Postkarte aus … Bethmale

Blick über die Dächer von Ayet auf die andere Talseite von Bethmale. Foto: Hilke Maunder
Blick über die Dächer von Ayet auf die andere Talseite von Bethmale. Foto: Hilke Maunder

Es zierte einst ein legendäres Plakat der SNCF, wurde berühmt für seine ungewöhnliche Tracht. Und begeistert Gourmets mit seinem Käse: das Tal von Bethmale in den Pyrenäen des Départements Ariège.

Ayet im Bethmale-Tal. Foto: Hilke Maunder

„Schlechtes Tal“ nannten die ersten Bewohner dieses wunderschöne Fleckchen Erde. Die Böden waren für Ackerbau schlichtweg ungeeignet. So lassen die Bauern bis heute dort ihre Rinder weiden. Und verarbeiteten die Rohmilch seit bereits dem 12. Jahrhundert zu einem cremigen, halbfesten Käse: dem Bethmale.

Rot und bunt

Berühmt wurden auch die Trachten und Traditionen der Menschen von Bethmale. Als sie 1867 bei der Weltausstellung in Paris gezeigt wurden, hielten sie die Besucher zunächst für Theaterkostüme.

In der kleinen Straßen-Kapelle von Ayet tragen zwei Figuren die alte Tracht des Tales von Bethmale. Foto: Hilke Maunder

Denn die Tracht des Tales ist, besonders bei den Männern, äußerst bunt und ungewöhnlich. Ihre Jacken aus ungefärbter Wolle zieren bunte Bordüren. Rot, Blau und Gold leuchten die opulent verzierten Hauben und Kappen.

Im Tal sind die Trachten verschwunden. Doch in Saint-Lizier vermittelt das Musée Départemental im einstigen Bischofspalast bis heute faszinierende Einblick in die fremdartigen Trachten und Traditionen des Tales von Bethmale!

Spitze Schnabelschuhe

1984 zog Pascal Jurot als „Neo-Ruraler“ in das Vallée de Bethmale und eröffnete seine Tischlerwerkstatt in Aret. Dort fertigt er aus Birken- oder Buchenholz ganz besondere Holzpantinen.

Die Alltagsschuhe im Tal von Bethmale zeigen nur einen Hauch Spitze. Foto: Hilke Maunder

Eine lokale Legende erzählt:

Im 9. Jahrhundert drangen die Mauren in Südfrankreich ein und eroberten besonders die Pyrenäen. Auch das Tal von Bethmale besetzten sie. Dort verliebte sich der Sohn des Mauren-Führers in das hübscheste Mädchen des Tals. Jenes war jedoch mit dem Hirtenjäger Darnert verlobt.

Darnert verschanzte sich daraufhin mit seinen Gefährten in den Bergen und sann auf Rache. Dazu entwurzelte er zwei Walnussbäume, deren Wurzeln einen rechten Winkel bildeten. Mit Axt und Messer schnitzte er ein daraus eine doppelte Mondsichel mit einer langen Spitze, die sich wie ein Stachel verjüngte, und höhlte sie aus.

Mit dieser ungewöhnlichen Waffe schlug Darnert mit seinen Mannen in einem harten Kampf die Mauren. Nach dem Sieg marschierte Darnert durch das Dorf. An der Spitze seiner Waffe hingen aufgespießt zwei Herzen – links das des untreuen Mädchens, rechts das des Mauren.

Ayet im Bethmale-Tal. Foto: Hilke Maunder

So wurde es Brauch, dass ein Verlobter traditionell seiner Verlobten ein Paar lange spitze Holzschuhe schenkt, die mit Leder verziert sind. Kunstvoll zeichnen Goldnägel ein Herz nach.

Je länger die Schuhspitze ist, desto größer ist die Liebe. Die künftige Braut hingegen schenkte ihm einst ein mit Samt besticktes Wollgewirke und eine mit Bändern oder Pailletten gefüllte Tasche.

Die Alltagsschuhe von einst – aus Holz geschnitzt. Foto: Hilke Maunder

Heute ist der Brauch kaum noch lebendig, die Herstellung der sabots aber weiterhin sehr gefragt. Nicht nur bei Folklore- und Volkstanzgruppen, sondern auch als Arbeitsschuhe. Dann verzichtet Pascal auf imposante Spitzen am Schuh und fertigt ihn für Hof und Garten solide und praktisch aus Vollholz.

Dorf-Idyllen mit Geranien

1845 begann mit der Industrialisierung der rurale Exodus. 1999 war die Bevölkerungszahl auf 83, meist alte Menschen gesunken. Doch seit der Jahrtausendwende geht es aufwärts. Das Internet hat das Landleben wieder attraktiv gemacht.

