Leseliste Frankreich: Land & Leute

F/Paris: Boulevard Montmartre, Brasserie "Zephyr"
Am Boulevard Montmartre findet ihr die Brasserie Zephyr. Foto: Hilke Maunder

Frankreich ist so nah, Land und Leute scheinen vertraut. Und doch ist vieles anders. Der Franzose: eine Baskenmütze auf dem Kopf, ein Baguette in der Hand. Die Französin: stets gestylt trotz dreier Kinder. Stereotypen und Klischees. Fast immer, wenn wir auf Frankreich blicken, ist auch immer ein Schuss Verklärung dabei.

Diese Bücher räumen ein wenig unser Bild von der Grande Nation zurecht. Auf unterhaltsame Weise entzaubern sie Mythen, sorgen für Aha-Erlebnisse auch bei Frankreich-Kennern und werfen einen neuen Blick auf das Land, dass ihr wie ich so liebt.

Auf einen Blick

Reisend das Land erfahren

Atlas der ReiselustPhilippe Gloaguan, DuMont Bildband: Atlas der Reiselust Frankreich*

Mit 50 Millionen Exemplaren in 45 Jahren gehören die Guides du Routard zu den Top 20 der meistverkauften Reiseführer der Welt.  Verlagsgründer Philippe Gloaguen jedoch ist überzeugt: „Frankreich ist das schönste Land der Welt“. Und beweist es mit Voyages France*, das 2019 bei Hachette erschien. Es ist kein handlicher Reiseführer, sondern ein Reise-ver-führer – nicht koffergeeignet, aber umso schöner auf dem Sofa zu lesen.

Mit vielen Fotos und liebevollen Illustrationen, die Lust aufs Leben, Blättern, Schauen und Entdecken mache, stellt es 1001 Reisen und Erlebnisse vor, mit denen man das Land (neu) entdecken kann. Die schönsten Seen und Flüsse, tolle Radtouren und Roadtrips, Kulturerbe und Festivals, Städte und Dörfer, Streetfood und Haute Cuisine, Käse und Wein, Einzigartiges, Ausgefallenes und Besonderes.

Doch das Schönste: Der DuMont-Reiseverlag hat das Werk im April 2022 in deutscher Übersetzung mit 320 Seiten auf den Markt gebracht. Wer mag, kann es hier* online bestellen. Oder es in der Buchhandlung seines Vertrauens erhalten. Das französische, 384 Seiten dicke Original gibt es hier*.

Kay Walter: 111 Bauwerke in Paris, die uns Geschichten erzählen*

Vom Café de Flore bis zur Cité Napolé0n, vom Palais Beauharnais bis zur BnP: Kay Walter stellt neben den vielen berühmten Paris-Klassikern wie Palais Gaillard, Place Dauphine, Hôtel de Sens, Hôtel du Nord, Musée Rodin, Catacombes, Collège de France, Bataclan, Arènes oder Butte-aux-Cailles in seinem 234 Seiten dicken Werk auch geheimnisvolle Orte und verborgene Sehenswürdigkeiten in der Hauptstadt Frankreichs vor.

Dazu gehört die Kachelkunst eines Eckhauses in der Rue Belliard ebenso wie  der Erker der Rue de Vaugirard, der selbst für Paris einfach einmalig ist. Und natürlich auch eine grünes Vorzeigeprojekt, das Paris auf die Industriebrache von Clichy-Batignolles gesetzt hat.

Kurzum: Unter den 111 Bauten finden selbst Paris-Kenner noch rund zwei Dutzend Adressen, die sie staunen lassen – und sicher noch nicht kennen. Wer mag, kann hier* den Reiseführer online bestellen.

Anke Steinemann, Jens F.Meyer: Im ersten Gang geht’s immer rauf*

Der R4, liebevoll auch La Quatrelle genannt, ist mit 34 PS und knapp 1000 Kubikzentimetern Hubraum, der perfekte Wagen für eine nostalgisch-entspannte Landpartie durch Frankreich.

Und genau dies haben Anke Steinemann und Jens R. Meyer mit der automobilen Legende gemacht. Was das Paar dabei unterwegs erlebte, hat es auf 255 Seiten in einem unterhaltsamen Reisetagebuch festgehalten, das Alltagsabenteuer und Reisetipps für Sehenswertes verbindet.

Und das besonders abseits bekannter Routen. So werden auch all diejenigen, die Frankreich bereits gut kennen, noch sicherlich den ein oder anderen Tipp erhalten. Das Duo war vornehmlich im Norden und Westen unterwegs.

Von den Ardennen bis zur bretonischen Atlantikküste, vom Burgund bis zu den Schlössern der Loire reist ihr beim Lesen mit auf der Rückbank ihres R4. Und erlebt in 34 Artikeln eine großartige Reise im Lehnstuhl, die Farbaufnahmen verschönern. Wer mag, kann ihren Reisebericht hier* online bestehen.

Manfred Hammes: Durch den Süden Frankreichs

Manfred Hammes: Durch den Süden Frankreichs*

Für seine Bücher hat Hammes den Süden von Frankreich hin und her durchquert: 60.000 km kamen bei seinen Autotouren auf dem Tacho zusammen. Auf 6.000 Wanderungen entdeckte er zu Fuß durch Südfrankreich. Trotz der rund 1000 Restaurantbesuchen hat er bei seinen Recherchen nur fünf Kilogramm zugenommen.

Seine Entdeckungen, Erlebnisse und Anekdoten veröffentlichte Hammes 2008 in Erzähl mir vom Süden…: Ein literarischer Reiseführer durch den französischen Midi (Provence, Côte d’Azur, Languedoc-Roussillon*. Der Vorläufer ist nur halb so dick wie das Mammutwerk, das 2019 beim Schweizer Nimbus-Verlag erschienen ist. 

