Wander-Legende: Pech de Bugarach

Legendäre Spitze: der Pech (Pic) de Bugarach. Foto: Hilke Maunder
Legendäre Spitze: der Pech (Pic) de Bugarach. Foto: Hilke Maunder

Höher ist keine Spitze der Corbières, und kein Berg ist so mit Legenden verbunden wie der 1.230 m hohe Pech de Bugarach. Ob es an der ungewöhnlichen Form des Berges liegt, die von einer geologischen Überschiebung herrührt.

Herbst am Pech de Bugarach. Foto: Hilke Maunder
Herbst am Pech de Bugarach. Foto: Hilke Maunder

Oder sind da tatsächlich mal UFO gelandet, wie Anhänger des Überirdischen immer wieder mit Videos zu belegen suchen? Andere waren wiederum überzeugt, dort den für 2012 laut Maya-Kalender festgelegten Weltuntergang überleben zu können.

Und auch ich war immer schon vom Berg fasziniert, hatte an windzerzausten Bäumen Misteln als weihnachtlichen Türschmuck geschnitten und mir gedacht, einmal marschier ich dort hinauf!

Pech de Bugarach: Start zum schwierigen Aufstieg... Foto: Hilke Maunder
Pech de Bugarach: der Start zum schwierigen Aufstieg. Foto: Hilke Maunder

Der Aufstieg von Südwesten

An einer Kehre der D45 von Caudiès-de-Fenouillèdes nach Bugarach, an der auffällig viele Fahrzeuge parkten, hielt ich an und entdeckte im Grün dieses Schild. Difficile! warnte das Schild. Was das bedeutete, erfuhr ich erst später.

Pech de Bugarach: gut sichtbar - die Wegmarkierungen. Foto: Hilke Maunder
Gelb markiert einen lokalen Wanderweg, rot-weiß eine Grande Randonnée, einen Weitwanderweg. Foto: Hilke Maunder

Zu dritt marschierten wir los. Mit nur mäßigem Anstieg führte der schmale Weg durch kühlen, schattigen Mischwald hin zu einem Bach, den wir schon eine Zeitlang am Weg hatten gurgeln hören.

Die Kiesel lagen so dicht, dass er sich gut überqueren ließ. Mehr Kopfzerbrechen bereitete uns der elektrische Zaun.

Pech de Bugarach: Öffnet die elektrischen Zäune stets nur am Handgriff! Foto: Hilke Maunder
Öffnet die elektrischen Zäune stets nur am Handgriff! Foto: Hilke Maunder

Zuerst starten wir nur irritiert darauf, den die sichtbare Schlaufe über der Stange zum Öffnen und Schließen des Gatters stand unter Strom. Dann jedoch sahen wir, dass jedes Kabel einen Handgriff aus Gummi am Ende besaß, mit dem wir ganz bequem die Kabel ein- und aushaken konnten.

Pech de Bugarach sieht flach aus, steigt aber merklich an – unser Wanderweg. Foto: Hilke Maunder
Sieht flach aus, steigt aber merklich an – unser Wanderweg. Foto: Hilke Maunder

Jetzt hatten wir die Höhe der Almen erreicht – doch weidende Tiere waren weit und breit nicht zu sehen. Einzig ein Adler drehte hoch über uns seine Kreise.

Immer öfter öffneten sich jetzt Ausblicke auf die umliegenden Berge und die Schneespitzen der Pyrenäen am Horizont. Und wurde der Aufstieg merklich steiler.

Pech de Bugarach: Noch ist er gut zu gehen, der Wanderweg. Foto: Hilke Maunder
Noch ist er gut zu gehen, der Wanderweg. Foto: Hilke Maunder

Nur vereinzelt boten Bäume jetzt Schatten, heiß brannte die Sonne vom Himmel und setzte die ätherischen Öle der Kräuter frei, die sich an den zunehmend felsigen Grund klammerten. Besonders der Thymian schien sich in der Höhenluft wohl zu fühlen.

