So viel Frankreich steckt in … Saarlouis

Blick von der Bastion V auf die Alte Saar und das DRK-Krankenhaus, einst das städtische Krankenhaus von Saarlouis. Foto: Hilke Maunder
Blick von der Bastion V auf die Alte Saar und das DRK-Krankenhaus, einst das Städtische Krankenhaus von Saarlouis. Foto: Hilke Maunder

„Saarlouis ist die französischste Stadt Deutschlands“, sagt der Stadtführer stolz, „Saarloui –  das „s“ am Ende darf man nicht hören!“ Seine Füße stehen auf der Bastion VI. Sein Blick schweift über die Alte Saar zur Vauban-Insel.

Und weiter flussaufwärts zur Schleusenbrücke. Der pont-écluse war der wichtigste Teil der Inundationsfestung, mit der Ludwig XIV. als Frankreichs Roi-Soleil die Ostgrenze seines Reiches sichern wollte.

Das frühere Hornwerk mit dem Gymnasium am Stadtgarten – früher befand sich dort ein französisches Lazarett. Foto: Hilke Maunder

Vaubans Saar-Festung

Er beauftragte damit seinen Festungsbaumeister Sébastien le Prestre de Vauban. Dessen geniale Wehrarchitektur gehört seit 2008 zum Weltkulturerbe. Jedoch nur in Frankreich. Aber auch Saarlouis hat sein Erbe bewahrt.

Einer der schönsten Plätze des Königreiches!

Vauban

Detail des Ravelin V. Foto: Hilke Maunder

Bis heute könnt ihr dort die Grundstrukturen seiner barocken Festungsstadt von 1680 entdecken. Saarlouis, das damals im Herzogtum Lothringen lag, war durch die Frieden von Nijmegen (Nimwegen) 1679 französisch geworden. Frankreich hatte so auch linksrheinische Gebiete erhalten.

Ravelin V. Foto: Hilke Maunder

Ludwig XIV. sicherte seine neue Grenze mit einem riesigen Festungsgürtel. Neben Longwy (1679) in Lothringen entstand 1680 nahezu baugleich, aber größer, die Festung von Saarlouis.

Die Wehrkraft des Wassers

Bastion VI. Die Bügel aus Kortenstahl zeichnen den ehemaligen Verlauf der Festungsmauer nach. Foto: Hilke Maunder

Vauban wählte als Standort der neuen Festung ein sumpfiges Wiesengelände in den Bögen der Saar aus. Innerhalb von sechs Jahren schuf Vauban dort ein Bollwerk, das neben Bastionen, Kasematten und Sandsteinmauern auch die Kraft des Wassers geschickt zur Verteidigung nutzte. Choisy hat das von Vauban geplante „königliche Sechseck“ um die Gräben ergänzt.

Der pont-écluse von Saarlouis. Foto: Hilke Maunder

Die Schleusen-Taktik

Wichtigstes Bauwerk der militärischen Wasseranlagen war die Schleusenbrücke, der pont-écluse. Bei Gefahr mussten rund 200 Soldaten ihre Durchlässe mit von oben heruntergelassenen Balken schließen.

Der Wasserspiegel der Saar stieg. Ihre Fluten füllten die Gräben und überschwemmten das Umland. Infanterie und Kavallerie war der Weg abgeschnitten, Fußvolk, Pferde und Kanonen konnten sich Saarlouis nicht nähern.

Der Aufgang zur Bastion VI. Foto: Hilke Maunder

Der halbe Mond

Zum Schutz des pont-écluse ließ Vauban 1698 eine Insel als contregarde de l´écluse anlegen. Die Saarlouiser nennen sie heute „Vauban-Insel“. Oder wegen des  französischen Festungsbegriffs demi-lune auch „Halwer Mond“.

Vauban-Insel und Bastion VI sind heute beliebte Erholungsorte und Bühnen für sommerliches Stadtleben open-air. In die Gewölbe der Bastion ist Gastronomie eingezogen. Heute findet ihr dort das Restaurant „Delphi“ mit griechischer Küche.

Die preußischen Kasematten. Foto: Hilke Maunder

Die Kasematten-Kneipen

Die Kasematten zwischen den Bastionen I und VI legten erst die Preußen an, die so den Hauptwall erweiterten und sicherten. Wo einst Material und Pferde lagerten, erstreckt sich heute die „längste Theke des Saarlandes“: Kneipen und Lokale mit Außengastronomie, abgeschirmt vom Verkehr auf dem Anton-Merziger-Ring.