Karten und nützlichenHinweisen, ein gute Orts- und Personenregister, Lesebändchen und mehr als tausend farbigen Abbildungen machen den Band nicht nur zu einem sehr unterhaltsamen, sondern auch sehr praktischen Führer durch den Süden von Frankreich.

Für alle, die noch mehr entdecken wollen, hat Manfred Hammes einen Blog ins Leben gerufen, auf dem er weiter reist durch den Süden: Lust auf Provence. Wer neugierig ist, kann hier im Blog mehr über den Autoren erfahren – Leben, Werk und Leseprobe inklusive. Wer mag, kann das Buch hier* direkt bestellen.

Julian Barnes, Tour de FranceJulian Barnes: Tour de France*

Ob Charme oder Chanson, Kunst oder Küche, französische Lebensart oder Literatur – Julian Barnes weiß fast alles über Frankreich. Er ist schon als Junge mit seinen Eltern als Tourist nach Frankreich gereist.

Auf den Fahrten im Familienwagen durch die Provinz nahm er das Land auf der anderen Seite des Kanals jedoch anfangs mit der Überheblichkeit des typischen Inselbewohners wahr – eigenartig schmeckender Käse, blutiges Fleisch, undefinierbare Soßen, bitterer Kaffee und viele Kathedralen. Doch dieser hartgesottene junge Brite kann letztlich dem Zauber der französischen Zivilisation nicht widerstehen.

Auch das Cover passte zum Klappentext: ein kastiges britisches Auto von einst vor dem Klosterberg Mont-Saint-Michel. Neugierig begann ich zu lesen. Nahm wissbegierig Anekdoten und Infos zu Boris Vian, Jacques Brel und Georges Brassens auf, blickte tief in den Dopingsport der Tour de France, traf lesend die Filmemacher Godard und Truffaut.

Und verzog Julian Barnes so manche selbstverliebte Gefälligkeit und Ausschweifung. Doch auf Seite 97 war Schluss. Nur aus reinster Selbstdisziplin – ich lege nie ein einmal begonnenes Buch aus der Hand – quälte ich mich weiter bis zur Seite 319. Was geschah auf Seite 97? Und warum die Qual? Genau auf Seite 97 bricht das Konzept des Buches. Die gesammelten „Essays“, die – philologisch gesehen, den Titel „Essay“ nicht verdient haben – kennen nur noch ein Thema.

Das Lieblingsthema von Barnes. Gustave Flaubert. Ob Baudelaire oder Mallarmé, Victor Hugo oder Turgenjew: Alle fallen gegen den Säulenheiligen des Julian Barnes ab. Ab Seite 97 ist die vom Titel in Aussicht gestellte Tour de France nur noch eines: eine Hommage an Flaubert, schwärmerisch wie aufklärerisch, die Show des Bildungsbürgers Barnes.

Brav bringt der Brite sein Wissen unter die Leute. Ohne esprit oder intelligenter Geistesblitze. Sondern in Bandwurmsätzen, durch Semikolons abgesetzt, mit Anführungsstrichen durchsetzt und voll mit wiederkehrenden  Zitaten von Woods. Keine Tour de France, sondern Tour de Force. Für Flaubert. Ihr wollt euch selbst überzeugen? Dann könnt ihr das Buch hier* online bestellen.

Mythos & Wahrheit

Alles Mythos

Ralf Nestmeyer: Alles Mythos*

Ralf Nestmeyer, Historiker und Nürnberger Autor vieler Frankreichführer, hat sich den Mythen und Wahrheiten der Grande Nation gewidmet, untersucht sachkundig 16 Stereotypen und Irrtümer, und sorgte immer wieder für „Aha“-Erlebnisse beim Lesen.

Oder wusstet ihr, dass die Tour de France von einem Redakteur der Zeitschrift „L’Auto“ ins Leben gerufen wurde, um das Blatt vor der Insolvenz zu retten? Fast schon typisch französisch ist der Esprit, mit dem Ralf Nestmeyer das 214 Seiten dicke Bändchen vom Konrad Theiss Verlag verfasst hat. Schade nur, dass bei der Papierqualität des Einbandes gespart wurde…

Lesegenuss und Inhalt: einfach toll. Typo und Satz: ebenfalls gelungen, aber: Lektorat von Thomas Theise – naja (u. a. S. 92 Tourjubiläum, S. 179 Guiscard d’Estaing, fehlende Satzzeichen….). Dennoch: ein Muss für Frankreichfans. Wer mag, kann den Band hier* online bestellen.

Günter Liehr: Frankreich - eine kleine Landeskunde

Günter Liehr: Frankreich: Eine Nachbarschaftskunde*

Mit „Anders Reisen“ von Günter Liehr im Gepäck bin ich Mitte der 1990er-Jahren durch Frankreich gereist. Mit Liehr habe ich Paris abseits eingetretener Pfade und die maghrebische Subkultur von Marseille entdeckt.

15 Jahre später hat mich der Deutschlehrer, Journalist und Sachbuchautor, der 1977 nach Paris ins 19e Arrondissement gezogen ist, erneut mit seinem Wissen über mein liebstes Nachbarland in den Bann gezogen.

„Frankreich. Eine Nachbarschaftskunde“ verlässt oft etablierte Pfade des Denkens, zieht Querverbindungen und überrascht mit Assoziationen und Einblicken, die auch Frankreich-Kennern ein „Aha“ entlocken.

Schade nur, dass das Bändchen nach 229 Seiten endet…. ich hätte gerne weitergelesen und noch viel mehr über la douce France erfahren. Wer mag, kann das Buch hier* online bestellen.

