Hôtel Legris: eine Nacht unter Fernfahrern

Unter Fernfahrern in Tincques. Café, Bar, Hotel, Tankstelle und Treffpunkt in einem: Café Legris. Foto: Hilke Maunder
Unter Fernfahrern in Tincques. Café, Bar, Hotel, Tankstelle und Treffpunkt in einem: Café Legris. Foto: Hilke Maunder

Mitunter lande ich bei meinen Touren kreuz und quer durch Frankreich völlig ungeplant in Unterkünften wie dem Hôtel Legris. Und werde überrascht.

***

Crachin nennen sie hier im Artois diesen Nieselregen, der stundenlang gegen die Scheibe pladdert, gefolgt von heftigen Schauern, Nebel und erneutem crachin.

Nach einer Autobahnsperrung wegen Unfall fahre ich im Gefolge von Fernfahrern auf einer schnurgeraden Route Nationale durch die nasse, düstere Nacht Nordfrankreichs. Drei Fahrzeuge hatten sich ineinander verkeilt, das eine davon hat sich dabei überschlagen. Und ich brauche ein Bett.

Trucker-Herberge an der Nationale

Müdigkeit macht sich breit. Da taucht in der Ferne ein Licht auf. Hôtel Legris. Am Zinktresen ein paar Fernfahrer, ein démi in der Hand. Das helle Bier rinnt durch die Kehle. Der Lottoautomat blinkt, der Fernseher blökt Nachrichten, die wie Werbung klingen.

Hell erleuchtet Neonlicht den Saal. Alle Augen richten sich auf mich. Eine Frau, hier? Noch größer werden die Ohren, als ich nach einer Unterkunft für die Nacht frage. Ja, Zimmer fünf sei noch frei.

Tipptopp & preiswert

Unter Fernfahrern in Tincques.Der Gang zu den Zimmern im Café Legris. Foto: Hilke Maunder
Unter Fernfahrern in Tincques: der Gang zu den Zimmern im Hôtel Legris. Foto: Hilke Maunder

Der Patron greift zum Schlüssel, steigt die Stiege hinauf, die an einem schmalen Gang endet. Im fahlen Licht: sechs Türen, froschgrün angestrichen.

Als er aufschließt, staune ich nicht schlecht: ein großes Zimmer, einfach, aber tipptopp sauber und ruhig dank einer dreifach schallisolierten Dachluke.

Unter Fernfahrern. Die Dusche neben dem Kopfkissen im Wandschrank: Zimmer 5 des Café Legris in Tincques. Foto: Hilke Maunder
Die Dusche neben dem Kopfkissen im Wandschrank: Zimmer 5 des  Hôtel Legris in Tincques. Foto: Hilke Maunder

Die Matratze ist fest, das Bett ordentlich bezogen. Tisch, Stuhl, Waschbecken und – sichtlich stolz öffnet der Patron die Tür, die ich als Verbindung zum Nachbarzimmer angesehen hatte: eine Dusche!

Monsieur, der Preis? 27 Euro die Nacht. Mit Dîner und Frühstück 42 Euro. Das war mein Preis bei der Premiere 2014. Ich sagte ja und ging in den Speisesaal.

Inzwischen sind auch hier die Preise gestiegen, aber maßvoll. Doch noch immer erlebe ich dort das unvergleichliche Ambiente des ersten Besuchs.

Hausmannkost auf karierten Decken

Unter Fernfahrern in Tincques. Die Vorspeise. Foto: Hilke Maunder
Die Vorspeise im Hôtel Legris: Honigmelone mit Schinken. Foto: Hilke Maunder

Drei Gänge genieße ich an Holztischen mit rotweiß karierten Tischdecken inmitten von Truckern, die schweigend wie ich Melone mit Schinken, Jägersteak mit Erbsen, Wurzeln und hausgemachten Kroketten und zum Abschluss eine Mousse au Chocolat aßen.

Unter Fernfahrern in Tincques. Der Hauptgang. Foto: Hilke Maunder
Der Hauptgang: Jägersteak. Foto: Hilke Maunder
Unter Fernfahrern: Mousse au Chocolat im Café Legris, Tincques. Foto: Hilke Maunder
Das Dessert: mousse au chocolat. Foto: Hilke Maunder

Und am nächsten Morgen nach starkem Café und noch ofenwarmen Croissants oder pain au chocolat sich gut erholt und ausgeruht wieder hinters Steuer setzen.

Schlafen bei Fernfahrern

Hôtel Legris

• 22, Route Nationale, 62127 Tincques,  Tel. 03 21 47 36 53, www.facebook.com/brasserie.restaurant.tincques

Offenlegung

Unterkunft und Essen im Hôtel Legris bezahlte ich aus eigener Tasche.

Unter Fernfahrern: Der Morgenkaffee im Café Legris, Tinques. Foto: Hilke Maunder
Der Morgenkaffee, serviert von Madame. Foto: Hilke Maunder

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