Leseliste Frankreich: Herz & Historie

Lesetipps

Herz und Historie: Vom Liebesroman bis zu Frauenschicksalen in verschiedenen Epoche bieten diese Titel tollen frankophilen Lesegenuss!

Sommerlieben

Thommie Bayer, Sieben Tage Sommer

Thommie Bayer, Sieben Tage Sommer*

Kaum ein Titel in diesem Sommer kommt so leicht daher wie Sieben Tage Sommer* von Thommie Bayer. Und überrascht auf seinen 151 Seiten stets auf Neue. Max Thorberg, 70 Jahre alt und vermögend, besitzt an der Côte d’Azur ein geradezu herrschaftliches Anwesen, auf das er fünf Menschen eingeladen hat. Sie haben ihm einst das Leben gerettet.

Für die Betreuung seiner Gäste engagiert er Anja, Architektin und Tochter seines inzwischen verstorbenen Freundes. Zwischen Anja und Max entwickelt sich ein reger E-Mail-Austausch. Anja beschreibt die fünf geladenen Gäste, erkennt ihre Wesensunterschiede, erfährt vom tragischen Moment, der Max mit den fünf Menschen verbindet. Und wird für ihren Einsatz und ihre Beobachtungsgabe mit dem wohl überraschendsten Moment ihres Lebens konfrontiert. Nein, keine Liebe.

Ich muss gestehen, ich habe das Buch verschlungen. Und gleich darauf noch ein zweites Mal gelesen. Die Leichtigkeit der Schreibe – und die eingebaute Widerhaken und Überraschungen – machen das Buch für mich zur perfekten Urlaubslektüre.

Côte d’Azur-Flair mit einem Hauch von Chabrol. Bayer versteht es, Lesegenuss und falsche Fährten, sich hinträumen nach Frankreich und faszinierende Einblicke in die Seelen von Menschen ganz hervorragend zu verbinden. Wer mag, kann den E-Mail-Roman hier* online bestellen und so den Blog unterstützen. Auch jede Buchhandlung bestellt ihn gerne.

Mittwochs am Meer

Alexander Oetker, Mittwochs am Meer*

Jeden Mittwoch fährt Maurice aus Paris in ein verträumtes Hafenstädtchen in der Bretagne, weil er dort als Insolvenzverwalter eine Austernfirma, die in Schieflage geraten ist, abwickeln oder retten soll.  Der in sich gekehrte Mann aus der Hauptstadt stößt auf Misstrauen und Ablehnung bei den Einheimischen, den Fischern und Arbeitern. Stets reist er mit der Bahn an, wird von einem wortkargen Chauffeur zur Firma gefahren, studiert dort die Akten und schläft stets in der gleichen, einfachen Pension.

Doch an diesem Mittwoch ist alles anders. Das reservierte Zimmer ist vergeben, erklärt ihm die Rezeptionistin verlegen, besorgt ihn in einem gehobenen, außerhalb gelegenen Hotel ein wunderschönes Zimmer als Ausweichquartier … und lässt ihm dorthin einen Gedichtband von Rimbaud und einen sehr persönlichen Brief zukommen. Und auch für Maurice ist seit der Begegnung mit der schönen Dominique das Leben aus den Fugen geraten.

Zwischen der verheirateten, aber einsamen Frau und dem scheuen Mann entwickelt sich eine Faszination, der sich beide nicht entziehen können. Sie gehen aus, lernen sich kennen und lieben. Jeden Mittwoch entflammt die leidenschaftliche Affäre neu, einen Sommer lang. Bis die beiden Liebenden bei einer Umarmung am Bahnhof gesehen werden, die fatale Folgen für die Fabrik hat.

Auf 175 Seiten erzählt Alexander Oetker, der mit seinen Frankreich-Krimis eine große Fangemeinde gefunden hat, von einer Liebe, die alles verändert. Wie im Rausch habe ich das Buch an einem Sonntagnachmittag am Strand verschlungen: eine raffinierte, überraschende, intensive Sommerlektüre, kurzweilig, unterhaltend, flott geschrieben und leicht zu lesen. Und dank der überraschenden Wende am Ende bis zur letzten Seite beste Unterhaltung. Kurzum: eine Sommerstory mit Herz, prickelnd und sinnlich wie ein kühler Crémant.

Ein gelungener Liebesroman, meinte auch die Jury des DELIA-Literaturpreises, der seit 2004 den besten Liebesroman des Jahres kürt. 2022 wurde Alexander Oetker mit Mittwoch am Meer unter 300 Einreichungen zum Preisträger bestimmt. Wer mag, kann sein Büchlein hier* online bestellen.

Herz-Flattern in Paris

Nicolas Bareau, Liebesbriefe von MontmartreNicolas Barreau: Die Liebesbriefe von Montmartre*

Der junge Schriftsteller Julien Azaulay und Vater eines vierjährigen Sohnes verliert seine Frau. Am Totenbett nimmt ihm seine Frau das Versprechen ab, dass Julien ihr für jedes ihrer Lebensjahre einen Brief schreibt. 33 Jahre alt ist Hélène geworden.