Der Blauregen hat in Ayet diese Fassade erobert. Und blüht im Sommer zart und duftend in der Farbe der Fensterläden. Foto: Hilke Maunder

96 Einwohner zählt Bethmale heute. Und allerorten im Tal wird gewerkelt, werden alte Häuser instand gesetzt, hält wieder der Schulbus an der Passstraße, sind Kinderstimmen zu hören.

Im Sommer blühen die Geranien vor den Fassaden. Fotos: Hilke Maunder

Im Sommer schmücken sich Straßen und Häuser üppig mit Geranien. Und im Schutz des alten Waschhauses erzählt eine kleine Ausstellung unter freiem Himmel mit Schwarz-Weiß-Fotos, Kannen, Stuhl und sabots vom alten Leben auf dem Lande im Tal von Bethmale.

Das Waschhaus von Ayet bewahrt heute die Erinnerungen an das Landleben von einst im Tal von Bethmale. Foto: Hilke Maunder

Der romantische Bergsee

Der rollstuhlgerechte Zugang zum Lac de Bethmale. Foto: Hilke Maunder

Eine einzige Straße zweigt bei Ourjout vom breiten Tal des Lez ab und klettert schmal und kurvig hinauf zu Dörfern, deren Häuser mit schwarzen Schieferdächern  an den steilen Flanken der Pass-Straße kleben,

Kurz vor dem Col de la Core in 1395 m Höhe verführt ein Parkplatz zu einer kleinen Wanderung. In weniger als einer Viertelstunde bringt euch der Waldweg zu einem kleinen See. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gibt es einen rollstuhlgeeigneten, fast ebenen Zugang.

Der Mont Valier spiegelt sich im Lac de Bethmale. Foto: Hilke Maunder

Mal smaragdgrün, mal tiefgrün, dann wieder mystisch dunkel leuchtet der Bergsee inmitten der Tannen und Buchen. Eindrucksvoll spiegelt sich die markante Spitze des Mont Valier (2838 m) in den Fluten. An seinen Flanken entspringt das 74,5 km lange Flüsschen Salat, das in die Garonne mündet.

Foto: Hilke Maunder

Tautropfen lassen Spinnweben funkeln. Farne und Moose haben den Fels erobert. Leise gluckert das Wasser und läuft über ein Wehr hinab in einen unteren Teich.

Foto: Hilke Maunder

Ein schmaler Fußweg führt rund um den See. Wer länger laufen möchte, findet neben dem Parkplatz am WC- und Infohäuschen eine Karte mit Wandervorschlägen.

Märchenhafter Bergsee: der Lac de Bethmale. Foto: Hilke Maunder

Vallée de Bethmale: meine Reisetipps

Schlemmen und genießen

Auberge de la Core

• bergseitig an der D17, 09800 Arrien-en-Bethmale, Tel. 05 61 04 80 53, www.facebook.com

Fromagerie de la Core

Von frühester Kindheit an interessierte sich Sylvie Domenc für die Käseherstellung. Im Alter von 20 Jahren schaffte sie es an der Spitze der größten Käserei des Tales. 20 Männer und Frauen stellen dort das Sortiment mit den Marken Bethmale, Petit Bethmale, Toudeille und Cosso wie einst ganz handwerklich aus Kuh-, Schafs- und Ziegenmilch her.
• bergseitig an der D 17, 09800 Bethmale, Tel. 05 61 04 05 55

https://fromage-montagne-pyrenees.com

Schlafen


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Die Kirche von Ayet im Tal von Bethmale. Foto: Hilke Maunder

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Der Friedhof von Ayet. Foto: Hilke Maunder

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8 Kommentare

  1. Hallo Hilke,
    Habe deine Seite entdeckt und sie gefällt mir sehr gut. Wir haben 2 Gemeinsamkeiten: 1. Ein Haus in Frankreich, meines steht in Léran(Ariège) und 2. eine Tochter die Lara heisst.
    Es freut mich, dass diesmal ein Beitrag aus der Ariège ist und die Bilder sind wunderschön. Ich werde versuchen nächste Woche nach Léran zu reisen, obwohl ich bei meiner Rückkehr in die Schweiz in Quarantäne muss.
    Mag dein Seite sehr, ist sehr informativ (Beitrag Jagd, habe 2 Hunde und jedesmal Angst beim Spaziergang).
    Liebe Grüsse

    Claudie

  2. Wie immer wundervolle Bilder und informativer Text. Das Fernweh steigt ebenso wie die Hoffnung, diese wundervolle Region im nächsten Jahr ohne Angst wieder besuchen zu können.
    Danke für Deinen Newsletter !

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