Der Mythos von Rennes-le-Château

Rennes-le-Château. Foto: Hilke Maunder
Die Tour Magdala. Foto: Hilke Maunder

Was für eine Lage! 481 m hoch thront der Bibliotheksturm von Rennes-le-Château auf einem Felskegel hoch über der Aude und überrascht mich mit einem Ausblick, den ich nie erwartet hätte: Seht euch mein Handy-Video an!

In der Ferne begrenzen gen Süden die winterlichen Schneespitzen der Pyrenäen den Horizon. Davor erstreckt sich das weite Hochtal der Aude. Gen Südosten dominiert das markante Profil des Pech du Bugarach die Aussicht.

Ein zweiter Aussichtspunkt eröffnet weite Blicke gen Norden mit den Ketten der wilden Corbières und Couiza mit seinem Burgschloss, in dem heute ein gehobenes Hotel-Restaurant zur genussvollen Auszeit lädt.

Rennes-le-Château. Foto: Hilke Maunder
Das Hochtal der Aude. Foto: Hilke Maunder

Das Vermächtnis des Priesters

Ein Lage, die inspiriert. Das hat auch Bérenger Saunière erkannt, der ab 1891 die ursprünglich romanische Dorfkirche Sainte Marie-Madeleine als damaliger Pfarrer des Ortes volkstümlich renovierte.

Wenige Meter entfernt setzte er sich die Villa Béthania als Wohnhaus hin. Er umgab sein Heim mit einem großen Garten. Er dient heute als Bühne für ein ungewöhnliches Filmfestival.

Rennes-le-Château. Foto: Hilke Maunder
Detail der Tour Magdala. Foto: Hilke Maunder

Saunière ließ auch einen  Bibliotheksturm errichten, der zum Wahrzeichen des Dorfes wurde: die Tour Magdala. Doch wie konnte ein armer Pfaffe im Katharer-Land solch ein großzügiges Anwesen errichten?

Eine Frage, die auch Noël Corbu (1912 – 1968) beschäftigte, der 1946 das Wohnhaus des Abbé erworben und darin ein Hotel nebst Restaurant eröffnet hatte.

Geschäftstüchtig begann er, über den Abt Dinge zu erzählen, die neugierig machten. Corbu lancierte zudem einige Zeitungsartikel und holte so Glücksritter nach Rennes-le-Château und damit in seine Hotel.

Rennes-le-Château. Foto: Hilke Maunder
Die Pfarrkirche von Rennes-le-Château. Foto: Hilke Maunder

Der Heilige Gral: gefunden?

Der  Abt, behauptete Corbu, habe im Dorf im Jahr 1900 den legendären Heiligen Gral zusammen mit den Schätzen der Templer und Katharer gefunden – und sei dadurch unermesslich vermögend geworden. Dem Schlüssel zum Reichtum habe der Abt beim Renovieren des Altar entdeckt: ein verblichenes Pergament mit verschlüsselten Botschaften.

Aufgegriffen wurden die Gerüchte von einem Mann, der häufig zu Gast im Restaurant war: Gérard de Sède – ein adeliger Trotzkist, der sich in vielen Berufen versuchte, so auch im Schreiben.

1967 veröffentliche der Marquis sein erstes Werk über das Enigma des Landpfarrers: L’Or de Rennes* (Das Gold von Rennes).

Rennes-le-Château. Foto: Hilke Maunder
Im Innern der Pfarrkirche von Rennes-le-Château. Foto: Hilke Maunder

Muse der Dichter

Pierre Plantard verarbeitete die Ideen seines Freundes Gérard in seinen Dossiers zur Prieuré de Sion. Der Mythos war geboren und breitete sich immer weiter aus.

Literaten wie Michael Baignent, Henry Lincoln und Richard Leigh nahmen sie in ihrem Bestseller Der heilige Gral und seine Erben* ebenso auf wie Umberto Eco im Foucaltschen Pendel* oder Dan Brown in Sakrileg*.

Und auch Helene-Luise Köppel wurde von der Legende zu ihrem Roman Die Erbin des Grals* inspiriert. Selbst Computerspiele widmen sich den Gerüchten.

