Dax: Auftanken am Adour  

Die römische Therme von Dax. Foto: Hilke Maunder
Die römische Therme von Dax. Foto: Hilke Maunder

Offiziell heißt die Stadt Dax. Richtig schön hart ausgesprochen. Doch in den Straßen höre ich hier und da auch ganz sanft, fast zärtlich: Daaasch. So weich wie der Heilschlamm des Adour, der seit der Antike so manches Leiden gelindert hat. Schön weich sind auch die Madeleines der Stadt. Nichts für Weicheier indes ist die Feria von Dax im Sommer.

Die antike Quelle. Foto: Hilke Maunder
Die antike Quelle. Foto: Hilke Maunder

Wie ein Heiligtum hütet Dax seine Quelle. Eingefasst in eine Art Tempel ohne Dach, sprudelt die source de la Néhé im Herzen der Stadt mit drei Fontänen in einem säulengeschmückten, rechteckigen Becken, schießt 64 Grad Celsius heiß aus neun Löwenmäulern. Vor 2000 Jahren soll Julia, die Tochter des römischen Kaisers Augustus, dort ihr Rheuma kuriert haben.

Der römische Legionär mit seinem Hund. Foto: Hilke Maunder

Und auch der Hund eines römischen Legionärs, der kaum noch laufen konnte, soll in Dax geheilt worden sein. Sein Herrchen hatte das Tier ans Ufer des Adour gesetzt, wo der Schlamm des Flusses geheilt hätte. Übergroß erinnert ein Denkmal aus Bronze auf der Place de la Cathédrale im Schatten hundertjähriger Olivenbäume an dieses Wunder.

Wunderschlamm des Adour

Das moderne Kurbad von Dax. Foto: Hilke Maunder
Das moderne Kurbad von Dax. Foto: Hilke Maunder

Heute sorgen 21 Thermalhäuser dafür, dass Dax zum zweitgrößten Kurbad von Frankreich aufgestiegen ist. Ihre Peloidtherapie hat die Stadt auch über die Landesgrenzen berühmt gemacht. Als Bad, Wickel oder Packung soll der Heilschlamm von Dax bis heute wahre Wunder bei Arthrose, Osteoporose, Rheuma oder Gicht bewirken.

Wer hier kurt, hat ein gut gefülltes Portemonnaie. Klasse statt Masse gilt auch für die Geschäfte der City. Inhabergeführte Boutiquen säumen die Straßen und Gassen mit blank gelaufenem Marmorpflaster.

Zarter Genuss

In der Fußgängerzone. Foto: Hilke Maunder
In der Fußgängerzone. Foto: Hilke Maunder

In der Rue de la Fontaine Chaude 6 verkauft die Pâtisserie Gazelle ihre berühmten Madeleines, die seit 1906 nach einem „Geheimrezept“ in Madeleine-Formen gebacken werden und 1927 bei der Landwirtschaftsmesse in Paris die Goldmedaille erhielten.

Trotz ihrer vielen Preise ist die Pâtisserie bescheiden und authentisch geblieben. Die historische Fassade, die in der Denkmalschutzliste der Bâtiments Historiques aufgeführt ist, zeigt keine protzige Schaufensterauslage, sondern nur große Fenster mit weißen Vorhängen und einige Pappschachteln in Türkis und Rot mit dem Firmenlogo auf dem Regal.

Berühmt: die Madeleine de Dax. Foto: Hilke Maunder

Im Innern verführt keine falsche Vintage-Deko zum Kauf. Einzig ein schlichter Holztresen mit Glasabdeckung steht auf dem alten Kachelboden.

Unter Glas ruhen die Madeleines, frisch aus der Backstube, in einem Weidenkorb. Wie sie duften, wenn der Deckel hochgehoben wird und die Verkäuferin eine Madeleine mit der Zange reicht: Goûtez – kosten Sie!

Die berühmten Madeleines aus Dax. Foto: Hilke Maunder
Die berühmten Madeleines aus Dax. Foto: Hilke Maunder

Zart und hell sehen sie aus, nicht so golden und buttrig wie die klassische Madeleine. Dezent knusprig ist ihr Äußeres. Dann erobern Aromen von Zitrone und Orangenblüte den Gaumen. Genuss à la Dax – zum Tee und Kaffee wie zum Apéro.

Der gotische Höllenbogen

Jakobswege: Dax: Kathedrale Notre-Dame de Sainte-Marie. Foto: Hilke Maunder
Die Kathedrale Notre-Dame de Sainte-Marie. Foto: Hilke Maunder

Im Innern versteckt auch die Cathédrale Notre-Dame ihren Schmuck. Von außen ist der wuchtige Bau mit seinen barocken Türmen mehr als schlicht.

Doch im Innern birgt sie mit dem zwölf Meter hohen Tor des Apostels ein prachtvolles Zeugnis aus dem 13. Jahrhundert, das einst den Vorgängerbau geschmückt hat.

Ein Karussell dreht sich vor der Kathedrale. Foto: Hilke Maunder
Ein Karussell dreht sich vor der Kathedrale. Foto: Hilke Maunder

Was irdische Sünder im Jenseits erwartet, zeigt ein gotischer Skulpturenbogen über den Aposteln: Sie schmoren in Luzifers Kochtopf.

Frankreichs Kurort Nr. 1

Das Kurbad Bains Saint-Pierre. Foto: Hilke Maunder
Das Kurbad Bains Saint-Pierre. Foto: Hilke Maunder

Gediegene Gemütlichkeit strahlt Dax aus. Prachtvoll sind die Kurhotels – und besonders zwei, die den Balcon d’Adour säumen, die 300 Meter lange Fußgänger-Promenade am Fluss.

Seit den 1930er-Jahren erhebt sich dort Le Splendid*. Der große Komplex mit 150 Zimmern und Trinkhalle gehört zu den schönsten Art-Déco-Bauten Frankreichs.

Sein Architekt André Granet ließ sich beim Bau vom legendären Transatlanik-Liner „Normandie“ inspirieren. Gleich daneben stellte Frankreichs Stararchitekt Jean Nouvel die Résidence des Thermes, eine kantige Kurunterkunft in Alu, Glas und Zeder.

1894 begann in Dax der Kurbetrieb. Und viele Prominente kamen.  Staatschef Clemenceau, die Schauspieler Sarah Bernhardt und Sacha Guitry sowie viele andere Berühmtheiten kamen nach Dax zum Kuren und machten das Städtchen zum Kurort der Luxusklasse.

Die Feria von Dax

Der Torero und sein Stier: Auch die Kunst feiert die Feria. Foto: Hilke Maunder
Der Torero und sein Stier: Auch die Kunst feiert die Feria. Foto: Hilke Maunder

Alljährlich m 15. August feiert Frankreich Mariä Himmelfahrt. In Dax steigt dann das zweitgrößte Volksfest des Südwestens: die Feria. Bei diesem Stierkampfspektakel steht neben der spanischen Corrida auch stets die einheimische Course Landaise auf dem Programm, bei der das Tier nicht getötet wird.

Der Stierkampf der Course Landaise fußt vielmehr im antiken Stiersprung. Rast der 300- 500 Kilogramm schwere Stier auf den Torero zu, springt der Mann über den Stier. Und das nicht nur im letzten Moment, sondern stets mit geschlossenen Füßen – mal die Beine zusammengebunden, die Füße in der Baskenmütze, in der Hocke oder ausgestreckt nach vorne.

Dabei trägt er traditionell einen weißen Anzug mit blauem Gürtel. Die Feria ist ein Volksfest, das die ganze Stadt feiert. Der rot-weiß-grün geschmückte Feria-Baum wird aufgestellt, Männer mit Schaffell und Strickstrümpfen tanzen auf Stelzen, Bandas (Musikgruppen) ziehen durch die Straßen der Stadt. Eine Woche lang wird getanzt, gefeiert und bis spät nachts der Sommer genossen.

Das Immeuble Biraben in Dax. Foto: Hilke Maunder
Das Immeuble Biraben in Dax. Foto: Hilke Maunder

Dax: meine Reise-Infos

Schlemmen und genießen

La Grande Brasserie de l’Atrium

Beste Brasserie-Küche kommt bei Küchenchef Claude Labescat auf den Tisch. Genießt sie drinnen im Art-Déco-Ambienten oder im Innenhof des denkmalgeschützten Gebäudes.
• 1 Cour Maréchal Foch, 40100 Dax, Tel. 05 58 58 62 52, www.la-grande-brasserie-de-latrium-restaurant-dax.com

Restaurant Lou Caçairot

Les Thermes Avenue vereinen alles, was Gäste nach Dax lockt: Kurbad und Spa, Hotel und zwei Restaurants. Das Lou Caçairot überzeugt mit bester lokaler Bistronomie.
• 17 Av. Georges Clemenceau, 40100 Dax, Tel. 05 58 56 36 37, www.thermes-avenue.com

Schlafen

La Croix Blanche*

Drei nostalgisch-komfortable Gästezimmer (chambres d’hôtes) bei einem sehr sympathischen Gastgeberpaaar im Herzen von Dax.
• 17 bis Rue De La Croix Blanche,  40100 Dax, Tel. mobil 0, www.daxlacroixblanche.fr

Noch mehr Betten*

Booking.com

Das Immeuble Biraben in Dax. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Weiterlesen

Im Buch

Secret Citys Frankreich*

Dax gehört zu den 60 Orten in Frankreich, die – jenseits von Kurbetrieb und Ferie-Trubel – noch echte Perlen abseits des touristischen Mainstreams sind. Gemeinsam mit meinem geschätzten Kollegen Klaus Simon stelle ich in diesem Band vor.

Mit dabei sind auch Le Malzieu in der Lozère, Langogne im Massif Central und Sens, eine filmreife Stadt im Norden von FrankreichFrankreich für Kenner  – und Neugierige!

Lasst euch zu neuen Entdeckungen inspirieren… oder träumt euch dorthin beim Blättern im Sessel oder am Kamin. Wer mag, kann das Lesebuch mit schönen Bildern hier* bestellen.

Wand-Kunst in Dax. Foto: Hilke Maunder
Hommage an das heiligende Wasser: Wand-Kunst in Dax. Foto: Hilke Maunder

 

 

Merci fürs Teilen!

2 Kommentare

  1. Danke für diesen Beitrag aus meiner zweiten Heimat Dax.
    Beim Course Landaise ist übrigens der Hauptakteur der Écarteur. Dieser hat eine aufwendig bestickte Jacke an und weicht dem Angriff des Stiers im allerletzten Moment mit einer geschickten Drehbewegung aus.
    Den von Dir geschilderten Akteur, der über den Stier springt, nennt man Sauteur.

    Berichten sollte man bei Dax auch von der Folkloregruppe “Lous Gouyats de l’Adou” mit ihren Stelzenläufern. https://www.facebook.com/Lous-Gouyats-de-lAdou-121674847886501/?comment_id=Y29tbWVudDoyNjEzNDc0MTI4NzA2NTQ4XzI2MTU3MjQ1Nzg0ODE1MDM%3D

    • Danke, lieber Gunther, für Deine Tipps! Ich hoffe, diesen Sommer mir einmal eine course landaise anzuschauen. Und Dax noch ausgiebiger kennenzulernen. Viele Grüße, Hilke

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