Argelès-sur-Mer: die Camping-Kapitale

Argeles, Camping Le Soleil. Foto: Hilke Maunder
Große Wasseranlagen wie beim Camping Le Soleil sind der Stolz der Plätze von Argelès-sur-Mer. Foto: Hilke Maunder

51 Campingplätze besitzt Argelès-sur-Mer, darunter 18 Drei-Sterne-, 19 Vier-Sterne- und zehn Fünf-Sterne-Betriebe. Insgesamt bieten sie 14.146 Stellplätze, erfasste das nationale Statistikamt INSEE für 2023 akribisch und bestätigte: Argelès-sur-Mer ist wieder einmal Frankreichs Camping-Kapitale und landesweit die Nummer eins – vor Saint-Jean-de-Monts (Vendée, 37 Campingplätze, 7.342 Stellplätze) und Saint-Hilaire-de-Riez (Vendée, 34 Campingplätze, 6.760 Stellplätze).

Hinzu kommen 21 Hotels mit insgesamt 567 Zimmern, drei Feriendörfer, vier Touristenresidenzen sowie zahlreiche chambres d’hôtes, Gästezimmer. Sie lassen die Einwohnerzahl der sonst sehr beschaulichen 10.000-Einwohner-Stadt jeden Sommer auf rund 700.000 Menschen hochschnellen.

Der zweigeteilte Ort

Argelès im Roussillon. Foto: Hilke Maunder
Argelès im Roussillon. Foto: Hilke Maunder

Argelès hat zwei Gesichter. Im Hinterland der Küste birgt das alte Städtchen Argelès-sur-Mer typisch katalanische Häusern in engen Gassen. Jenseits der Obstplantagen, die 2,5 Kilometer breite den Küstenstreifen säumen, entstand als moderner Badeort Argelès-plage.

Während der Retirada, der großen Flucht vor Franco aus Spanien, campierten Tausende Flüchtlinge auf den Stränden von Argelès-sur-Mer in einem Lager in einfachsten Notunterkünften. Ein circuit de la mémoire erzählt davon ebenso wie das

CIDER – Centre d’Interprétation et de Documentation sur l’Exil et la Retirada , in dem ihr selbst Nachforschungen anstellen könnt.

Der Strand von Argelès. Foto: Hilke Maunder
Der Strand von Argelès. Am Horizont erheben sich die Bergspitze der Albères, dem letzten Gebirgsstock der Pyrenäen vor dem Mittelmeer. Foto: Hilke Maunder

Die Strände von Argelès-sur-Mer

Eine in Teilen schattige, baumbestandene Strandpromenade trennt dort die Häuser vom sieben Kilometer langen Sandstrand. Während der Saison bewachsen Lebensretter seine drei Strandabschnitte Plage Nord, Plage des Pins und Plage Sud.

Breit sind die Strände und fallen recht sanft ins Meer. Das macht sie zu einem beliebten Ziel von Familien. Im Süden geht der Sandstrand bei Le Racou in die felsige Côte de Vermeille mit ihren intimen Buchten über.

Argelès. Blick von Le Racou gen Norden. Foto: Hilke Maunder
Blick von Le Racou gen Norden. Foto: Hilke Maunder

Richtig feiern!

Nach dem Tag am Strand geht’s erst in die Bummelmeilen allée Jules Aroles und allées des Tamarisques mit ihren Bars und Boutiquen, Eisständen und Souvenirshops, dann zum Schlemmen in eines der vielen Lokale von Argelés-sur-Mer – und kurz vor Mitternacht in Diskotheken wie das Central Beach (5, allée Jules Aroles). Treffpunkt der LGBTQ+-Gemeinde ist das Potchic im Centre Commercial Costa Blanca am Boulevard de la Méditerranée.

Wer abends Fun und Nervenkitzel sucht, pilgert zum Luna Park an der Espace de Loisirs Plage Nord, der in der Saison täglich von 20.30 bis 1 Uhr nachts mit 25 Attraktionen lockt.

