Frühes Versprechen: Romain Gary im Kino

Frühes Versprechen: Romain Gary mit seiner Mutter. Copyright: Pressebild Camino-Filmverleih
Frühes Versprechen: Romain Gary mit seiner Mutter. Copyright: Pressebild Camino-Filmverleih

Am 7. Februar 2019 kommt ein beachtenswerter französischer Streifen in die deutschen Kinos: „La Promesse de l’Aube“ (Frühes Versprechen) – eine wundervolle Hommage an Romain Gary, einen der großen französischen Dichter. 131 Minuten lang enthüllt Éric Barbier das Leben eines Schriftstellers, Regisseurs und Diplomaten, dem die Liebe eine Last in die Wiege legte.

Von Vilnius nach Nizza

Romain Gary, die filmische Autobiografie von Éric Barbier.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Romain Gary erzählt der Film von der Kindheit und Jugend des Schriftstellers. Als Roman Kacew wurde er als Sohn jüdischer Eltern am 8. Mai 1914 in Vilnius (Wilna) geboren, das damals zum Russischen Kaiserreich gehörte. Ein Wunderkind sei er, war seine Mutter Nina überzeugt.

Die unerschütterliche Liebe seiner liebenswerten, aber auch exzentrischen Mutter ließ Roman Gary voranschreiten, auch gegen die eigenen Wünsche und Gefühle. Zwiespalt, eigene Wünsche, Gehorsam, Liebe, Nähe und Ausbruch.

Als Roman elf Jahre alt war, verließ der Vater die Familie und heiratete ein zweites Mal. Die Mutter zog den Jungen alleine aus und zog, drei Jahre nach der Trennung, nach Nizza.

Dort besucht Roman ab 1928 das Gymnasium, machte das Baccalauréat und beendete sein Jurastudium in Aix-en-Provence und Paris mit der Licence.

1938 trat Roman in die Französische Luftwaffe ein, wurde als Kampfflieger ausgebildet, schwärmte für Gary Cooper – und änderte seinen Namen in Anlehnung an sein Idol in… Romain Gary.

Mutter und Sohn. Szenenbild aus „Frühes Versprechen“. Copyright: Pressebild Camino-Filmverleih.

Unter neuem Namen

Als er nach Kriegsende Diplomat wurde, ließ er 1951 den neuen Namen legalisieren. Während er mit Bomberstaffeln Einsätze flog, später als Diplomat in Sofia, London und Los Angeles tätig war, heirate, fremdging und mit Jean Seberg einen Sohn hatte, griff Gary immer wieder zur Feder.

So, wie es sich seine Mutter gewünscht hatte. Und wie sie es vorhergesehen hatte, wurden seine Werke Welterfolge. Gary indes zerriss der innere Zwiespalt. Nachdem gemeinsame Selbstmordversuche mit Jean Seberg gescheitert waren,  erschoss er sich am 2. Dezember 1980 in Paris und setzte mit 66 Jahren seinem Leben dramatisch ein Ende.

Der Film, der bei Air France-Flügen seit 2018 im Inflight-Entertainment läuft, macht nicht nur das Thema, sondern auch das Duo Charlotte Gainsbourg – Pierre Niney zu einem genussvollen Kinoerlebnis!

Auch auf der Französischen Filmwoche Berlin (28.11. – 05.12.2018) und bei den Französischen Filmtagen Leipzig (21. – 28.11.2018) war der autobiografische Streifen zu sehen. Der Camino-Filmverleih bringt „Frühes Erlebnis“ am 7. Februar 2019 in die Kinos.

Frühes Versprechen: der Trailer

Frühes Versprechen: das Trio

Der Regisseur: Éric Barbier

Éric Barbier, Jahrgang 1960, studiert zusammen mit Érich Rochant und Arnaud Desplechin an der Pariser Filmhochschule IDHEC. 1991 dreht er seinen ersten Spielfilm „Le Brasier“ mit Jean Marc Barr und Maruschka Detmers, eine 100 Millionen Franc teure Produktion über polnische Bergarbeiter in den französischen Kohlengruben der 1930er Jahre.

