Der Zugang zum Weinkeller von Château de Caladroy. Foto: Hilke Maunder
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Château de Caladroy: Wein-Schloss des Roussillon

Klassisch edel und weiß verputzt das Herrenhaus, rustikal in Naturstein und Backstein der Weinkeller: So ragt das Château de Caladroy aus den Hügeln der Macchia Henri Barbusse im Fenouillèdes auf.

Auf einem 350 Meter hohen Hügelkamm zwischen Millas, Estagel und Bélesta thront es über dem Agly-Tal, beherrscht es den Ribéral und blickt vom Fenouillèdes über die Ebene des Roussillon hin zum Hauptkamm der Pyrenäen mit dem majestätischen Gipfel des Canigou, des heiligen Berges der Katalanen. Was für ein herrlicher Aussichtspunkt! Und welch ein besonderes Weingut!

Architektonische Kontraste: das Château de Caladroy. Foto: Hilke Maunder
Architektonische Kontraste: das Château de Caladroy. Foto: Hilke Maunder

Ein Gut als ganzes Dorf

Die Architektur des Château de Caladroy spiegelt eindrucksvoll den Wandel von einer mittelalterlichen Grenzfestung zu einem repräsentativen Herrenhaus und modernen Weingut wider.

Einst bildete das Gut ein kleines, befestigtes Dorf. Von der Burg noch erhalten ist ein zinnenbewehrter Wall, wie er nur selten im Roussillon zu sehen ist. An seinen Enden erheben sich zwei Türme: der eine massiv und quadratisch, der andere kleiner und rund. Der quadratische Turm stammt aus dem Jahr 1292. Die Burg selbst wurde bereits 1257 und 1262 erwähnt.

Der quadratische Hauptturm des Château de Caladroy. Foto: Hilke Maunder
Der quadratische Hauptturm des Château de Caladroy. Foto: Hilke Maunder

Das Hauptgebäude ist ein massiver, befestigter Komplex mit dicken Steinmauern aus Bruchsteinen. Schiefer, Granit und Kalkstein lassen das Château de Caladroy enorm wuchtig wirken. Hier und da lockern Rundbögen aus Backsteinen die strenge Architektur auf. Ab dem 14. Jahrhundert diente das Schloss als Residenz der Burgherren von Bélesta. Nach der Verschiebung der Grenze verlor die Festung im 17. Jahrhundert ihre militärische Funktion und wandelte sich zunehmend zum landwirtschaftlichen Ansitz.

Zahlreiche Skulpturen schmücken das Anwesen. Foto: Hilke Maunder
Zahlreiche Skulpturen schmücken das Anwesen. Foto: Hilke Maunder

Heute beherbergt das Herrenhaus nicht nur den repräsentativen Hauptsitz des Weinguts, sondern auch Veranstaltungsräume, Gästezimmer (Chambres d’hôtes) sowie die Verwaltungs- und Reifekeller. Von den Terrassen aus eröffneten sich tolle Panoramablicke über die Weinberge bis hin zum Mont Canigou.

Die Chapelle Saint-Michel

Die Kapelle im Innenhof. Foto: Hilke Maunder
Die St-Martins-Kapelleim Innenhof. Foto: Hilke Maunder

Die Schlosskapelle ist das architektonisch älteste Element dieses Ensembles. Bereits im 12. Jahrhundert wurde sie im Stil der katalanischen Romanik errichtet – mit massiven Wänden, einfachen Gewölben und steinernen Rundbögen. Erst viel später wurde die Kapelle als umfangreich umgebaute Kirch mnit weißem Marmoraltar und Holzvertäfelungen ns Hauptgebäudes integriert. Das romanische Gewölbe der einstigen Kapelle befindet sich heute unter den Fundamenten des Schlosses und wird als caveau genutzt – als uriger Keller für eine Weinverkostung.

