Wehrhaftes Welterbe: die Festungen von Vauban

Die Vauban-Zitadelle von Mont-Louis. Foto: Hilke Maunder
Die Vauban-Zitadelle von Mont-Louis. Foto: Hilke Maunder

„Eine Stadt, die von Vauban belagert wird, fällt. Eine Stadt, die von Vauban verteidigt wird, ist uneinnehmbar!“ Treffender könnte man das Wirken von Sébastien Le Prestre de Vauban (1633 – 1707) nicht beschreiben.

Der französische General und Festungsbaumeister war an der Planung bzw. am Um- und Ausbau von etwa 160 Festungen beteiligt. Aber auch zahlreiche zivile Bauten gehen auf Vauban zurück.

Vauban: 12 Bauten sind Welterbe

Als treuer Berater und Baumeister des Königs Sonnenkönigs Ludwig XIV. trug er nicht unerheblich zu dessen Machtstellung bei.  Seine zwölf wichtigsten militärischen Bauten gehören seit 2008 zum UNESCO-Welterbe.

Zitadelle von Arras (Hauts-de-France)

Die Zitadelle entstand 1668-1672 als Bollwerk gegen die spanischen Niederlande. Im Volksmund heißt sie „die schöne Nutzlose“ (la belle inutile), wurde sie doch niemals angegriffen.

Zitadelle von Besançon (Franche-Comté)

Vauban entwarf die Pläne für die Festung von Besançon im Jahr 1668. Wer möchte, kann sie in Begleitung eines Schauspielers besichtigen, der sein reiches historisches Wissen in eine quicklebendige Animation einfließen lässt.

Festungssystem von Briançon (Hautes-Alpes)

Nach einem Großbrand baute Vauban ab 1692 das Festungssystem der 1.200 m hoch gelegenen Kleinstadt wegen ihrer strategischen Lagen zu  italienischen Grenze stark aus – mit verstärkter Stadtmauer, vier Forts, der Brücke Pont d’Asfeld und einem Signalturm.

Tour Dorée von Camaret-sur-Mer (Bretagne)

Zum Schutz der Reede von Brest errichtete Vaubans Baumeister Jean-Pierre Traverse  1693 – 1695 auf einer kleinen Halbinsel vor Camaret an der bretonischen Westküste der 18 m hohe, sechseckige goldene Turm.

Befestigte Stadt von Longwy (Lothringen)

Mal gehörte es zum Herzogtum Lothringen, dann zu Frankreich: Longwy wechselte im Laufe der Geschichte oft den Besitzer. Nach dem Frieden von Nimwegen 1670 war es französisch. Damit es auch künftig so bliebe, wurde die Stadt auf Geheiß des französischen Königs Ludwig XIV. von Vauban befestigt. Vauban entwarf auch die neue Oberstadt (Longwy Haut) und ließ dafür die mittelalterliche Burg  schleifen.

Vauban entwarf Longwy als Idealstadt – mit großer Kirche (St. Dagobert, 1680), Zeughaus, elf Kasernen, fünf Brunnen und 32 Häuserblocks um einen weiten Paradeplatz (Place d’Armes). Die Festungswälle, die die Oberstadt im 17. Jahrhundert sternförmig mit sechs Bastionen und Demi-Lunen umgaben, sind nur noch teilweise erhalten. Das Fort der befestigten Stadt war 1914 die erste Festung, die die deutschen Truppen eroberten.

Mont-Dauphin (PACA)

Auf einer kahlen Hochebene in 1.000 m Höhe errichtete Vauban eine idealtypische Festung mit Arsenal, Pulverkammern, Kasernen und einer Kirche, die allerdings nicht vollendet wurde.

Die Vauban-Zitadelle von Mont-Louis. Foto: Hilke Maunder

Mont-Louis (Pyrénées-Orientales)

Mit dem Pyrenäenvertrag kam Nordkatalonien nach Frankreich. Zum Schutz der neuen Grenze nach Spanien, die seitdem die Pyrenäen bildeten, schuf Vauban in nur zwei Jahren (1679-1681) am Knotenpunkt dreier Täler (Têt, Aude und Cerdagne) eine befestigte Stadt.