2007 kam der Krimi „Die Schlange“ mit Clovis Cornillac, Yvan Attal und Pierre Richard in die Kinos. Auch sein bisher letzter Film „137 Karat – ein fast perfekter Coup“ mit Yvan Attal, dem Ehemann von Charlotte Gainsbourg, und Bérénice Béjo ist ein Thriller mit überraschenden Wendungen und eine hochbudgetierte Produktion.

„Frühes Versprechen“ ist der erste Filme von Éric Barbier, der in die deutschen Kinos kommt. Mit Charlotte Gainsbourg hat Barbier einer der vielseitiges französischen Schauspielerin für die Rolle der Mutter von Romain Gary gewinnen können.

Nina Owczinski (Charlotte Gainsbourg). Copyright: Pressebild Camino-Filmverleih

Die Mutter: Charlotte Gainsbourg

Die Schauspielerin wurde am 21. Juli 1971 in London als Charlotte Lucy Ginsburg geboren. Ihr Vater ist ein Enfant terrible der Bühne: der geniale Sänger und Texter Serge Gainsbourg. Nicht weniger prominent ist ihre Mutter, die Schauspielerin Jane Birkin. Schon als 15-Jährige gelang Charlotte Gainsbourg mit „Das freche Mädchen“ von Claude Miller der Durchbruch.

Ausgezeichnet mit dem César für die beste weibliche Nachwuchsdarstellerin drehte sie noch im gleichen Jahr – 1986 – mit ihrem Vater als Regisseur und Hauptdarsteller „Charlotte Forever“, der durch die Anspielungen einer inzestuöse Vater-Tochter-Beziehung in Frankreich heiß diskutiert wurde.

Auch mit ihrer Mutter Jane Birkin und ihrem „Stiefvater“ Jacques Doillon drehte die junge Charlotte Gainsbourg weitere Filme. Die perfekt zweisprachige Schauspielerin hat bis heute in mehr als 50 Kinofilmen mit-gewirkt.

Romain Gary: Erste Erfolge als Schriftsteller. Szenenbild aus „Frühes Versprechen“. Copyright: Pressebild Camino-Filmverleih.

Der Sohn: Pierre Niney als Romain Gary

Die Rolle des Romain Gary besetzte Éric Barbier mit Pierre Niney. Am 13. März 1989 im Pariser Vorort Boulogne-Billancourt geborene, hatte Pierre schon früh seine Liebe zum Schauspiel entdeckt. Im Alter von 11 Jahren stand er erstmals auf einer Theaterbühne. Fürs Abitur wählte er Theater als Leistungskurs

Nach ersten Erfolgen in Teeniekomödien wie „Lol“ (2009) wurde er mit 21 Jahren als jüngstes Mitglied in die Comédie Française aufgenommen. Für seine erste große Hauptrolle in „Yves Saint-Laurent“ heimste Pierre Niney einen César ein. Heute gilt Pierre Niney, der seit 2008 mit der australischen Schauspielerin und Fotografin Natasha Andrews liiert ist, als einer der wichtigsten jungen Schauspieler seiner Generation.

Romain Gary: die schönsten Werke

Romain Gary schrieb nicht nur unter seinem eigenen Namen, sondern auch unter zahlreichen Pseudonymen. Auch die Werke von Émile Ajar, sind Shatan Bogat, Lucien Brûlard und Fosco Sinibaldi stammen aus seiner Feder.  Lust, den Mann zu entdecken, der als einziger zweimal den französischen Literaturpreis Prix Goncourt erhalten hat? Hier kommen ein paar Lesetipps!

Die Jagd nach dem Blau* (Les cerfs-volants)

(erscheint am 1. Februar 2019)

Der letzte, zu Lebzeiten veröffentlichte Roman von Romain Gary erzählt vom Waisenkind Ludo. Der aufgeweckte Junge mit  wächst in einem normannischen Dorf bei seinem Onkel Ambroise Fleury auf, einem leicht verrückten Landbriefträger und begeistertem Drachenbastler. Dort lernt er er Lila kennen, eine  junge polnische Aristokratin. Jahre später verlieben sich die beiden.

Doch gegen diese Liebe stehen nicht nur Lilas deutscher Cousin Hans, ­sondern bald auch der Krieg. Nach der Besatzung der Deutschen, verbunden mit Razzien und Deportationen, schließt Ludo sich der Résistance an, während der Onkel sieben gelbe Sterne am Himmel aufsteigen lässt.

Hoffnung und Verzweiflung, Masken und Realitäten, Vertraulichkeit und unausgesprochenen Worte verweben sich in der Erzählung zu einem Mosaik der Gefühle, Erinnerungen und Erlebnisse. Mal rasant, mal ironisch, dann wieder hintergründig erzählt es von der Weigerung, sich anzupassen, vom der Macht des Widerstandes im Kleinen und einer unerschütterlichen Liebe. Wer mag, kann den Roman hier* online bestellen.

Frühes Versprechen* (La promesse de l’aube)

Der Roman zum Film: Frühes Versprechen‹ enthüllt das fabelhaft bunte Leben von Romain Gary als Sohn einer ebenso despotischen wie liebevollen Mutter, die ihren Sohn fordert und fördert: Er sei ein Wunderkind.

Selbstironisch und mit unendlicher Liebe erzählt der einzige französische Autor, der zwei Mal den Prix Goncourt erhielt, seine Geschichte. Doch nicht er steht im Mittelpunkt, sondern seine übermächtige Mutter, die ihre unausgelebten Wünsche und Hoffnungen auf ihren Sohn projiziert.

„Ein folgsames Chamäleon“ sei so aus ihm geworden, sagt Gary..  Dennoch verfasst er keine Anklage, sondern eine Hommage und Liebeserklärung für die verrückteste, anstrengendste und ungewöhnlichste Mutter der Welt. Wer mag, kann den Roman hier*online bestellen.

Du hast das Leben vor dir* (La vie devant soi)

Der erfolgreichste Roman von Romain Gary löste einen Skandal aus. Er erzählt, wie der Araberjunge Momo im Pariser Arbeiterviertel Belleville gemeinsam mit anderen Ziehkindern bei Madame Rosa auf, einer alten jüdischen Ex-Prostituierten, die Auschwitz überlebt hat. Schon der erste Satz hat mich in das Buch gezogen:

Als allererstes kann ich Ihnen sagen, dass wir immer 6 Treppen rauf mussten, und zwar zu Fuß, und für Madam Rosa mit ihren ganzen Kilos und nur zwei Beinen fing da der Alltag mit Kummer und Sorgen schon an.

Und erst, nachdem ich alle 248 Seiten verschlungen hatte, konnte ich den Roman wieder aus den Händen legen. Romain veröffentlichte sein Werk unter dem Pseudonym Émile Ajar und erhielt dafür – regelwidrig – zum zweiten Mal den Prix Goncourt. Moshe Mizrahi verfilmte 1977 den Beststeller mit einer der ganz großen französischen Schauspielerinnen in der Rolle der Madame Rosa: Simone Signoret. Wer mag, kann den Roman hier* online bestellen.

Die Liebe einer Frau* (Clair de femme)

Sie war seit „Außer Atem“ Kultfigur der Nouvelle Vague, Mutter seines Sohnes Diego und die Liebe seines Lebens: Jean Seberg. Am 29. August 1979 besuchte sie – lange nach der Trennung des Glamourpaares – in Paris die Premiere von „Clair de femme„. Und war entsetzt. Hatte ihr zweiter Ehemann mit dem Roman ohne Rücksprache ihre Beziehung öffentlich gemacht? Zehn Tage später fand die Polizei Jean Seberg. Nackt, nur eingewickelt in eine Decke, lag sie in ihrem Auto. Neben ihr: Schlaftablette und ein Abschiedsbrief.

Am 2. Dezember 1980 erschoss sich Romain Gary, 66 Jahre alt, in Paris. In seinem Abschiedsbrief schreibt er: „Pour la presse. Jour J. Aucun rapport avec Jean Seberg. Les fervents du cœur brisé sont priés de s’adresser ailleurs (Für die Presse. D-Day. Kein Zusammenhang mit Jean Seberg. Die Anhänger des gebrochenen Herzens mögen sich woanders hinwenden)“.

Sind die letzten Worte Wahrheit oder letzte Selbstinszenierung? Romain Gary hat dieses Geheimnis mit ins Grab genommen. Doch seine Erzählung verrät ihn: Sie handelt von der großen, der ewigen Liebe, deren Untergang man nicht überleben kann. Wer mag, kann Garys Roman über das Glamour-Paar hier* online bestellen.

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