Jenseits der Ringstraße um den alten Kern der Festungsstadt erinnern die Namen von Stadtvierteln bis heute daran, aus welchen Regionen Frankreichs Regimenter für den Bau abkommandiert worden waren. Die Siedlung der Soldaten aus der Picardie bildet heute den zweitkleinsten Stadtteil von Saarlouis, Picard.

Bourg-Dauphin wurde 1970 als Neuforweiler ebenfalls an Saarlouis angegliedert. Aus den Baracken der Bausoldaten von Beaumarais (deutsch: schöner Sumpf) erwuchs auf sumpfigem Grund ebenfalls ein Stadtteil von Saarlouis.

Die Kasematten bilden heute die längste Theke des Saarlands. Foto: Hilke Maunder

Die kleine Bastide

Im Innern der Festung legte Vauban die Siedlung im Schachbrettmuster als Bastide an. Nur zwei Tore gewährten Einlass. Das Französische Tor und das Deutsche Tor an der Ausfahrtsstraße zum Deutschen Reich.

Die Steine für den Bau der Festungsstadt fand Vauban an den steilen Hängen des Saarlouiser Gaus. Ab 1680 wurden zwischen Teufelsburg und Humburg die mächtigen Steinblöcke für die spätere Festungsstadt gebrochen.

Zu den ehemaligen Steinbrüchen führt heute der Vaubansteig als 12,2 km lange Runde, die am Flugplatz Saarlouis-Düren beginnt.

Das ehemals Deutsche Tor und der preußische Kasemattenkopf. Foto. Hilke Maunder

Mit zunehmender Motorisierung mussten beide Stadttore dem wachsenden Verkehr weichen. An die kriegerischen Zeiten von einst erinnert an der Stelle des Deutschen Tores heute eine Kanone.

Das Geschütz aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 kam beim Ausbaggern des Saar-Altarms im Schlick zutage.

Aus dem Schlamm der Saar gerettet: das Geschütz aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/71, aufgestellt am ehemaligen Deutschen Tor. Foto: Hilke Maunder

Das große Herz: die Place d’Armes

Mittelpunkt der Festungsstadt war der Große Markt. Mit seiner doppelten Platanenallee könnte er bis heute französisches Flair verströmen. Wären da nicht die vielen Fahrzeuge. Der ehemalige Parade- und Exerzierplatz dient heute als Großparkplatz.

10.000 Quadratmeter ist er groß – was für eine Fläche für die Inszenierung von Staat und Macht! Heute können seinen Bauten kaum noch wirken. Die Architektur ordnet sich den Automobilen unter.

Der Marktbrunnen der Nordecke. Foto: Hilke Maunder

Die riesigen Ausmaße des Platzes täuschen über die Größe der Bastide. Meist wird der Platz als 100 x 100 m groß beschrieben. Tatsächlich jedoch besteht er aus vier Vierteln (47 x 47 m) mit jeweils 24 x 24 toises – und ist, die Achsenstraßen hinzu gerechnet, sogar mehr als 100 Meter breit.

Die Zahl 24 steht dabei für die 24 Stunden im Tageslauf der Erde um die Sonne. Und verweisen so auf den Sonnenkönig.

Auf dem Reißbrett geplant

Zwei Achsenstraßen zeigen die Verbindung – und auch den Gegensatz – zwischen weltlicher und kirchlicher Macht auf. Die eine Hauptachse der Stadt führte vom Deutschen zum nur 450 Meter entfernten Französischen Tor.

Die zweite Achse führt vom Gouvernementsgebäude zur Kirche. Weltliche und geistliche Macht – diametral entgegen gesetzt und doch an einem Ort vereint.

Wie viel schöner sähe der Große Markt wieder mit einem großen, zentralen Brunnen aus, so wie zu Beginn, als er dort als Pferdetränke diente! Wie gut Wasser zum Platz passt, zeigen die vier Brunnen an den Marktecken in den vier Himmelsrichtungen, aus denen bis heute Trinkwasser fließt.

Und der Marienbrunnen (1956) vor der Ludwigskirche, die ursprünglich als Barockkirche (1685) den Platz schmückte.

