Saint-Denis: der Aufbruch
Frankreichs jüngste Großstadt Saint-Denis hat viele Facetten: multikulturell, zukunftsorientiert und doch tief in der Geschichte Frankreichs verwurzelt. In der Kathedrale von Saint-Denis ruhen Frankreichs Könige, auf seinem Markt trifft sich die Welt, seine Cité du Cinéma ist eine Drehscheibe der Filmindustrie, sein Stade de France Heimat der Bleus und Nationalstadion.
Im Mittelater war Saint-Denis ein bedeutendes Pilgerziel und Handelszentrum, das im 12. Jahrhundert wichtige Privilegien erhielt, die zu ihrem wirtschaftlichen Aufschwung beitrugen. Während der Französischen Revolution wurde die Stadt von 1793 bis 1803 in Franciade umbenannt – und die königliche Nekropole geplündert und zerstört. Die sterblichen Überreste der Könige wurden aus den Gräbern entfernt und zusammengeworfen. Ob die Knochen wieder korrekt vereint wurden …. wer weiß.
Der Friedhof der Könige, wie Saint-Denis einst genannt wurde, war lang ein typischer Ort in der Banlieue von Paris. Eine hohe Arbeitslosigkeit und mehr als 30 Prozent Migranten sorgen für einen schlechten Ruf. Doch dank der Olympischen Spiele 2024 erlebt Saint-Denis eine tiefgreifende Transformation. Besonders das Viertel Pleyel im Süden ist heute ein Hotspot für Architektur und Innovation, gekrönt durch den neuen Super-Bahnhof Saint-Denis Pleyel, der das Viertel ider das Viertel seit 2024 über die verlängerte Linie 14 in nur 15 Minuten mit dem Zentrum von Paris verbindet.
Wer Lust hat, den Großraum Paris jenseits der bekannten Ecken zu entdecken, sollte sich einen Tag lang durch Saint-Denis treiben lassen. Was ihr nicht verpassen sollt? Hier kommen meine Tipps!
Saint-Denis entdecken: das solltet ihr nicht verpassen!
Die Basilique Saint-Denis
Die Basilika Saint-Denis erhält nach fast 200 Jahren bis 2030 ihre flèche zurück, ihre hohe Turmspitze, auf der Nordseite des Gebäudes, die sie 1846 verloren hatte, nachdem sie durch einen Orkan beschädigt worden war. Sie wurde damals aus Sicherheitsgründen abgebaut und ist seitdem nicht mehr ersetzt worden.
Die Rückkehr der flèche
Am 14. März 2025 begann offiziell die Rekonstruktion dieses Turms mit dem Setzen des ersten Steins durch die französische Kulturministerin. Das Projekt wird bis 2029 dauern und basiert auf den ursprünglichen Plänen des Architekten François Debret aus dem 19. Jahrhundert. Es wird vollständig durch Spenden sowie öffentliche und private Mittel finanziert.
Am 14. März 2025 wurde in Anwesenheit der französischen Kulturministerin der erste von den 15.228 handgeschlagenen Kalksteinen gesetzt, was den Beginn eines umfangreichen Wiederaufbauprojekts markiert.


Die Gründungslegende
Die Basilika ist Frankreichs Grabeskirche der Könige. Nachdem der heilige Dionysius um 250 n. Chr. auf Montmartre enthauptet wurde, nahm er den Kopf unter den Arm und lief gen Norden zu einer christlichen Gemeinde, die den ersten Bischof von Paris heimlich begrub.Die Legende enthält ein Fünkchen Wahrheit.
Denn dort, wo der Märtyrer angeblich zusammenbrach, gab es im 1. Jahrhundert tatsächlich eine gallorömische Siedlung mit einer Kultstätte. Ausgebaut zur Abtei, wurde sie unter Hugo Capet Grabstätte der französischen Monarchie. 42 Könige, 32 Königinnen, 63 Prinzen und Prinzessinnen sowie zehn Persönlichkeiten sind hier begraben; Krone und königlicher Lilienbanner hier verwahrt.

Wiege der Gotik
Hoch aufstrebende Pfeiler, Kreuzrippengewölbe, Spitzbögen und filigrane Strukturen statt blockhafter Romanik: Was Abt Suger beim Bau der Kathedrale wagte, war ein architektonisches Novum. Und läutete eine gänzlich neue Epoche ein: die Gotik.
