Toulouse: Flaggenschmuck zum 14. Juli auf der Allée Jean Jaurès. Foto: Hilke Maunder

Der 14. Juli – Frankreichs Nationalfeiertag

Liberté, Égalité, Fraternité (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit): Mit diesem Schlachtruf stürmten Milizen der Pariser Bezirke unter dem Oberbefehl des ruhmreichen Generals Lafayette am 14. Juli 1789 das verhasste Staatsgefängnis von Ludwig XVI. im Pariser Osten.

So wurde der Schlachtruf berühmt, in Geschichtsbücher und Stein gemeißelt. Doch…. das ist eine Verkürzung.

Inschriften auf wenigen Rathäusern, darunter Troyes, verraten jedoch, was im Lauf der Geschichte unter den Tisch fiel. Und die Pariser Kommune später zum Schlachtruf machte.

Liberté, Égalité, Fraternité. Ou la mort ! Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Oder der Tod!

Das Rathaus von Troyes zeigt noch den vollständigen Spruch der Französischen Revolution. Foto: Hilke Maunder
Das Rathaus von Troyes zeigt noch den vollständigen Spruch der Französischen Revolution. Foto: Hilke Maunder

Der Sturm auf die Bastille

Mit dem Sturm auf die Bastille, zu dem am Vorabend der Journalist und Jakobiner Camille Desmoulins im Café Foy aufgerufen hatte, begann die Französische Revolution.

Sie veränderte die politischen Strukturen. Nicht nur in Frankreich, sondern weltweit. Wo sie ihre Spuren in Paris hinterlassen hat, könnt ihr bei diesem Stadtspaziergang entdecken.

Den stürmischen Umbrüchen von 1789 folgte die gemäßigte Phase der Revolution. Gute Ernten, ein neues Wahlrecht und die Erklärung der Menschenrechte beruhigten das Volk.

Der Donjon des Château de Vincennes. Foto: Hilke Maunder
Baugleich zur Bastille: das Château de Vincennes. Foto: Hilke Maunder

Das Föderationsfest 1790

Am 14. Juli 1790 feierte es den Jahrestag der Erstürmung gemeinsam mit 60.000 Nationalgardisten bei einem Föderationsfest auf dem Champs de Mars, dem Marsfeld am Eiffelturm.

Doch erst 90 Jahre später – 1880 – machte eine Initiative des Pariser Abgeordneten Benjamin Raspail diesen Tag der „nationalen Versöhnung“ zum Nationalfeiertag der Grande Nation.

Zu brutal und blutig sei der Sturm auf die Bastille gewesen, und daher ungeeignet für einen Gedenktag, hatte das Parlament 1878 beschlossen. Die Abgeordneten wünschten sich ein Fest, das die Grundwerte der Revolution aus der Taufe hob. Ein Föderationsfest sollte es sein.

Am 8. Juni verabschiedete die Abgeordnetenkammer Raspails Gesetzentwurf. Drei Wochen später, am 29. Juni  1880, gab auch der Senat grünes Licht.

Eine Woche später war das Gesetz offiziell verkündet. Die Auflage: Der Tag solle mit so viel Ausstrahlung gefeiert wird, wie es die örtlichen Gegebenheiten zuließen.

Paris: Feier zum 14. Juli auf der Place de la Bastille von Paris. Foto: Hilke Maunder
Bei der Feier zum 14. Juli auf der Place de la Bastille von Paris. Foto: Hilke Maunder

1880: der erste Nationalfeiertag

Die Gestaltung des ersten Nationalfeiertages 1880 plante eine flugs einberufene Kommission. Sie organisierte die laizistischen Feierlichkeiten in den Schulen, die Einweihungen republikanischer Statuen, die Verteilung von Lebensmitteln an Notleidende, Beflaggung und Illumination, Glockenläuten und Truppenparaden.

Denn seit Anbeginn ist der Nationalfeiertag nicht nur eine Hommage an die Werte der Republik, sondern auch eine Leistungsschau des Militärs.

Historisch gesehen ist dies nur mehr als verständlich. 1880 lag die „Schmach von Sedan“ gerade mal neun Jahre zurück.

Frankreich hatte damals das Elsass und einen Teil von Lothringen, vor allem das Département Moselle, verloren. Und eine Kapitulationserklärung gegenüber Preußen unterzeichnen müssen.

Die Marianne im Louvre von Paris. Foto: Hilke Maunder
Die Marianne im Louvre von Paris. Foto: Hilke Maunder

Fest mit Symbolcharakter

Der Verlust der Standarten an der preußischen Front konnte nur mit einem Fest mit starkem Symbolcharakter überwunden werden. Darüber war man sich in der Dritten Republik einig.

