Bettentest: Domaine de la Klauss

Die Domaine de la Klauss an einem nasskalten, grauen Apriltag. Foto: Hilke Maunder
Die Domaine de la Klauss an einem nasskalten, grauen Apriltag. Foto: Hilke Maunder

Hinter Wasserbillig wird das Tal der Mosel lieblicher. Die Steillagen weichen sanfteren Hügeln. Orte, aus den schlanke Kirchturmspitzen zwischen Putzfassaden und Schieferdächern hoch in den Himmel ragen, säumen den breiten Fluss. Träge gleiten Schuten vorbei. Eine ruhige Zufriedenheit liegen über dem Dreiländereck: Frankreich, Deutschland, Luxemburg – Schengen!

Wenige Kilometer weeiter klettert im lothringischen Sierck-les-Bains eine Straße den Hang hinauf, kurvt kurz und eröffnet hinter einer Biegung vor Montenach den Blick auf einen wuchtiges Feldsteinschloss, dessen lange Vergangenheit perfekte Restaurierungen vergessen lassen. Falsch! Die Domaine de la Klauss ist ein junger Knirps, ganz handwerklich Stein auf Stein von 2012-2016 errichtet. Und auch Senior Charles Keff packte tagtäglich mit an auf der Baustelle, verraten die Schwarzweißfotos der Flure.

Die Domaine de la Klauss wurde ganz handwerklich vier Jahre lang (2012-2016) erbaut. Foto: Hilke Maunder

Die D0maine de la Klauss ist ein Familienbetrieb – und der jüngste Sproß der luxuriösen Hotelkette Relais et Châteaux in Frankreich.  Zur 1954 gegründeten Vereinigung gehören heute rund  580 unabhängige Hotels und Restaurants auf fünf Kontinenten. Die Mitglieder von Relais & Châteaux sind bestrebt, das lokale Erbe und die Umwelt zu schützen –  2014 wurde dies on der UNESCO in einem Manifest festgehalten und vorgetragen.

Als Familienoberhaupt hält Charles die Fäden in der Hand. Sein Sohn Frédéric ist Küchenchef und betreibt mit seiner Frau Valérie die Auberge de la Klauss, die 1896 als einfacher Dorfgasthof von der Familie Kleff eröffnet wurde. Doch davon mehr in in diesem Blogbeitrag!

Die Auberge de la Klaussm Keimzelle des Hospitality-Komplexes. Foto: Hilke Maunder

Hinter dem Gasthof beginnt das Hofgelände, wo Gänse und Entsten schnattern, der Hahn kräht und die Luft nach Heu und Gülle riecht. Der Hof beliefert Hotel und Auberge mit Foie Gras, Gans und Schwein. Charles zweiter Sohn Alexandre ist Pilot der luxemburgischen Fluglinie Luxair – und Manager des Hôtel-Spa. Dort steht mit Benoît Potdevin ein junger wie kreativer Küchenchef am Herd des Gourmetrestaurants Le K.

Gleich hinter der Gaststätte: das Freilaufgelände für das Geflügel. Foto: Hilke Maunder

In den Sternelokalen La Citadelle von Metz und Château d’Adomenil ausgebildet, begann Benoît seinen Berufsweg im Restaurant Le Phare von Valras, stieg zum Küchenchef des Bistrot d’Hervé in Agde auf und perfektionierte sein Handwerk im Zweisternelokale Alexandre in Garons, bevor er in seine Heimat zurückkehrte als Sous-chef des Sternelokals Le Magasin aux Vivres (heute: La Table) in Metz. 2016 kam er nach Montenach und eröffnete das Restaurant Le K in der Domaine de la Klauss.

Benoît Potdevin bei der Vorbereitung der Desserts. Foto: Hilke Maunder

Die Küche

Und das hat der 32-Jährige gleich abends mit einem Überraschungsmenü bewiesen. Kaum hatte mich Patrice, chef de salle, zu meinem Platz gebracht und gefragt: „Qu’est que vous fera plaisir?“, kam zum Wasser schon ein erster Gruß aus der Küche: zwei nussige Mini-Macarons, gefüllt mit Petersiliencreme.

Nussiger Macaron mit Petersiliencreme: der Gruß aus der Küche. Foto: Hilke Maunder

Als Amuse-Bouche folgte ein Steinbutt-Confit, zum Entrée eine Foie Gras von der Ente aus hauseigener Herstellung. Ihr Streifenmuster überraschte mich. „Zwei Mal bei unterschiedlichen Temperaturen gegart“, klärte mich Patrice auf. Im schmalen Gemüseband hatte Benoît das Futter der Stopfenten versteckt: Mais, der hier nicht kalt, sondern magenwarm zum Stopfen verwendet wird.

