Briefe aus Saint-Paul: Sonntagssport Jagd

Col d'Osquich: Vogeljagd auf traditionelle Art. Foto: Hilke Maunder
Col d'Osquich: Vogeljagd auf traditionelle Art. Foto: Hilke Maunder

Jetzt kläffen sie wieder, die Hunde. Kaum sind die Sonnenstrahlen über dem Karstgrat der Chaîne de Lesquerde geklettert, erfüllt ihr Bellen das Tal des Agly. Kein leises Knurren, sondern wütendes, bluthungriges Gebell.

Den GPS-Sender um den Hals, strolchen sie durch die Garrigue, spüren zwischen Zistrose, Mastix und Rosmarin die Fährten auf.

Aus dem kniehohen, grünbraunen Gestrüpp, das in der winterlichen Kühle seinen Duft verloren hat, leuchtet es hier und da knallig in Orange. Ab und an bewegen sich die Figuren in der Ferne. Gehen vom Hang hinunter ins Tal. Kommen sich näher, bilden eine Kette. Die Hunde rasen voraus.

Sonntag im Süden. Die Männer jagen. Sanglier. Wildschwein. Überall auf dem Land. Und besonders wütend dort, wo Weingärten die steinigen Schieferböden bedecken. Elektrozäune umgeben die wertvollsten Lagen. „Nützt alles nichts“, erzählt Biowinzer Bastien Baillet.

„Ein fetter Eber schmeisst sich auf den Zaun und erdet sie so. Dann rennt die Herde in meine Felder und frisst sie leer. Grenache und Shiraz mögen sie besonders gern.“ Bastien ist aus ethischen Gründen kein Jäger.

Doch er kann die Wut der anderen Winzer verstehen. Und auch, warum sie im Fenouillèdes nur eines mittwochs und sonntags jagen: Sanglier. Wildschein. Dafür meldet sich so manch einer auch gerne krank. Wie ein Mann aus unserem Dorf. Und das seit drei Jahren….

2 Kommentare

  1. Wir haben die Jagdsaison zweimal Ende September/ Oktober in Caromb / Provence überlebt.Auch nahe an den gekennzeichneten Wanderwegen wurde rücksichtslos herumgeballert, Jäger, die weit über 80 Jahre alt waren, ließen uns frösteln. Hinzu kam, dass vielerorts gar nicht auf die Jagd hingewiesen wurde, also in den Gebieten keine Warnschilder aufgestellt wurden.
    Unseren schwarzen Riesenschnauzer haben wir – wie uns auch- mit orangefarbenen Westen geschützt, damit keiner von uns aus Versehen für ein Wildschwein gehalten wurde. Klingt lustig, war es aber nicht, seitdem machen wir zu dieser Jahreszeit keinen Urlaub mehr im Vaucluse, obwohl wir die Landschaft rund um den Mont Ventoux wirklich lieben.
    Die ‚Jagdleidenschaft‘ samt Alkoholkonsum ist keine nachvollziehbare Tradition, weil sie Menschen extrem gefährdet.

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