Henrik Uterwedde, Die deutsch-französischen Beziehungen*

Wer sich für die bilateralen Beziehungen interessiert, kennt seinen Namen: Prof. Dr. Henrik Uterwedde war viele Jahre lang der lang stellvertretender Direktor des Deutsch-Französischen Instituts (dfi) in Ludwigsburg.

Jetzt hat der Wissenschaftler eine kompakte Einführung vorgelegt, die auf 178 Seiten alle wichtigen Themen der deutsch-französischen Beziehungen umreißt: Wirtschaft, Euro, Gesellschaft, Kultur, Bildung und Wissenschaft.

Vorangestellt ist ein kurzer Abriss der “Geschichte einer spannungsreichen Nachbarschaft”.  Sie führt von Germania und Romania über 23 deutsch-französische Kriege hin zum Deutsch-französischen Vertrag von 1963 und dessen Vertiefung und Ausweitung durch den Aachener Vertrag 2019.

Eingestreute Hintergrund-Infos und Themenschwerpunkte, beispielsweise zu den Hugenotten oder den norddeutschen Migranten in Bordeaux, werfen manch weniger bekannte Aspekte der gemeinsamen Geschichte auf. Zitate, Quellen und Literaturempfehlungen machen das Buch zu einer gut lesbaren und äußerst informativen Einführung. Wer mag, kann die kompakte Länderkunde hier* online bestellen.

Henrik Uterwedde_Frankreich LänderkundeHenrik Uterwedde: Frankreich – eine Länderkunde*

Am 7. Mai 2017 wurde Emmanuel Macrons zum Staatspräsidenten gewählt. Prof. Dr. Henrik Uterwedde, damals noch Direktor des Deutsch-Französischen Instituts in Stuttgart, nahm dies zum Anlass, eine Länderkunde zu unserem Nachbarn zu verfassen. Diese Bestandsaufnahme macht deutlich, wie weit die Tragweite der Reformen reicht, die Macron anstrebt.

Kurz und knapp zeigt Uterwedde die historische Entwicklung hin zum heutigen Staat auf. Er erklärt die Unterschiede der Demokratien von Frankreich und Deutschland und benennt die Probleme und Blockierer, die den Reformplänen entgegenstehen.

Medien, Wirtschaft, Gesellschaft, Bildung und Außenbeziehungen sind neben Staatsverständnis, Parteienlandschaft und politischem System weitere Themen der Länderkunde. Schön: Sie verliert nie den großen Blick aufs Ganze – und den Blick über die Grenzen. Jedes Kapitel runden sorgfältig ausgewählte Hinweise auf weiterführende Literatur ab. Wer mag, kann den Band hier * online bei Amazon bestellen.

Macrons neues FrankreichDietmar Hüser,  Hans-Christian Herrmann (Herausgeber): Macrons neues Frankreich*

2022 wählt Frankreich wieder sein Staatsoberhaupt. Wird es wieder Emmanuel Macron – oder macht Marine Le Pen das Rennen?  Die Halbzeit nach 30 Monaten zieht dieser Sammelband von Analysen, den Dietmar Hüser und Hans-Christian Herrmann am 7. Januar 2021 im transcript-Verlag herausgebracht haben.

Dietmar Hüser hat den Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte in Saarbrücken inne und war zuvor Professor für Westeuropäische Geschichte an der Universität Kassel. Er leitet das Frankreichzentrum sowie das Europakolleg Collegium Europaeum Universitatis Saraviensis (CEUS) an der Universität des Saarlandes und ist Sprecher der DFG-Forschungsgruppe 2475 »Populärkultur transnational – Europa in den langen 1960er Jahren«.

Der Historiker Hans-Christian Herrmann leitet das Stadtarchiv Saarbrücken. Er forscht u.a. zur Saarbrücker Stadtgeschichte und Saargeschichte im Kontext der deutsch-französischen Beziehungen, den Beziehungen der DDR zu Frankreich und zur französischen Automobilindustrie. Wer mag, kann das 350 Seiten dicke Jahrbuch des Frankreichzentrums der Universität des Saarlandes hier* bestellen.

Nikolaus Meyer-Landrut: FrankreichNikolaus-Meyer-Landrut: Frankreich*

Nikolaus Meyer-Landrut war von Juli 2015 bis August 2020 Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Frankreich. Während seiner Pariser Jahre lernte er auf seinen Reisen durch Frankreich Land, Leute und die Historie der unterschiedlichen Regionen kennen, führte Gespräche mit den Menschen vor Ort. Und stellte fest, dass wir trotz der „Nähe“ durch soziale Medien bis heute noch wenig über unsern nächsten Nachbarn kennen.

In seinen „Betrachtungen zu Geschichte und Gegenwart“ will Nikolaus Meyer-Landrut zeigen, wie sehr die Vergangenheit das Heute noch immer beeinflusst. „Jedes Land trägt die Spuren seiner Geschichte. Viele dieser Spuren – ob sie verborgen im Hintergrund wirken oder offen zutage treten – sind auf unterschiedliche Art und Weise auch heute noch wirkungs-mächtig“, so der Autor.

Sein schmales, sehr kompaktes und dichtes Werk ist keine unterhaltsame Landeskunde. Sondern ernst. Und verdient es, langsam gelesen zu werden – nachdenkend über die Zusammenhänge.  Wer mag, kann die Landeskunde des Botschafters hier* online bestellen.

Aperçus und Anekdoten

Daniela Kahl, Evi Seiber: 111 Gründe, Frankreich zu liebenDaniela Kahls und Evi Seibert: 111 Gründe, Frankreich zu lieben*

Die Klischees über Frankreich sitzen tief, haben die beiden ARD-Korrespondentinnen Daniela Kahls und Evi Seibert als Resonanz auf ihre Berichte aus Frankreich immer wieder erfahren. Und diesmal nicht zum Mikro gegriffen, sondern zur Feder.