Gestreift: die Foie Gras im, Le K. Foto: Hilke Maunder

Das Entrée begleitete ein Gewürztraminer aus dem Elsass, den der Sommelier Alexis ausgesucht hatte. Er war verantwortlich für den accord mets et vins, das perfekte Zusammenspiel von Speise und Wein.

Zu den Jakobsmuscheln auf einem Brokkoli-Spiegel mit weißem Spargel der Provence gab es einen Tropfen von einem unabhängigen Winzer, der typisch ist für die Mosel: einen Auxerrois. Hier im Dreiländereck könnte ihr Auxerrois, Elbling und Rivaner auf gleich drei Weinrouten entdecken!

Jakobsmuschel – der Corail wanderte in den Jus. Foto: Hilke Maunder

Um 20 Uhr waren sie, obgleich mitten in der Woche an Ende eines trüb-grauen Tages, bis auf den letzten Platz besetzt: junge Paare, Familien, ältere Ehepaare, die sich sehr ähnlich geworden waren. Eine ungewohnt durchmischte Gästeschar für ein exklusives Gourmetlokal, das auch dank des sehr freundlichen und fast schon familiären Services nicht steif, sondern sehr gemütlich und entspannt wirkte. Gegen 20.30 Uhr kam auch Hausherr Alexandre, hielt an jedem der 17 Tische und unterhielt sich mit jedem Gast.

Rouget – kleines, feines Rotbarschfilet. Foto: Hilke Maunder

Doch es folgte noch der Rouget im Gefolge eines burgundischen Pinot Noir, dann das Herz vom Rinderfilet mit einem Corbières.

Und spätestens, als ich den Käsetrolley sah, war ich im siebten Himmel. Das Dessert hatte keine Chance mehr. Patrice konnte es kaum verstehen… aber … nach einem göttlichen Menü und Bleu des Causses als letzten Happen ist keine Steigerung mehr möglich. Tisane, und Bett!

Eine zarte kulinarische Premiere für mich: das Herz des Rinderfilets. Foto: Hilke Maunder

Das Zimmer

Erstaunt war ich, dass die imposante Anlage „nur“ 28 Zimmer birgt – 16 Komfort- und Superior-Zimmer, sechs Juniorsuiten und drei Suiten. Quer durch alle Kategorien sind dadurch die Unterkünfte sehr geräumig, und auch die Bäder auch sehr so großzügig. Diese Aufnahmen entstanden in der Junior-Suite Suzanne. Mit ihrem Namen erinnert die Suite an Suzanne Karp.

Die Schreibecke. Foto: Hilke Maunder

Das Spa

Von der Lobby aus kommt ihr rechterhand zum Spa Gemoloty, für das Gemology-Gründerin Chrystelle Lannoy eigene exklusive Behandlungen entwickelt hat. Drei Jahre lang hat sie ihre Mineralkosmetik auf Basis von Edelsteinen und Halbedelsteinen erdacht, getestet und zusammengestellt, die heute in 27 Ländern verkauft wird.

Dass Malachit und Amethyst, Opal und Lapislazuli den Körper pflegen und verwöhnen, will mir Camille, 22 Jahre jung und überzeugt von der pflegenden Wirkung von Halb- und Edelsteinen, am eigenen Leibe beweisen mit einer Anwendung ihrer Wahl.

Sie sieht mich an. Und sucht aus: Anti-Aging mit Diamanten. Reinigung, Peeling, Maske und Pflege. Härtester Stein der Welt, rubbel bitte die Falten ein wenig weg… Camille lacht, als ich das neckend sagte, und antwortet todernst: „Sie werden sehen. Mit den Diamanten der Pflegecreme wird Ihre Haut sichtbar strahlender sein.“

Um die Wirkung bewundernd zu loben,  hätte ich nach dem 60-minütigen Reinigen, Cremen, Reiben, Cremen, Rubbeln und Cremen nicht die Stufen von den fünf Behandlungsräumen hinauf zum Schwimmbad gehen  sollen … Doch der Indoor-Pool ist mit 34°C so  schön warm, dass man gerne sich stundenlang auf den sprudelnden Liegen und Bänken aalt oder sich von drei Wasserschwellen den Rücken massieren lässt. Und auch an den Beckenränden und aus dem Boden sprudelt es auf Knopfdruck. Künftig soll der Indoor-Pool mit einem Außenschwimmbecken verbunden werden, dass derzeit neben der Außenterrasse entsteht.

Bequeme Teakliegen mit hellgrünen Frotteehandtüchern säumen den Beckenrand der Badegrotte. Ebenfalls hier findet ihr eine finische Sauna, einen Hammam und einen großen quadratischen Whirlpool. Große Fenster holen die sanft gewellten Kuppen herein, auf denen die ersten Obstbäume jetzt erblühen. Für Verliebte gibt es vier balinesische Betten: Vorhänge zu, und ihr seid privat!

