So viel Frankreich steckt in … Landau

Stadtansicht von Landau in der Pfalz. Foto: Stadtverwaltung Landau
Stadtansicht von Landau in der Pfalz. Foto: Stadt Landau in der Pfalz

„Eine Stadt, die von Vauban belagert wird, fällt. Eine Stadt, die von Vauban verteidigt wird, ist uneinnehmbar!“: Mit Bollwerken auf dem Grundriss eines Sterne, so dass jedes Bastion sich gegenseitig dank Ein- und Ausfallwinkel gegenseitig Feuerschutz geben konnte, sicherte Vauban das Reich des Sonnenkönigs. In Frankreich gehören seine Festungen zum Welterbe.

Doch nicht nur dort könnt ihr seine Spuren entdecken. Nach dem Frieden von Nijmegen 1678 ließ Vauban an den Grenzen Frankreichs die Maginotlinie des Absolutismus errichten: einen Festungsgürtel, weit vorgeschoben, auf ehemaligem Reichsgebiet. Von Dunkerque (Dünkirchen) verlief er über Lille, Arras, Longwy und Straßburg bis zur Schweizer Grenze.

Der Landauer Markt. Foto; Christian Ernst. Bildarchiv Südliche Weinstrasse e.V

Ebenfalls eingebunden war eine heute deutsche Stadt: Landau in der Pfalz. Um Festungsreste im Landauer Stadtgebiet sichtbar und erlebbar zu machen, wurde das Festungsleitsystem Route Vauban eingerichtet. Acht Stelen erinnern seitdem an Vaubans Erbe. Ihr findet sie auf dem Rathausplatz, am Deutschen und Französischen Tor, an der Schleuse in der Ostbahnstraße an der Ost- und Westseite des Forts, an der Lunette 41 im Savoyenpark und an der Schleusenstraße.

Landau: Im Stele der Route Vauban am Rathaus. Foto: Stadt Landau in der Pfalz

Auf den Spuren von Vauban

Alle Infos zum 7,6 km langen Festungsrundgang enthält ein Faltblatt, den die Stadt gemeinsam mit dem Festungsbauverein und dem Büro Kluge Gestaltung, das Festungsgrundriss und Stadtplan erstellt hat. Es verbindet Festungsgrundriss und Stadtplan, stellt  die Festungsreste im Stadtgebiet vor und hält auch geschichtliche Informationen zur Landauer Festung bereit.

Zum Bau der Festung  wurde die mittelalterliche Stadt zum großen Teil niedergebrannt. Ob es tatsächlich Vauban gewesen war, der den Auftrag zum Feuerlegen gegeben hatte, konnte nie bewiesen werden.

Doch der Wiederaufbau veränderte das Gesicht von Landau völlig: mit gerade Straßen, rechtwinkelige Bauquadrate und dem großen Marktplatz.

Vauban verändert Landau

Auch das Leben war nicht mehr so wie vor Vauban. Hinein in die Stadt kam man nur noch durch zwei wuchtige Stadttore: das „Deutsche Tor“ im Norden und das „Französische Tor“ im Süden  – doch nur bis zum Sonnenuntergang.

Der Machtanspruch des Sonnenkönigs – deutlich verewigt auf der Nordseite des Deutschen Tores. Foto: Stadt Landau in der Pfalz.

Das Deutsche Tor ziert gen Norden die „Nec pluribus impar“ in Kombination mit einem von Sonnenstrahlen umrahmten Kopf: Ganz klar, damit ist der „Sonnenkönig“ Louis XIV gemeint.

Der Wahlspruch des französischen Herrschers (übersetzt sinngemäß „Auch einer Mehrzahl überlegen“) findet sich auf der Nordseite des Tors – eine klare Machtdemonstration in Richtung der deutschen Fürsten.

Denn Landau gehörte seit 1680 zu Frankreich und die Inschrift zeigte gen Deutschland. Das Deutsche Tor ist baugleich mit seinem Pendant am Obertorplatz, dem Französischen Tor.

Was für ein Hin und Her!

Kaum fertiggestellt, wechselte die französische Festung mehrfach die Lager, wurde kaiserlich, wieder französisch, wieder kaiserlich, wieder französisch – und 1815, nach dem Wiener Kongress, plötzlich Bundesbesitz Österreichs, ehe Habsburg schon im Jahr darauf die Festung ans Königreich Bayern abtreten musste.

1871 war Landau nicht mehr Grenzstadt, sondern lag mitten im Deutschen Reich. Die Festung wurde geschleift, der Weinhandel boomte, Landau wuchs. Prachtvolle Bürgerhäuser  aus Sandstein entstanden entlang der neu angelegten Ringstraße und ihrer Seitenstraßen im Historismus und Jugendstil.

Fürs Militär gab es viele neue Kasernen. Die Weltkriege brachten Frankreich zurück. Landau wurde französische Garnisonsstadt.

Altes Erbe neu genutzt

Als Frankreichs Soldaten sich 1997-1999 aus Landau verabschiedeten, erhielt die Stadt 100 Hektar bebaute und 231 Hektar unbebaute Flächen zurück. Wie altes Kasernengelände neu genutzt wird, zeigt beispielhaft der Wohnpark am Ebenberg, der im Süden der Stadt auf der ehemaligen Caserne Estienne et Foch für 2200 Einwohner entsteht.

Wichtigstes französischen Unternehmen vor Ort ist – nach der Übernahme des Alupresswerks von Pechiney durch Constellium – der Reifenhersteller Michelin. Mehr als eine halbe Million Pneus werden jährlich im Michelin-Logistikzentrum umgeschlagen: gewöhnliche Pkw- und Lkw-Reifen und eindrucksvolle Sonderformate.