Doch anfangs die Trauer ist zu schwer, das Schreiben unmöglich. Monatelang. Doch dann greift er schließlich zu Feder, schreibt – und fühlt sich seiner verstorbenen Liebe Hélène wieder nahe.

Doch eines Tages verschwinden seine Briefe aus dem Geheimfach am Grab, und Julien erhält Antworten. Ein Gedicht von Prévert, Kinokarten für Orphée, ein kleines Herz aus Stein, eine Blume … Wer ist die Unbekannte, die sich in ihn verliebt hat?

Seine 33 Briefe erzählen seine Reise zurück ins Leben. Eine bezaubernde Liebesgeschichte, in einfachen Worten, aber gerade dadurch sehr einfühlsam und berührend erzählt von Nicolas Barreau. Kennt ihr nicht?  Sein Roman „Das Lächeln der Frauen“ war in Deutschland mit weit über einer Million verkauften Exemplaren  der Jahresbestseller 2012. Wer mag, kann hier* den Roman online bestellen.

Nicolas Barreau, Abends in ParisNicolas Barreau: Eines Abends in Paris*

Nicolas Barreau ist Frankreichs Star-Schreiber für Herz-Schmerz-Stories. Seine Liebesgeschichten von der Seine begeistern Millionen. Mit „Das Lächeln der Frauen“, vom ZDF fürs Herzkino verfilmt, schaffte der Pariser den internationalen Durchbruch.

Und ist doch seiner Heimat treu geblieben. 1980 wurde er in Paris geboren, studierte dort an der Sorbonne Romanistik und Geschichte, und lebt heute dort als freier Autor. Und lässt sich von der Stadt der Lichter immer wieder inspirieren. Ein Bummel, ein Einfall. So war es auch bei „Eines Abends in Paris“.

Die Handlung ist so einfach wie berührend. Jeden Mittwoch Abend kommt eine Frau im roten Mantel ins Programmkino, das der schüchterne Alain von seinem Onkel geerbt hat und nun weiterbetreibt: ohne Popcorn, ohne Hollywood. Jeden Mittwoch Abend stehen alte Liebesfilme auf dem Programm.

Eines Tages nimmt Alain allen Mut zusammen und spricht die Stammkundin an. Ein Flirt beginnt. Der unerwartet endet, als die Dame plötzlich nicht mehr kommt. Alain beginnt sie zu suchen. Und der Leser.

Oder meist die Leserin, leidet mit, fragt und wundert sich, verbraucht Taschentücher, und erlebt Kino im Kopf bis zur letzten Seite. Ein tolles Buch für einen verregneten Nachmittag oder Schmökerstunden vor dem Einschlafen! Wer mag, kann das Buch hier* online bestellen.

Herz & Historie an der Côte Vermeille

Silk,e Ziegler, Isabelles GeheimnisSilke Ziegler, Isabelles Geheimnis* (Die Frauen von der Purpurküste 1)

Mit ihren Krimis eroberte die Weinheimer Schriftstellerin eine große Fangemeinde. Mit der Purpurküsten-Trilogie wagte sie den Sprung in ein anderes Genre. Packend erzählt sie in den drei Büchern eine romantische, generationenübergreifende Geschichte.

Alle drei Bücher der Mini-Serie können auch einzeln für sich stehen und sind verständlich, ohne die anderen Bücher gelesen zu haben. Schauplatz der Trilogie ist Collioure an der Côte Vermeille, der Purpurküste von Okzitanien.

Protagonistin von Band eins der Trilogie, „Isabelles Geheimnis“ ist Amélie, die bei einem Autounfall Mann und Kind verloren hat. Und sich von diesem Schicksalsschlag nicht erholen kann. Bis sie nach Südfrankreich reist, an den Glücksort der Kindheit und Heimat der Großmutter, die dort eine kleine Baguetterie betrieben hatte.

Und eine verbotene Liebe erlebt hatte, die Jahrzehnte überdauert – und erst kurz vor dem Tod noch einmal wieder aufblühen kann. Und auch Amélie kann dort ihren Schicksalsschlag überwinden, ein neues Leben aufbauen und eine beginnende Liebe erleben. „Isabelles Geheimnis“: ein Generationenroman, der auf vielen Ebenen berührt, das Flair des Südens einfängt und allen, die beim Lesen gerne Herz und Historie verschmelzen lassen, puren Lesegenuss bietet: Rosamunde Pilcher à la française! Wer mag, kann den ersten Band der Trilogie hier* bestellen.

Silke Ziegler, Julies EntscheidungSilke Ziegler, Julies Entscheidung* (Die Frauen von der Purpurküste 2)

Nach dem Auftakt mit Isabelles Geheimnis*  folgt in Band zwei die Geschichte von Lara. Die 30-Jährige ist nach dem Tod ihrer Mutter, der Trennung von ihrem Freund und dem Verlust ihrer Arbeit am Boden zerstört.

