkeit, den Beruf des Lehrers durch die Verdoppelung des Gehaltes aufwerten und die Löhne  erhöhen.

Den Sozialisten nahe steht der ehemalige Industrieminister Arnaud Montebourg, dem jedoch kaum Chancen auf das Amt zugestanden werden.

Yannick Jadot ( Europe Écologie les Verts / EELV )

Während die Grünen 2017 noch die Sozialisten unterstützten, schicken sie 2022 ein bekanntes Gesicht ins Rennen: Yannick Jadot. Der 54-jährige Ex-Greenpeace-Kampagnenleiter gilt als gemäßigter Grüner und tritt zum zweiten Mal zur Präsidentschaftswahl an.

Les Républicains ( LR )

Öfter als jede andere Partei haben die Republikaner in der fünften Republik den Präsidenten gestellt. Nach der Niederlage von François Fillon bei der letzten Präsidentschaftswahl haben die Delegierten bei der Mitgliederversammlung am 4. Dezember Valérie Pécresse als Kandidatin für die Präsidentschaftswahl gekürt. 1968 in Neuilly-sur-Seine geboren, und damit in jenem noblen Pariser Vorort, dessen Bürgermeister fast 20 Jahren lang Nicolas Sarkozy geheißen hatte, setzte sie sich im Wahlgang in der Stichwahl gegen Éric Ciotti durch, der noch stärker als Pécresse für den Rechtsruck der Republikaner steht..

Pécresse war 2007 die erste französische Forschungs- und Hochschulministerin in der Regierung von Nicolas Sarkozy. Derzeit ist sie die Präsidentin der Region Île de France. Sie selbst sieht sich als Politikerin zwischen Merkel und Thatcher.

Jean-Luc Mélenchon ( La France Insoumise )

Radikal links: Dafür steht Jean-Luc Mélenchon, der Vorsitzende des Bündnisses des nicht unterworfenen Frankreichs, so die deutsche Übersetzung von La France Insoumise . Er tritt bereits zum dritten Mal bei der Présidentielle an. Jetzt, mit 70, will er es noch einmal wissen. Sein Wahlprogramm sieht neben dem Ausstieg aus der Atomkraft und kürzeren Arbeitszeiten auch eine “Sechste Republik” vor, die er per Volksabstimmung einführen will.

Éric Zemmour (noch parteilos)

Der rechtsextreme Publizist hat in den Umfragen der letzten Wochen Frankreichs bekannteste Rechtsradikale Marine Le Pen an Popularität überholt und rechnet sich gute Chancen auf das höchste Staatsamt aus. Der 63-Jährige, der wegen Anstiftung zum Rassenhass mehrfach verurteilt wurde, ist ein entschiedener Gegner der Einwanderung, wettert bei jeder Gelegenheit gegen Muslime und will als Präsident nicht-französische Vornamen wie Mohammed verbieten. Die Anhänger von Zemmour wollen in den nächsten Tagen und Wochen eine Partei gründen, um Zemmours Wahlchancen zu erhöhen.

Marine Le Pen ( Rassemblement National / RN )

Bereits im September legte sich der RN als Nachfolger des Front National auf seine Spitzenkandidatin Marine Le Pen fest. Während sie 2017 in der Stichwahl mit Macron stand, hat die Zustimmung zu ihrer Politik seit dem Aufstieg von Éric Zemmour nachgelassen.

Le Pen, die früher aktiv den Frexit beschwor, will jetzt Europa von innen nach rechtsextremen Ideen umbauen. Sie hat in den letzten Jahren ihre Auftritte und Worte gemäßigt. Doch die neue Zahmheit sei nur Schein, sagen ihre Kritiker.

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4 Kommentare

  1. … gerade bei bei Zemmour ist doch aber noch unklar, ob er überhaupt die (für alle Kandidat*innen nötigen) 500 Unterschriften (parrainages) zusammenbekommt? In jedem Fall bleibt es spannend!
    Viele Grüße
    Katrin

  2. Liebe Hilke, danke für die kompakte Zusammenfassung. Was mich als häufigen Briefwähler baff macht: der Termin für den zweiten Wahlgang wird in den Osterferien des Großraums Paris liegen. Meine Lebensgefährtin muss sich also eine Vertrauensperson suchen welche dann in ihrem Sinne für sie abstimmt. Bleibt alle gesund. Frank

    • Danke für diesen Hinweis, Frank. Ostern ist ja ein flexibler Termin, der Ablauf des Mandats und die zeitliche Abfolge der Présidentielle hingegen starr festgezurrt. Da liegen die Termine 2022 in der Tat etwas unglücklich…
      Viele Grüße, Hilke

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