„Gott ist Licht“ proklamierte Abt Suger, und richtete danach die Architektur der Pfeilerbasilika aus, die Vorbild wurde für die Kathedralen von Paris, Chartres, Laon, Amiens und Reims.
Architektur des Lichts
Die Buntglasfenster der Basilika Saint-Denis sind ein zentrales Element der gotischen Architektur und Symbolik. Sie wurden ursprünglich im 12. Jahrhundert unter Abt Suger eingeführt, der die Basilika in einen „Tempel des Lichts“ verwandeln wollte.
Diese Fenster revolutionierten die Architektur. Waren die Vorläuferkirchen noch dunkle Höhlen gewesen, flutete jetzt das Licht auf ungeahnte Weise in das 108 Meter lange und fast 30 Meter hohe Kirchenschiff. Die gotische Architektur ermöglichte größere Fenster durch Rippengewölbe und Strebebögen, wodurch die Wände fast „unsichtbar“ wurden.

Dies war ein radikaler Bruch mit der dunklen romanischen Bauweise. Die Basilika wurde daher bis ins 18. Jahrhundert auch Lucerna (Laterne) genannt, da ihre Helligkeit außergewöhnlich war. Die Fenster sollten das göttliche Licht symbolisieren und eine Verbindung zwischen Himmel und Erde schaffen. Das durch die Glasmalereien gefilterte Licht hatte eine mystische Bedeutung und wurde als Manifestation des Göttlichen interpretiert.
37 Buntglasfenster, jedes zehn Meter hoch, lassen den Mittelpunkt des Chores in himmlischem Licht erstrahlen, wo sich der Altar befindet. Die ersten Buntglasfenster wurden vor 1144 installiert, viele davon auf Anordnung von Abt Suger. Diese Fenster waren für ihre intensiven Farben, besonders das berühmte Bleu de Saint-Denis, bekannt

Die frühesten Fenster illustrierten biblische Szenen, wie den Jessebaum oder die Kindheit Christi, und verbanden das Alte und Neue Testament durch Christus als zentrale Figur. Die Originalfenster des 12. Jahrhunderts wurden 1997 entfernt, restauriert und durch Kopien ersetzt. Die beeindruckende Südrosette mit mehr als zwölf Metern Durchmesser, die die Schöpfungsgeschichte darstellt, wurde 2021 restauriert.
Während der Französischen Revolution wurden viele Fenster zerstört, um das Blei zu recyceln. Unter den Architekten François Debret und Viollet-le-Duc wurden im 19. Jahrhundert zahlreiche Fenster rekonstruiert. Diese zeigen Szenen aus dem Leben von Saint Denis sowie Episoden aus der Geschichte der Basilika. Die 37 Buntglasfenster sind heute größtenteils Kopien – die Originale des 12. Jahrhunderts wurden 1997 zur Restaurierung entnommen. Die beeindruckende Südrosette wurde 2021 fertig restauriert.
Die Königsgräber
Mit mehr als 70 Marmorsärgen und Gräbern birgt die Basilika von Saint-Denis die größte französische Sammlung der Grabbaukunst.
Bis auf Ludwig VII., Philipp I. und Ludwig XI. sind alle Könige Frankreichs mit ihren Gattinnen in der Basilika beigesetzt worden. Die meisten Gräber schmücken Liegefiguren, einige Herrscher werden barfuß gezeigt.
Nur Marie Antoinette und König Ludwig XVI. knien betend und in prächtigen Gewändern vor Stehpulten. Architektonisch auffällig wie aufwändig ist das Renaissancemausoleum Ludwigs XII. († 1515) und seiner Gemahlin Anne de Bretagne († 1514).

Daneben ruhen Heinrich II. († 1559) und Katharina von Medici († 1589), die in Bethaltung und liegend als gisants, als Leichname, dargestellt sind. Als prachtvollen Triumphbogen entwarf Philibert de l’Orme das Grabmal für Franz I. (1494 – 1547) und Claude de France im südlichen Querschiff.
Beinhaus & Krypta
Eine Treppe führt hinab zur Krypta, wo das Beinhaus die royalen Gebeine, die während der Französischen Revolution exhumiert wurden, vereint. In der Kapelle der Bourbonen ist das Herz Ludwig XVII. ausgestellt. Im Familiengrab des Königshauses haben Ludwig XVI. und Marie-Antoinette ihre letzte Ruhestätte gefunden. Im zweiten Gemeinschaftsgrab der Krypta ruhen königliche Mitglieder der Merowinger, Kapetinger, Orléans und Valois.