Rennes-le-Château. Foto: Hilke Maunder
Spendenschlitz an der Pfarrkirche. Foto: Hilke Maunder

Schräge Fassaden

Rennes-le-Château erlebt jeden Sommer einen Besucherboom. Dann sperren die Gemeindeväter den kleinen Ort für Fahrzeuge von Fremde und richten Großparkplätze am Hang ein.

Die besondere Aura des Adlernestes hat auch einige Individualisten angelockt, die Haus und Hof, Fassade und Fenster ganz besonders ausgefallen schmücken.Lasst euch durch die Gassen und schaut euch die alten Fassaden einmal genauer an.

Von Sonnenuhren bis Knochenschmuck findet ihr allen möglichen Zierrat auf dem Naturstein. Auf zahlreiche Künstler haben sich in dem malerischen Ort niedergelassen, das alljährlich im August das Festival du Film Insolite feiert.

Rennes-le-Château. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Legendäres Wanderland

In der Umgebung von Rennes-le-Château könnt ihr herrlich wandern. Der 13 Kilometer lange Circuit de Ritou führt euch als markierter Rundweg in rund 3,5 Stunden durch die Wälder und offenen Wiesen rund um die Gemeinde.

Ihr kommt vorbei an den Resten einer alten Mühle, die einem Wehrturm gleicht, und könnt immer neue Blicke auf Rennes-le-Château genießen. Mit seinem Namen verweist der Weg auf Le Ritou – das war der Spitzname des Abbé Saunière.

Der heilige Graal für Wanderer heißt Pech de Bugarach. Stichwanderungen führen von Rennes-le-Château hin zum Dorf am Fuße jenes Berges, auf dessen Gipfel angeblich ein Weltuntergang überlebt werden könne. Mehr zur höchsten Spitze der Corbières erfahrt ihr hier.

Rennes-le-Château. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Rennes-le-Château: meine Reisetipps

In der Nähe

Schlemmen

Leider nur von April bis Oktober sind die Lokale des Ortes geöffnet. Herrlich picknicken könnt ihr neben dem Bibliotheksturm im Gras – die Aussicht seht ihr oben im Video!

Le jardin de Marie
11190 Rennes le Château
Tel. 04 68 20 99 71
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Le dragon de Rhedae
11190 Rennes-le-Château
Tel. 04 68 74 28 98
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La reine du Château
11190 Rennes-le-Château
Tel. 04 68 20 14 72
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 L’ Antre temps
Grand rue
11190 Rennes-le-Château
Tel. 04 68 74 28 98

Rennes-le-Château. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Shopping

La savonnerie de la Haute Vallée

Handgefertigt  – von der Lippenpflege bis zur Seife!
• 11190 Rennes-le-Château, Tel. 09 80 86 97 44  , www.savonneriehva.com

Galerie d’art de Luke Owens

Luke Owen ist Brite – und malt seit 2015 in Rennes-le-Château Bilder, die abstrakt sind – und doch voller Wärme, gemalte Seelenlandschaften, Balancen zwischen Licht und Dunkel, Innen und Außen.
•  11190 Rennes-le-Château, am oberen Parkplatz, Tel. 04 68 31 38 85, www.artfinder.com/luke-owen

Schlafen

Heute gibt es keine Hotel mehr in Rennes-le-Château, jedoch Privatvermieter, Gîtes und Campingplätze.

Chambres d’hôtes

Die schönsten Gästezimmer verstecken sich in einem imposanten Bau, der das Ortsbild prägt – aber sonst nicht zu besichtigen wäre: das Château d’Hautpoul, das in seiner Architektur noch westgotische Bauteile besitzt.

La Maurine
Pieter und Carine Oudejans-Mathijssen
11190 Rennes-le-Château
Tel. 09 75 43 82 62

La Maison d’Elise
 Grand rue
11190 Rennes-le-Château
 Tel. 04 68 20 66 72
 Mobil: 06 07 82 73 48
www.la-maison-d-elise.fr

La Valdieu
11190 Rennes-le-Château
Tel. 04 68 74 23 21
www.lavaldieu.com

Les Labadous
11190 Rennes-le-Château
Tel. 04 68 74 25 16
www.leslabadous.fr

auch Camping und Gîtes!

La Maison Bleue
 11190 Rennes-le-Château
Tel. 09 84 13 94 09
Mobil 06 83 72 17 20

Weitere Unterkünfte*
Booking.com

Rennes-le-Château. Foto: Hilke Maunder
Das Burgschloss von Rennes-le-Château. Foto: Hilke Maunder

Weiterlesen

Im Blog

Rennes-le-Château ist alljährlich im August Gastgeber des Festival du Film Insolite von Fanny Bastien und Geoffroy Thiebaut. Hier gibt es dazu Infos und Impressionen.

Untrennbar mit Rennes-le-Château ist Rennes-les-Bains verbunden. In der einzigen Thermalstation des Départements Aude sprudeln Vier kalte und fünf warme Quellen sprudeln hier aus dem Untergrund. Für Infos und Impressionen klickt bitte hier.

Im Buch

Sakrileg

Dan Brown: Sakrileg.Der Bestseller von Dan Brown (2003) mit dem Originaltitel The Da Vinci Code hat seine Wurzeln in Aude. Inspiriert wurde er von den Thesen des Priesters Bérenger Saunière, der 1885 im Dorf Rennes-le-Château bei Quillan in einer Kapelle Pergamentrollen fand, die die Geschichtsschreibung des Vatikans zu Maria Magdalena infrage stellen.

48 Wochen lang war der Historienroman in den Jahren 2004 und 2005 auf dem Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. 2006 wurde er verfilmt – mit  Tom Hanks, Jean Reno, Audrey Tautou und Ian McKellen in den Hauptrollen. Ihr wollt meinen Blog unterstützen? Dann bestellt den Roman hier*, den Film hier* ohne jegliche Mehrkosten. Merci!

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Frankreich Süden (Okzitanien)*

Der Bildatlas "Frankreich Süden" von Hilke Maunder - die fünfte AuflageMein DuMont Bildatals Frankreich Süden (Okzitanien)*fängt zwischen Rhône und Garonne, Cevennen und Pyrenäen in sieben Kapiteln die Faszination der alten Region Languedoc-Roussillon in Wort und Bild ein – auch als eBook!

Von Montpellier, der Boomtown am Mittelmeer, bis zum römisch-romantischen Nîmes, von den Étangs bei Narbonne bis zur katalanischen Kapitale Perpinyà. Und noch ein Schlenker nach Carcassonne und Toulouse: voilà meine Herzensheimat! Wer mag, kann den Band hierdirekt bestellen.

MARCO POLO Languedoc-Roussillon: die Hommage von Hilke Maunder an ihre WahlheimatKompakt & inspirierend: MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen

Den MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennenhabe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen mehrfach umfangreich erweitert und aktualisiert.

Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich neu entdeckt und getestet habe. Ein Online-Update-Service informiert euch über Events, Neueröffnungen und Schließungen informiert. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jeden Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights.

Dennoch: Das gut 560 Seiten dicke Werk ist der beste Führer für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich vor vielen Jahren von Barbara Markert übernommen und seitdem umfassend aktualisiert und erweitert.

Freut euch auf neue Insidertipps, neue Reiseziele, frischen Hintergrund und viele Erlebnisvorschläge für Aktive und Entdecker – von Lichterkunst in Bordeaux’ U-Boot-Basis bis zum Wanderungen unter Wasser.

Damit ihr Frankreich noch besser versteht, gibt es natürlich auch viel Hintergrund zu Frankreich und seinen Menschen. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

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6 Kommentare

  1. und zum SEEBARSCH: ja, es ist die vier mit der kleinen 3 oben rechts:
    wenn mjan auf dem Grabstein oben rechts bei dem großen L anfängt undverbindet eine 4, und P wird zu R, dann erhält man LLOBARDO, die 3 besteht aus TOBIT,ein Buch der Bibel…
    DAS ist Wissenschaft!
    und kein IGLU…LG
    Sandra

    • Gerne doch, liebe Heike. Danke für den Tipp – ein spiritueller Reiseführer und historischer Wegbegleiter auf den Spuren der Druiden, Katharer, Tempelritter und Troubadoure… klingt spannend und kannt ich noch nicht. Merci!

  2. In der Geschichte von Rennes-le-Chateau steckt viel mehr als man bisher vermutet hat. Das Geringste ist noch die darin enthaltene kunstgeschichtliche Sensation. Die Entdeckung der realen Vorlage für den weltberühmten Genter Altar.

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