Raphaël Pommier: der Höhlenwinzer

Seit 1780 sind die Pommiers hier zuhause: an einem weiten Hang oberhalb der Rhône bei Bourg Saint-Andéol an der D190. Von ihrem Feldsteinhof erstrecken sich Reben bis an den Horizont. Syrah, Grenache noir, Counoise. „Seit sieben Generationen sind wir Weinbauern“, erzählt Raphaël Pommier. Das Glas in der Hand, kontrolliert er an deckenhohen Tanks den jungen Wein.

„Museumsreif“, denke ich, als die den Keller der Domaine Notre-Dame de Cousignac betrete. Kein Edelstahl weit und breit. Sondern Weintanks, in denen schon Großvater und Urgroßvater ihre Tropfen reifen ließen.

Winzer seit Napoleons Tagen

Seit sieben Generationen bauen die Pommiers Wein an. Und doch gehören die Pommiers zu den Pionieren. Bereits in den späten 1980er Jahren begann Vater Leon, auf Bioweinbau umzustellen und Pestizide zu verbannen. Auf die Zugabe von Schwefel kann Raphaël Pommier dank der höheren Drehzahl seiner Weine verzichten. Heute werden 60 Hektar nachhaltig bewirtschaftet. Wie, verrät Monsieur Pommier in seinem Blog.

Weine unter Tage

Auf bei der Reifung seiner Weine beschritt Raphaël Pommier neue Wege. Seit einigen Jahren lässt er einige seiner Weine 80 Meter unter der Erde sechs Monate lang in Fässern aus französischer Eiche in der Grotte de Saint-Marcel-d’Ardèche reifen. „Die Bedingungen sind hier ideal.

In der Karsthöhle herrscht totale Dunkelheit Die Temperatur beträgt stabil 14 Grad, die Luftfeuchtigkeit 80 Grad – einfach perfekt, um meine Weine zu vollenden“, schwärmt Raphaël. Längst hat der geschäftstüchtige Weinbauer, dem die Ideen scheinbar nie ausgehen,  die Höhle als Event-Fläche entdeckt.

Dégustation für alle Sinne

Mehrmals im Jahr lädt er in der Karsthöhle mitfünf Sälen zur Weinverkostung unter Tage. Nicht schnöde mit Gläsern, Flaschen und Spucknapf, sondern bei einer Spéléœnologie – eine Show für alle Sinne. Während der Degustation taucht eine Tonlichtschau die europaweit einmaligen „gours“ in immer neues Licht. Mal leuchten die Sinterbecken smaragdgrün, dann lila, rot und blau.

Das Erbe des Terroir

Zu jedem Wein, der gerade verkostet wird, reicht Raphaël Weckgläser mit Sand und Kies. „Sieh mal, das ist der Boden, auf dem dieser Wein gewachsen ist. Das „terroir“ schmeckst Du bei jedem Tropfen!“ Fast zwei Stunden lang dauert das Riechen, Sehen, Kosten seiner Rot-, Weiß- und Roséweine..

Jeder Geschmacksnerv ist sensibilisiert: Slow-Wine-Sinnesreisen und Lehrstunden auf den Spuren der drei Appelationen Côtes-du-Rhône, Côtes-du-Rhône Villages und Côtes du Vivarais. „Das Vivarais hat steinige Böden, die für einen würzigen Geschmack sorgen, das Rhônetal hat tiefe Böden, die eine fruchtigen Ton ergeben“, erklärt Raphaël den Unterschied

Urlaub beim Winzer

Raphaël kümmert sich um den Wein, Rachel um die Gästezimmer, die seine amerikanische Ehefrau aus Pennsylvania eingerichtet hat. Fünf charmante Unterkünfte* sind es mittlerweile, drei kuschelige Kammern und zwei geräumige Suiten. Möbel der Region und Stoffe, die daran erinnern, dass das Weingut vor den Toren der Provence liegt, sorgen für Wohlfühlcharme in  den Feldsteinzimmern.

Vom Pool und der Terrasse, auf Rachel morgens das Frühstück mit Croissant und Baguette, Kaffee, Crème de Chataîgne und anderen Köstlichkeiten aus Ardèche serviert, serviert wird, könnt ihr bei gutem Wetter den Mont Ventoux am anderen Ufer der Rhône in der Drôme sehen.

Wallfahrt zur Kapelle

Nach dem Frühstück marschiert Raphaël mit mir zum Namensgeber des Weinguts. Hinter Steineichen und Buchsbäumen versteckt sich eine kleine Kapelle, die schon vor der französischen Revolution erbaut wurde. Bis heute ist sie Station von Wallfahrern war, de auf dem Jakobsweg von Arles aus nach Santiago di Compostela pilgern. Alljährlich am 17. August wallfahrten sie zum kleinen Gotteshaus.

Als zur französischen Revolution die Domherren enteignet wurden, haben Vorfahren von Raphaël die Kapelle samt der umliegenden Weinberge erworben. Das Gotteshaus im Grünen ist heute äußerst renovierungsbedürftig.

Um die Kapelle zu retten, haben die Pommiers daher einen Kulturverein gegründet.  Mehrmals im Jahr inszeniert er Veranstaltungen – Lesungen und Konzerte bei Kerzenlicht, aber auch Messen. Und natürlich Weinproben, an denen bis zu 140 teilnehmen können.

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