Das Kirchenschiff der Chapelle Saint-Martin mit dem Marmor-Altar und den Holzvertäfelungen im Chor. Foto: Hilke Maunder
Das Kirchenschiff der Chapelle Saint-Martin mit dem Marmor-Altar und den Holzvertäfelungen im Chor. Foto: Hilke Maunder

Grenzfeste Frankreichs

Das Château de Caladroy kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, verlief doch seit dem Vertrag von Corbeil 1258 die feste Grenze zwischen Frankreich und Katalonien etwas südlich von Caladroy. Beide Seiten sicherten die Grenze.

Das Château de Caladroy wurde in das französische Verteidigungssystem integriert, zusammen mit den Burgen von Quéribus, Trémoine, Lansac, Latour de France, Cuxous, Bélesta, Montalba, Roquevert, Palmes, Corbous, Arsa, Le Vivier, der Burg von Fenouillet und den Kirchenburgen von Saint-Martin und Saint-Barthélémy.

Der Blick vom Esszimmer im Erdgeschoss zum Eingang des Herrenhauses. Foto: Hilke Maunder
Der Blick vom Esszimmer im Erdgeschoss zum Eingang des Herrenhauses. Foto: Hilke Maunder

1496 nahmen die Spanier die Burg von Caladroy ein, die sie kurz darauf an die Franzosen zurückgaben. Nach dem Dreißigjährigen Krieg zwischen Spanien und Frankreich wurde Château de Caladroy nicht mehr als Festung betrachtet. Sondern vergessen. Niemand nahm die notwendigen Umbauten vor, um die militärische Anlage an die neuen Zwänge der Ballistik anzupassen. So blieb sie weitestgehend in jenem Zustand erhalten, in dem sie sich im Mittelalter befand.

Geheizt wurde einst mit Holz im Kamin. Typisch für die Region sind die bunten Zementziegeln, wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts hergestellt wurden .Foto: Hilke Maunder
Geheizt wurde einst mit Holz im Kamin. Typisch für die Region sind die bunten Zementziegeln, wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts hergestellt wurden .Foto: Hilke Maunder

Zu abgelegen, um wichtig zu sein

300 Jahre später – 1793  – kehrten die Spanier kurz zurück und nahmen die Burg während des französisch-spanischen Krieges ein. Da sie jedoch strategisch uninteressant war, gaben die Spanier sie schnell auf und konzentrierten sich auf die Ebene und den Conflent, bevor sie 1795 besiegt wurden.

Die historische Küche des Château de Caladroy. Foto: Hilke Maunder
Die historische Küche des Château de Caladroy. Foto: Hilke Maunder

Ab Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Weiler Caladroy entvölkert. Der Ort lag einfach zu abgelegen. Heute gibt es noch einige Häuser in dem Weiler. Die verwaisten Gebäude wurden Teil des Weinguts. Mehrfach wechselten die Besitzer, wurde um- und ausgebaut. Am 14. April 1923 wütete ein Großbrand im Château de Caladroy. Von den Flammen vollständig zerstört, wurde es sofort originalgetreu wiederaufgebaut.

Das Hochzeitskleid von Anna von Österreich

Im Haupthaus ist noch das Originaldekor erhalten. Heute bildet es die zauberhafte Kulisse für Ausstellungen – seit 2012 wird in diesem nostalgisch-edlen Rahmen Brautmode gezeigt. Wertvollstes und schönstes Stück der Ausstellung ist die Replik des historischen Hochzeitskleides von Anne d’Autriche (Anna von Österreich, das die Gattin Ludwigs XIII. bei der Doppelhochzeit im Jahr 1615 trug, die das französisch-spanisches Bündnis zwischen den beiden katholischen Großmächten absichern sollte.

Kinderehe der Hegemonialpolitik

Die Doppelhochzeit war am 30. April 1611 im Vertrag von Fontainebleau zwischen Frankreich und Spanien auf Initiative der Regentin Maria de’ Medici beschlossen und per Ferntrauung vollzogen worden. Am 18. Oktober 1615 wurde Anna per Stellvertreter in Burgos (Spanien) mit Ludwig XIII. vermählt – und gleichzeitig Ludwigs Schwester Élisabeth per Stellvertreter mit dem spanischen Thronfolger Philipp, dem später Philipp IV.

Nach Annas Reise über die Grenze fand die eigentliche Hochzeitszeremonie am 21. November 1615 in der Kathedrale Saint-André in Bordeaux statt. Beide waren bei der Eheschließung 14 Jahre alt. Maria de’ Medici drängte auf den sofortigen Vollzug der Ehe, doch die beiden Jugendlichen zögerten. Zeitgenossen berichten, dass die Ehe zunächst sehr distanziert blieb und es Jahre dauerte, bis Ludwig sich seiner Frau regelmäßig näherte.

Französische Brautmode der Marke Cymbeline

Das Originalkleid ist heute nicht mehr erhalten. Wie es aussah, verraten heute nur noch Berichte und Gemälde von Pantoja de la Cruz, Philippe de Champaigne und Rubens, die Chantal Joubert als Vorbild nahm. Ihr Anna-Kleid ist Teil einer Schau mit rund 40 Roben aus mehreren Jahrzehnten, die Chantal Joubert und ihre zwei Schwestern entworfen haen. Chantal leitet eines der letzten Ateliers für den Entwurf und die Herstellung von Brautkleidern in Frankreich, ein Atelier in Nemours. Unter der Marke Cymbeline erfüllen sie seit 1970 die Träume hunderter junger Bräute und kleiden sie für den schönsten Tag in ihrem Leben ein.

Der Wein des Château de Caladroy

Das Château de Caladroy ist bis heute ein riesiges Gut. 560 Hektar groß ist sein Grundstück. Raue, wilde Garrigue, Eichenwälder und viele Felsen prägen das Gelände. Dass „nur“ 130 Hektar bepflanzt sind, liegt an den strengen AOP-Vorgaben, der Topografie der Hochplateaus sowie der Zertifizierung nach den hohen Umweltstandards HVE, die die biologische Vielfalt schützen soll.

130 Hektar sind im Roussillon dennoch eine Ausnahme. Selbst etablierte, renommierte Einzelweingüter (domaines privés) bewirtschaften bewirtschaften hier meist nur zwischen 15 und 40 Hektar. Die durchschnittliche Betriebsfläche beträgt im Roussillion nur ein Zehntel der Rebfläche des Château de Caladroy, und der Großteil der Winzer beliefert zudem nur die Genossenschaften, sprich, die caves coopératives.

Schiefer-, Granit- und Kalksteinböden prägen sein Terroir, jede Hanglage besitzt hier ihr eigenes Mikroklima. Das spiegeln auch die Weine wieder, die in den Appellationen AOP Côtes du Roussillon Villages, AOP Languedoc und Rivesaltes klassifiziert sind.

Angepasst an das heiße, trockene Sommerklima und die Tramontane-Winde, die hier mehr als 200 Tage in Böen von bis zu 100 km/h wehen, nutzt das Château de Caladroy ein breites Spektrum mediterraner Rebsorten. Rote Reben dominieren – und da besonders die Syrah und Grenache Noir vor den oft sehr alten Stöcken von Carignan und dem Mourvèdre. Grenache Blanc, Grenache Gris, Macabeu, Vermentino (Rolle), Muscat d’Alexandrie und Muscat à Petits Grains wandern in die Weißwene.

Château de Caladroy: meine Infos

Château de Caladroy, 66720 Bélesta, Tel. 04 68 57 10 25, http://chateaudecaladroy.fr

Hinwandern

Ein hervorragend markierter Rundwanderweg (2,3 km) zweigt von der D 28 ab und führt über eine kleine Stichstraße direkt zum Schloss. Wer dem Pfad folgt, wandert zunächst an dicht bepflanzten Weinbergsparzellen vorbei, die sich mit Elektrozäunen gegen Wildschweine zu schützen versuchen. Ungeheuer imposant und eindrucksvoll ist die Ruine des alten Schafstalls, die danach folgt.

Brunnenfigur auf der Terrasse des Château de Caladroy. Foto: Hilke Maunder
Brunnenfigur auf der Terrasse des Château de Caladroy. Foto: Hilke Maunder

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Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights.

Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreichs 2024 in der 10. Auflage erschienen. Das 588 Seiten dicke Werk ist der beste Begleiter für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

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