• www.saint-denis-basilique.fr
Die Festivals
Ausgezeichnet ist auch die Akustik der Kirche. Erlebt sakrale Klänge und Symphonien, Kammermusik und Rezitale alljährlich im Juni beim Festival de Saint-Denis, das im Chor der Basilika und der Maison d’éducation de la Légion d’Honneur gastiert. Einige Konzerte werde auf die riesige Leinwand vor der Kirche übertragen!
Jazz, Blues, Weltmusik, Funk und R &B erklingen im März fünf Wochen lang bei den Banlieues Bleues. Weltmusik hört ihr bei den Villes du Musique du Monde, das im Herbst an vielen Orten des Départements Seine-Saint-Denis gastiert.
Der Marché de Saint-Denis
Mit mehr als 300 Ständen gehört der Markt auf der Place Victor Hugo zu den wichtigsten der Île-de-France. Seine Markthalle aus dem 19. Jahrhundert erinnert an die Pavillons von Baltard. Tipp: Am Sonntag ist der Marktbesuch am schönsten!
Der Parc de la Légion d’Honneur
Jenseits der Basilika erstreckt sich der Park der Ehrenlegion. Im Frühling inszeniert er bei der Fête des Tulipes einen wahren Blütentraum tausender Tulpen!
• Eingang: Rue Pinel, Avenue Paul Vaillant-Couturier
Der Parc Georges-Valbon
Mit 410 Hektar größer als New Yorks Central Park (340 ha) ist der Parc Georges-Valbon, der sich über insgesamt fünf Kommunen erstreckt, darunter auch Saint-Denis. Seine großen Rasenflächen unterhalten – ganz nachhaltig – die Herden der Bergers Urbains. Transhumanz in der Großstadt: Das müsst ihr erleben!
• Boulevard Maxim Gorki
Der Canal Saint-Denis zweigt im Parc de la Villette vom Canal de l’Ourcq ab und führt über 6,6 Kilometer direkt zur Seine bei Saint-Denis.
Hier ist der Text, journalistisch aufbereitet für das Jahr 2026:
Cité du Cinema
Luc Besson feierte mit „Im Rausch der Tiefe“ oder „Arthur und die Minimoys“ weltweit Erfolge. Für 160 Millionen Euro verwandelte der Filmregisseur ein stillgelegtes E-Werk in die Cité du Cinéma Saint-Denis – mit neun Studios, Kino, Kantine für tausend Esser und Räumen einer Filmhochschule. 62.000 Quadratmeter groß ist das Hollywood an der Seine, das nicht nur Illusionen auf der Leinwand inszeniert, sondern handfest Arbeits- und Ausbildungsplätze schafft.
• 20, Rue Ampère, https://laciteducinema.fr
Canal Saint-Denis
Lange Zeit war der Canal Saint-Denis eine rein industrielle Wasserstraße, gesäumt von Schrottplätzen und grauen Lagerhallen. Doch seit den Olympischen Spielen 2024 hat sich das Ufer in eine lebendige Flaniermeile verwandelt. Wo früher Schwerlastkähne dominierten, prägen heute begrünte Uferwege, moderne Wohngebiete und urbane Kunst das Bild.Besonders spektakulär ist die Street-Art Avenue: Auf den Mauern entlang des Kanals haben sich internationale Künstler verewigt und die Wasserstraße in eine der längsten Freiluftgalerien Europas verwandelt.
Rund um den Bahnhof Saint-Denis Pleyel und die Cité du Cinéma sind am Kanalufer zahlreiche Bio-Bistros und Coworking-Cafés wie das Le 6B entstanden. Besonders an lauen Sommerabenden trifft man sich hier zum Apéro auf den Holzterrassen, während Ausflugsschiffe vorbeiziehen.
Mein Tipp
Radelt vom Bassin de la Villette in weniger als 20 Minuten direkt bis vor die Tore des Stade de France – immer am Wasser entlang, fernab vom Pariser Autoverkehr!
Stade de France
Mit 81 336 Zuschauern ist das Stade de France Frankreichs größtes Stadion. Im Nationalstadion, das Michel Macary, Aymeric Zubléna, Michel Regembal und Claude Costantini entwarfen, werden fast alle Heimspiele der französischen Nationalmannschaft ausgetragen. Bei der EURO 2016 fanden die Eröffnung, das Finale und fünf weitere Matches statt. Und auch bei den Olympischen Sommerspielen 2024 war das Nationalstadion die Bühne für sportliche Wettkämpfe udn Großevents. Der nachts blau leuchtende Kessel ist die Heimstätte der Rugby-Teams Stade Français und Racing Métro 92. Bei Spielen der Rugby-Union-Nationalmannschaft verwandelt es sich in einen Hexenkessel. Den Besucherrekord jedoch hält ein Konzert: 93.000 Menschen pilgerten zu U2 insStade de France.