Daheim in Deutschland drehen sich die Gedanken im Kreis, kommt sie nicht aus eigener Kraft wieder auf die Beine. Doch als  ihre Großeltern besucht, entdeckt sie ein Bild ihrer Mutter mit einer Widmung auf der Rückseite. Stammt sie von jenem Mann, der ihr Vater ist – den sie nie kennengelernt hat?

Lara erinnert sich, wie glücklich sie als Kind in Collioure gewesen war – und reist mit ihrer Großmutter Béatrice dorthin, um ihre Wurzeln zu finden und das Geheimnis ihrer Herkunft zu lösen. Dabei taucht sie tief in die Ereignisse des Jahres 1944 ein … und findet eine neue Liebe.

416 Seiten lang nimmt euch Silke Ziegler mit auf eine Reise, die die Emotionen kitzelt – mit Spannung, Herz und viel Frankreich-Flair. Wer mag, kann den zweiten Band der Trilogie hier* bestellen.

Silke Ziegler, Claires Schicksal* (Die Frauen von der Purpurküste 3)

Silke Ziegler, Claires SchicksalMit Claires Schicksal* endet die Trilogie. Diesmal ist es Emma, die sich ihrer Vergangenheit stellen muss und ein Familiengeheimnis lüftet und löst. Emma ist in Collioure geboren und aufgewachsen.

Nach einem Streit mit ihrem Vater über ihren Berufswunsch Tierpflegerin war sie vor sieben Jahren nach Stuttgart gezogen, wo sie seitdem als  Tierpflegerin in der Wilhelma arbeitet. Die Nachricht vom Schlaganfall des Vaters lässt sie zurückkehren. Dort stellt sie fest, wie sehr die Flucht nach Deutschland die Familienbande von einst zerrissen hatte.

Sie kennt weder die Familie ihres Bruders noch die zweite Frau ihres Vaters, die sie voreingenommen abgelehnt hatte. Auch bei ihrer großen Liebe Léon scheint ein wenig die eigene Sturheit zum Scheitern beigetragen zu haben.

Emma denkt nach. Und entdeckt – damit beginnt der zweite Erzähltstrang – in der Abstellkammer ihrer Ferienwohnung einen Stapel Briefe, die eine Mutter, die im Internierungslager Rivesaltes befand, an ihre gerade geborene Tochter geschrieben hatte. Emmas Neugier ist geweckt, ihr Herz gerührt – und der Wunsch geweckt, der Tochter die Briefe ihrer von den Nazis ermordeten Mutter zu überreichen.

Der Roman ist so im doppelten Sinne fesselnd – und verbindet Herz mit Hintergrund, ohne kitschig zu werden. Sondern emotional, bewegend, fesselnd, unterhaltsam und gut gemixt bei Fakten und Flair. Wer mag, kann den dritten Band der Trilogie hier* online bestellen.

Auf der Suche nach Glück

Yasmin Reza, Glücklich die GlücklichenYasmin Reza, Glücklich die Glücklichen* ( Heureux les heureux* )

Bereits 2015 erschien Yasmin Rezas 175 Seiten dicke Erzählung. Was ist Glück? Und wo findet man es?

Die Antwort gibt eine Sequenz von verschiedenen Leben, die mehr oder weniger miteinander verbunden sind: Paare in der Krise, Einzelgänger, Freunde. Vincent, Marguerite und ihre anderen Figuren lässt Yasmin Reza in Monologen von ihren Beziehungen erzählen, und lässt diese Monologe interagieren.

Wie in einem Spiegel vervielfachen sich die Sichtweisen auf ein und dieselbe Situation. Wahrheiten und Wutausbrüche, Horror und Harmonie: 175 Seiten lang ist die Nabelschau von Paarbeziehungen nicht nur desillusionierend. Sondern vor allem: sehr amüsant.

 

Wieder leben!

Tanja Schlie, Die Kirschen der Madame Richard*

Tanja Schlie ist Hamburgerin – und unter dem Pseudonym Caroline Bernard eine Bestseller-Autorin beim Aufbau-Verlag. Für den Mira-Verlag schreibt die Autorin unter ihrem richtigen Namen. Und greift ein beliebtes Thema auf: Sie lässt ihre Hauptfigur Miriam nach Südfrankreich auswandern.

Die Hamburgerin hatte sich im letzten Urlaub dort im Pyrenäendorf Montbolo oberhalb von Céret in ein altes Haus mit einem verwilderten Kirschgarten verliebt. Miriam packt ihre Siebensachen, wagt den Neuanfang – und spürt wieder Schmetterlinge im Bauch. Ihr Nachbar Philippe hat es ihr angetan.

