Wehrhaft: Villefranche-de-Conflent

Villefranche-de-Conflent: Die Wehrmauer wird nachts beleuchtet. Fotos: Hilke Maunder
Auch die Wehrmauer wird nachts beleuchtet. Fotos: Hilke Maunder

Villefranche ist von alters her befestigt und hats schwer, sich auszudehnen; das Tal ist an der Stelle sehr schmal. Oben, hundertachtzig Meter über der Stadt, liegt das Fort,…

konstatierte Kurt Tucholsky 1927 in Ein Pyrenäenbuch* – einem schmalen Bändchen, das mich bei allen Fahrten durch die Pyrenäen begleitet. Auch, wenn die Sprache heute mitunter veraltet wirkt: ein tolles Buch, unglaublich lesenswert – und sehr dicht am Landstrich und seinen Menschen.

Doch zurück zu Villefranche-de-Conflent, wo ihr direkt vor der Stadtmauer auf mehren Parkplätzen euer Gefährt abstellen könnt. Von Perpignan aus kommt ihr auch mit dem Bus à 1 Euro für wirklich nur einen Euro hierher! Doch: Kommt früh oder außerhalb der Saison, denn das Vauban-Städtchen gehört als eines der schönsten Dörfer Frankreichs zu den touristischen Hotspots der Pyrénées-Orientales!

Vom Weg zum Fort Liberia eröffnen sich schöne Ausblicke auf die befestigte Stadt. Foto: Hilke Maunder

Strategische Lage

Die Pyrenäen bilden einen schroffen Riegel. Nur wenige Flüsse durchbrechen die steinerne Mauer. Im Conflent ist es der Cady, der bei Villefranche-de-Conflent in die Têt einmündet. Gemeinsam fließen sie hinab nach Perpignan Richtung Mittelmeer. Eine strategische Lage, erkannten die Grafen von Cerdagne, und ließen ihre freie Stadt befestigen.

Als Baumeister des Sonnenkönigs, der dank des Pyrenäenfriedens vom 7. November 1659 alle Gebiete nördlich des Pyrenäenhauptkamms Frankreich einverleibte, verstärkte Vauban die Wehranlagen nahe der neuen Grenze massiv.

Er versah die Stadtmauer mit sechs Eckbastionen, fügte die befestigte Höhle Cova Bastera hinzu und ließ oberhalb von Villefranche das Fort Libéria errichten. Ort und Höhenfestung verbindet ein unterirdischer Gang. Der Souterrain des 1000 Marches hat – nein, nicht 1000, sondern „nur“ 734 Stufen.

Der unterirdische Gang zum Château Fort. Foto: Hilke Maunder

Villefranche-de-Conflent entdecken

Startet euren Besuch antizyklisch. Tagestouristen und Ausflugsbusse kommen gegen zehn Uhr und gehen erst in den Ort, dann zum Fort hinauf. Das kann dann schon sehr voll werden… Macht ihr es umgekehrt, habt ihr ein mehr Muße, alles zu erleben.

Wer nicht zu Fuß über den unterirdischen Treppenweg oder den oberirdischen, steilen Weg, der sich den Berg hinauf windet, hinauf zum Fort Libéria laufen möchte, kann von der Porte de France sich vom Minibus hinaufbringen lassen.

Das Fort Liberia thront hoch über dem Ort. Foto: Hilke Maunder

Fort Liberia

Die mächtige Festung an den steilen Hängen des Belloc ließ Vauban 1679  errichten. Er gestaltete sie mit wuchtigen, spitz zulaufenden Festigungsmauern, riesigem Wehrgraben, in den Berg hinein gebauten Wehrgang mit Schießscharten und kleinen Kaminen, in denen der Pulverdampf abziehen konnte.

Wehrhaftes Erbe: Fort Liberia. Foto: Hilke Maunder

Hinzu kamen Unterkünfte für Mannschaft und Offiziere auf mehreren Ebenen. Das Baumaterial liefert der Berg: rosa Kalkstein, der „Marmor“ des Belloc.

Die Quelle, die beim Bau der Festung entdeckte, wurde für die Wasserversorgung abgesichert. Ergänzt mit einer Zisterne samt Filteranlage, sicherte sie die Trinkwasserversorgung.