Die katholische Ludwigskirche am Großen Markt. Foto: Hilke Maunder

Das Herz von Choisy

Heute präsentiert sich das ursprünglich barocke Gotteshaus als ein Stilmix. Fassade und Turm sind neogotisch. Das Innere prägt Beton. Eine Grundwassersenkung hatte 1960 das neogotische Kirchenschiff zerstört.

Den Neubau entwarf der Kölner Architekt Gottfried Böhm. Er schuf bis 1970 ein kühnes Kirchenschiff aus Beton, asymmetrisch, kantig und klar.

Farbtupfer ins Grau setzen die modernen Buntglasfenster des saarländischen Künstlers Ernst Alt (1935 – 2013). Dr. Josef Mischo stellt die Fenster in seinem Buch „Die Heilsgeschichte in Farbe, der Fensterzyklus von Ernst Alt in der Pfarrkirche St. Ludwig“ detailliert vor. Erhältlich ist es über den Orgelbauverein St. Ludwig Saarlouis e.V.

Im Altarraum erinnert eine Wandtafel an Thomas de Choisy. Sein Herz ruht dahinter in einer Bleikapsel.

Das Grab von Thomas de Choisy in der Ludwigskirche. Foto: Hilke Mander

Der große Pieper

An der Südwestseite des Großen Marktes erhebt sich das einstige Gouvernementsgebäude. Der Sitz des ersten Gouverneurs Thomas de Choisy wandelte sich später zur  preußischen Kommandantur.

Der heutige Bau ist  eine Replik des einstigen Hauptquartiers des Heeres, da der Originalbau von Vauban in den 1960er-Jahren baufällig geworden war.

Heute findet ihr dort im Erdgeschoss des linken Flügels die Post, im gesamten übrigen Gebäude die Buchhandlung der Firma Pieper. Pieper ist in Saarlouis eine Institution und eines der letzten familiengeführten Warenhaus-Unternehmen Deutschlands.

Am einstigen Gouvernementsgebäude und der späteren preußischen Kommandantur markiert eine Tafel, wie hoch das Wasser der Saar im Jahr 1784 stand. Foto: Hilke Maunder

Der Weg zu(r) Europa

An der Ecke zur Adlerstraße erhebt sich seit 1954 in der typischen Fünfziger-Jahre-Architektur der Sitz der Stadtverwaltung mit seinem 27 m hohen Turm.

An der Frontseite erzählt ein Fries in Stein das Zeitgeschehen von der Gründung der Stadt bis zum Bau des Rathauses. Der einheimische Bildhauer Nikolaus Simon (1897-1970) meißelte ihn.

Und setzte rechts vom Haupteingang die Europa mit dem Stier auf die Fassade. Welch ein kreativer Vorgriff auf die spätere Europastadt. Seit 2006 trägt Saarlouis stolz diesen Titel.

Das Rathaus von Saarlouis mit seinem 27 m hohen Glockenspiel. Foto: Hilke Maunder

Überraschung im Rathaus

Im ersten Stock birgt das Rathaus einen Schatz, den man dort nicht vermuten würde. Beim Neubau wurde eigens ein Saal für die historischen Gobelins eingeplant, die man über die Kriegswirren hatte retten können.

Die wertvollen Wandteppiche waren 1687 in der königlichen Manufaktur von Aubusson auf Anordnung von Ludwig XIV. 1687 als Schmuck für das Präsidialgericht in Saarlouis gewebt worden.

Der Gobelinsaal mit seinen Barockstühlen. Doch nur ein Sessel trägt die Initialien. “VM” – volonté de sa majesté, der Wille Ihrer Majestät geschehe! Foto: Hilke Maunder

Ein Tischler aus Metz fertigte für den ehemaligen Gerichtssaal zwölf der Barocksessel, die heute immer noch im Gobelinsaal stehen.

Der Empire-Tisch aus Ebenholz mit Einlegearbeiten aus Messing und Leder wie auch die historische Pariser Uhr hat Saarlouis als Geschenk zur Rathauseinweihung 1954 erhalten.

Der damalige Ministerpräsident Johannes Hoffmann schenkte als erster Ministerpräsident des Saarlandes den Teppich in bleu, blanc, rouge. Die Büste von Vauban ist eine Kopie.