Sehr unterhaltsam und kurzweilig erzählt Tanja Schlie die Geschichte aus Miriams Sicht, streut Tagebucheinträge des verstorbenen Vorbesitzers ein und packt viel Frankreich-Flair und Naturkunde zwischen die 302 Seiten ihrer Sommerromanze. Ein leichter Lesegenuss, einfach zum Wohlfühlen – ideal zum Abtauchen vom Alltag. Wer mag, kann den Roman hier* online bestellen.

Aurelie Valognes, Madame ColetteAurélie Valognes: Madame Colette und das Talent zu leben*

Kennt ihr Aurélie Valognes? Die Franzosen wählten die Nordfranzösin aus Châtenay-Malabry, die heute mit ihrem Mann und den Kindern in der Bretagne lebt, 2018 zur Lieblingsautorin. 2019 gehörte sie nach den Verkaufszahlen zu den Top-5-Autoren des Landes. Zwei ihrer Romane sind inzwischen ins Deutsche übersetzt.

Über ihr jüngstes Werk sagt die Autorin: „Dieser Roman soll eine Verschnaufpause sein. Ein besonderer Dank, in einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint. Er soll als Aufruf dienen, das Gespräch mit den Menschen zu suchen,  die einem etwas bedeuten. “

Rose, alleinerziehende Mutter, ist tief getroffen, als ihr Sohn Baptiste von zu Hause auszieht. Damit nicht genug, verliert sie auch noch ihren Job als Tagesmutter. Und passt stattdessen auf Vermittlung der Nachbarin auf der Mutter Colette auf. Die grantige Seniorin indes würde Rose am liebsten gleich wieder hinauswerfen.

Wie aus dieser skurrilen Zweckgemeinschaft eine beidseitige Freundschaft entsteht, erzählt Valognes so gekonnt und berührend, dass die Emotionen und Ereignisse echt statt kitschig wirken. Schon nach wenigen Seiten sind Figuren und Handlung so fesselnd, das man das Rundherum vergisst, abtaucht, liest, entspannt. Kurzum: (weibliche) Wohlfühllektüre für graue Wintertage. Wer mag, kann den Roman hieronline bestellen.

Françoise Sagan, Ein gewisses LächelnFrançoise Sagan: Ein gewisses Lächeln*

Ein kleines Liebesabenteuer mit dem Onkel ihres Freundes: Dominique, die pflichtbewusst, aber ohne  rechte Überzeugung an der Sorbonne in Paris studiert, ist eher aus Gewohnheit noch mit ihrem Kommilitonen Bertrand liiert.

Der junge Mann macht sie mit seinem Onkel Luc bekannt. Jener ist einem kleinen Abenteuer nicht abgeneigt. Nach zwei Wochen Liebesurlaub an der Riviera ist Dominique verliebt. Für den Onkel indes beginnt nach der Affäre wieder der Alltag. Ein zeitloser Topos, sinnlich und offen erzählt von Sagan.

Der Verlag Klaus Wagenbach hat 2020 die Erzählung neu herausgebracht, die 1955 unter dem Titel Un certain sourire erschienen war. 1957 diente der Roman als Vorlage für das US-amerikanische Liebesmelodrama von Jean Negulesco mit Joan Fontaine und Rossano Brazzi in den Hauptrollen. Wer mag, kann die Erzählung hier* online bestellen.

Julia Deck, PrivateigentumJulia Deck: Privateigentum*

Eva und Charles Caradec erfüllen sich nach 30 Jahren Ehe und Leben in der Innenstadt von Paris endlich ihren Traum und ziehen hinaus aufs Land. Ihr Eigenheim erfüllt mit Solarstrom, Kompostbecken, Biogasheizung und Gemüsegarten alles, wonach die intellektuelle Elite der Hauptstadt strebt.

Stolz freut sich das Paar – sie flüchtet sich in das Glas Wein, er nimmt Antidepressiva und macht Therapien, über den „Aufstieg zum Privateigentum“. Doch das Glück in Suburbia währt nur kurz. Der Supermarkt führt keinen Schafsmilchjoghurt, die Nachbarn feiern, das Draußen dringt laut nach Drinnen.  Die Vorzeige-Straße wird zur Vorstadt-Hölle. Ein massakrierter Kater, eine vermisste (ermordete… ?) Nachbarin und ein ausgebranntes Doppelhaus zeugen davon.

Privateigentum*  ist im Verlag Klaus Wagenbach in der Reihe „Romane für  eine Nacht“ erschienen.  Das schmale Bändchen, das Antje Peters ins Deutsche übersetzte, ist die perfekte Bettlektüre.

Das satirisch überzeichnete Kammerspiel der Pariser Autorin Julia Deck (*1974) zeigt, wie das zeitgeistige Streben nach äußeren Werten die innere Leere überdeckt und zu einer neuen Form der Entfremdung führt. Als nouveau riche im lotissement: eine Milieustudie, bitter-sweet, spannend und oftmals auch urkomisch in der Demaskierung. Wer mag, kann die Erzählung hier* online bestellen.