Herausgekommen ist ein Gemeinschaftswerk, das mit einem Augenzwinkern das Land und seine Bewohner unterhaltsam vorstellt: in kurzen Geschichten und Anekdoten, kenntnisreich wie humorvoll verfasst – 111 Gründe, die mir die Franzosen noch sympathischer gemacht haben.

Zum Beispiel dank des 8. Grundes: Weil sie High Heel-Kurse anbieten. Bei der Talons Academy, der Schule für hohe Absätze. Ich konnte förmlich den Saal vor mir sehen, in denen sonntags die Pariserinnen den eleganten Schritt auf 12 cm hohen Stilettos üben. Erst langsam, dann im schnellen Businesstrab.

Und genauso neu war für mich auch Grund neun, die Duftbibliothek von Versailles. Und wusstet ihr, dass es in Paris eine Polizei im Untergrund gibt, die unter der Erde ein rund 300 km langes Netz aus Gängen kontrolliert? Wer mag, kann das Buch hier* online bestellen.

Nick Yapp: So siind sie, die Franzosen.Nick Yapp. Michael Syreth: So sind sie, die Franzosen*

„Humorvoll geschriebene Betrachtung über die Franzosen. Habe an vielen Stellen sehr lachen müssen und vieles wiedererkannt bzw. auch bemerkt, wie „deutsch“ ich selbst denke“, hat auf Amazon jemand in seiner Rezension zum Buch geschrieben, das erstmals 2017 bei Reise Know-how erschien.

Und genauso ist das Werk des Duos auch: perfekte Unterhaltung – ein getextes Augenkino mit Anekdoten und Aperçus, flott geschrieben. Nicht nachdenklich, tiefsinnig und schwer, sondern leicht  wie eine Brise, die aus dem Nachbarland schon vor dem Urlaub zu euch hinüber weht.

Es unterhält und zaubert ein Lächeln auf Dein Gesicht. Kurzum: ein Buch wie ein Aperitif, das ihr euch auf den Besuch in Frankreich einstimmt. Wer mag, kann das Buch hier* online bestellen.

Lauter Mysterien

Auf den Spuren der Cagots: David Galley, La France Mysterieuse.

David Galley, La France Mysterieuse*

Seltsame Phänomene, verfluchte Orte, geheime Krypten, unerklärliche Demonstrationen, versteckte Schätze, vergrabene Kapellen, vergessene Friedhöfe, verschlüsselte Geheimnisse….. David Galley hat die Straßen Frankreichs durchquert, um die außergewöhnlichsten Rätsel zu lösen!

Seine60 Geschichten sind absolut faszinierend. Mit dabei: das geheime Grab von Jeanne d’Arc, der verdammte Leuchtturm von Tevennec, das Spukschloss von Fougeret, der Schatz von Rennes-le-Château, der Sarkophag von Arles-sur-Tech, das verfluchte Dorf Uruffe, das Kloster von Carol, die Dionengrube, der Marsalmagus, die Krypta von Brotteaux – und das verschwundene Volk der Cagots. Wer mag, kann das Buch hier* online bestellen.

Das Land selbst erlebt

Tanja Kuchenbecker_Le FettnapfTanja Kuchenbecker: Le FettnapfWie ich lernte, mich in Frankreich nicht zum Horst zu machen*

Vielleicht kennt ihr sie von N24 oder aus Printmedien für Focus, Handelsblatt, Bunte oder NZZ? Tanja Kuchenbecker lebt seit mehr als 20 Jahren als freie Journalistin und Buchautorin in Frankreich. Was sie erlebte, als sie frisch ankam, und wie es ihr schließlich gelang, sch  einigermaßen würdevoll durchs französische Alltagsleben zu bewegen, erzählt sie auf 224 Seiten.

Gehofft hatte ich leichte Kost mit Tiefgang, ein Werk voller Esprit. Doch leider bündelt sie nur Plattitüden, konzentriert sich auf Belanglosigkeiten, Übertreibungen und persönlichen Aussagen, betrachtet die Franzosen eher mit einem verständnislosen Kopfschütteln und verstrickt sich in Widersprüche. Désolée, Tanja. Ich hatte mehr erwartet.

Wer mag, kann das Buch hier online bestellen.

Brenda Strohmaier: Blick aufs Meer, Arsch auf GrundeisBrenda Strohmaier: Blick aufs Meer, Arsch auf Grundeis*

Mit 50 Jahren noch einmal den Neuanfang wagen, die Job kündigen und nach Südfrankreich ziehen? Brenda Strohmaier, eine Bayerin in Berlin, die als Stilredakteurin bei „Die Welt“ gearbeitet und mit 2016 Witwe wurde, hat es getan. Und ihre Erfahrungen aufgeschrieben.

Herausgekommen ist eine rasant wie umgangssprachlich verfasster Bericht, der – mal herrlich pointiert, mal lakonisch, aber dann leider oft auch arg banal – Streiflichter ihres Lebens zwischen Marseille und Berlin erzählt.

Ihr Humor und das Tempo sorgen für Lesevergnügen, auch wenn die Figurenzeichnung recht flach ist. Mitunter stutzte ich beim Lesen. Und fragte mich, ob es bewusste Inszenierungen war. Oder Oberflächlichkeit. Blinky statt Linky. Den Klimawandel beklagen, aber bei Problemen heim nach Berlin fliegen.

Die Nennung einer Orgasmusdatenbank in einem Frankreich-Roman fand ich zudem etwas befremdlich. Kurzum: Wer mich jemand fragte, wie mir Brenda Debüt gefiel, dem würde ich antworten: ganz nett. Ein flott getippter Roadmovie mit einigen Lachern, ein frankophiler Quickie, der gute Laune beschert und für ein paar Stunden Frankreich zu Dir holt. Wer mag, kann den Roman hier* online bestellen.