Barocke Bürgerhäuser

Ist er nicht wunderschön, der Innenhof dieses Bürgerhauses im Herzen der Stadt? Foto: Hilke Maunder
Ebenfalls in der Adlerstraße befindet sich  eines der ältesten Bürgerhäuser von Saarlouis. „1691“ verrät die Inschrift auf dem Barockbau. Hinter dem Torgang eröffnet sich ein quadratischer Innenhof.
Ein blühender Garten, eine grüne Oase im Herzen der Stadt.
Der Innenhof war in der preußischer Zeit um 1815 Postkutschen-Station. Victor Hugo kam 1865 bei seinem Besuch hier an und übernachtete nebenan im Hôtel du Rhin (Rheinischer Hof).
Hugo war damals auf den Spuren von Maréchal Ney unterwegs. Sein Vater war General unter Napoleon gewesen und hatte so Michel Ney kennengelernt.

Das Erbe der Kasernen

Die letzte erhaltene Kaserne der Franzosenzeit birgt heute Wohnungen und ein Lampengeschäft. Foto. Hilke Maunder

In der nahen Pavillonstraße 1 ist die einzige Kaserne aus der Zeit der Stadtgründung erhalten. In der einstigen Kaserne I gab es neben den Mannschaftsunterkünften auch einen „Offizierspavillon“.

Die französische Kaserne VI in der Alte-Brauerei-Straße ersetzte Preußen durch eine eigene Kaserne. Mit 165 Meter Länge und ihrem hellen, unverputzten Stein im Stil des Klassizismus ist sie ein Hingucker der Altstadt. Heute birgt der Bau neben der Polizeiinspektion das Städtische Museum, das Stadtarchiv und die Ludwig-Galerie.

In der Altstadt von Saarlouis. Foto: Hilke Maunder

Savoir-vivre auf Kopfstein

Die Altstadt von Saarlouis ist das Ausgehviertel der Stadt. Cafés, Kneipen und Restaurants sind in die die einstigen Handwerkerhäuser der Festungszeit gezogen.

Schmal und zweigeschossig, mit Holzklappläden und Mansardendächern säumen sie die Gassen und Straßen, die heute Fußgängerzone sind.

Und auch hier begegnet euch Frankreich. Denn hier wurde in der Bierstraße 13 am 10. Januar 1769 jener Mann geboren, den Kaiser Napoleon später als le brave des braves, als „Tapfersten der Tapferen“ loben sollte: Michel Ney.

In diesem Haus wurde Maréchal Ney geboren. Foto: Hilke Maunder

Der Tapferste der Tapferen

Als 19-Jähriger traf der Sohn eines Fassmachers in Metz als „Gemeiner“ in das Husarenregiment Colonel Général ein.  Unteroffizier, Brigadegeneral, Divisionsgeneral, Gesandter und schließlich Marschall des Kaiserreiches: Ney legte beim Militär eine steile Karriere hin und war bei den Bourbonen hoch angesehen.

Doch nach Napoleons Niederlage bei Waterloo wendete sich das Blatt. Ludwig XVIII. ließ ihn wegen Hochverrats 1815 in Paris vor Gericht stellen. Warum?

Ludwig XVIII. hatte Ney ausgeschickt, um mit dem 5. Infanterieregiment Napoleon zu verhaften, der aus dem Exil auf Elba aufgebrochen war zum langen Marsch nach Paris. Als Ney auf Napoleon traf, war er mit dem gesamten Regiment sofort zu ihm übergelaufen.

Hingerichtet wegen Hochverrats

Ohne Augenbinde, in schlichter Zivilkleidung, wurde Ney am 7. Dezember 1815 im Jardin du Luxembourg hingerichtet. Er selbst gab den Befehl zum letzten Schuss:

Soldaten, wenn ich den Feuerbefehl gebe, schießt auf mein Herz. Wartet auf den Befehl. Es wird der Letzte sein, den ich euch gebe. Ich protestiere gegen meine Verurteilung. Ich habe in hundert Schlachten für Frankreich gekämpft, aber nicht eine gegen es. […] Soldaten schießt!

Das Saarpolygon auf der Bergehalde des ehem. Kohlebergwerks Ensdorf. Copyright: Pressebild der Tourismus Zentrale GmbH, Fotograf: Klaus Wallach

Saarlouis & Frankreich: was für Verbindungen!

