Reinhardt Michael: meine Loire-Radtour

Reinhardt Michael. Foto: privat
Reinhardt Michael. Foto: privat

„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch?

Für Reinhardt Michael bedeutet es: wunderschöne Radtouren, die er allein oder mit seiner Frau Yvette  unternimmt. Seine Radtour in der Bretagne hat der gebürtige Thüringer hier vorgestellt. Ganz allein war Reinhardt an der Loire mit dem Rad unterwegs. Was er dort erlebte – und was sich zu besuchen lohnt – stellt er in der Fortsetzung seines Reiseberichtes hier vor.


Nach dem Ende meines Abenteuers am Kanal Nantes – Brest bin ich mit dem Wagen nach Saumur gefahren. Diese wunderschöne Stadt mit einem der beeindruckendsten Schlösser an der Loire war vor zwei Jahren Endpunkt meiner Tour von Saint-Nazaire flussaufwärts.

Saumur an der Loire. Foto: Reinhardt Michael
Auf dem Marktplatz von Saumur. Foto: Reinhardt Michael

Die spannende Frage war, wie die Coronaregelungen sein würden, aber auf dem Marktplatz war kaum etwas zu merken. Am nächsten Tag bin ich weiter nach Doué-en-Anjou gefahren, einer beeindruckenden Kleinstadt im Parc naturel régional Loire-Anjou-Touraine. Sie birgt mehrere Troglodytenhöhlen und gilt als Frankreichs Hauptstadt der Rose.

Foto: Reinhardt Michael

Ich hatte in der Zeitschrift „Frankreich erleben“ davon gelesen. Zwei der drei Rosenparks habe ich besucht. Les Chemins de la Rose ist ein vier Hektar großer englischer Garten mit einer Sammlung von 13 000 Rosensträuchern und 1200 botanischen Rosensorten. Im Juli und August kann man die blühenden Rosenfelder mit einer roten 2 CV erkunden.

Foto: Reinhardt Michael

Die 19800 Quadratmeter große Roseraie Foullon birgt 250 Sorten von Strauch-, Kletter- und Stammrosen. Dem Baron François Foullon ist es zu verdanken, dass im 18. Jahrhundert die erste Baumschule in Doué-la-Fontaine gegründet wurde. Ihm zu Ehren legten die Stadt und die Rosenzüchter von Douessin diesen wunderschönen öffentlichen Rosengarten an.

Die Rosengärten bergen neben wunderschönen Blumen auch interessante alte Geräte, wie z.B. diesen Prototyp einer Waschmaschine. Foto: Reinhardt Michael
Die Rosengärten bergen neben wunderschönen Blumen auch interessante alte Geräte, wie z.B. diesen Prototyp einer Waschmaschine. Foto: Reinhardt Michael

Die Höhlen sind erst vor einiger Zeit zufällig entdeckt worden. Sie sind voll mit Skulpturen und Resten von Sarkophagen, die in großer Zahl aus den unterirdischen Felsen geschlagen worden sind.

Die alte Waschstelle im Herzen von Doué-en-Anjou. Foto: Reinhardt Michael

Im Zentrum des Ortes ist eine alte Waschstelle konserviert worden mit beeindruckenden Bildern der alten Zeiten. Das Bild von 1900 zeigt besonders deutlich die harten Arbeitsbedingungen der Wäscherinnen zu der Zeit. Ich hab vor rund 50 Jahren noch ähnliches in Camaret-sur-Me erleben dürfen.

Foto: Reinhardt Michael

Am Rande des Ortes gibt es noch einen berühmten Bioparc. Es handelt sich dabei um einen Zoo mit 130 verschiedenen Tieren und in die Felsen eingebauten Höhlen für die Tiere, bis hin zu den Giraffen sowie der größten Voliere in Frankreich.

Das nächste Ziel war das gut 30 Kilometer entfernte Bourgueil, wo ich ein wunderschönes chambre d‘hôtes gebucht hatte. Es heißt Les Capucines. Ich war wohl der erste Gast nach der Renovierung eines alten Bauernhauses mit einem traumhaften Zimmer und Frühstück.