Bettina Bouju, Johanna Links: Fettnäpfchenführer Frankreich*

Fast drei Mal so dick ist dieser Kulturführer, den das Duo Bettina Bouju  und Johanna Link verfasst hat. Die eine hat Ethnologie-, Literatur-, Film und  Journalismus, studiert, die andere sogar einen interdisziplinären Diplomstudiengang Frankreichstudien abgeschlossen, doch genützt hat es nichts: 288 Seiten lang habe ich mit über veraltete Stereotypen geärgert.

Die als Beispiele herangezogenen Anekdoten wirken sehr oft konstruiert und künstlich. Auch schadet der Protagonistenwechsel der Übersichtlichkeit und stoppt den Lesefluss. Was mich fast noch mehr genervt hat, war der Versuch, sich sprachlich der jungen Zielgruppe anzupassen.

Und: Haben beide nicht sogar in Frankreich gelebt? Wie können dann sprachliche Fauxpas wie diese entstehen: Kir Royale (korrekt: Kir Royal, da maskulin). Oder:  Je vous fait [muss „fais“ heißen bei 1. P. Sing.] un autre Pastis“ . Wer mag, kann den Band hier* online bestellen.

Gebrauchsanweisung für KorsikaGebrauchsweisungen für…

Paul Watzlawik war 1978 der erste gewesen, der für diese Reihe des Piper-Verlages den Auftaktband verfasst und sich in seiner Gebrauchsanleitung für Amerika den Zugang Schritt für Schritte seinen Zugang amerikanischen Seele offenbarte.

Bis heute sind die Bände, die in der Tradition von Reiseliteratur à la Fontane oder Mark Twain stehen, keine schnell getexteten Werke voller Klischees, sondern Literatur, die unterhält, nachdenklich macht, euch mitnimmt auf Erlebnisse von Glück bis Pech – und so Wesen und Seele eines Landes berührt. Das gilt auch für die drei Bände zu Frankreich, die zwar nicht mehr ganz frisch, aber dennoch bis heute unglaublich lesenswert sind.

• Johannes Wilms: Gebrauchsanweisung für Frankreich*
• Jenny Hoch, Gebrauchsanweisung für Korsika*
• Birgit Vanderbeke: Gebrauchsanweisung für Südfrankreich*

Frankreich phillosphisch gesehen

Peter Sloterdijk: Mein Frankreich*

Vorfreude! Wenn ein wortgewandter Philosoph sich zu Frankreich äußert, und dann den sehr persönlichen Titel wählt „Mein Frankreich“, dann werden sicher geistreiche Beobachtungen, Analysen, Aperçus folgen. Und elegante Bögen und Querverweise zu heute in seinen Betrachtungen zur Geschichte und Philosophie Frankreichs seit dem 18. Jahrhundert für kleine Feuerwerke und Ahas beim Lesen sorgen.

„Frankreich war kulturell gesehen meine erste Liebe“ , hatte der Karlsruher Professor für Ästhetik und Philosophie mal gesagt. Er hatte Camus, Sartre und Voltaire als literarisch prägende Vorbilder genannt und mich mit diesen Aussagen neugierig auf sein Werk gemacht. Den Auftakt der rund zwei Dutzend Essays macht Descartes. Auf fünf Seiten preist Sloterdijk, der sich selbst als philosophierenden Schriftsteller versteht, den Discours de la méthode von Descartes als  Aufbruch in die Neuzeit und Weigerung, den „Dialog mit den Toten“ aufzunehmen.

Da muss ich im Studium wohl auf der Leitung gesessen und alles falsch verstanden haben. Damals wurde uns gelehrt, Descartes Hauptwerk von 1637 sei eine Auseinandersetzung mit den Kategorienlehren von Aristoteles und Platon…. Aber Textarbeit ist ja Auslegungssache.

Bei Rousseau jedoch gehts dann doch an den historischen Fakten vorbei. 1765 gab es schlichtweg die Schweiz noch nicht – die wurde erst 1848 gegründet. Im 18. Jahrhundert gab es dort nur Geflecht souveräner Kleinstaaten, die sich im losen Staatenbund der Alten Eidgenossenschaft zusammengeschlossen hatten.

Sloterdijk weiter: „Längst hatte die Schweiz zu dieser Zeit eine Schlüsselrolle in der Geschichte des erneuerten republikanischen Freiheitsgedankens inne.“ Wie bitte? Rousseau lebte um 1765 in Genf, und da herrschte die kleine, ultrakonservative Oberschicht der Négatifs, und damit eine Handvoll alteingesessener Familien, als Patriziat über das rechtlose Volk, Habitants genannt.

Tapfer las ich weiter. Hoffend, dass Sloterdjiks Gedanken mein Hirn kitzeln. Doch zunehmend begann auch Sprache das Lesevergnügen zu zerstören. Aufgebläht, verfettet und manieriert quält sie sich von Satz zu Satz, von Essay zu Essay, die nicht nur einen roten Faden, sondern nur durch die Hybris des Autors zusammengehalten werden. Sie entlarvt sich im letzten Beitrag, einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel zum Thema Sport.

Sloterdijk, der in den letzten Jahren nach eigenen Worten seine Begeisterung für das Radfahren entdeckt hat, war von Freunden das Gelbe Trikot geschenkt worden. Mit „Mein Frankreich“ hat sich Sloterdijk als führender Fahrer auf der geistesgeschichtlichen Landkarte disqualifiziert. Aber vielleicht taugt ein schwerer teutonischer Geist auch nicht zu französischem esprit….