Marie-Helene Lafone, Die AnnonceMarie-Hélène Lafon: Die Annonce*

„Bauer sucht Frau“ ist seit Jahren ein Thema, das auch Frankreichs Kreative aufgreifen. Nach dem fulminanten Erfolg des Erstlingswerk Je vous trouve très beau* (Sie sind ein schöner Mann*) von Isabelle Mergaut, der 2005 die Kinogänger in Frankreich begeistert, dekliniert nun Marie-Hélène Lafon in Die Annonce* diesen Topos.

Schauplatz bei ihr ist nicht der Vercors, sondern die Auvergne. Auch Lafons Held ist ein Bauer. Paul (46) betreibt auf 1000 Meter Höhe den familieneigenen Hof – mit der Schwester, die mit anpackt. Und zwei Onkeln.

Die einzige Unterhaltung ist das Fernsehprogramm. Und die wöchentliche Autofahrt. Paul will ausbrechen und sucht per Annonce eine Frau. Annette ist ein paar Jahre jünger, Aushilfskassiererin aus dem Norden Frankreichs, Mutter von Éric. Sie tauschen eine Handvoll Fotos aus, treffen sich auf halber Strecke. Annette wagt es, zieht zu ihm.

Der Empfang ist frostig, die Bergwelt rau, der Alltag hart. Und doch entfaltet die Pariser Autorin, deren Wurzeln im Cantal liegen, mit ihrem Duktus, der Melodie wird, Atmosphäre, Dichte und Nähe. Und erzählt vom Beginn einer zarten Liebe, die zu blühen beginnt. Wer mag, kann den Roman hier* bestellen.

Anna Gavalda: Ab morgen wird alles anders*

Anne Gavalda (Jahrgang 1970) ist von Haus aus Lehrerin an einer Privatschule. Doch seit ihrem überraschenden Erfolg mit dem Erzählband Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartetwidmet sich die zweifache Mutter – Tochter Félicité und Sohn Louis – nur noch dem Schreiben. Sie lebt bei Melun auf dem Lande, ohne Radio, ohne Fernsehen und ohne Zeitung.

Der 2018 veröffentlich Band Ab morgen wird alles anders enthält fünf Erzählungen. Es sind allesamt Ich-Erzählungen von ganz unterschiedlichen Personen. Jean(not) arbeitet als LKW-Fahrer und nimmt einen Hund auf, der am Straßenrand ausgesetzt war. Pierre schuftet auf einer Baustelle und wird wegen seines Sohnes Valentin zum Gespräch in die Schule zitiert. Ludmilla arbeitet in einem Laden für Tierbedarf.

Yann ist ein Studierender mit reichlich schnoddriger Sprache, Mathilde, 28, studiert ebenfalls in Paris. Sie wohnt in einer WG, verliert ihre Handtasche, rechnet nicht damit, sie jemals wiederzubekommen. Und erlebt das Unglaubliche. Fünf Menschen, für Schicksale, fünf Sprachstile.

Nicht alle fand ich sympathisch. Doch ihre sehr unterschiedlichen Perspektiven, ihre Einstellungen zum Leben und ihre Erlebnisse machen den Reiz des 304 Seiten dicken Taschenbuches aus  und öffnen Einblicke in Lebenswelten jenseits der Filterblase. Wer mag, kann den Erzählband hier* online bestellen.

Frauenleben

Susanne Popp, Madame CliquotSusanne Popp: Madame Clicquot und das Glück der Champagne*

Reims, 1805: Die 27-jährige Barbe-Nicole Clicquot findet eines Abends ihren Mann tot in seinem Arbeitszimmer. Ganz allein steht die junge Frau aus der bekannten Tuchhändler-Familie Ponsardin nun vor zwei Aufgaben: der Erziehung ihrer kleinen Tochter und der Frage: Was geschieht mit dem Weinhandel ihres Mannes?

Gegen den Willen der Familie entscheidet sie sich, das Geschäft weiterzuführen – doch das geht nur als Witwe. Auch, wenn zwei Männer Gefühle für sie entwickeln, muss sie das Geschäft allein leiten. Und wird zur Mutter aller Champagner. Mit dem von ihr erfundenen Verfahren der méthode champenoise gibt es erstmals prickelnden, farblosen Champagner – eine Weltpremiere!

89 Jahre alt wurde la veuve Clicquot. Doch Susanne Popp fokussiert sich in ihrem Roman auf  14 Jahre ihres Lebens. In jenen Jahren legte Madame den Grundstein für das bis heute erfolgreiche Unternehmen, erlebte die napoleonischen Kriege, Krisen und Glücksmomente.

Anschaulich, packend und top recherchiert lässt Susanne Popp ein Frauenleben in jener Zeit auferstehen – und verrät im Editorial vorab, was  erfunden – und was historisch belegt ist. Kurzum: eine fesselnde Zeitreise und Geschichte über ein Familienunternehmen, das heute zur LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton gehört. Wer mag, kann den Roman hier* online bestellen.