• Führungen (90 Min.) : ab Eingang E

Saint-Denis: noch mehr Tipps
La Ferme Ouverte
Früher erstreckte sich rund um Saint-Denis eines der größten Gemüseanbaugebiete Frankreichs. Heute hält der Stadtbauernhof von Saint-Denis das bäuerliche Erbe der Plaine des Vertus lebendig. Die landwirtschaftliche Produktion von Kichererbsen, Rettich, Fenchel, Wassermelonen und anderen Erzeugnissen ergänzt ein vielseitiges Kulturprogramm mit Kochkursen, Ausstellungen und Führungen, bei denen ihr mit eurer Nase den Gerüchen und Düften folgt.
• 114, avenue de Stalingrad, 93000 Saint-Denis, Tel. 01 84 03 98 95, https://fermeouvertedesaintdenis.com
Chapiteau Raj’ganawak
Yogakurse, Boxunterricht, Akrobatik für Erwachsene, Kabarettshows, Bälle und viele andere Angebote von Kultur und Unterhaltung: Die Truppe von Raj’ganawak belebt seit dem Jahr 2000 das Kulturangebot von Saint-Denis. Ihr Zirkuszelt findet ihr wenige Schritte von der RER-Station der Linie D entfernt.
• 3, rue Ferdinand Gambon, 93200 Saint-Denis, auf Facebook und Instagram zu finden
L’Academie Fratellini
Ausgebildet wird der Zirkusnachwuchs in Akrobatik, Tanz und Jonglieren beispielsweise unter den beiden Zirkuskuppeln der Académie Fratellini. Die eine gleicht einer 30 Meter hohen Kathedrale aus Holz, die zweite eher einer Jurte. Mehrmals im Monat zeigen die jungen Artisten ihre Künste beim Apéro-Cirque.
• 1-9, rue des Cheminots, 93210 Saint-Denis, Tel. 01 49 46 00 00, www.academie-fratellini.com
Le 6 B
Mehr als 170 Künstler haben seit 2010 ein sechsstöckiges Bürohaus in ein vibrierendes Hothouse der Kreation verwandelt. Fotografen, Bildhauer, Stylisten, Architekten und Designer arbeiten in ihren Ateliers. Regelmäßig stehen Konzerte, Ausstellungen und Vorträge auf dem Programm. Ein wahrer Künstler am Herd ist Nicolas Simarik, der in Le Cerveau Montag bis Freitag ein Menü komponiert, das 100% bio ist. Jeden Sommer wird feinster Sand für den Beach Club aufgeschüttet.
• 6-10, quai de Seine, 93200 Saint-Denis, Tel. 01 42 43 23 34, www.le6b.fr
Le Soixante AdaDa
Ausstellungen, Kinoabende, Performances oder Livekonzerte: Le Soixante AdaDa liebt künstlerische Experimente – und das seit 2009. Auch anders: Alle Einnahmen fließen direkt den Künstlern zu, es gibt keine Kommission für die Vermittlung.
• 60, rue Gabriel Péri, 93200 Saint-Denis, Tel. 01 42 43 72 64 www.60adada.org
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Im Blog
Alle Beiträge aus dem Département Seine-Saint-Denis vereint diese Kategorie. Sämtliche Ziele und Themen, die ich in meinem Online-Magazin nach Départements und Regionen vorstelle, findet ihr zentral vereint auf dieser zoombaren Karte.
Im Roman
Paul Besson, Paris Saint-Denis*

Paris-Saint-Denis ist ein poetischer Erstlingswerk, der den Initiationsweg eines jungen Mannes Mitte 20 schildert, der zwischen dem pulsierenden Paris und dem Vorort Saint-Denis pendelt. Der Protagonist navigiert durch ein präkäres Stadtleben voller nächtlicher Streifzüge, welchselnder, schlecht bezahlter Jobs und unerwarteter Begegnungen, die ihm Weisheit vermitteln – vom Dealer, der Leben rettet, bis zur geduldigen Kassiererin, die mit Humor die Monotonie durchbricht.