Der Hafen von Argelès-sur-Mer: Port-Argelès

Die Promenade am Meer endet im Süden am Hafen. Bars und Restaurants mit großen Terrassen rahmen das Hafenbecken ein. Zwischen schnittigen Seglern und hochmotorisierten Kabinenkreuzer sind hier und da noch die traditionellen Holzboote der Katalanen mit ihrem weiß-roten Rumpf vertäut.

Argelès, Hafen: der freie Denker. Foto: Hilke Maunder
Le penseur libre – der freie Denker: ein pointu im Hafen von Argelès. Foto: Hilke Maunder

Im Hafen legen zur Saison Ausflugsfahrten nach Collioure und Portbou oder Port de la Selva in Spanien. Eine fast zweistündige Rundfahrt mit dem Glasbodenboot präsentiert die Unterwasserwelt des Golfe de Lion. Wer mag, kann auch selbst einmal den Haken auswerfen und an Angel-Tagestörns teilnehmen.

Der Hafen von Argelès. Foto: Hilke Maunder
Der Hafen von Argelès. Foto: Hilke Maunder

Die Enfants de la Mer

Die Strandpromenade Allée du Racou verwandelt sich jeden Sommer zur Hafenseite zur Freiluftgalerie von Argelès-sur-Mer. Jene gestaltet alljährlich Manu Clabecq, Grafiker und Illustrator aus Perpignan, für den Verein Les Enfants de la Mer.

Zusammen mit Bernard Ducassy, als Stadtverordneter für den Tourismus, die Agenda 21 und nachhaltige Entwicklung zuständig, hatte er 2009 „Die Kinder des Meeres“ aus der Taufe gehoben.

Argelès, Les enfants de la mer. Foto: Hilke Maunder
Jeden Sommer inszenierten Les enfants de la mer eine Freiluftausstellung auf der Strandpromenade. Foto: Hilke Maunder

Das Konzept der Enfants de la Mer umfasst weit mehr als die jährlich wechselnde Ausstellung auf der Strandpromenade. Integriert sind Konferenzen, Entdeckungen in der Natur zu Land und zu Wasser, Ausflüge und Führungen sowie Naturkunde-Events an Schulen – und für alle am landesweiten Tag der Biodiversität. Was gerade läuft, verrät das Infohaus der Enfants de la Mer an der Strandpromenade.

Als frankreichweite einzigartige Aktion zur Förderung von Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein unterstützen das Département Pyrénées-Orientales, die Region Occitanie / Pyrénées Méditerranée und die Europäische Union die Enfants de la Mer.

Der Infopavillon von Les enfants de la mer in Argelès-plage. Foto: Hilke Maunder
Der Infopavillon von Les enfants de la mer in Argelès-plage. Foto: Hilke Maunder

Mas Larrieu: die letzten Dünen des Roussillon

Nur wenige Kilometer nördlich von Argelès-plage schützt an der Mündung des Tech das Réserve Naturelle Nationale de Mas Larrieu auf 145 Hektar eines der letzten Dünen an der Küste des Roussillon.

Der Küstenfluss entspringt am  Roc Colom (2345 m) von Prats de Mollo, durchläuft am Oberlauf die Berge des Vallespir, windet er sich durch die Ebene des Roussillon, und mündet nach 81,1 Kilometern beim Mas Larrieu nördlich von Argelès-sur-Mer  ins Mittelmeer.

Mas Larrieu. Foto: Hilke Maunder
Der Strand von Mas Larrieu bei Argelès-sur-Mer. Foto: Hilke Maunder

Hinter den kleinen Wanderdünen, den alten, festen Dünen, folgen weite Wiesen mit Wildblumen, mannshohem Fenchel, Disteln und Kräutern. Zum Schutz der Natur dürft ihr sie nicht betreten. Sie gehen langsam in Wald über.

Am Ufer des Tech, dessen Mündung ein bis zu drei Meter hohe Röhrichtgürtel säumt, brüten Wasserhühner, Bienenfresser und zahlreiche Möwenarten. See- und Graureiher haben hier ihr Jagdgebiet.