Ihrer Leidenschaft für außergewöhnliche Frauenbiografien geht die gebürtige Pfälzerin, die heute mit Mann und Tochter in der Schweiz am Zürichsee lebt, in ihrem Podcast nach. Auf www.frauenleben-podcast.de präsentiert sie alle zwei Wochen inspirierende Frauen. Mit dabei ist natürlich auch die Veuve Clicquot. Hört mal rein!

Agnes Gabriel, Marci, Monsieur DiorAgnès Gabriel: Merci, Monsieur Dior*

„Glück ist das Geheimnis aller Schönheit“ hat Christian Dior gesagt, und kein Satz passt besser zur Handlung des 416 Seiten dicken Romans als diese Maxime. Die Handlung entführt euch ins Jahr 1947.

Célestine flieht nach dem Tod ihrer Mutter und geplatzten Hochzeit auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben aus der Provinz in die Großstadt und schlüpft zunächst bei einer alten Schulfreundin in Paris unter, ehe sie beim Modeschöpfer Christian Dior eine Anstellung erhält. Die junge Frau inspiriert den Couturier mit ihrer natürlichen Weiblichkeit, sie wird seine Privatsekretärin und Muse.

Doch dann verliebt sie sich – und diese Liebe stürzt sie ins Unglück. Bis ihr Leben eine ungeahnte Wendung nimmt…

Agnès Gabriel lässt beim Lesen das Paris der 1950er-Jahre aufleben. Sie blickt kenntnisreich hinter die Kulissen des großen Modehauses und garniert die Lebensgeschichte von Célestine, die sich von einem naiven Landmädchen zur selbstbewussten Frau entwickelt, mit faszinierenden Einblicken in die Arbeitswelt der Haute-Couture.

Für spannende Momente beim Lesegenuss sorgt ein raffinierter Betrug. Kurzum: ein toller Roman für Lesespaß im Frühlingslicht! Wer mag, kann den Roman hier* online bestellen.

Fiona Valpy, Jahre der Hoffnung

Fiona Valpy, Jahre der Hoffnung*

Fesselnd ist auch der Roman von Fiona Valpy, die mit „Jahre der Hoffnung“ Einblicke in die fesselnde Geschichte der französischen Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg gewährt.

Dazu komponiert sie den Roman mit zwei Handlungssträngen. Die Haupthandlung begleitet Eliane Martin in den schwierigen Jahren 1938-1944. Die Protagonistin lebt mit ihren Eltern Liesette und Gustave sowie Bruder Yves in der alten Mühle von Couillac im Herzen Frankreichs, während Mireille, ihre Schwester, in Paris tätig ist.

Éliane arbeitet als Hausmädchen für den Comte de Bellevue. Jener bittet sie, durch das Tragen eines roten Seidentuches beim Ernten wertvolle Infos den Widerständlern mitzuteilen. Éliane willigt ein.

Der zweite Handlungsstrang spielt im Jahr 2017. Ich empfand die Rahmenhandlung als überflüssig. Auch, wenn beide Ebenen schließlich verschmelzen und die Vergangenheit an die Gegenwart und Zukunft binden.

Mich hatte die Zeitreise ins besetzte Frankreich mehr fasziniert. Zumal sie, hervorragend recherchiert, auch viele Details aus jenen Jahren zutage förderte, die ich noch nicht kannte. Nur schade, dass das Cover des Buches so gar nicht passt….  Wer mag, kann die spannende Lesegeschichte hier*  online bestellen.

Noch mehr Frauen in ihrer Zeit
Edouard Louis_Die Freiheit einer Frau

Éduard Louis: Die Freiheit einer Frau*

Édouard Louis, 1992 als Eddy Bellegueule im Département Somme geboren,  ist seit En finir avec Eddy Bellegueule der junge, wütende Shooting Star von Frankreich. Und auch in Combats et métamorphoses d’une femme*, so der Originaltitel, taucht er gleich zu Beginn seiner Erzählung in die Beschreibung einer schwierigen Kindheit ein und erwähnt schon in den ersten Zeilen seine Mutter.

Auf subtile und eindringliche Art prangert er anhand des Lebens seiner Mutter den mitunter unerträglichen Zustand vieler Frauen an. Ein Leben, ruiniert durch Demütigungen, Armut, Gewalt und männliche Macht. Doch der Roman ist mehr als die Geschichte der Unterdrückung der Frauen. Denn das Kind Édouard Louis lebt in der ständigen Angst, dass seine Homosexualität entdeckt werden könnte. Über diese Zeit in seinem Leben sagt er. „Ich wollte nicht, dass du weißt, wer ich bin“. Die Scham, von der liebsten Person als ein besonderes Kind wahrgenommen zu werden, das aufgrund seiner sexuellen Orientierung und seines Wesens beiseite geschoben wurde, durchzieht seine Kindheit.

Elend, Entbehrung und Resignation durchdringen diesen Text. Doch die Mutter will aus diesem inneren Gefängnis ausbrechen, die heikle wie prekäre Familiensituation hinter sich lassen. Einfach nur zu leben. Wird es Mutter und Sohn gelingen? Wer mag, kann den Roman hier* online bestellen.