Die Kaserne der Unteroffiziere im Fort Liberia. Foto: Hilke Maunder

In die Unteroffizierskaserne wurden eine Bäckerei integriert, auf der ersten Ebene eine Kapelle samt Krypta und, darunter, eine weitere Zisterne. 120.000 Liter Wasser konnte das Fort so „bunkern“.

Die Kirche des Fort Liberia und die nahen Pyrenäen. Foto: Hilke Maunder

Das Fort gehört seit 2008 zum Welterbe Vaubans Festungsbauten. Die Aussicht von oben auf das Städtchen im Tal der Têt und die Schneekuppe des Canigou ist fantastisch!

Blick von Fort Libéria auf den Canigou. Foto: Hilke Maunder

Ville Close

Zwei Stadttore führen hinein in die alte Stadt. Ihr rechteckiger Grundriss macht es kinderleicht, sich zu orientieren. Südlich der Hauptachse Rue Saint-Jean verläuft nahezu parallel die Rue Saint-Jacques.

Villefranche-de-Conflent: wunderschön – ein Bummel in den Gassen an der Wehrmauer. Foto: Hilke Maunder

Im Norden zweigt auf halber Strecke von der Rue Saint-Jean die Rue St-Pierre von der Hauptachse ab hin zur Barbacane. Eine Verbindungsgasse und zwei Plätze: voilà Villefranche, in der Saison komplett autofrei und äußerst pittoresk.

Besonders romantisch ist Villefranche zur blauen Stunde. Foto: Thomas Müller

Das hat jedoch dazu geführt, dass in den mittelalterlichen Bauten heute fast ausschließlich Betriebe zu finden sind, die auf den Tourismus ausgerichtet sind.

In den Gassen drängen sich Cafés, Bars und Restaurants, Souvenirshops und Läden von Töpfern und Holzschnitzern, die hoffen, durch den Tourismus ihr Auskommen zu finden. Wer Authentisches such, muss schon sehr genau hinsehen.

Wunderschön ist es dennoch, durch die Gassen zu flanieren, vorbei an den Natursteinhäusern und verputzten Bauten, ihren bunten Fensterläden und so manch einer Sonnenuhr.

Die Sonnenuhr der Stadtmauer… Foto: Hilke Maunder
…und ihre Abweichungen im Jahreslauf. Foto: Hilke Maunder

Ihr kommt dann sicher auch an der Maison du Gouverneur mit ihrem Wachtturm vorbei. Die alte Soldatenherberge dient heute als städtische Gruppenunterkunft. Im Südosten des Festungsstädtchens lehnt sich seit dem 12. Jahrhundert die Pfarrkirche Saint-Jacques an die Festungsmauer.

Mit einfachen Steinschnitzereien geschmückt – die Pfarrkirche. Foto: Hilke Maunder

Villefranche-de-Conflent: meine Reisetipps

Schlemmen

La Senyara

Ihr kennt „Paris-Brest“ nur als Dessert? Sandrine und Julien Blaya haben den Klassiker als Entrée neu erfunden – mit Jakobsmuscheln und Lauch. Hirsch, Rind, Ente und Gans werden als Hauptgang kreativ wie köstlich mit Nüssen, Steinpilzen oder Rouille komponiert.
• 81, Rue Saint-Jean, 66500 Villefranche-de-Conflent, Tel. 04 68 96 17 65www.lasenyera.fr

L’Auberge Saint-Paul

Zum Auftakt Wachtelterrine, zum Hauptgang Pot-au-Feu mit Foie Gras, eine lokale Käseplatte und ein Touron-Mandel-Apfeldessert: Charly und Patricia Gomez kochen für Feinschmecker!
• 7, Place de l’Église, 66820 Villefranche-de-Conflent, Tel. 04 68 96 30 95, www.auberge-st-paul.fr

Le Relais de Villefranche

Unter dem rustikalen Natursteingewölbe sind an den Holztischen mit roten Tischdecken Familien sehr willkommen. Für den Nachwuchs gibt es Malmaterialien. Auf der Karte stehen vier günstige Menüs sowie Pizza.
• 39, Rue Saint-Jean, 66500 Villefranche-de-Conflent, Tel.04 68 96 31 63, www.lerelaisdevillefranche.com

Joël Méné von der Bar „Le Canigou“. Foto: Hilke Maunder

Bar Le Canigou

Joël Méné ist hauptberuflich Feuerwehrmann und bekämpft vor allem Waldbrände – in den Corbières und den Pyrenäen wie auch auf Korsika.  Nach Feierabend steht er hinter dem Tresen einer Bar, die er von seinem Vater übernahm und heute zu den ältesten Lokalen des Ortes gehört.

Sein Beruf ist seine Berufung – und davon zeugt auch das Bar-Café mit der Freiluftterrasse neben der Sonnenuhr von Villefranche. Sie gleicht im Innern einem privaten Feuerwehrmuseum!
• Place du Génie, 66500 Villefranche-de-Conflent, Tel. 04 68 96 12 19, www.barlecanigou.fr

Die Bar „Le Canigou“ gleich einem Feuerwehrmuseum. Foto: Hilke Maunder

In der Nähe

Grottes des Grandes Canalettes: Stalaktiten, Stalagmiten und ein unterirdischer See – eine der schönsten Tropfsteinhöhlen der katalanischen Pyrenäen findet ihr an der Straße nach Corneilla-de-Conflent.

Vernet-les-Bains: Das Thermalbad, das den französischen Rock-Chansonnier Calí inspiriert, habe ich hier im Blog vorgestellt.

Abbaye Saint-Michel-de-Cuxa: Im Tal der Têt steht eines der ältesten Benediktinerklöster in den französischen Pyrenäen. Seinen Kreuzgang kaufte George Grey Barnard. Zurück in New York komponierte der US-amerikanische Bildhauer mit anderen Architekturfragmenten, die er in Südfrankreich für sehr wenig Geld erwarb, The Cloisters als Außenstelle des Metropolitan Museum of Art.

Saint-Martin du Canigou: Lust auf eine Auszeit im Kloster? Dann klickt mal hier!

Le Petit Train Jaune: Die gelbe Schmalspurbahn, auch „Canari“ (Kanarienvogel) genannt, fährt mit Tempo 30 ab Villefranche-de-Conflent das Tal der Têt hinauf.

Ihr wollte den Canigou besteigen? Dann klickt hier für Infos und Impressionen.

Blick auf den Gipfel von Les Cortalets. Foto: Hilke Maunder

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Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Frankreich Süden (Okzitanien)*

Der Bildatlas "Frankreich Süden" von Hilke Maunder - die fünfte AuflageMein DuMont Bildatlas Frankreich Süden (Okzitanien)* fängt zwischen Rhône und Garonne, Cevennen und Pyrenäen in sieben Kapiteln die Faszination der alten Region Languedoc-Roussillon in Wort und Bild ein – auch als eBook!

Von Montpellier, der Boomtown am Mittelmeer, bis zum römisch-romantischen Nîmes, von den Étangs bei Narbonne bis zur katalanischen Kapitale Perpinyá. Und noch ein Schlenker nach Carcassonne und Toulouse: voilà meine Herzensheimat! Wer mag, kann den Band hierdirekt bestellen.

MARCO POLO Languedoc-Roussillon: die Hommage von Hilke Maunder an ihre WahlheimatKompakt & inspirierend: MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen*

Den MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen* habe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen mehrfach umfangreich erweitert und aktualisiert.

Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich in meinem Frankreichjahr neu entdeckt und getestet habe.  Beide MARCO POLO-Bände hält ein Online-Update-Service aktuell, der euch über Events, Neueröffnungen und Schließungen informiert. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jeden Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights.

Dennoch: Das gut 560 Seiten dicke Werk ist der beste Führer für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen. In Ergänzung empfehle ich den Band von Petit Futé.

Michael Müller Verlag,, ISBN 978-3-89953-997-4, www.michael-mueller-verlag.de

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hier direkt bestellen.

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4 Kommentare

  1. Hallo Hilke,

    wir haben die 734 Treppen bezwungen, dass war kein Spaß. 🙂 Und als wir oben ankamen, waren wir noch nicht einmal oben, es ging noch ein ganzes Stück weiter.

    Liebe Grüße
    Andreas

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