Voilà der erste Verriss meines Lebens.. Hätte nie gedacht, dass es gerade dieses Buch wird, das mich zunächst so angesprochen hatte. Aber ich stehe mich meiner Enttäuschung nicht allein dar, wie Reaktionen im Netz zeigen. Wer mag, kann das Buch hier* online bestellen und sich selbst ein Bild machen.

Frankreich in Geschichten

Blau Weiß Rot:: Frankreich erzähltOlga Mannheimer (Hrsg.): Blau, Weiß, Rot: Frankreich erzählt*

Die Seele Frankreichs: Wie schlägt sie heute? Was lieben die Franzosen? Wofür begeistern sie sich? Was sorgt sie? Und was lässt sie richtig wütend werden? Olga Mannheimer hat für die Anthologie kreuz und quer die Stimmungslage eingefangen: mit Chansons und Comics, Gedichten und Erzählungen, klassischen und modernen Texten.

Der beliebte Liedermacher Renaud kommt ebenso zu Wort wie der Philosoph Roland Barthes, der zeitlebens versucht hat, die vielen Ebenen von Zeichen zu entschlüsseln – in der Fotografie, im Fernsehen, im Text.

Ebenfalls im Sammelband findet ihr bislang unveröffentlichte Texte von Catherine Millet, die 2001 mit einem emotionslos präzisen Bericht über ihr libertinäres Sexualleben die Franzosen schockierte, sowie von Unterwerfung*-Autor Michel Houllebecq.

Und von  Cécile Wajsbrot, die bereits ein Jahr von der Corona-Krise mit ihrem Werk Zerstörung* vom Schwinden der Freiheit und dem Ende der Zukunft erzählte. Wer mag, kann den Sammelband hier* online bestellen.

 

Irène Kuhn, Frankreich in kleinen GeschichtenIrène Kuhn: Tour de France: Frankreich in kleinen Geschichten*

Ist euer Französisch etwas eingerostet? Und das Wissen um Frankreichs Geschichte auch? Dann bereitet euch Irène Kuhns literarische Zeitreise bestimmt Lesegenuss. Auf knapp 140 Seiten führt euch die Elsässerin, die einst an der Uni Strasbourg lehrte und heute zwischen München und der Provence pendelt, mit 40 Geschichten kreuz und quer durchs Land.

Ihre oft humorvollen Anekdoten sind kurz, interessante Lesestücke. Links findet ihr den französischen Text, rechts die deutsche Übersetzung.

Und so ganz nebenbei erfahrt ihr nicht nur, was König Heinrich IV. mit dem Sonntagshuhn des Béarn zu tun hat, was Renoir mit dem Porzellan von Limoges verbindet. Und warum die Mülltonne in Frankreich poubelle heißt.

Der einzige Wermutstropfen: Leider endet die Zeitreise mit dem Satz von Charles de Gaulle, den er einst an Churchill richtete: „Si je ne suis pas la France, pourquoi discutez-vous avec moi ?“ – „Warum reden Sie überhaupt mit mir, wenn ich nicht Frankreich bin?“

Anekdoten zur Nachkriegszeit und zum heutigen Frankreich fehlen völlig. Wäre das nicht eine schöne Idee, Madame Kuhn? Wer mag, kann die literarische Reise durch Zeit und Raum hier* online bestellen.

Fontane. Altes romantisches Land

Theodor Fontane: Altes romantisches Land*

Fontane stammte aus einer alten Hugenotten-Familie, und immer wenn sein Zorn auf Preußen besonders heftig war, betonte er voller Stolz seine romanische Herkunft.

Seine schönsten Reisebücher hat er Frankreich gewidmet: »Kriegsgefangen« und »Aus den Tagen der Okkupation« (beide 1871). Sie schildern die gefährlichste Situation seines Lebens und enthalten die offenherzigsten autobiographischen Bekenntnisse. Aus diesen Werken wie aus Briefen und Äußerungen über französische Autoren und Werke ergibt sich ein facettenreiches Bild.

Wider den Zeitgeist bekundet Fontane seine Hochachtung vor dem Nachbarvolk. Er ist fasziniert von den Kathedralen von Reims und Rouen, steht am Grab des liebenswürdigen Alexandre Dumas, dessen erfolgreiche Massenproduktion ihm imponiert, und besucht die Wirkungsstätte Rousseaus.

Die Besichtigung der Schlachtfelder des Deutsch-Französischen Krieges veranlaßt ihn zur Anerkennung der militärischen Leistungen, aber auch zur Klage über die unermeßlichen Opfer auf beiden Seiten und die Not der leidenden Bevölkerung. Worauf es ihm ankommt, ist die menschliche Dimension des Geschehens. Wer mag, kann hier* Fontanes Impressionen aus Frankreich online bestellen.

Niklas Bender: Bretagne - Literarische EinladungNiklas Bender (Hrsg.): Bretagne. Eine literarische Einladung*

Die Küsten, Strände und Städte sind als Urlaubsgebiete bekannt. Aber… kennt ihr auch  Autoren von dort. Schriftsteller von früher und Dichter von heute. Niklas Bender hat sich auf die literarische Reise begeben und sie ausgegraben.

Freut euch auf Autoren, die ihre Heimat am Rande Europas spannend, berührend, lustig und bezaubernd vorstellen.

Mal wagen sie sich mutig an neue Themen und Formen. Dann wiederum lassen sie fast schon autobiografisch den Alltag von einst und das Leben auf dem Lande aufleben. In den Gedichten und Texten der Musik klingt die Achtung vor den Urgewalten durch.

Die Kraft der Meere ist das Symbol für den Freiheitsdrang der Bretonen.