Foto: Hilke Maunder

Er nahnnt sie Mont-Louzis zu Ehren seines Köngis Ludwig XIV. Sie ist mit 1.600 m über NN  die höchstgelegene Stadt Frankreichs.Von den ursprünglich vier geplanten Bereichen wurden nur die Zitadelle und die Oberstadt verwirklicht. Unterstadt und Redoute wurde nicht gebaut.

Heute dient Mont-Louis als Centre National d’Entraînement Commando (CNEC – Nationales Ausbildungszentrum für Kommandotechniken).

Die Vauban-Zitadelle von Mont-Louis. Foto: Hilke Maunder

Neuf-Brisach (Elsass)

Perfekt in die elsässische Rheinebene eingepasst ist Neuf-Brisach. Der Sonnenkönig beauftragte sie als Gegenfestung zu Breisach. Vauban realisierte in der idealtypischen Form eines Achtecks mit zentralem Exerzierplatz.

Saint-Martin-de-Ré (Poitou-Charentes)

Der befestigte Hafen von Sainte-Marie-de-Ré. Foto: Hilke Maunder

Die umfangreiche Festungsanlage an der Nordküste der Île de Ré aus dem frühen 17. Jahrhundert wurde von Vauban zum Schutz von La Rochelle und Rochefort erheblich erweitert. Die Wehrmauern sind ingesamt 14 km lang!

Die Zitadelle von Sainte-Marie-de-Ré. Foto: Hilke Maunder

Im 19. Jahrhundert wurden von der Festung Galeerensträflinge und Zwangsarbeiter in die französischen Kolonien Guyana und Neukaledonien verschifft. Henri Charrière erzählt davon in Papillon*. 1973 wurde der Abenteuerklassiker verfilmt, 2018 ein Remake herausgebracht, das zehn Minuten länger als die Kinofassung ist.

Im Herzen der Zitadelle von Sainte-Marie-de-Ré. Foto: Hilke Maunder

Heute diesen große Teile der Festung als Maison Central, als Knast für besonders harte Fälle. Um ihre Befreiung per Hubschrauber zu verhindern, wurden Stahlseile im Innern der Festung gespannt.

Saint-Vaast-la-Hougue & Île Tatihou (Bretagne)

Nach der Seeschlacht von La Hougue (1692) wurden zum Schutz vor weiteren englischen Angriff auf der  Nordost-Spitze der Cotentin-Halbinsel zwei Geschütztürme errichtet – mit sechs Geschützöffnungen auf La Houge, mit zehn Geschützöffnungen auf der nur 29 ha großen Insel Tatitou, die bei Ebbe zu Fuß durch das Watt erreicht werden kann. Erbaut wurden den beiden 21-Meter-Türme vom Vauban-Schüler Benjamin Combes.

In der Zitadelle von Blaye. Foto: Hilke Maunder

Verrou de l’Estuaire (Aquitanien)

Zur selben Zeit begannen damals Vauban und sein Ingenieur Ferry mit der Befestigung der Einfahrt in die Gironde-Bucht, dem Verrou de l’Estuaire. Sie besteht aus drei einzelnen Bollwerken. Der Zitadelle von Blaye am rechten Ufer steht am linken Ufer das Fort Médoc gegenüber.

In der Mitte errichteten sie auf einer Sandbank ohne festen Untergrund das mit Kanonen bestückte Fort Pathé, eine bautechnische Meisterleistung!

Villefranche-de-Conflent (Pyrénées-Orientales)

Villefranche-de-Conflent: Fort Liberia. Foto: Hilke Maunder

Die strategisch wichtige Pyrenäenpassage am Zusammenfluss von Têt und Cady sicherte Vauban, indem er die „freie Stadt“ der Grafen von Cerdagne befestigte.  Zum Bollwerk gehören sechs Eckbastionen in der Stadtmauer, die befestigte Höhle Cova Bastera und das Fort Libéria, zu dem ein unterirdischer Gang hinauf führt – der Souterrain des 1000 Marches.

2 Kommentare

    • Hallo Michael, ja! Ich bin schwer begeistert, wie innovativ sie waren – und wie toll sie gelegen sind. Auch, wenn man sich sonst nicht für Militärarchitektur und Kriegsgeschichte interessiert, sind sie unglaublich sehenswert!!
      Viele Grüße, Hilke

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