Campagne-sur-Aude: das Erbe der Templer
Campagne-sur-Aude: ein kleines Dorf am Oberlauf der Aude, knapp 300 Meter hoch zwischen Hängen voller Weinreben gelegen. Eine Brücke führt von der Landstraße nach Limoux ins alte Herz. Und das ist kreisrund.
Denn dort erhebt sich bis heute das von einem Bergfried dominierte Rundkastell der Templer. Zwölfeckig errichteten sie es auf einem Felsvorsprung. Jede Seite misst rund 20 Meter. Zinnen und ein Steg säumen die Spitze der zehn Meter hohen Mauern.

Die Wasserburg der Kreuzritter
Das Kastell umgab einst ein vier bis fünf Meter breiter Graben. Ein umgeleiteter Flussarm der Aude speiste ihn. Der Hauptzugang zur Festung lag im Süden und war durch eine Zugbrücke gesichert. Auf einem zweiten, weniger sichtbaren Zugang konnten die Ritter einst direkt zu ihrem Haus im Innern des Kastells gelangen.
Der Torturm ist noch im ursprünglichen Zustand erhalten. Folgt dort dem Impasse des Chevaliers ins Innere. Linker Hand seht ihr das Wohnhaus des Kommandanten, rechter Hand Wohngebäude der Ritter, dann die Schmiede und Stallungen.
Nicht einsehbar von der kleinen Gasse sind die Gärten und der Taubenschlag, die sich bis heute zwischen der Wehrmauer und den Häusern befinden.
Ein Kirchturm als Kerker
In der Mitte des Kastells errichteten die Templer eine kleine Kapelle. Sie war 17,50 m lang, 5,50 m breit und nur 7,50 m hoch. Ein Okulus warf „himmlisches“ Licht auf den Altar. An der Nord- und Südseite spendeten zwei weitere kleine Fenster Licht fürs Gotteshaus.
Neben dem einstigen Eingang zur Templerkapelle befindet sich seit dem Mittelalter ein Brunnen. Den 25 m hohen Turm ihrer Kirche nutzten die Templer auf vielerlei Weise. Er fungierte nicht nur als Glockenturm, sondern auch als Wachturm, Schießstand .. und Kerker.
Im Hochtal der Aude hatten die Templer, obgleich sie die Herrscher waren, einen schlechten Stand und mussten eine jährliche Abgabe an den Erzbischof von Narbonne zahlen.
Auch blühte die ritterliche Kultur dort weniger als auf anderen Burgen der Templer. Ihr Kastell in Campagne-sur-Aude diente hauptsächlich dazu, Steuern und Abgaben einzufordern, die Mühlen an der Aude zu verwalten und Zensur auszuüben.
Glaubensschlachten
Während des Kreuzzugs gegen die Katharer beschlagnahmten die Truppen von Simon IV. de Montfort mehrere Lehen der Region, darunter auch das Templerdorf Campagne-sur-Aude. Zwar kehrte es nach Jahren des Rechtsstreits wieder an die Templer zurück, doch nicht für lange.
1242 schlug Bernard Sermon von Albezune (oder Bezu) die Türen des Templerkastells ein und nahm die beiden dort ansässigen Templer fest. Der Orden reagierte mit einem neuen Feldzug und holte sich im September 1243 seinen Besitz in Campagne-sur-Aude wieder zurück.
Nach dem Ende der Templer kamen die Hospitaliter, entfernten alles, was militärisch war, zerstörten Wohnbauten und ließen von den Gebäuden des Kastells nur drei Bauten stehen: das Haus des Kommandanten, das Haus der Ritter und die Templerkapelle.
Doch der geht es im 15. Jahrhundert an den Kragen. An der Nordwand wird ein Kirchenschiff mit einer Fronttür auf dem heutigen Dorfplatz hinzugefügt. Die Kapelle des Kastells geht völlig in der Pfarrkirche Saint-Sébastien auf: Sie bildet seitdem ihr Querschiff.
Vom Wallgraben zur Promenade
In der Französischen Revolution wird die Mini-Festung der Templer nationales Eigentum. Ihr Wallgraben wandelt sich zur Promenade. Der Arm der Aude wird aufgefüllt und als Boulevard mit Platanen und Blumen bepflanzt. So seht ihr Campagne-sur-Aude heute – und könnt dort auf der Promenade du Château Fort euer Gefährt parken.
Die alte Kommandantur der Templer fungiert seitdem als Rathaus. Auch der Friedhof hat die Mauern des Kastells und erstreckt sich jenseits der Weinkeller von Salasar.
Private Wohnhäuser säumen heute die Stadtmauer. Wenn ihr heute das Templerkastell besichtigt, braucht ihr schon ein wenig Fantasie, um euch vorzustellen, wie es im Mittelalter dort aussah.
Campagne-sur-Aude: meine Reisetipps
Schlemmen
Auberge Saint-Sébastien
Pizza und Gegrilltes vom Holzkohlengrill – im Sommer auch draußen im Garten.
• 3, promenade du Château Fort, 11260 Campagne-sur-Aude, Tel. 04 68 31 08 75
Erleben
Das Reich der Dinosaurier
Ende der 1980er-Jahre entdeckten Wissenschaftler im Haute-Vallée de l’Aude die ersten Überreste von Dinosauriern. Heute gilt Campagne-sur-Aude als größte französische Fundstelle von Dinosauriern. Mehr zum Erbe der Riesen-Echsen erfahrt ihr im bei Dinosauria, dem Dinosaurier-Museum von Espéraza.

Die Blanquette
Der Schaumwein Blanquette gilt es als Mutter des Champagners. Wie er entsteht, verrät die 1890 gegründete Kellerei Salasar bei Führungen. Schon ihr Stammsitz oberhalb der Bahngleise, gleich neben dem Friedhof, ist ein Hingucker!
• 4, rue de l’Égalité, 11260 Campagne-sur-Aude, Tel. 04 68 20 04 62, www.salasar.fr

Die Quell-Grotte
Zu Campagne-sur-Aude gehören mehrere Weiler. In Campagne-les-Bains, wo ein Krankenhaus einst Kriegsverletzte und Lungenkranke versorgte, sprudelt in einer Grotte heiß eisenhaltiges Wasser heraus.
Beste Ausblicke
Der Belvédère du Bac eröffnet traumhafte Ausblicke auf die Aude. Ihr kommt an ihm vorbei, wenn ihr von Campagne-sur-Aude rund vier Kilometer Richtung Quillan wandert. Folgt vom Dorf dem Chemin des Écharts.
An der Kreuzung mit dem Wanderweg, der von L’Espinet kommt, geht ihr links nach Norden und dann weiter nach Südosten weiter. Nachdem ihr ein recht steiniges Teilstück überquert habt, biegt ihr an der Kreuzung zum Belvédère du Bac (443 m) ab.
Der Aussichtspunkt erhielt seinen Namen vom Roche du Bac. De lo Bac bezeichnet im Okzitanischen den von der Sonne abgewandten Hang eines Berges.
Als Wanderkarte empfehle ich die IGN 2347OT – Quillan/Alet-Les-Bains im Maßstab 1:25.000. Wer mag, kann die topografische Karte hier* online bestellen.
Hier könnt ihr schlafen*
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Okzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt. Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte.
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