Eine spannende literarische Entdeckungsreise auf 144 Seiten, Pflichtlektüre für alle Bretagne-Fans. Wer mag, kann das Buch hier* bestellen.

Paris für Insider

Lindsey Tramuta: La Parisienne

Lindsey Tramuta: La Parisienne*

Das neue Paris. Stadt der Frauen. So lautet der Titel eines 320 Seiten dicken Buches, das der Zufall mir per Post brachte. Seine stylische Aufmachung, sein wertiges Papier, sein Thema: Noch ein Beitrag zum Trendthema „Frauenquote“? Ich gebe zu: Ich war mehr als misstrauisch.

Und ließ das Buch fast zwei Wochen lang links lieben auf dem Nachttisch-Lektüreberg. Doch dann war die Neugier stärker. Und ich wählte Anne Hidalgo als Testtext aus.

Zwischen all dem Bekannten, das Lindsey Tramuta da zur Pariser Bürgermeisterin auf vier Seiten packt, fand ich dann doch einige überraschende Infos über zur Stadtchefin, die Privates gerne privat hält. Und freute mich auch über die fünfte Seite, auf der die Politikerin des Parti Socialiste drei ganz persönlich Tipps zu Paris gibt.

So ist das gesamte Buch gehalten. Erst die Infos zur Person, dann persönliche Tipps. Heraus kommen 50 spannende Portraits von Pariser Frauen. Die allesamt sehr lesenswert wären. Wenn Lindsey nicht dauernd mit Klammern und Einschüben den Lesefluss trüben würde. Doch auch daran gewöhnte ich mich.

Und entdeckte viele spannende Menschen und neue Aspekte an Paris. Die allesamt widerspiegeln, was für eine positive Energie in der ville lumière steckt. Paris leuchtet. Kreativ, politisch, innovativ und aktiv. Wer mag, dann das sehr persönliche wie kunterbunte Portrait der Weltmetropole hier* online bestellen.

Georg Renöckl: Paris abseits der Pfade*

Georg Renöckl, ParisAch, wären nur die Karten nicht so klein, die Fotos nicht so schlecht in schwarz-weiß. Sie ließen mich das Buch erst einmal beiseite legen. Doch dann siegte die Neugier. Und ein wenig das schlechte Gewissen gegenüber dem Kollegen, der mit 111 Orte in Nordfrankreich* mir bereits tolle Entdeckungen vorgestellt hatte.

So begann ich zu lesen. Und wurde immer tiefer hineingezogen. Wanderte mit dem Wiener Journalisten durch den Pariser Osten, durch Belleville und Ménilmontant.

Ich entdeckte Kleinode, die ich bislang übersehen hatte. Erfuhr von Orten, die gut zu kennen glaubte, noch wieder Neues. Und legte mich dann ins Gras der Buttes-Chaumont und freute mich daran, das der Wiener Journalist Georg Renöckl, der sechs Jahre lang in Paris und Strasbourg gearbeitet hatte, so unterhaltsam und sauber recherchiert sein Insiderwissen in diesem Band teilt.

Und Lust macht, beim nächsten Paris-Besuch einmal intensiver auf seinen Spuren zu wandeln.  Wer mag, kann den Band hier* online bestellen.

Murielle Rousseau, Die Gärten von ParisMurielle Rousseau: Die Gärten von Paris*

Bei Murielle Rousseau denken viele von euch eher an die wundervollen Kochbücher, mit denen die französisch-deutsche Autorin aus Saint-Germain-en-Laye seit 2007 die Herzen vieler Hobbyköche erobert hat. Am 14. Juni hat sie jetzt einen handlichen Garten-(Ver-) Führer im Insel-Verlag herausgebracht.

Von Arrondissement zu Arrondissement, aber auch im Pariser Umland, stellt sie 37 grüne Lieblingsplätze vor. Bekannte Oasen wie den Jardin des Tuileries, die Gärten der Champs-Élysées und die eindrucksvollen Parkanlagen von Le Nôtre am Schloss von Versailles, aber auch versteckte, intime Gärten und grüne Oasen abseits der Touristenströme.

Sie stellt euch die Pariser Freiheitsstatue auf der Schwaneninsel in der Sein vor, nimmt euch mit ins Tropengrün der Serres d’Auteuil und verrät schließlich auch ihren  ganz persönlichen grünen Lieblingsplatz, einen kleinen Rosengarten auf der Île Saint-Louis. Wer mag, kann den handlichen Garten-(Ver-) Führer für Paris hier* online bestellen.

Zeitreisen in der Geschichte

Zeitreise ins 19. Jahrhundert: Der gefangene König

François Garde: Der gefangene König

Ajjährlich am am 5. Mai, dem Todestag des „Kaisers der Franzosen“, werden im Land vor den Denkmälern Naopoleons Kränze und Blumen niedergelegt. Roi par effraction* hatte François Garde seinen Roman genannt, der 2019 bei Gallimard erschienen war. Seit 27. Januar 2021 ist das Werk des französischen Schriftstellers in der deutschen Übersetzung von Thomas Schultz bei C. H. Beck vor.

Der Roman ist eine Erzählung aus dem Kerker. Er beginnt am 8. Oktober 1815. Damals hatte der 48 jährige  Joachim Murat (1767-1815) nur noch sechs Tage zu leben. Wenige Stunden vor seiner Hinrichtung berichtet Murat, wie er, ein Gastwirtssohn aus dem Quercy, erst Revolutionsgeneral und dann Marschall des Kaiserreichs wurde.

1808 schließlich ernannte Napoleon Murat noch zum König von Neapel. Doch dann fand das Leben des Mannes, den Caroline Bonaparte zu ihrem Ehemann erwählt hatte, ein jähes Ende. Gefangen genommen und  ins Gefängnis geworfen, wurde Murat am 13. Oktober 1815 hingerichtet.