Partner: Saarlouis & Saint-Nazaire

Die Europastadt Saarlouis feierte 2019 das 50-jährige Bestehen der jumelage mit der Hafenstadt im Département Loire-Atlantique. Dass die Partnerschaft zwischen Saarlouis und Saint-Nazaire  zu den am besten funktionierenden Verschwisterungen beider Länder gehört, ist längst auch Berlin und Paris bekannt.

Die vielfältigen intensiven Kontakte und regelmäßigen Begegnungen zwischen Vereinen, Verwaltungen, Einrichtungen, Schulen und Bürgern haben über die Jahre zu zahlreichen Freundschaften und familiären Verbindungen geführt.

Mit Schüleraustauschen, Praktika, thematischen Jugendbegegnungen, Freizeiten, Medien- und Kunstprojekten gibt es ein breit aufgestelltes Angebot für junge Menschen.

Stadtfest

So reist auch zum Stadtfest „Saarlouiser Woche“ eine Delegation eines Sportvereins aus Saint-Nazaire an und betreibt mit den Feuerwehren aus Saarlouis und Eisenhüttenstadt  einen gemeinsamen Essens- und Getränkestand.

Die Franzosen servieren crêpes, moules, huîtres, soupe de poisson und Muscadet, die Eisenhüttenstädter Thüringer Bratwurst, Spreewaldgurken, Schmalzbrote mit Neuzeller und Karlsberg-Bier aus dem Saarland. Dort trifft sich dann auch die Saarlouiser Stadtprominenz.

Partnerstadt-Botschafter

Seit dem Jubiläumsjahr gibt es das Projekt der „Jungen Botschafter*in in der Partnerstadt“. Zu ihnen gehört auch Félicia Rocher aus Saint-Nazaire, die am 7. September 2020 als neue Junge Botschafterin aus Saint-Nazaire ihren deutsch-französischen Freiwilligendienst in Saarlouis angetreten hat.

Félicia Rocher. Foto: privat

Félicia ist 20 Jahre alt und hat einen berufsorientierten Kurz-Studiengang (DUT) im Bereich Multimedia und Internet abgeschlossen. Ihre Interessen liegen insbesondere im künstlerischen und kulturellen Bereich.

So hat sie gleich in den ersten vier Wochen ihres Aufenthaltes ein Kunstprojekt an den Gymnasien in den Partnerstädten auf den Weg gebracht.

Die Zusammenarbeit mit allen Schulen im Stadtgebiet wird ein Schwerpunkt ihrer Arbeit sein. Ihr Tandem-Partner aus Saarlouis ist Matthias Altmeyer. Matthias ist 22 Jahre alt und hat gerade seinen Bachelor in deutsch-französischem und internationalem Management absolviert.

Matthias Altmeyer. Foto: privat

Im Rahmen eines deutsch-französischen Freiwilligendienstes arbeiten junge Menschen aus beiden Städtchen als Tandem in den Verwaltungen der Partnerstadt und kümmern sich vor allem um all jene Anliegen, die junge Leute betreffen.

Französisches Honorarkonsulat

Als das Saarland 1957 zehntes Bundesland der Bundesrepublik Deutschland wurde, gründete Henry Villeroy de Galhau die einzige Agence consulaire de France des Saarlandes. Sie residiert seitdem im Rathaus von Saarlouis.

In der Außenstelle des französischen Generalkonsulates von Saarbrücke finden jährlich rund 500 Bürger Rat und Unterstützung – Franzosen, die im Saarland leben und arbeiten, sowie Deutsche, die Angelegenheiten mit französischen Behörden zu regeln haben. Honorarkonsulin ist seit 2017 Myriam Schirpke-Bouchon.
• Am Rathaus, Pavillonstraße, 66740 Saarlouis, Tel. 068 31 29 36, Sprechstunde: Di. 14.30 – 17.30 Uhr und nach Vereinbarung

Netzwerk der Festungsstädte der Großregion

Saarlouis ist aktives Mitglied im „Netzwerk der Festungsstädte der Großregion“. Zu diesem Verbund gehören zwölf Festungsstädte in Lothringen, dem Saarland und Luxemburg. Neun der zwölf Standorte liegen in Frankreich. Entsprechend eng sind die Verbindungen „über die Grenze“.