Besson kennt Saint-Denis und die Banlieue bestens. 1987 geboren, arbeitete er dort in Billigjobs als Kellner, Zigarettenverkäufer, Supermarkt-Host und Animateur), streifte nachts durch die Stadt und fotografierte sie. Diese persönlichen Erfahrungen fließen authentisch in den Roman, der so ein Gegenportrait der Vororte webt, ein sensibles Porträt der Banlieue, das mit den Klischees bricht. Wer mag, kann das Taschenbuch hier* bestellen.
Mahir Guven, Zwei Brüder*
Mit Grand Frère verfasste Mahir Guven einen Roman aus der Banlieue, der in Frankreich Furore machte. Sein Autor, 1986 in Nantes mit türkisch-kurdischen Wurzeln geboren, erhielt für sein Erstlingswerk u.a. den Prix Goncourt du premier roman, die wichtigste literarischen Ehrung für Nachwuchsautoren. Am 19. März 2019 erschien sein Werk unter dem Titel „Zwei Brüder“ in der Übersetzung von André Hansen im Aufbau-Verlag.
Der geänderte Titel legt damit stärker als das französische Original den Fokus auf die Erzähler. Nicht nur der „große Bruder“, der in Paris sich nach der Karriere als Haschischkurier nun als Fahrer für Uber durchschlägt, sondern auch der kleine Bruder, in Paris Krankenpfleger, in Syrien Arzt im Kampfgebiet, erzählen ihre Lebensgeschichte. In Syrien jedoch gerät der kleine Bruder in die Fänge des Dschihad, die ihn zum Attentäter ausbilden. Plötzlich steht er bei der Familie, die ihn für verschollen hielt, wieder vor der Tür. Und bringt die gesamte Familie in Gefahr…
Ich habe das Buch mit Zögern zu lesen begonnen. Die Sprache der Banlieue war fremd. Ungewohnt. Doch nach wenigen Seiten war das Fremdeln mit dem Jargon, der Lebenswelt der Brüder, einer Leselust gewichen, die mich immer tiefer hinein zog. Wie gebannt las ich das Buch in einer Nacht. Lernte über das Leben in der Banlieue, über den Krieg in Syrien, über die Situation von Migranten, von Muslimen. Ein Crashkurs in Kulturbegegnung, der mich fesselte, staunen ließ. Und dabei zugleich eine universelle Fabel über das Leben und Miteinander von Menschen ist. Wer mag, kann den Roman hier* bestellen.
Mahir Guven habe ich in einem Salongespräch interviewt. Ihr findet es auf Youtube auf dem Kanal von Mein Frankreich!
Im Reiseführer
Hilke Maunder, Baedeker Paris*

1975 kam ich dank Interrail zum ersten Mal nach Paris und übernachtete in einem einfachen Sleep-in in der Rue de Turenne. Damals ahnte ich noch nicht, dass diese Stadt mich ein Leben lang begleiten würde. In den Jahren danach verbrachte ich fast jedes Jahr viel Zeit in der Kapitale: als junge Frau, die im 18e Arrondissement als Kellnerin jobbte, später mit Partner, schließlich mit meiner Tochter. Und bis heute fehlt mir etwas, wenn ich Paris nicht immer wieder neu erlaufen, erradeln oder durch das Labyrinth der Métro durchstreifen kann.
Aus dieser langjährigen, sehr persönlichen Beziehung zur Stadt ist mein Baedeker Paris* entstanden. Er versteht Paris nicht nur als Ansammlung berühmter Sehenswürdigkeiten, sondern als lebendige, vielschichtige Metropole, die sich mit jeder Reise neu erschließt. Natürlich findet ihr darin die großen Klassiker – vom Louvre über die Île de la Cité bis zum Eiffelturm –, doch ebenso wichtig sind mir die besonderen Orte, die leisen Viertel, die kleinen Entdeckungen abseits der Postkartenmotive.
Neben verlässlichen Fakten, übersichtlich aufbereiteten Karten und praxisnahen Tipps erzähle ich von ungewöhnlichen Details, kleinen Anekdoten und Momenten, die man nicht planen kann, die aber oft die schönsten Erinnerungen hinterlassen: ein Tanz unter freiem Himmel, ein unerwarteter Blick von oben, ein Abendessen, das länger dauert als gedacht. Genau diese Mischung aus Orientierung und Inspiration soll euch dabei helfen, Paris auf eure ganz eigene Weise zu erleben. Wer mag, kann meinen Paris-Reiseführer hier* bestellen.
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