Mas Larrieu. Foto: Hilke Maunder
Die Mündung des Tech im NSG Mas Larrieu. Foto: Hilke Maunder

Und wer am Schutzgebiet ins Meer springen möchte, muss nicht einmal einen Badeanzug auf den Spaziergang mitnehmen. An den Dünen liegt der FKK-Strand von Argelès.  Einige Anhänger der Nacktbadekultur haben im Schilfgürtel sich idyllische Refugien geschaffen.

Mas Larrieu. Foto: Hilke Maunder
Der Strandzugang bei Mas Larrieu. Staketenzäune schützten die Dünen vor Zutritt. Foto: Hilke maunder
Mas Larrieu. Foto: Hilke Maunder
Berg und Meer, vereint am Mas Larrieu. Foto: Hilke Maunder

Beim Baden im Mündungsbereich des Tech solltet ihr Vorsicht walten lassen. Mitunter herrscht dort eine recht starke Strömung. Zudem sorgt der unterschiedliche Wasserdruck von Meer und Fluss für eine untermeerische Barriere aus Sand und Steinen, die im aufgewühlten Wasser nicht zu sehen ist.

Mas Larrieu. Foto: Hilke Maunder
Am Strand von Mas Larrieu. Foto: Hilke Maunder
Mas Larrieu. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Argelès-sur-Mer: meine Reisetipps

Schlemmen und genießen

La Bartavelle

Küchenchef Thibaut Lesage und seine Frau Stéphanie, eine meisterhafte Konditorin, entlocken Klassikern der französischen Küche immer wieder neue Aromen.
• 24, Rue de la République, 66700 Argelès-sur-Mer, Tel. mobil 06 19 25 70 13, www.restaurant-labartavelle.fr

Le Bistrot à la Mer

In diesem Hotel an der Corniche nach Collioure lässt sich Küchenchef Romain Hallot vom  Mittelmeer inspirieren – auf der weiß eingedeckten Terrasse liegt es euch zu Füße! Neben lokaler Meeresküche mit Sardellen aus Collioure gibt es für Fleischliebhaber auch katalanisches Lamm.
• 3638, Route de Collioure, 66700 Argelès-sur-Mer,  Tel. 04 68 81 14 73, www.grandhoteldugolfe.com/restaurant-argeles-sur-mer

Entdecken und Erleben

Mas Larrieu

Auf der D914 Elne-Argelès Abfahrt (sortie) 10 Richtung Taxo d’Avall nehmen. Folgt der Beschilderung Réserve Naturelle du Mas Larrieu bis zum Parkplatz, an dem einige Meter von den Dünen von Mas Larrieu entfernt die Straße endet. Infos zur Lage, Geologie, Flora und Fauna gibt es in diesem PDF: Mas Larrieu.

Musée Casa de l’Albera

Die Albères bilden den östlichsten Gebirgszug der Pyrenäen. Das Heimatmuseum stellt die Grenzberge zu Spanien vor mit Handwerk, Weinbau und Folklore vor. Am Museum beginnen Führungen des Office de Tourisme.
• Place des Castellans, 66700 Argelès-sur-Mer, Tel. 04 68 81 42 74, www.argeles-sur-mer.com

Hier könnt ihr schlafen*
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Mas Larrieu. Foto: Hilke Maunder
Der Blick vom NSG Mas Larrieu nach Süden. Foto: Hilke Maunder

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Im Buch

MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen*

Diesen Titel habe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen seit sechs Ausgaben umfangreich erweitert und aktualisiert.

Strandvergnügen und Kultur, quirlige Städte und wildromantische Landschaften: Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich neu entdeckt und getestet haben. Denn dieser Landstrich ist seit 2014 meine zweite Heimat.

Wandert rund um den Mont Lozére, radelt durch die Petite Camargue, schippert im Hausboot auf dem Canal du Midi, taucht mit der Zahnradbahn in die faszinierende Tropfsteinwelt der Cevennen ein oder entdeckt die Côte Vermeille bei einer Schnorchelwanderung. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreichs 2021 in 9. Auflage erschienen.

Das 588 Seiten dicke Werk ist der beste Begleiter für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen. 50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker!  Hier* gibt es euren Begleiter.

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