Das Netzwerk hat es sich zur Aufgabe gemacht, das gemeinsame historische Festungserbe – ehemals Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen – als Stätten der Begegnung und des Dialogs neu in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken.

Bei touristischen Angeboten, kulturellen und wissenschaftlichen Projekten könnt ihr das gemeinsame  Festungserbe grenzüberschreitend neu erleben.
www.kulturraumgr.eu

Grenzüberschreitende Bildung

Saarlouis hat einen enormen Vorteil: Es grenzt direkt an Frankreich. Diese Nähe nutzen die Schulen vor Ort und fördern allesamt das Sprachenlernen durch Austausche, Partnerschulen, Begegnungen und Kontakte vor Ort.

Französisch ist Pflichtfremdsprache im Saarland. Daher bieten alle Gymnasien in Saarlouis auch das Diplôme d’Etudes en Langue Française (DELF)-Prüfung in Französisch an.

Robert-Schuman-Gymnasium Saarlouis (RSG)

Das neusprachliche Robert-Schuman-Gymnasium ist mit dem Lycée Jean-Victor Poncelet in Saint-Avold/Moselle verbunden und bietet neben einem französischen bilingualen Zweig auch als einziges Gymnasium von Saarlouis den doppelten Schulabschluss Abibac an.
• Prälat-Subtil-Ring 2, 66740 Saarlouis, Tel. 068 31 22 62, www.rsg-saarlouis.de

Saarlouiser Gymnasium am Stadtgarten (SGS)

Das Gymnasium am Stadtgarten. Foto: Hilke Maunder

Auf den Fundamenten des französischen Lazaretts aus Vauban-Zeiten erhebt sich das ehemals humanistische Gymnasium am Stadtgarten. Mit dem Gründungsdatum 1690 ist es nach dem Ludwigsgymnasium von Saarbrücken das zweitälteste Gymnasium des Saarlandes. Zu seinen berühmten Schülern gehörte auch Michel Ney. Er besuchte das Augustiner-Collège, den Vorläufer des SGS.

Mit dem Collège de la Passepierre in Château-Salins, dem Collège Fulrad in Sarreguemines sowie zu mehreren Schulen in Saint-Nazaire besitzt das SGS für jede Jahrgangsstufe passende Partner in Frankreich. Wer Französisch liebt, kann beim Vorlesewettbewerb in der Fremdsprache Französisch mitmachen.
• Holtzendorffer Str. 1, 66740 Saarlouis, Tel. 06 83 14 29 85, www.sgs-saar.de

Max-Planck-Gymnasium (MPG)

Das MPG ist eine M.I.N.T-Schule, bei der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) Bildungsschwerpunkte sind – ebenso wie Englisch und Französisch als Pflichtfremdsprache. Letztere fördert die Schule mit Patenschaften und Austauschen. Partner in Frankreich sind das Lycée Michelet in Montauban und das Lycée Aristide Briand in Saint-Nazaire. Die Partnerschule aus Saint-Nazaire ist mit allen drei Saarlouiser Gymnasien verbunden.
• Pavillonstraße 24, 66740 Saarlouis, Tel. 06 83 19 45 90, www.mpg-saarlouis.de

Französische Kultur erleben

Bretonische Tanzgruppe und bretonisches Tanzfest

Fest noz an der Saar: In Saarlouis hält die Bretonische Tanzgruppe der Freien Kunstschule Saarlouis das Lebensgefühl von Breizh (Bretagne) lebendig. Und lädt alljährlich zu einem großen bretonischen Tanzfest. In der Regel findet das Fest am Feiertag 15. August auf der Vauban-Insel statt – und viele Gäste aus dem nahen Lothringen feiern mit. Der 15. August ist im Saarland wie in Frankreich ein Feiertag.

Konzertreihe Chant’Île Vauban

Zum Sommerangebot des Saarlouiser Kulturamtes gehört von Mai bis September die Open-Air-Konzertreihe Chant’Île Vauban auf der Vauban-Insel.  Bei der Konzertreihe treten besonders viele französische Künstler und Künstlerinnen und Musikgruppen mit französischem Programm auf. Kontakt: kulturamt@saarlouis.de

Französisch genießen

Auberge Maréchal Ney

Französisch ist an dieser Auberge nur der Name und die Geschichte: Im Geburtshaus von Marschall Ney kommt im gediegenen gutbürgerlichen Ambiente gehobene italienische Küche auf den Tisch, gelegentlich begleitet von Livemusik.
• Bierstraße 13, Tel. 06 83 14 84 93, www.facebook.com

La Maison

Im ehemaligen Oberverwaltungsgericht des Saarlands mit angrenzendem Hausmeisterhaus empfängt seit 2015 das 4-Sterne-Superior-Haus mit 50 Zimmern und Suiten seine Gäste, die – ganz unter sich – im PASTIS bistro oder mit Gäste von außerhalb im Michelin-Sterne-Lokal Louis Spitzenküche mit regionalen Wurzeln und weltoffener Kulinarik genießen können.

La Maison. Foto: Pressebild, Stromberger PR. Fotograf: Dirk Meyer

La Maison gehört zu den Spitzenhotels im Saarland – und ein Haus, in dem Monarchen und andere Staatsoberhäupter gerne logieren. Das niederländische Königspaar war dort ebenso vor nicht allzu langer Zeit zu Gast wie auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
• Prälat-Subtil-Ring 22, 66740 Saarlouis, Tel. 068 31 89 44 04 40, https://lamaison-hotel.de

Restaurant „Gerard“

Bouillabaisse und Ziegenkäse bei den Vorspeisen, Jakobsmuscheln, Butt mit beurre blanc im Hauptgang sowie crème brûlée zum Dessert: So könnte ein frankophiles Menu bei Gerard aussehen, der auch Saarländer Küche und italienische Speisen auf der Karte führt.
• Alte-Brauerei-Straße 18, Tel. 06 83 15 05 80 27, https://gerard-saarlouis.de

Undine

Wie sehr im Saarland auch in anderen Lokalen die französische Lebensart mitschwingt, zeigt das Bootshaus Undine des Kanuclubs Saarlouis. Auf der großen Terrasse schweift der Blick weit über die Saar, wo während der Saison die Flusskreuzfahrtschiffe am Anleger festmachen. Auf der Karte steht deutsche Küche, verfeinert mit französichem Flair. Und auch das Savoir-vivre lässt drinnen wie draußen die Nähe zu Frankreich spüren.
• Saint-Nazairer Allee 2, Tel. 068 31 27 97, www.kanuclub-undine-saarlouis.de

In der Nähe

Leidingen – der Ort auf der Grenze

12 km westlich ist Leidingen ein politisches Lehrstück. Dort steht ihr mit einem Bein in Deutschland, mit einem zweiten in Frankreich. In Deutschland befindet ihr euch in einem Ortsteil von Wallerfangen, auf französischer Seite in einem quartier von Heining-lès-Bouzonville

Ein Grenzfenster erzählt euch vom Leben mit und an der Grenze. Alfred Gulden schuf es. Bereits 1983 hatte der Saarlouiser Ehrenbürger, Dichter und Liedermacher für den Saarländischen Rundfunk eine Dokumentation über das kleine Dorf auf der deutsch-französischen Grenze gedreht.

Die deutsch-französische Grenze verläuft in der Mitte einer 1,6 Kilometer langen Verkehrsachse. Auf der deutschen Seite heißt diese Neutrale Straße, auf der französischen Rue de la Frontière.

Die Bewohner – 28 in Frankreich, 192 in Deutschland – können ein Lied davon singen, wie schwierig die Grenzlage bei der Verwaltung des Ortes ist. Erst seit 2010 gibt es eine gemeinsame Trink- und Abwasserversorgung, werden Straßen gemeinsam instand gesetzt und gebaut. Möglich wurde dies nur dank der EU-Mittel, die flossen.


Wie viel Frankreich steckt in Deutschland? Das verrät euch meine neue Blogparade. Alle bisherigen Beiträge findet ihr hier.

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19 Kommentare

  1. Und hier noch ein Nachtrag zu den Namen:

    Der im Text erwähnte Stadtteil Beaumarais wurde von den Nazis gleichzeitig mit dem Namen Saarlouis abgeändert.
    Somit hieß er dann von 1936 bis 1945 Saarlautern-Schönbruch.

    LG, Hubert

  2. Hallo Hilke,
    Dein Bericht über Saarlouis mit den schönen Bildern hast du klasse hingekriegt.
    Ich bin begeistert, wie schön Du unsere Heimatstadt beschrieben hast. Chapeau. Der Artikel animiert bestimmt den einen oder anderen sich Saarlouis mal anzuschauen.
    Ich würde mich freuen, wenn wir Dich in Saarlouis mal wieder begrüßen könnten.
    Liebe Grüße und bleib gesund
    Gaby

  3. Wunderbarer Beitrag über die Festungsstadt Saarlouis. Am Ende schrieben Sie über Leidingen. Ich habe im vergangenen Jahr sieben Wochen im ehemaligen Pfarrhaus in Leidingen-Frankreich gewohnt. Wenn ich es richtig weiß, stammen die Grenzblickfenster vom Leidinger Bürgermeister Schmitt. Lediglich die Texte sind von Alfred Gulden. Übrigens: auf meiner Homepage http://www.heimatverfuehrer.de habe ich den siebenwöchigen Aufenthalt dokumentiert.

  4. Liebe Hilke,

    herzlichen Dank für diesen wunderschönen Artikel über meine lebenswerte Heimatstadt.

    Hier noch zwei Anmerkungen:

    Die Umbenennung von Saarlouis in Saarlautern 1936 durch die Nazis war nicht die erste Umbenennung in der Geschichte der Stadt, denn im Jahr 1793 wurde Sarre-Louis infolge der Revolution aus antiroyalistischen Gründen in Sarre-Libre umbenannt, womit die Befreiung vom absolutistischen System deutlich gemacht werden sollte. Im Jahr 1810 aber wurde dies wieder rückgängig gemacht.

    Dann: Es wird die Gründung der einzigen Agence consulaire de France im Saarland 1957, nach der Rückgliederung des Saarlandes an Deutschland, durch Henry Villeroy de Galhau erwähnt.
    Wem der Name Villeroy „in den Ohren klingelt“, der hat natürlich Recht: Es ist eine der Gründungsfamilien des saarländischen Keramikunternehmens Villeroy & Boch.

  5. Liebe Hilke,

    herzlichen Dank für diesen schönen, gut recherchierten Artikel über Saarlouis, la ville la plus française d´Allemagne.

    Bitte gestatte mir noch ein paar zusätzliche Informationen:

    In der Volksabstimmung 1935 hatten sich über 90 % der Bevölkerung des damaligen „Saargebiets“ für den Anschluss an das Deutsche Reich ausgesprochen, der dann auch sofort vollzogen wurde.
    Den Nationalsozialisten aber war der französische Name der Stadt naturgemäß ein Dorn im Auge, und so wurde Saarlouis, gleichzeitig mit der Eingemeindung der Gemeinde Fraulautern kurzum in Saarlautern umbenannt.
    Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft wurde die Stadt im Juli 1945 wieder Saarlouis genannt.

    Zu den Städtepartnerschaften von Saarlouis mit Saint-Nazaire (44) und Eisenhüttenstadt kommt eine weitere, allerdings lockerere Art von Partnerschaft hinzu, nämlich diejenige mit der französischen Partnerstadt von Eisenhüttenstadt, Drancy im Département Seine-Saint-Denis (93).

    Und schließlich: Zu den ehemaligen Schülern des Gymnasiums am Stadtgarten zählen auch der derzeitige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (Abi ´78) und Dr. med. Anne Fleck (Abi ´91), bekannt als eine der „Ernährungs-Docs“ des NDR.

  6. Hallo Hilke,

    vielen Dank für Ihren, wie immer toll recherchierten Beitrag über die schönste Stadt unseres kleinen Heimatlandes. Wir haben uns sofort an die Saarlouiser Bastion erinnert, als wir in diesem Jahr in Saint-Martin-de-Ré das absolut ähnliche Bauwerk von Vauban besichtigt haben.

  7. Liebe Hilke,
    als Saarlouiser, als echter „Boulé“, gratuliere ich Dir ganz herzlich zu diesem wunderbaren Artikel über „mein Saarlouis“. Ich hoffe, dass viele Deiner Leser sich bald aufmachen, die Stadt des Sonnenkönigs bald zu besuchen.
    Unsere Freunde in Saint Nazaire und Eisenhüttenstadt werden sicher auch begeistert sein, ihre Partnerstadt in Deinem Artikel zu erleben.
    Herzliche Grüße – und komme bald wieder –
    Armin

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