Pascale Hugues, MädchenschulePascale Hugues: Mädchenschule*

Dieser Buchtipp flatterte per Mail von Heidi Hochapfel ein. Sie stellte mir eine Autorin vor, die sich bislang noch nicht gekannt hatte: Pascale Hugues. Heidi schreibt:

Man kennt die 1959 in Straßburg geborene und seit langem in Berlin lebende Autorin Pascale Hugues bereits von etlichen Büchern, eins ihrer Themen ist das Elsass. In Marthe und Mathilde* hatte sie anschaulich geschildert, wie ihre zwei Großmütter, eine deutsch, eine französisch, zwei  Kriege im wechselvollen Elsass erlebten. Es ist typisch für die Journalistin Pascale Hugues, dass sie persönliche Geschichte mit allgemeiner Geschichte verbindet. Das macht ihre Bücher so lebendig.

Auch das kürzlich erschienene Buch Mädchenschule*, in seiner französischen Originalfassung École des filles*, führt uns nach Straßburg. Beim Aufräumen ihres Bücherbords in Berlin findet die Autorin zufällig ihr altes Poesie-Album. Eine absolut deutsche Sache übrigens, in Frankreich ebenso unüblich wie z.B. Klassentreffen. Anhand der darin verewigten zwölf Klassenkameradinnen aus ihrer Grundschulzeit versucht sie, nach 50 Jahren Kontakt aufzunehmen und ein gemeinsames Treffen zu organisieren. Jede einzelne lässt sie im Buch zu Wort kommen, inzwischen Mutter, Großmutter, Karrierefrau oder Rentnerin.

Der Kunstgriff der damals verfassten Poesiealbum-Texte zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Verschiedenste Schicksale werden liebevoll geschildert. Es gibt da z.B. Giacomina, italienisches Gastarbeiterkind, die mit ihrer Familie mit nichts als einem Koffer nach Straßburg kam, und später zur absoluten Aufsteigerin wird. Pascale Hugues selbst, ist die einzige, die schon früh das Elsass verlassen hat, was bei den bodenständigen Klassenkameradinnen teils auf Unverständnis stößt. Alle sind in der Region geblieben.

Pascale Hugues, École des FillesSo entsteht ein komplexes Bild der 1960er-Jahre mit ihren gesellschaftlichen Umwälzungen. „Sei wie das Veilchen im Moose, bescheiden, sittsam und rein…“, so brav sind die Mädchen nicht mehr! Fini die Zeit, wo es galt les hommes sont roi und der Mann und Vater als Patriarch und Haushaltsvorstand zeitunglesend auf das Servieren der Suppe wartete.

Die Befreiung der Hausfrau erfolgt durch Erleichterungen wie z.B. die Waschmaschine und den Kühlschrank. Eigene Berufstätigkeit ermöglicht finanzielle Unabhängigkeit, die Pille und das Recht auf Abtreibung sexuelle Freiheit. In diesem Kontext erwähnt Pascale Hugue kurz und treffend das damalige erzkonservative Ehepaar de Gaulle, das Gleichheit der Geschlechter und Scheidung ablehnte.

Das Buch hat verschiedene Facetten. Es berichtet auch über das Elsass mit seiner deutschen und französischen Vergangenheit, die Rolle des Elsässer-Deutsch, die Veränderungen in Straßburg wie z. B. Gentrifizierung mancher Stadtteile und den Verlust der früheren Individualität. Selbst wenn man nicht derselben Generation der Autorin angehört, findet man sich wieder. Wer mag, kann die deutsche Fassung hier*, die französische Originalfassung hier* online bestellen. Oder natürlich auch in jeder gut sortierten Buchhandlung!

Parabel mit Herz

Muriel Barbery, Eine Rose allein*

Une rose seule*: Unter diesem Titel erschien der Roman von Muriel Barbery im August 2020 bei Actes Sud. Jetzt hat der List-Verlag das 204 Seiten dicke Werke in der Übersetzung von Norma Cassau heraus gebracht.

Ein Haiku des japanischen Dichters Kobayashi Issa (1763-1827) inspirierte Philosophieprofessorin, die 1969 in Casablanca geboren wurde und mit L’Elégance du hérisson* (Die Eleganz des Igels*) zur Erfolgsautorin aufgestiegen ist, zu ihrem fünften Roman.

Ihr Roman erzählt die Geschichte der Initiationsreise einer jungen Französin. Rose befindet sich nach dem Tod ihres Vaters auf einer Art Pilgerreise auf den Spuren ihres Vaters in Kyoto. Sie selbst hat den japanischen Kunsthändlers Haru Ueno kaum gekannt. Erst durch sein Testament kommt sie in sein Land.