Zu Trommelwirbeln und viel Pomp erfolgte so am 14. Juli 1880 die seit Jahren aufgeschobene Verteilung der Fahnen an die neu gebildeten Regimenter.

Ebenfalls an jenem legendären 14. Juli 1880 wurde die Marianne, von Eugène Delacroix (1798 – 1863) als Anführerin des aufbegehrenden Volkes auf der Leinwand verewigt, als Symbol der Republik eingeführt. Bis heute ist ihre Büste in oder vor fast jedem französischen Rathaus zu finden.

Im ganzen Land verkauften Kioske anlässlich des neuen Feiertages patriotische Lithografien. Sie zeigten die Marianne mit Jakobinermütze oder die Trikolore in den französischen Nationalfarben Blau, Weiß, Rot. Angefeuert von Männerchören, schmetterten Menschenmassen die Marseillaise.

Militärschau und Volksfest

Die patriotische Begeisterung verstärkten Volksfeste mit Jahrmarkt-Attraktionen und Volksbälle in den Kasernen der Feuerwehren am Vorabend des 14. Juli. Der große Tag endete um Mitternacht mit einem fulminanten Feuerwerk in Blau, Weiß, Rot.

Nur wenig hat sich seitdem geändert. Bis heute werden die Traumata und Träume der Geschichte, die gemeinsame Vergangenheit und kollektiven Hoffnungen im Rausch eines Sommerabends verherrlicht.

Ob Großstadt oder Dorf, das Volk tanzt am Vorabend des Nationalfeiertages in den Kasernen der Feuerwehren bei den bals populaires von neun Uhr nachts bis vier Uhr früh.

Danach geht es nicht ins Bett, sondern an den comptoirs der Cafés. Dort stärken sich die Franzosen mit einem petit noir für die Militärparade auf den Champs-Éysées.

Blick vom Arc de Triomphe auf die Champs-Élysées. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Arc de Triomphe auf die Champs-Élysées. Foto: Hilke Maunder

Flugschau und Volksbälle

Bereits im Morgengrauen beginnt dort das Gerangel um die besten Plätze. Punkt zehn Uhr morgens verkünden Trompeten die Ankunft des Präsidenten der Republik. Zu Trommelwirbeln marschieren Frankreichs Streitkräfte im Gleichschritt die schönste Avenue der Welt entlang.

2007 lud der damalige Präsident Nicolas Sarkozy erstmals EU-Truppen zur Teilnahme  am Defilee ein.  Im Jahr der Überseegebiete 2011 durften erstmals die Truppen von Guadeloupe, Französisch-Guayana, Martinique, Mayotte, Neu-Kaledonien, Französisch-Polynesien und La Réunion die Leistungsschau des Militärs anführen.

Traditionell eröffnet die Patrouille de France die Parade in der Luft und malen mit ihren Kondensstreifen die Nationalfarben in den Pariser Himmel. Hubschrauber und Kampfjets zeigen ihr Können über den Köpfen von Paris. Fallschirmjäger der Fremdenlegion landen aus der Luft vor der Präsidententribüne. Dann macht die Parade der Uniformen Platz für ein Volksfest.

In den quartiers gibt es Kirmes und Kultur, auf dem Champs de Mars kostenlose Konzerte mit Weltstars. Sie überbrücken die Zeit bis zum Finale: dem Feuerwerk, das überall in Frankreich den Himmeln farbig funkeln lässt.

In Paris erlebt ihr die atemberaubende Farbexplosion am Eiffelturm. Alljährlich steht sie unter einem anderen Motto.

Patriotisch: das Feuerwerk von Saint-Paul-de-Fenouillet am Nationalfeiertag 14. Juli. Foto: Hilke Maunder
Patriotisch: das Feuerwerk von Saint-Paul-de-Fenouillet am Nationalfeiertag, dem 14. Juli. Foto: Hilke Maunder

Die Militärparade in Zahlen

An der Truppenparade zum 14. Juli nehmen alljährlich teil:

  • 40 Hubschrauber
  • 67 Flugzeuge und Kampfjets
  • 82 Motorräder
  • 270 berittene Soldaten der Garde Républicaine
  • 196 Fahrzeuge
  • 4.299 Fußsoldaten/innen
  • 300.000 Zuschauer
Bunte Wimpel schmücken am 14. Juli auch die Markthalle von Saint-Cyprien in Toulouse. Foto: Hilke Maunder
Bunte Wimpel schmücken am 14. Juli auch die Markthalle von Saint-Cyprien in Toulouse. Foto: Hilke Maunder

Weiterlesen

Im Blog

So tickt Frankreich

… heißt eine Kategorie im Blog, in der ich Streiflichter zur Landeskunde vorstelle. Klickt hier.

