Die schönen Engländerinnen von Les Sables d’Olonne

Sables d'Olonne: Parade derBelles Anglaises. Foto: Hilke Maunder
Sables d'Olonne: Parade derBelles Anglaises. Foto: Hilke Maunder

À nous les petites Anglaises! Das war die französische Sommerkomödie, die mich 1976 mit dem als Teenie begeisterte. Ein Film, recht oberflächlich und grob gestrickt, und doch so ein großer Spaß, dass auch die deutsche Fassung mit dem Titel „Her mit den jungen Engländerinnen“ ein Erfolgsfilm wurde.

Für die Musik wurde Mort Shuman 1977 für den César nominiert. Frankreich und England waren die Drehorte.

„A nous les belles anglaises“ ist seit 2004 auch Ende September drei Tage lang das Motto in Les Sables d’Olonne. Aus Frankreich, England und anderen Ländern kommen Sammler von englischen Oldtimern in die Hauptstadt der Côte de Lumière.

Foto: Hilke Maunder

Stolz zeigen sie ihre liebevoll restaurierten Fahrzeuge. Blank poliert ist das Chrom, perfekt gestylt der Look der Fahrerinnen und Fahrer. Stolz weht der Union Jack am hohen Mast, währen ein Austin Malcolm Peacock von 1968 im Schritttempo die Strandpromenade entlang rollt.

Drei Daimler SP 250, drei Maurice Minor, dann ein Rolls Royce von 1937, ein Bentley von 1954, ein Singer von 1955.  Martin Cobra, Morgan, Jaguar, Triumph, Lotus … der automobile Stolz des Empire zieht an den Tausenden winkender Zuschauern vorbei.

Foto: Hilke Maunder

Morgens früh um 8 .30 Uhr hatten sie sich vor der Prieuré Saint-Nicolas getroffen für den traditionellen Corso entlang der Küste, der drei Stunden lang dem Remblai folgt.

Foto: Hilke Maunder

Über Lautsprecher kommentiert Oldtimer-Papst Pierre Caiveau die präsentierten Modelle. Champagnerkorken knallen, Wein füllt die Gläser. Wer die Kosten im Lokal scheut, kommentiert bei Bier und Chips die Parade.

Das Setting könnte nicht schöner sein. Zum Atlantik hin ein breiter, sanft abfallender Strand mit einer leichten Brandung. Cumuluswolken schmücken den Himmel, fantasievolle Muster den Milchschaum der Cappuccini der Strandbars.

Les Sables d’Olonne: eine der vielen Strandbars an der Grande Plage. Foto: Hilke Maunder

Mittags wird dort Sole Sablaise, die Seezunge der Stadt, serviert. Zum Sunset gibt es den Wein der nahen Fiefs Vendéens, dessen Qualität seit 2011 das AOC-Siegel verbürgt.

Alle vier Jahre – das nächste Mal 2020 – ist der nahe Hafen Jahre Start- und Zielort der Einhand-Weltumseglung „Vendée Globe“.

Der Hafen von Les Sables d’Olonne. Foto: Hilke Maunder

Jenseits der Strandpromenade führt eine Treppe hinauf zum historischen Herzen der Stadt am Meer, die 2018 ihren 800. Geburtstag feierte. Am Ende der breiten Treppen plätschert ein Brunnen. Schräg dahinter bergen alte Backsteinmauern das Schlemmerparadies der Stadt: der marché des halles centrales.

Die Markthalle. Foto: Hilke Maunder

Gusseiserne Bögen und Fenster verströmen den Charme der Belle Époque. An den Ständen stapeln sich die Genüsse der Vendée: das Knoblauchbrot „Préfou“, mit dem einst die richtige Backtemperatur der Dorföfen getestet wurde. Die luftigen Hefebrote der „Gâche“, die dem Brioche ändern, aber durch beigefügte Crème fraîche kompakter im Teig sind.

An vielen Ständen dürft ihr kosten! Foto: Hilke Maunder

Sardinen aus Saint-Gilles-Croix-de-Vie, Austern aus der Bucht von Aiguillon, roher Vendée-Schinken, weiße Mogette-Bohnen, Tomaten in allen Farben und Formen, Käse … und an der einfachen Bar, die auf keinem französischen Markt fehlen darf, eine Flasche Kamok.

Mit großem Schwung füllt Madame den Kaffeelikör der Vendée großzügig in Pappbecher ein. Draußen hat sich bereit eine Menschentraube auf der Mauer neben der Treppe versammelt und schauen von oben der Parade zu. Jeder mit Pappbecher in der Hand…

Foto: Hilke Maunder

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Foto: Hilke Maunder
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