Das Dorf Niaux im Talboden des Vicdessos. Foto: Hilke Maunder

Niaux: Die Höhlenkunst des Magdalénien

Sie waren die letzten Jäger und Sammler, die am Ende der letzten Eiszeit im Tal des Vicdessos bei Niaux lebten: die Magdaléniens. In der grotte de Niaux hinterließen die Halbnomaden vor rund 13.000 Jahren eine Höhlenkunst, die bis heute fasziniert.

Die Magdaléniens stellten Werkzeuge aus Knochen und Hirschgeweihen her, verarbeiteten Leder.  Und wussten, wie sie mit Kohle und Stein ihre damalige Tierwelt auf Stein bannen konnten.

Der <em>Magdaléniens</em>. Foto: Hilke Maunder
Der Magdalénien. Foto: Hilke Maunder

Der Eingang der Höhle überragt Niaux, ein kleines Dorf bei Tarascon-sur-Ariège im Département Ariège. Der heutige Eingang ist künstlich angelegt. Der ursprüngliche Zugang lag weiter entfernt und ist heute geschlossen.

Das Entree von Massimiliano Fuksas

Den Eingang zur Grotte schmückt seit 1994 eine zeitgenössische Kreation des italienischen Künstlers Massimiliano Fuksas.  Er schuf ein Entrée aus Cortenstahl, das mit Infotafeln in die Vorzeit entführt.

Und zugleich mit einer Aussichtskanzel hinausführt in jenes Tal, in dem die Menschen der Prähistorie einst gelebt hatten. Welche ein Auftakt bei der Reise zu den Ursprüngen der Kunst!

678 Meter hoch über dem Fluss haben Gletscher und Regenwasser die riesige Höhle im Massif des Cap de Lesse ausgewaschen.

Der Eingang zur Grotte von Niaux. Foto: Hilke Maunder
Der Eingang zur Grotte von Niaux. Foto: Hilke Maunder

Besuch mit Auflagen

Anders als zahlreiche andere Höhlen wurde die Grotte von Niaux nicht offiziell „entdeckt“, sondern war seit den Jägern und Sammlern der Vorzeit bekannt und oft besucht. Zahlreiche Graffiti zeugen davon. Die ersten nachgewiesenen Besuche stammen aus dem 17. Jahrhundert. Zur Touristenattraktion wurde die Höhle im 19. Jahrhundert.

Heute sind die Besuche stark reglementiert. Maximal 20 Personen können pro Gruppe die Höhle besichtigen – und dies an wenigen Terminen pro Tag. Mit Helm und Handleuchte geht es hinein. Das Ziel ist der Schwarze Salon mit seinen berühmten Fresken.

Foto: Hilke Maunder
Die Aussichtskanzel von Massimiliano Fuksas. Foto: Hilke Maunder

Der Schwarze Salon

Die Erkundung beginnt mit einem 800-Meter-Spaziergang durch eine riesige Galerie. Bis zu zehn Meter hoch sind die Gewölbe. Stellenweise reicht das Licht der Lampe nicht aus, um die Ausmaße zu erfassen. Stalagmiten und Stalaktiten säumen den Weg und leuchten im Licht der Lampe von Kalkweiß bis Ocker.

Dann bleibt der Lichtkegel an rätselhaften Streifen hängen, die rot auf den Fels gemalt wurden. Und an einem Graffito. 1602 verrät die Jahreszahl. Die Füße stapfen über eine Sanddüne, tauchen unvermittelt in Pfützen. Auch unterirdische Seen, erzählt der Führer, gehören zur Höhle von Niaux. Mehr als 100 Darstellungen von Tieren und mehrere hundert Zeichen hat der Magdalénien hier hinterlassen.

Das Gros der Tiere zeigt der Salon Noir, eine riesige Rotunde mit imposantem Gewölbe.  Bisons, Pferde, Steinböcke und Hirsche bevölkern dort die Wände. Welch eine faszinierende Galerie der Vorzeit!

Achtung

In der Höhle gilt ein striktes Fotografier-Verbot! Die hier gezeigten Bilder stammen daher nicht von mir, sondern sind Pressematerial vom Tourisme Ariège Pyrénées.

Der Blick aus der Höhle zum Eingang. Foto: Stéphane Meurisse / Tourisme Ariège Pyrénées
Geheimnisvolle Zeichen aus der Vorzeit. Foto: Sesta/Tourisme Ariège Pyrénées
Foto: Sesta/Tourisme Ariège Pyrénées
Foto: Sesta/Tourisme Ariège Pyrénées
Foto: Sesta/Tourisme Ariège Pyrénées
Foto: Sesta/Tourisme Ariège Pyrénées
Foto: Emmanuel Demouilin / Sesta

Meine Reisetipps: Niaux

Schlemmen und genießen

La Petite Auberge de Niaux

Grundsolide, bodenständig und tief im Terroir verwurzelt ist die Küche des Gasthofs, der im Sommer die Speisen im Schatten der Bäume serviert. Wer bleiben möchte, kann sich in eines der Gästezimmer einquartieren sowie Sauna und Whirlpool nutzen.
• 41, route du Montcalm, 09400 Niaux, Tel. 05 61 05 79 79, Ende November bis Anfang Februar geschlossen

Hier könnt ihr schlafen*

 

Weiterlesen

Im Blog

Zur Höhlenwelt des Départements findest du gleich mehrere Beiträge im Blog.

Im Buch

Hilke Maunder, Okzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt an den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen.

50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker!  Hier* gibt es euren Begleiter.

 Hilke Maunder, Le Midi*

Die poule au pot ist eine der 80 echten, authentischen Speisen, die ich bei meiner kulinarischen Landpartie durch den Süden von Frankreich entdeckt habe. Zwischen Arcachon, Hendaye und Menton schaute ich den Köchen dort in die Töpfe, besuchte Bauern, kleine Manufakturen, Winzer und andere lokale Erzeuger.

Gemeinsam mit dem Fotografen Thomas Müller reiste ich wochenlang durch meine Wahlheimat und machte mich auf die Suche nach den besten Rezepten und typischsten Spezialitäten der südfranzösischen Küche. Vereint sind sie auf den 224 Seiten meines Reise-Kochbuchs Le Midi.

Ihr findet darin 80 Rezepte von der Vorspeise bis zum Dessert, Produzentenportraits, Hintergrund zu Wein und Craftbeer, Themenspecials zu Transhumanz und Meer – und viele Tipps, Genuss à la Midi vor Ort zu erleben. Wer mag, kann meine 80 Sehnsuchtsrezepte aus Südfrankreich hier* online bestellen.

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