Feste und Traditionen

Die lebendigen Feste und Traditionen könnt ihr in dieser Kategorie entdecken.

Im Buch

Temps Perdu*

Temps PerduVerlassen, vergessen, verloren – und doch ungeheuer faszinierend. Dieser Bildband stellt euch die schönsten lost places des Hexagons vor: Schlösser, Herrenhäuser, Schiffswracks, Bibliotheken und Kirchen, Schwimmbäder, Bunker, Bahnhöfe, Fabriken und Geisterdörfer.

Stefan Hefele und Felix Röser entdeckten und fotografierten sie. Drinnen wie draußen entfalten ihre Objekte einen morbiden Charme und ein ganz besonderes Flair. Ihre stillen Fotos begleiten Texte von mir, die Frankreichs Kultur- und Alltagsgeschichte passend zu den Fotos Revue passieren lassen.

Le Temps Perdu fällt damit raus aus dem Rahmen der vielen Lost-Places-Bücher. Es ist ein Buch zum Schauen, Staunen und Träumen von vergangenen Zeiten. Eine nostalgische Zeitreise, garniert mit Zitaten und Einblicken in die Befindlichkeiten und Lebenswelten unserer Nachbarn. Hier gibt es eine Leseprobe. Und hier* könnt ihr das Buch online bestellen.

 * Durch den Kauf über den Partner-Link, den ein Sternchen markiert, kannst Du diesen Blog unterstützen und den Blog werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci !

12 Kommentare

  1. Ich freue mich über jede neue Ausgabe von „Mein Frankreich“. Immer lesenswert und oft über dass bekannte hinaus informativ.
    Wir haben seit 1993 ein Haus in Südfrankreich am Mittelmeer – Argelès sur mer- und möchten es nicht missen. Frankreich und seine Menschen sind einfach was besonderes und wir haben bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Wir wünschen uns sehr, dass wieder Ruhe einkehrt und es gelingt, den sozialen Frieden wieder herzustellen, der gerade die Versäumnisse der politisch Handelnden durch die aktuellen Unruhen aufzeigt. Förderung und Einbeziehung bei gleichzeitigem Aufzeigen und durchsetzen von gesellschaftlichen Grenzen, wäre unserer Einschätzung nach zwingend notwendig. Sehen es auch als ein Warnsignal nach Deutschland, wo man in den Bereichen Jahrzehnte lang auch zu wenig getan hat und Grenzen nicht durchgesetzt hat
    Für uns ist unser Südfrankreich mehr als nur ein Zweitwohnsitz – es ist ein gutes Lebensgefühl, welches wir sehr hoch einschätzen.
    Edward-Errol Jaffke

    1. Lieber Edward-Eroll, ich teile Ihre Wünsche – und das Lebensgefühl. Bien cordialement, Hilke

  2. Liebe Hilke Maunder,
    endlich möchte ich mich für Ihre schönen und interessanten Berichte aus Frankreich bedanken. Sie tun mir gut, denn seit meinem 12/13 Lebensjahr (ich bin jetzt fast 70) ist Frankreich meine große Liebe! Die Sprache, die Musik, die Filme. Dann der erste Besuch 1970, die erste Liebe, dann später die schönen und vielfältigen Landschaften, vor allem die wunderschöne Provence! Zum Nationalfeiertag wünsche ich Frankreich alles Gute! Grüße aus Berlin, Helga

    1. Liebe Hela, merci! Auch bei mir entstand die Liebe zu Frankreich in den 1970er-Jahren durch eine Interrail-Reise. Da war es um mich geschehen. Herzliche Grüße, Hilke

  3. Vielen Dank für die vielen Infos! Da ich Amazon und Herrn Bezos seit langem nicht mehr unterstützen und nicht noch reicher machen will: Gibt es andere Wege?

  4. Danke für die Informationen zur Vorgeschichte des Feiertages. War mir alles neu. (Wieder was gelernt.)
    Reiner

      1. Herzlichen Glückwunsch zum Nationalfeiertag.
        Ich liebe Frankreich.
        Herbert-Konrad Leonhardt
        Nürnberg Mittelfranken Bayern

      2. Herzlichen Dank! Bei uns im Dorf war es eine kleine Zeremonie, bei der alle Masken trugen. Leider steigen in Frankreich die Zahlen wieder… Viele Grüße! Hilke

  5. Coucou Hilke,
    Meine francophilie wird durch ihre Berichte nach über 40Jahren Urlauben am Atlantik extrem bereichert und geschürt. Wie konnte ich nur all die Jahre ohne sie leben … merci millefois dafür .
    Nun wüsste ich gerne, ob sie auch etwas aktuelles zu Bordeaux verfasst haben?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert