Egiategia: Wein aus dem Meer

Die Bucht von Saint-Jean-de-Luz. Hier sind die Weinfässer versenkt. Foto: Hilke Maunder
Die Bucht von Saint-Jean-de-Luz. Hier sind die Weinfässer versenkt. Foto: Hilke Maunder

Bienvenue bei Egiategia! Früher war Emmanuel Poirmeur ein Weinbauer wie viele und stand mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Heute zieht er den Taucheranzug an, um seine Tropfen zu kontrollieren. Monsieur ist der erste Winzer Frankreichs, dessen Keller das Meer ist.

Der Stammsitz von Egiategia

Sein Stammsitz ist die Maison des Blocs. Neben dem kantigen Stammsitz im Hafen von Socoa fließt der Untxin in den Atlantik, der die Bucht von Saint-Jean-de-Luz umspült. Wie eine Nabelschnur verbindet das kanalisierte Flüsschen das Meer mit den Hügeln von Urrugne am Horizont, wo tiefe Wolken die Stöcke der Weinberge berühren.

Genau hier hat Emmanuel Poirmeur im Jahr 2008 sein ungewöhnliches Experiment begonnen. Der gebürtige Pariser, im Herzen Baske durch und durch, nutzt das Meer als Kellermeister für seine Weine.

Emmanuel Poirmeur. Foto: Hilke Maunder
Emmanuel Poirmeur. Foto: Hilke Maunder

Auf die revolutionäre Idee war Emmanuel Poirmeur in Argentinien gekommen, wo der junge Hochschulabsolvent für Moët et Chandon Weine nach der Champagner-Methode produzierte. 2007 meldete er für sein neuartiges Herstellungsverfahren das Patent an. In Socoa fand er den perfekten Standort, um seinen Traum zu realisieren. Als Kind hatte er dort die Sommerferien bei seinem Großvater verbracht.

Egiategia, Werkstatt der Wahrheit, nannte er sein Weingut. Anders als einige spanische Winzer, die ihre Flaschen einfach auf den Meeresboden stellen, lässt Monsieur Poirmeur als erster Winzer in Frankreich seine Weine vom Meer tatsächlich verarbeiten.

In diesen Behältern kommt der Wein in die Tiefe. Foto: Hilke Maunder
In diesen Behältern kommt der Wein in die Tiefe. Foto: Hilke Maunder

Die Kraft des Ozeans

Anfangs zunächst in Betoncontainern, heute in weißen Polymerballons, lässt per Boot rund 20 300 bis 400 Liter fassende Fässer in an der baskischen Küste im Meer, wo sie Taucher in 15 Meter Tiefe verankern. „Da Wein leichter ist als Wasser, war dies zunächst kein leichtes Unterfangen“, erklärt der Unternehmer, der für seinen Wein die Trauben aus den verschiedensten Gebieten Frankreichs und dem nahen Spanien kauft.

In den Fässern wird vor dem Versenken im Meer der natürlich vergorene Traubensaft mit den klassischen Zutaten für die zweite Gärung, Zucker und Hefe, vermischt. Rund drei Monate lang bearbeitet der Atlantik den Wein. Tide und Temperatur – von kühlen 6 Grad Celsius im Winter bis zu 21 Grad Celsius im Sommer – verändern den Druck auf das Fass. „Dies entspricht dem Rütteln per Hand beim Champagner“, erklärt Emmanuel Poirmeur.

Der Weinkeller von Egiategia. Foto: Hilke Maunder
Der Weinkeller von Egiategia. Foto: Hilke Maunder

Das Prickeln der Tiefe

Nach drei Monaten kommt es zur Schaumbildung, und ees bildet sich Kohlendioxid im Fass. „Der stille Wein wird zum Schaumwein und reichert sich mit verschiedenen Aromen an“, erklärt der Winzer und Weinbauer. Vorsichtig lässt Emmanuel Poirmeur im Keller von Egiategia das Gas ab.

Laut zischend entweicht es aus dem Verschluss. Im Wein verbleibt ein leichtes Perlen. So kommt er – als Rotwein, Rosé und Weißwein – in die Flasche. Im Showroom über dem Keller wird die ungewöhnliche Herstellung im Video und auf Tafeln erklärt.

Der Arbeitsablauf der Weinherstellung bei Egiategia. Foto: Hilke Maunder
Der Arbeitsablauf der Weinherstellung bei Egiategia. Foto: Hilke Maunder

Rund 30 – 50 Prozent teurer als an Land ist die Wein-Herstellung unter Meer. Doch dafür ist er einzigartig, schwärmt Emmanuel. Und freut sich, dass seine Tropfen nicht den strengen Auflagen kontrollierter Ursprungsbezeichnungen (AOC) unterliegen. Statt holziger Barrique-Noten besitzen seine Weine blumige und mineralische Aromen. Ein kaum merkliches Prickeln belebt seine Tropfen.

Ihre Farben sind vibrierender, fast übernatürlich intensiv. Verkostet wird auf der Terrasse der Kellerei. Stolz zeigt Emmanuel Poirmeur auf die Stelle, an der der nächste Jahrgang im Rhythmus des Meeres entsteht. Wer dorthin paddelt, sieht die Weinfässer im Blau der Tiefe hell leuchten.

Das Sortiment von Egiategia. Foto: Hilke Maunder
Das Sortiment von Egiategia. Foto: Hilke Maunder

Offenlegung

Die Kellerei Egiategia besuchte ich während einer individuellen Pressereise mit der Tourismuschefin Marie-Laurent Parrent. Für die Vermittlung der Besichtigung sage ich merci und herzlichen Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe. Ich mache kein Merchandising, erhielt keinen Wein und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

Marie-Laure Parrent. Foto: Hilke Maunder
Marie-Laure Parrent. Foto: Hilke Maunder

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2 Kommentare

  1. Heute früh freute ich mich, die aktuelle Ausgabe von MF zu öffnen und dann mußte ich schmunzeln, den von Frau Maunder mit einem Beitrag gewürdigten Egiategia zu sehen.
    Anfang Juli entdeckten wir ihn hier:
    Die Fromagerie Sachsenhausen, Schweizer Str. 66, 60594 Frankfurt am Main

    und tranken davon zwei Flaschen an zwei Abenden.
    Der Wein mundet und der Weinmarkt ist hart umkämpft. Da muß man sich schon etwas einfallen lassen. Wenn man vor Ort im Urlaub ist, dann mag der Preis von 13,–€ akzeptabel sein. Wir zahlten für eine Flasche in Frankfurt knapp 20,–€. Import und Zwischenhandel: alles berechtigt und nachvollziehbar und gleichzeitig ich finde, daß dieser Preis dann nicht mehr im Verhältnis steht.
    Regine

    Regine

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