François Garde ist einer der profiliertesten Autoren für Werke, die sich mit der französischen Geschichte und historischen Figuren auseinandersetzen. Dabei hilft es ihm, dass er als oberster Staatsbeamter die Staatsstrukturen einst und jetzt bestens kennt.

In sechs Momentaufnahmen berichtet er von den Höhen und Tiefen im Leben des Soldaten Murat und zeichnet so ein Spiegelbild der napoleonischen Ära. Auch von der Sprache her und vom Erzählstil bietet das Buch herrlichen Lesegenuss! Wer mag, kann das Buch hier online bestellen.

Geschäftskultur in Frankreich

Demangeat_isabelle_Pressebild conbook Verlag

„Beim Händeschütteln nicht so fest wie in Deutschland zudrücken – und nicht so lange ansehen“, das war damals  beim interkulturellen Training von Airbus in der Toulouser Zentrale einer der Kernsätze zur Geschäftskultur in Frankreich gewesen.

Der Besuch der Veranstaltung war damals nicht nur für Mitarbeiter, sondern auch für deren Partner Pflicht gewesen, ob verheiratet oder nicht. Viele hilfreiche Infos sind damals bei mir hängengeblieben.

Das Leben vor Ort war eine weitere Schule. Beide halfen, in Frankreich Fuß zu fassen und Missverständnisse weniger werden zu lassen. Das war vor mehr 25 Jahren. Seitdem ist Frankreich Teil des Alltags.

Und ich dachte, ich kenne so ziemlich alle Unterschiede, Stolperfallen… Weit gefehlt, muss ich nach der Lektüre eines kleines Bändchens gestehen, das Isabelle Demangeat verfasst hat.

Nach ihrem Romanistik-Studium in Würzburg und Licence d’Allemand in Le Mans und Paderborn machte sie sich 1993 als Trainerin, Beraterin und Coach mit den Schwerpunkten interkulturelle Kompetenz und Kommunikation, internationales Management und Internationalisierungsprozesse selbstständig.

Heute bietet ihre Cross Culture Academy mit mehr als 200 Experten aus dem In- und Ausland interkulturelle Trainings für 120 Länder der Welt

Zwei Fettnäpfchen

Was vor allem für mich neu war: Schier unerträglich ist für Franzosen die deutsche Vorliebe für lange, sachliche Vorträge untermauert mit einer Vielzahl von Fakten und Zahlen, die bis ins letzte Detail ausgearbeitet wurden. Sie mögen Präsentationen, die nicht nur inhaltlich anspruchsvoll und genau sind, sondern auch geistreich und optisch ansprechend.

Ebenso ein dickes No Go sei, so Isabelle Demangeat, die beliebte deutsche Unart, Tagesordnungspunkte, die teilweise weit im Vorfeld des eigentlichen Zusammentreffens festgelegt wurden, stur abzuhaken. Die minutiöse Ablaufplanung von Geschäftskultur FrankreichGeschäftstreffen, das sture Abhaken von Gesprächspunkten sowie das Durchdrücken von bis ins Detail vorbereiteten Konzepten entspricht dem negativen deutschen Stereotyp des rouleau compresseur. Die deutsche „Dampfwalze“ zeichnet sich für Franzosen durch mangelnde Reaktivität und Anpassungsfähigkeit aus und walzt neue Ideen einfach platt.

Sachverstand unterhaltsam präsentiert

Seite für Seite merke ich: Diese Frau besitzt enormen Sachverstand und viel Erfahrung in der deutsch-französischen Kooperation. Und hat doch viel vom französischen esprit verinnerlicht: Vom Überblick über die französische Geschäftswelt und bis hin zu Tipps Meeting oder Mitarbeiterführung, ist das Taschenbuch kein dröger, lehrmeisterlicher Leitpfaden, sondern sehr kurzweilig und mit Pfiff geschrieben. Wer mag, kann den Leitfaden hier* online bestellen.

Land und Leute: ungewöhnliche Lebenswege

Geoffroy Delorme, Leben unter Rehen*

Sieben Jahren lang lebte Geoffroy Delorme bei Louviers im normannischen Département Eure im Wald. Bereits als Schulkind hatte er den Ruf der Wildnis in sich gespürt. Immer öfter hatte er sich schon als kleiner Junge nachts aus dem Bett geschlichen. Bereits damals fand er im Wald Frieden und bei den Rehen Nähe.

Nach der Schulzeit und dem Versuch eines Studiums konnte er sich der Sehnsucht, ganz in der Natur zu sein, nicht mehr entziehen. Geoffroy isolierte sich von den Menschen im Alter von 19 Jahren. Sieben Jahre lang, bis 25, lebte der junge Mann bei den Rehen. Er steckte sein Territorium ab und ernährte sich im Wald von Wildkräutern und Wurzeln, Kastanien und der Milch der Kühe auf der Weide.

43 Rehe bildeten während der sieben Jahre seine „Familie“. Er gab ihnen Namen, lernte von ihnen das Überleben. Und hat ihrem zunehmend bedrohten Lebensraum ein Buch gewidmet, das 2021 der Überraschungserfolg in Frankreich wurde. Jetzt ist es in der Übersetzung von Barbara Neeb und Katharina Schmidt auf Deutsch erschienen. Integriert in den Text sind einige der schönsten Fotos seiner Reh-Familie.

Wer mag, kann den Natur-Roman hier* online bestellen. Oder in seiner Lieblingsbuchhandlung ordern. Die französische Originalausgabe mit dem Titel L’Homme Chevreuil gibt es hier*.

Wer mehr über den Mann erfahren möchte: Auf Youtube gibt es mehrere Reportagen, u.a. von Paris Match.

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