Mayenne für Entdecker: die Top 7

Die Burgruine von Sainte-Suzanne. Foto: Hilke Maunder
Die Burgruine von Sainte-Suzanne. Foto: Hilke Maunder

Römische Ruinen, malerische Flüsse, mittelalterliche Dörfer und authentisches Flair: Mayenne hat viel zu bieten – und gehört dennoch zu den unterschätzten Gegenden in Frankreich. Und das ist gut so, denn so hat dieser charmante Landstrich seine Authentizität und beschauliche Ruhe bewahrt. Voilà meine ganz persönlichen Favoriten.

Die schönsten Ziele im Département Mayenne

1. Sainte-Suzanne

Mayenne: So idyllisch zeigt sich das Umland von Sainte-Suzanne bei einem Bummeln auf der Promenande de la Poterne. Foto: Hilke Maunder
So idyllisch zeigt sich das Umland von Sainte-Suzanne bei einem Bummeln auf der Promenade de la Poterne. Foto: Hilke Maunder

Auf halbem Weg zwischen Laval und Le Mans thront Sainte-Suzanne seit dem 11. Jahrhundert 70 Meter hoch über dem Tal der Erve. Seit 2016 bildet es mit Chammes den Doppelort Sainte-Suzanne-et-Chammes.

Drei Kilometer nördlich ist der Dolmen des Erves erhalten. Das Megalithgrab gilt als ältestes Monument der Mayenne und wurde vermutlich um 4.500 v. Chr. errichtet. Später besetzten erst die Kelten, dann die Gallier diesen sehr strategisch gelegenen Ort, der im 11. Jahrhundert auf der Spitze seines Dreiecksfelsen einen Bergfried erhielt, um das Gebiet gegen den Vormarsch der Normannen zu verteidigen.

Von 1083 bis 1086 schrieb Sainte-Suzanne Weltgeschichte,  als es der Belagerung von Wilhelm dem Eroberer, dessen Truppen weniger als einen Kilometer entfernt im Lager Beugy stationiert waren, tapfer widerstand – angeblich als einzige Festung in Europa, die Wilhelm zu erobern suchte.

Die Stadtmauer von Sainte-Suzanne. Foto: Hilke Maunder
Die Stadtmauer von Sainte-Suzanne. Foto: Hilke Maunder

Rund um die Stadtmauer aus dem  13. Jahrhundert verläuft eine wunderschöne Panoramaroute: die Promenade de la Poterne. Sie eröffnet wunderschöne Ausblicke: im Süden auf die Fôret de Charnie und die historische Provinz Anjou. Gen Norden blickt ihr auf die Hügel der Coëvrons.

Die hohen Mauern und soliden Befestigung konnten jedoch nicht verhindern, dass die Petite Cité de Caractère in späteren Zeiten erobert und eingenommen wurde. Im Hundertjährigen Krieg wurden 1424 die Engländer die neuen Seigneurs, Erst  1439 kehrte Sainte-Suzanne an den Ritter Jean de Bueil, und damit zu Frankreich, zurück. Im 16. Jahrhundert bekämpften sich Katholiken und Protestanten während der Religionskriege im Dorf.

Die Residenz der Renaissance und die Überreste der mittelalterlichen Burg von Sainte-Suzanne. Foto: Hilke Maunder
Die Residenz der Renaissance und die Überreste der mittelalterlichen Burg von Sainte-Suzanne. Foto: Hilke Maunder

Erst im 17. Jahrhundert kam Sainte-Suzanne, zur Ruhe. 1604 bis 1608 ließ Guillaume Fouquet de La Varenne, der erste Kontrolleur der öffentlichen Post und Gouverneur der Provinz Anjou, für sich und seine Familie neben den Resten der zerstörten Burg seine Residenz im Stil der Renaissance erbauen.

Das 1999 bis 2008 renovierte Renaissance-Schloss domininert die mittelalterliche Altstadt von Sainte-Suzanne.  Am Standort der einstigen Markthalle erhebt sich heute das Rathaus. Die Kirche des Ortes aus dem 16. Jahrhundert wurde drei Jahrhunderte später wieder aufgebaut. Pfadfindermädchen kichern auf dem Kirchplatz.

Auch solchen Wegen könnt ihr durch Sainte-Suzanne schlendern. Foto: Hilke Maunder
Auch solchen Wegen könnt ihr durch Sainte-Suzanne schlendern. Foto: Hilke Maunder

Der eigentliche Charme von Sainte-Suzanne besteht jedoch in seinen Gassen, die Feldsteinhäuser säumen. Hinter hohen Mauern verstecken sich blumenübersäte Gärten. Ein Feigenbaum wächst am Weg. Eine Katze streunt umher.

Hier und da setzen Häuser aus Renaissance und Klassizismus architektonische Akzente, darunter das alte Pfarrhaus und der Manoir de la Butte-Verte, in dem das Office de Tourisme residiert.

Tagsüber herrscht ein wenig Trubel in den Gassen. Doch abends liegt Ruhe und stille Zufriedenheit über dem Wehrdorf, das heute zu den schönsten Dörfern Frankreichs gehört.

Wandert oder fahrt dann einmal zum Aussichtspunkt  jenseits der Erve an der Rue Pavée. Von der dortigen Anhöhe eröffnen sich herrliche Ausblicke auf die Stadtmauer, den Kirchturm und die Ruinen des alten Bergfrieds. Im Licht der tiefstehenden Sonne ein richtig romantischer Anblick!

Sainte-Suzanne gehört zu den schönsten Dörfern von Mayenne und ist ausgezeichnet als <em>plus beau village de France</em>. Foto: Hilke Maunder
Der Ausblick von Sainte-Suzanne auf die sanften Hügeln der Coëvrons. Foto: Hilke Maunder

Sainte-Suzanne: meine Reisetipps

Café & couette

Der Name verrät’s: Hier gibt es Kost und Logis. Das Bistro aus dem Jahr 1860 bewahrt den typischen Geist der Bistros mit grundsolider Hausmannskost und Unterhaltung am Klavier. Genießt zum Apéro eine planche mit Käse und Wurstwaren aus Maine oder Forellen aus Parné-sur-Roc.

Als Hauptgang könnte bœuf bourguignon oder pot-au-feu folgen. Wer bleiben möchte, findet zudem zwei Gästezimmer, ein Doppelzimmer und ein Familienzimmer.
• 3, Rue Henri IV, 53270 Sainte-Suzanne-et-Chammes, Tel. 02 43 66 81 10, https://ninagallienne.wixsite.com/cafecouette

Café & Couette in Sainte-Suzannne. Foto: Hilke Maunder
Café & Couette in Sainte-Suzannne. Foto: Hilke Maunder
Nicht verpassen: Le Moulin à papier

Die Erve passiert auf ihrem Lauf rund zwanzig Mühlen. Die älteste ist der Grand Moulin aus dem 11. Jahrhundert, in dem bis 1937 Getreide gemahlen wurde. Heute fertigt die historische Mühle feinstes Seidenpapier. Führungen verraten, wie es entsteht.
• Rue aux Chevaux, 53270 Sainte-Suzanne-et-Chammes, Tel. mobil 06 16 43 40 46, www.moulin-papier.com

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2. Mézangers

Der Gué-de-Selle von Mézangers. Foto: Hilke Maunder
Der Gué-de-Selle von Mézangers. Foto: Hilke Maunder

14 Kilometer nördlich von Sainte-Suzanne versteckt sich im Département Mayenne das Bauerndorf Mézangers mit seiner Burg und seinen wunderschönen, in wilden Wäldern versteckten Seen.

Größte der rund zwei Dutzend Oasen ist der See von Gué-de-Selle. Er lockt mit Badestrand, Bootsverleih und vielen Barschen, die den Angelhaken am Ufer misstrauen. Und so wird dann gepicknickt und geklönt während des Wartens, bis dann doch mal einer zuschnappt.

Im Wald beim Gué-de-Selle bei Mezangers. Foto: Hilke Maunder
Efeu rankt sich an den Birken empor. Foto: Hilke Maunder

Die Wälder rund um den Gué-de-Selle sind keine perfekt gepflegten Forste, sondern grüne Dschungel mit kniehohen Farnwiesen, Lianen und Efeu, der die Bäume emporklettert.

Brombeeren und Walderdbeeren wuchern. Hier und da endet das Dickicht an Pferdekoppeln und Feldern mit Mais, Weizen oder Raps.

In der Nähe der Parkplätze trifft man noch Jogger und Spaziergänger. Doch spätestens nach einer Wegstunde ist man allein unterwegs, hört die Spechte klopfen, das Surren der Mücken, das Konzert der Natur am Gué-de-Selle.

Im Wald beim Gué-de-Selle bei Mezangers. Foto: Hilke Maunder
Alt und groß sind die Farne im Wald. Foto: Hilke Maunder

Mézanger: meine Reisetipps

Pony Club du Gué-de-Selle

Meine Tochter hat mehrere Sommer wunderschöne Ferien auf diesem Ponyclub von Carmen und Xavier Outin verbracht. Auf dem rustikalen Hof mit seiner resoluten Leiterin hat sie die Grundlage des Reitens gelernt.

Sie hat im Stall mit angepackt und mit den vielen anderen Kindern, meist Mädchen aus Frankreich, eine tolle Zeit verbracht. Geschlafen wird in Mehrbettzimmern, gegessen gemeinsam im Speisesaal oder draußen unter freiem Himmel.
• La Petite Coudrière, 53600 Mézangers, Tel. 02 43 90 62 80, www.poney-club-mayenne.com

Koppeln und Weiden umgeben Mézangers. Foto: Hilke Maunder
Koppeln und Weiden umgeben Mézangers. Foto: Hilke Maunder
Relais du Gué-de-Selle

Seit fünf Jahrzehnten empfängt der Relais du Gué-de-Selle auf einem Gut aus dem 16. Jahrhundert das ganze Jahr hindurch Gäste. Geschlafen habe ich dort noch nicht, aber bestens geschmaust.
• Route de Mayenne, 53600 Evron-Mézangers, Tel. 02 43 91 20 00, www.facebook.com/aurelaisduguedeselle

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Auch diesen alten Bauernhof seht ihr in Mézangers! Foto: Hilke Maunder
Auch diesen alten Bauernhof seht ihr in Mézangers! Foto: Hilke Maunder

3. Jublains

Die stille, dörfliche Atmospäre von Jublains mit seinen Kopfsteingassen und Fachwerkhäusern lässt kaum ahnnen, dass Jublains einst eine wichtige römische Stadt namens Noviodunum war. Beeindruckende römische Ruinen, darunter ein gut erhaltenes Amphitheater, ein Tempel und Teile der Stadtmauer, zeugen von seiner antiken Vergangenheit. Mehr über diese Epoche erfahrt ihr im römischen Museum von Jublains.
• 13, Rue de la Libération, 53160 Jublains, Tel. 02 43 58 13 20, https://patrimoine.lamayenne.fr/jublains

Einfache Bar in Mézangers. Foto: Hilke Maunder
Madame Nicole Chardron in Jublains hat für ihr geraniengeschmücktes Haus einen Preis vom Département Mayenne erhalten.

4. Évron

Ein wahrens Wunder soll sich im 7. Jahrhundert in Évron, Tor zum regionalen Naturpark Normandie-Maine, zugetragen haben. Ein Pilger, müde von der Rückkehr seiner Reise nach Jerusalem, hatte sich damals unter einem Weißdorn schlafen gelegt und seine Tasche mit einer Marien-Reliquie an einen tief hängenden Ast befestigt.

Als er aufwachte, baumelte die Tasche hoch über ihm. Der Baum war über Nacht so hoch gewachsen, dass er die Tasche nicht mehr erreichen konnte. In seiner Not begann der Pilger zu beten. Und siehe da, der Ast bog sich und der Pilger konnte die  Reliquie wieder zu fassen bekommen. Flugs wurde nach diesem Wunder dort eine Benediktinerabtei gegründet.

Ein Tor der Basilika von Évron. Foto: Hilke Maunder
Ein Tor der Basilika von Évron. Foto: Hilke Maunder

Ihr Herzstück ist die wehrhafte wie imposante Basilique Notre-Dame de l’Épine d’Évron mit ihrem dunklen Schieferdach und dem romanischen Turm, den noch Pechnasen und Hurden zieren, wie sie sonst im französischen Westen selten zu sehen sind. Für mich zählt der Sakralbau daher zu den schönsten Kirchen des Départements Mayenne.

Seine Wurzeln reichen bis ins siebte Jahrhundert zurück. 1236 soll sich Ludwig der Heilige im Gotteshaus aufgehalten und gepredigt haben, im 14. Jahrhundert wurde das romanische Gotteshaus gotisiert, 1840 von Prosper Mérimée als Generalinspektor der Denkmalpflege unter Denkmalschutz gestellt.

L'abbaye Notre-Dame de l'Épine d'Évron: feingemacht für eine Hochzeit. Foto: Hilke Maunder
Abtei Notre-Dame de l’Épine d’Évron: fein gemacht für eine Hochzeit. Foto: Hilke Maunder

Was für eine Geschichte!

Ihre Geschichte ist von Verwirrungen und Urkundenfälschungen geprägt, von Machtkämpfen und Familienfehden, und vom Abbé Angot im Bulletin de la Commission historique et archéologique de la Mayenne bestens dokumentiert.

Seit 2003 ist die Basilika alljährlich im Juli Bühne eines Musikfestes. Beim Festival d’Arts Sacrés d’Évron werden neben alter Musik auch Gospel, korsische Polyphonie und Tänze fahrender Völker aufgeführt. Auch Projektionen und Ausstellungen wollen die Vielfalt geistlicher Musik widerspiegeln.

Birnen & Blüten

Zwischen Kirche und Café ist ein wuchtiges Holztor geöffnet. Neugierig durchschreite ich es – und staune. Auch wenn der Potager, der einstige Küchen-Garten der Abtei, heute größtenteils seine Versorgungsfunktion verloren hat, ist er ein wunderschöner Park! Von Sonnenauf- bis zum -untergang könnt ihr kostenlos zwischen Blütenstauden und Birnbäumen flanieren!

L'abbaye Notre-Dame de l'Épine d'Évron: Alte Apfelsorten wachsen im "potager" der Abtei. Foto: Hilke Maunder
Alte Apfelsorten wachsen im potager der Abtei. Foto: Hilke Maunder

Évron: meine Reisetipps

Schlemmen und genießen

La Hulotte

Kulinarisch dominieren Kebab-, Pizza-, Taco- und Burger-Buden das Angebot im Zentrum. Einen wechselnden Mittagstisch bietet diese Crêperie, die dann auch Schwein und Rind, Huhn und Fisch auf der Karte führt.
• 38, Rue de la Fontaine, 53600 Évron, Tel. 02 43 91 17 88, www.facebook.com/Creperie.lahulotte

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Buchtipp

Ein Benediktinermönch der Abbaye Saint-Pierre in Solesmes hat das Grundlagenwerk zu Frankreichs Klostergärten verfasst: Dom Thierry Barbeau, Les Jardins monastiques à l’époque moderne*, ITF, collection „Bibliotheca Vicentiana“, 2007, 100 Seiten.

Abtei Notre-Dame de l'Épine d'Évron: der weitläufige Klostergarten. Foto: Hilke Maunder
Der weitläufige Klostergarten der Abtei Notre-Dame de l’Épine d’Évron. Foto: Hilke Maunder

5. Fontaine-Daniel

Inmitten von Wiesen und Wäldern liegt in Fontaine-Daniel in der Haute-Mayenne. 1806 schrieben dort die beiden Pariser Industriellen Jean-Pierre Horem und Sophie Lewille Textilgeschichten. Sie verwandelten eine verlassene Zisterzienserabtei, zu Beginn des 13. Jahrhunderts dort auf dem Land gegründet, in eine Fabrik – und begannen mit der Herstellung der Toiles de Mayenne.

Die Stoffe wurden ein Verkaufsschlager. Bis heute zeichnen sie sich durch ihre hohe Qualität und ihre zeitlosen Designs aus und gehören zu traditionellen französischen Landhäusern wie auch der gehobenen Inneneinrichtung einfach dazu. Ihre Palette reicht von klassischen, gestreiften Stoffen bis zu aufwendigen floralen Mustern.

Im Jahr 1814 waren für Toiles de Mayenne in Fontaine-Danile bereits mehr als 900 Arbeiter beschäftigt. Zu ihrer Unterbringung wurden wenige Meter vom Kloster entfernt Gemeinschaftsunterkünfte errichtet. Für die Festigung des Glaubens folgte am Rande des Teiches der Bau einer Kapelle. Je mehr die Farbik produzierte, desto mehr Häuser entstanden  – und bis heute rattern die Webstühle.

Fontaine-Daniel: meine Reisetipps

Schlemmen und genießen

L’épicerie

2015 eröffnete Élise Shay den 1998 geschlossenen Dorflebensmittelladen wieder und verwandelte ihn als genossenschaftliche épicerie in das gesellige Herz des Dorfes: mit Café, Buchhandlung,  Konzertsaal und Kaufmannsladen.
• La Source, 53100 Saint-Georges-Buttavent, Tel. 02 43 04 44 07, www.lepicerie.org

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6. Ambrières-les-Vallées

Ambrières-les-Vallées. Foto: Hilke Maunder
Ambrières-les-Vallées. Foto: Hilke Maunder

Dort, wo die Varenne in die Mayenne  und damit in die Namensgeberin des Départements mündet, findet ihr Ambrières-les-Vallées im regionalen Naturpark Normandie-Maine.

Am Ufer der Varenne erstreckt sich der Conservatoire pomologique de variétés anciennes, und damit ein botanischer Lehrgarten, der seit 1993 auf fast einem Hektar Land ausschließlich alte Sorten an Hochstämmen präsentiert: 63 Apfelbäume aus 32 Sorten und 29 Birnbäume für 16 Sorten.

Neben alten Granithäusern und Bauten mit hellem Putz birgt Ambrières-les-Vallées auch noch einige alte Natursteinhäuser, deren Steine ungewöhnlicher heller Mörtel zusammenhält – er ist fast weiß!

Brucksteinarchitektur in Ambrières-les-vallées. Foto: Hilke Maunder
Bruchsteinarchitektur in Ambrières-les-vallées. Foto: Hilke Maunder

Drei dieser Häuser bergen das Musée des Tisserands. Das Museum der Weber erzählt, wie Hanf das wirtschaftliche und soziale Leben des Departements Mayenne Jahrhunderte lang geprägt hat.

Ambrières-les-Vallées: meine Reisetipps

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7. Lassay-les-Châteaux

Lassay-les-Châteaux. Foto: Hilke Maunder
Die Dächer von Lassay-les-Châteaux. Foto: Hilke Maunder

Manchmal sind es die unerwarteten Umwege, die zu den schönsten Orten führen – zum Beispiel nach Lassay-les-Châteaux, einem Ministädtchen mit gleich drei Schlössern im Département Mayenne.

Das größte von ihnen, ein wehrhafter mittelalterlicher Bau aus dem 15. Jahrhundert, war heiß umkämpft im 100-Jährigen Krieg zwischen England und Frankreich.

Das Château de Lassay

Lassay-les-Châteaux. Foto: Hilke Maunder
Am See gelegen: das Château de Lassay. Foto: Hilke Maunder

1836 wollte es einer der berühmtesten französischen Schriftsteller besuchen: Victor Hugo. Der Domestik am Tor erkannte ihn, verwehrte aber den Zutritt mit folgenden Worten:  Monsieur ne reçoit pas les vagabonds. Der Schlossherr empfange keine Vagabunden!

Denn Hugo stand am 20. Juni jenen Jahres mit Juliette Drouet vor ihm, seiner Mätresse – und nicht seiner Gattin Adèle. So reiste das Paar unverrichteter Dinge nach Fougères weiter.

Lassay-les-Châteaux. Foto: Hilke Maunder
Noch eine Ansicht der Seeseite vom Château de Lassay. Foto: Hilke Maunder

Den Eindruck von Lassay indes schmälerte die Abfuhr nicht, wie die Zeilen an seine Frau verraten:

Depuis Alençon, j’ai vu Lassay, charmante petite ville demi-sauvage, plantée tout au beau milieu des chemins de traverse, qui a trois vieux châteaux, dont deux admirables que j’ai dessiné. Le troisième (Bois-Frou) n’a plus que quelques ruines situées au milieu des arbres les plus beaux et les plus farouches du Monde.

Das Château de Lassay ist bis heute Privatbesitz. Bis 2011 führte ein hochbetagter, sehr freundlicher Hausdiener durch die Räume, der als Kind im Schloss aufgewachsen war, da sein Vater bereits dem Comte Pierre de Montalambert gedient hatte. Sein Nachfolger führt leider nur noch Gruppen von Mai bis September durch das historische Gemäuer.

Das Château du Bois Thibault

Die romantischen Ruinen des Château de Bois Thibault erheben sich in der Nähe der D117 Richtung Housseau-Brétignolles aus dem Grün. Der Stammsitz der Familie Bellay aus dem 15. Jahrhundert wurde in den Religionskriegen hat umkämpft, da es Treffpunkt und Heim der ligueurs gewesen war.

Die ligueurs waren Mitglieder der Katholischen Liga (französisch: la ligue). Diese politisch-religiöse Gruppierung entstand im späten 16. Jahrhundert, als die Religionskriege in Frankreich wüteten. Die ligueurs waren überwiegend katholische Adlige und Bürger, die die Interessen der katholischen Kirche verteidigten. Sie waren  eng mit der Monarchie verbunden und unterstützten die Sache der katholischen Könige gegen die Hugenotten und andere protestantische Gruppen. Besonders während der Herrschaft von König Heinrich III. und König Heinrich IV. spielte die Katholische Liga eine bedeutende Rolle in der französischen Politik.

Lassay indes stand auf der Seite der Reformation. Ein Freundeskreis bemüht sich um den Erhalt und die Restaurierung des Anwesens – und freut sich über Spenden.

Lassay-les-Châteaux. Foto: Hilke Maunder
In den Gärten von Lassay-les-Châteaux. Foto: Hilke Maunder

Das Château du Bois Frou

Nur noch sehr wenige Ruinen sind vom Château du Bois Frou an der Straße nach Niort-la-Fontaine erhalten. Aber das Wenige ist wunderschön: ein klassisches Portal mitten auf der Wiese, die einst mit wunderschönen Gärten bedeckt war.

Zum Anwesen, das der Schlossherr, der Massigkeit seines Wehrbaus im Städtchen überdrüssig, als Lustschloss auf dem Land im 17. Jahrhundert hatte anlegen lassen, führt der markierte Weg Les 3 Châteaux.

Lassay-les-Châteaux. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Lassay-les-Châtaux: meine Reisetipps

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Lassay-les-Châteaux. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

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Lassay-les-Châteaux. Foto: Hilke Maunder
Schmuck: ein Hauseingang in Lassay-les-Châteaux. Foto: Hilke Maunder

 

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