Für den Spa-Besuch liegen Bademantel und Badelatschen im Zimmerschrank. Foto: Hilke Maunder

Den Durst stillen kostenlos gekühltes Wasser und warmer Tee. Citronelle-Réglisse (Zitronenmelisse-Süßholz) verrät das Schild: schlankmachend und entspannend. Ich trinke vier Becher, hüpfe noch unter die Farbdusche, die mich fragt, ob ich lieber im weißen Nebel oder Tropenregen duschen will – und starte dann zur Erkundung des Dorfes. Blunnies und Öljacke sind zwar nicht der schicke topmodische Stil, sagt der Blick von Camille, aber perfekt für Erkundungen bei Schietwetter!

Morgens beim Aufwachen: der Blick auf einen der sieben Hügel von Montenach. Foto: Hilke Maunder

Das Reich der Orchideen

Die Domaine de la Klauss liegt oberhalb von Montenach, auf halbem Weg zur Kirche. Sieben Hügel – wie Rom! sagt Charles – umgeben das 400-Einwohner-Dorf. Die Süd-/Südwesthänge von Koppenackberg, Löschenbruchberg, Kremberg, Felsberg, Evendorferberg und Klausberg sind sonnige Lagen in Höhen von 225 bis 325 Metern – und  berühmt für ihre Orchideen auf den Kalksteinwiesen.

Jahrhunderte lang bewahrten Landwirtschaft und Viehzucht diese einzigartige Flora. Doch die landwirtschaftlichen Praktiken der Nachkriegszeit und die allmähliche Einstellung der Beweidung bedrohten immer stärker diese besonderen Biotope. Gleichzeitig wurden die steil abfallenden Reliefparzellen, die kaum mechanisch zu bewirtschaften waren, aufgegeben. Die Natur eroberte sich das Terrain zurück – mit  Strauchrekolonisierung.

Regen? Macht nichts – für die Gäste gibt es große Regenschirme. Foto: Hilke Maunder

Für die Orchideen wurde der Platz eng.  Der Geologe Nicolas Theobald war der erste, der vor den Folgen warnte. Und initierte mit seinen Worten die Gründung eines Naturschutzgebietes, das heute das Conservatoire des Sites Lorrains und die Association des Amis de la Réserve des Sept Collines verwalten. Hartriegel, Wildrosen, Hagebutten und sogar einen Walnussbaum findet ihr in der Réserve Naturelle Montenach, das Wanderwege durchziehen.

Die beste Zeit, die 24 Wildorchideen-Arten zu sehen, ist vom 15. Mai bis 15. Juni.  Im März tauchen die ersten Primeln auf, im April künden die Veilchen die baldige Blücte der Mückenorchidee an, die dann zu Hunderten die einstigen Weiden erobert.

Rehe und Wildschweine, Dachse, Füchse und jede Menge Kaninchen und Mäuse leben im Naturschutzgebiet. Kühle und feuchte Waldtäler, Kalkrasen, felsige Aufschlüsse, Ackerflächen, Weiden  und Ödland wechseln sich ab. Eichelhäher, Spechte und Meisen könnt ihr auf euren Spaziergängen sehen, mit Glück das weiße Bussardpaar, das hier lebt. Und ganz sicher viele der 76 Schmetterlingsarten!

24 Stunden lang war ich in Montenach. Und hätte nie gedacht, so viel zu erleben. Wie dort ein Schinken Feuer fängt, erfahrt ihr in einem der nächsten Blogbeiträge.

Offenlegung

Die Domaine de la Klauss durfte ich auf Einladung des Hotels, vermittelt von der Schaffelhuber Communications GmbH als deutscher PR-Agentur für Relais & Châteaux, erleben. Ich verbrachte dort eine Nacht, erhielt im Spa eine Gesichtsbehandlung und ein wundervolles Dîner im Le K. Dafür sage ich allen ganz herzlichen Dank und „merci“. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

Weiterreisen

Das ganze Land

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Frische Früchte zum Frühstück, serviert von Claire. Foto: Hilke Maunder
Das Piano ist der HIngucker der Lobby. Bitte nicht berühren, ermahnt ein Schild. Foto: Hilke Maunder
Die Café-Bar der Domaine de la Klauss. Foto: Hilke Maunder
Der Lichterkranz der Lobby. Foto: Hilke Maunder
Das Piano ist der Hingucker der Lobby. Foto: Hilke Maunder

 

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4 Kommentare

  1. Besser kann man es nicht beschreiben ! Ein wahres wohltuendes Kleinod in ländlicher Umgebung im Dreiländereck Lothringen-Luxembourg-Saarland, welches ich seit dem Ausheben der Baugrube begleite. 🙂
    Beste Grüße Rainer

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