Muriel Barbery hat zwei Jahre lang in Japan gelebt. Ihre Erzählung mit zwölf kurzen Kapiteln, die Parabeln mit Blumen oder Bäumen ähneln, gleichen einer Ode an ein „Land der Bäume und Steine“.

Umgeben von den „Geistern“ einer zärtlichen Großmutter und einer selbstmordgefährdeten Mutter, die den Kontakt zu Haru abgebrochen hatte, begegnet Rose zunächst mit Zorn dieser Welt, die sie von seiner Intendantin Sayoko und ihrem Assistenten Paul nach und nach zu entschlüsseln lernt.

Eine weiße Pfingstrose und Nelken in Vasen erzählen von Leid. Blasse Schwertlilien erinnern an die Freundschaft zwischen einem kleinen Mädchen und einem Fuchs in der „Zeit, als Kyoto die Hauptstadt eines verlorenen Archipels der Einsamkeit war“. Ein Bambuszweig, der von einem anderen Fuchs auf einem Weg abgelegt wurde, ließ einst einen japanischen Teemeister sagen: „Bambus lehrt den Umweg“.

Rose ist eine Spezialistin für Geobotanik und kennt die gelehrten Namen aller Blumen. Aber erst, als ein alter, betrunkener Töpfer namens Keisuke sie der Dummheit bezichtigt, beginnt sie, das wahre Wesen der Blumen zu verstehen. Und erkennt ihren Vater.

„Eine Rose allein, das sind alle Rosen“. Mit diesem Zitat von Rainer Maria Rilke gab der Töpfer zudem das Motto für das jüngste Werk von Madame Barbery. Es ist eine Ode an Japan, geschrieben von einer Französin. Ein stilles, berührendes Werk über Trauer und Glück, das zum Nachdenken anregt. Und langsam gelesen werden sollte. Wer mag, kann es hier* ordern.

Winter in der Beziehung

Jean-Philippe Toussaint: Nackt*

Es gibt Autoren, bei denen ich nach der Lektüre immer nur denke: Was für eine Sprache! Welch eine Beobachtungsgabe! Welche Fabulierfreude, Imagination oder Handlung! Oder auch: wie klar, sachlich, und doch so packend. Was für Bilder im Kopf, die beim Lesen entstehen und nachwirken. So unterschiedliche Autoren wie Albert Camus und Laurent Gaudé gehören für mich dazu, und inzwischen auch Jean-Philippe Toussaint.

Ein  Belgier, 1957 in Brüssel geboren, der mit 16 den Jugendwettbewerb im Scrabble gewann, Neuere Geschichte in Paris studierte, dem Militärdienst als Lehrer in Algerien entging, 1983 heiratete, zwei Kinder zeugte (Sohn und Tochter) und erste Romane an Verlage schickte. 1985 publizierte Jérôme Lindon, der Verleger von  Éditions de Minuit, sein Erstlingswerk Salle de Bain*. Heute gehört Toussaint, der neben seiner Geburtsstadt Brüssel Korsika zur zweiten Heimat erkoren hat, nicht nur zu den renommiertesten Autoren der Gegenwart, sondern arbeitet auch als Drehbuchautor, Regisseur und Fotograf.

2002 veröffentlichte Toussaint Faire l’Amour. Der ersten Band des Marie-Zyklus um die Modeschöpferin Madeleine Marguerite de Montalte stürmte die Bestsellerlisten in Frankreich.  2005 erhielt Toussaint für Fuir, den zweiten Band des Quartetts, den renommierten Prix Médici.

Unseld sicherte sich die Rechte und übersetzte selbst. 2003 erschien auf Deutsch Sich lieben*, 2007 der Roman Fliehen*, 2011 Die Wahrheit über Marie*.  2014  folgte Nackt*. Mit dem französischen Original stand Toussaint auf der Shortlist für den Prix Goncourt. Seitdem sind noch Das Badezimmer(2020) über einen Mann, der sein Leben fortan nur noch in der Badewanne verbringen will, erschienen, sowie Die Gefühle* (2021) als zweiter Band des neuen Romanzyklus. Doch kein Werk von Toussaint gefällt mir so gut wie Nackt*.

Es beginnt dramatisch mit dem Höhepunkt der Herbstkollektion, die Marie in Tokio präsentiert: Haute Couture aus Honig. Nackt, nur mit einem Kleid von klebriger Süße überzogen, verfolgt von einem Bienenschwarm, schreitet das Model über den Laufsteg. Eine perfekte Inszenierung. – bis das Model am Ende des Catwalks den falschen Ausgang nimmt.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Nähe und Fremdheit der Liebenden, fragile Momente, Stärke und Leere: Spielerisch und schwerelos greift Toussaint herrlich unpathetisch große Themen wie Hoffnung und Vergeblichkeit, Lust, Liebe und Tod auf und nimmt den Leser mit 158 Seiten mit auf eine Nabelschau einer Liebe, die mich bis zum letzten Satz gefesselt hat. Wer mag, kann das Buch hier* auf Deutsch, hier* auf Französisch online bestellen.

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