Vom Dach profitiert die Stadt: Fast 100.000 Quadratmeter groß, versorgt die  Photovoltaikanlage auf dem Firmen­dach fast 1100 Haushalte mit sauberem Strom.

Der Rathausplatz von Landau. Foto: Stadt Landau in der Pfalz.

Aussöhnung & Austausch

Die tiefsitzenden Erfahrungen der Vergangenheit, die unzähligen Gefechte, das Blutvergießen der Weltkriege hat auch bei den Menschen Spuren hinterlassen. Bereits 1959 gründete sich hier eine deutsch-französische Gesellschaft und engagierte sich für die Versöhnung. 1960 verschwisterte sich Landau mit der  elsässische Stadt Ribeauvillé, 1963 ebenfalls im Elsass mit Haguenau.

In Landau an der südlichen Weinstraße liegt das französische Flair auch in der Luft: Die Temperaturen sind milder als an vielen anderen Orten in Deutschland, die Temperaturen ausgeglichen, das Licht zart. Das freut nicht nur den Wein, der hier wächst, sondern auch viele südliche Früchte, die hier gedeihen. Im März verwandelt die Mandelblüte das Land in eine rosa Wolke.

Nahtlos geht der Pfälzerwald in die Vogesen über. Hüben wie drüben ähneln sich die Architektur, die Menschen. Sie sind nicht wortkarg, verschlossen, sondern babbeln gerne.  Laut und offen, und gerne miteinander. Sie sprechen Fremde an und setzen sich zum Schoppen gerne mal auch mit an den Tisch. Und teilen beim Weinfest in Heuchelheim in großer Runde den Flammkuchen, der auf einem Holzbrett ofenwarm serviert wird.

Flammkuchen essen auf dem Weinfest Heuchelheim.                     Foto: Ralf Ziegler, Bilderarchiv Südliche Weinstrasse e.V

Landau & Frankreich: Was für Verbindungen!

Deutsch-Französische Gesellschaft Landau e.V.

Die Deutsch-Französische Gesellschaft Landau wurde im Jahr 1959 gegründet, einige Jahre nach den ersten Kontakten zwischen Deutschen und Mitgliedern der französischen Garnison in Landau. Sprachkurse spielen seit Anbeginn eine zentrale Rolle. Neben Erwachsenenkursen auf mehreren Niveaus gibt es heute auch Kinderkurse. Beim FORUM REZITATION können alljährlich im Juni französische und deutsche Kinder und Jugendliche ihre Kenntnisse in der Nachbarsprache präsentieren.
dfg-landau.de

Deutsch-französischer Bauernmarkt

Bereits zum 9. Mal war Landau in diesem Jahr am 25. März Gastgeberin eines deutsch-französischen Bauernmarktes. Rund 50 Anbieter aus der Vorder- und Südpfalz sowie dem Elsass  kamen mit ihren landwirtschaftlichen Produkten und Weinen, zeigten bäuerliches Kunsthandwerk und luden ein, regionale Spezialitäten zu probieren.

Passend zum Frühling gab es auch einen Blumenmarkt mit Pflanzen, Gefäßen und Deko für den Garten anbieten.  Auch 2019 soll der beliebte Markt Ende März wieder am verkaufsoffenen Sonntag auf dem Rathausplatz stattfinden.
www.landau-tourismus.de

Festungsbauverein/Les Amis de Vauban e.V

Jeden Sonnabend in der warmen Jahreszeit geht es mit dem Festungsbauverein hinab in Landaus „Unterwelt“. Der Verein bietet jeweils ab 14 Uhr Führungen durch die unterirdischen Gänge der so genannten Lunette 41 an. Vereinsmitglieder legen die Festung seit einigen Jahren frei.

Dank ihres Engagements könnt ihr heute einen Eindruck von den Ausmaßen der früheren Festungsanlage erhalten. Ihr wollte einen Blick unter die Grasnarbe wagen? Dann meldet euch vorab beim Büro für Tourismus im Rathaus unter  Tel 0 63 41/13 83 05 an.

Max-Slevogt-Gymnasium

Das Max-Slevogt-Gymnasium unterhält Partnerschaften mit drei französischen Schulen. Zwei davon befinden sich im  nahen Elsass: das Collège Kléber in Haguenau als  Partnerschule für Schülerbegegnungen in den Klassen 6-9, und das Lycée Ribeaupierre für die Klassen 9 und 10.

Die 11. Jahrgangsstufe fährt im Rahmen des AbiBac in in die südfranzösischen Provence zum Lycée International Georges Duby in Luynes (Aix-en-Provence). Die Europaschule des Landes Rheinland-Pfalz kann damit gemeinsame Projekte und Austauschaktivitäten in allen Schulstufen anbieten – von der Orientierungsstufe bis zur gymnasialen Oberstufe.
https://msg-landau.de


Wie viel Frankreich steckt in Deutschland? Das verrät euch meine neue Blogparade, die in Kooperation mit der Vereinigung der Deutsch-Französischen Gesellschaften für Europa  (VDFG) das Jahr der Frankophonie 2018 begleitet. Alle bisherigen Beiträge findet ihr hier.

Ihr wollt, dass ich auch eure Stadt und ihre Verbindungen mit Frankreich vorstelle? Dann schreibt mir eine Mail! Ich freue mich auf ganz viele Tipps und Infos! Und sage: MERCI!

Die Landauer Südstadt.                                                                                  Foto: Kurt Groß, Bildarchiv Südliche Weinstrasse e.V.

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