Das Gästehaus Les Capucines. Foto: Reinhardt Michael

Von dort waren es zirka 20 Kilometer bis nach Chinon, einer alten Festung am Fluss Vienne, eines der vielen Schlösser der Loire. Die Straße führt an einem der vielen Atomkraftwerke von Frankreich vorbei, ein etwas gruseliges Gefühl angesichts der vielen Kühltürme und ziemlich alten technischen Gebäude. Die Festung Chinon besteht aus vielen Gebäuden, die nur noch teilweise erhalten sind.

Die Festung Chinon. Foto: Reinhardt Michael

Von Chinon aus führt ein schöner Radweg 25 Kilometer auf einer alten Eisenbahnstrecke nach Richelieu, einem der schönsten Dörfer von Frankreich. Unterwegs liegt ein wunderschönes Schloss, das Château Riveau mit einem großen Park voll mit originellen Skulpturen.

Das mittelalterliche Schloss mit Wehrturm und Zugbrücke hat eine Partnerschaft mit dem Himmelstempel in Peking mit gegenseitigen Besuchen, die auf Schautafeln mit Text und Bilder erläutert werden.

Das Château Riveau. Foto: Reinhardt Michael
Eine Voliere im Schlosspark vo Richelieu, Foto: Reinhardt Michael
Eine Voliere im Schlosspark. Foto: Reinhardt Michael

In Richelieu gibt es natürlich eine Statue des berühmten Politikers Armand-Jean du Plessis (1585 – 1642) der als Kardinal Richelieu und Erster Minister unter König Ludwig XIII.  die französische Politik entscheidend mitbestimmte. 1820 schuf Claude Ramey seine Statue aus Marmor auf der Place du Cardinal.

Richelieu: Die Statue von Kardinal Richelieu auf der Place du Cardinal. Foto: Reinhardt Michael

Zurück in Chinon habe ich mir noch einen Weinkeller angeschaut, der tief in den Felsen eingearbeitet ist.

Ein Weinkeller in Chinon. Foto: Reinhardt Michael
Ein Weinkeller in Chinon. Foto: Reinhardt Michael

Auf der Rückfahrt an die Gironde habe ich noch einen Abstecher nach Angoulême gemacht, einer schönen alten Stadt am Hang der Charente. Das Zentrum ist sehenswert. Einige alte Straßen sind leider sehr verfallen.

Die Rückfahrt ging über die Nationale 10 mit laufend wechselnden Geschwindigkeitsbegrenzungen. Nur vier Kilometer pro Stunde zu schnell haben mich dann aus Deutschland noch 45 € gekostet. Wär ich doch in Düsseldorf geblieben!!!!


Der Beitrag von Reinhardt Michael ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ich freue mich, wenn dieser Aufruf viele von euch zum Mitmachen inspiriert.

Ob kurz oder lang, Prosa oder Lyrik: Schickt mir den Text per Mail – und die Fotos bitte immer in Originalgröße (!). Sind es viele, sendet sie bitte per WeTransfer.com. Oder hängt sie einzeln an die Mails. Merci ! Die Beiträge werden in loser Folge veröffentlicht.

Merci fürs Teilen!

4 Kommentare

  1. Na, die Fahrt aus Düsseldorf hat sich doch gelohnt. Ich kann dich beruhigen, es geht in Europa noch teurer mit den Strafzetteln.

    Danke für deinen interessanten Beitrag. Ich liebe Rosen und dein Beitrag hat mich animiert, im Sommer nicht nur die Lavendelfelder zu besuchen, sondern auch einen Abstecher zu dem Rosengarten zu machen.

  2. hallo lieber reinhardt,
    obwohl ich mehrfach die Loire besuchte, habe ich durch deinen Bericht noch neue Orte kennengelernt.
    sehr interessant, ein Grund um evtl. nochmal hinzufahren?
    Grüße aus Aachen
    Huberta Jacobs

  3. Eine Radtour die Loire hinunter das wäre auch mein Traum.
    Aber jetzt haben wir 2 große Windhunde. Da muss der Wunsch erst mal zurück stehen.
    Vielen Dank für den anschaulichen Artikel.
    Mit den drakonischen Bußgeldern in Frankreich haben wir auch schon Bekanntschaft gemacht. Die Geschwindigkeitsbegrenzungen sind ohne Toleranz!
    Und 45 € kostet es nur, wenn man sofort bezahlt. Lässt man sich 1 Woche Zeit, ist man mit 160 € dabei 🙁
    Viele Grüße
    Ursula

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