Pech de Bugarach: Im Mai blüht allerorten am Berg der Thymian. Foto: Hilke Maunder
Im Mai blüht allerorten am Berg der wilde Thymian. Foto: Hilke Maunder

Nach rund zwei Stunden ahnte ich, warum der von uns gewählte Weg als difficile eingestuft wurde. Stellenweise war der Saumpfad so steil, dass wir Hände und Füße zu Hilfe nehmen mussten.

Pech de Bugarach: Verschnaufpause auf der Bergwiese. Foto: Hilke Maunder
Verschnaufpause auf der Bergwiese. Foto: Hilke Maunder

Anders wären wir wohl nicht sicher über das Geröll kommen. Nicht minder schwierig war es, ohne Kraxelaktionen die Felsen und Wurzeln zu überwinden, die sich uns in den Weg stellten.

Pech de Bugarach: Da müsste man jetzt kraxeln... Foto: Hilke Maunder
Da müsste man jetzt kraxeln… Foto: Hilke Maunder

Etwas unterhalb des Pech de Bugarach, am sogenannten Plateau, beendeten wir unseren Aufstieg. Denn die letzten Meter müssen bei dieser Aufstiegsvariante richtig geklettert werden. Und dafür waren wir nicht ausgerüstet.

Pech de Bugarach: Weitblick über die Corbières bis zu den Bergspitzen der Pyrenäen. Foto: Hilke Maunder
Weitblick über die Corbières bis zu den Bergspitzen der Pyrenäen. Foto: Hilke Maunder

Doch andere Wanderer verrieten uns: Von der D14 aus gibt es am Col de Linas aus eine leichte Variante, die ohne Kraxelei in rund drei Stunden zum Gipfelkreuz führt.

Für uns war’s jetzt erst einmal Zeit für ein aussichtsreiches goûter. Mit dabei: Ziegenkäse, handgefertigt zu Füßen des Pech de Bugarach.

Der Aufstieg vom Col de Linas

Pech de Bugarach: Im Frühjahr ist diese Bergwiese übersät mit Schlüsselblumen. Foto: Hilke Maunder
Im Frühjahr ist diese Bergwiese übersät mit Schlüsselblumen. Foto: Hilke Maunder

Im darauffolgenden April sind meine Freundin und ich die Route zum Gipfel des Pech de Bugarach vom Col de Linas gelaufen. Werner Eckardt stellt sie hier vor.

Diese leichtere Variante verläuft erst am Rand von Wiesen, auf denen Schlüsselblumen blühen, dann lange Zeit im Bergwald. Dort finden sich so manche Spuren von Esoterikern…

Pech de Bugarach: Mitten im Bergwald: Devanagiri auf dem Stein - wer verrät mir, was dort steht? Foto: Hilke Maunder
Mitten im Bergwald: Devanagiri auf dem Stein – wer verrät mir, was dort steht? Foto: Hilke Maunder
Pech de Bugarach: Blick auf Bugarach. Foto: Hilke Maunder
Da unten im Tal seht ihr das Dörfchen Bugarach. Foto: Hilke Maunder

Das hat zwei Vorteile. Ihr bewegt euch im Schatten. Und merkt nicht, wie immer steiler es wird. Wir waren ganz schön erstaunt, wie hoch wir schon waren, als wir aus dem Wald an den Fels kamen. Schwindelgefahr!

Pech de Bugarach: Weitblick oberhalb der Baumgrenze. Foto: Hilke Maunder
Weitblick oberhalb der Baumgrenze. Foto: Hilke Maunder

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Pech de Bugarach: Nach dem Aufstieg brauchten meine Füße frische Luft... Foto: Hilke Maunder

Merci fürs Teilen!

2 Kommentare

  1. Guten Abend Frau Maunder,
    ich freue mich regelmäßig über Ihre schönen Beiträge aus Frankreich, sie haben mir durch die diversen confinements geholfen. Sie wohnen in St. Paul-de-Fenouillet nämlich mitten in meiner – unserer – Lieblingsgegend, und die war ja zeitweise nur z.B. über so einen Blog oder per google streetview „erreichbar“.
    Die Straße von Cases-de-Pène nach Tautavel z.B… oder wenn man über den Bergrücken nach Maury runter fährt… da geht uns jedes Mal wieder das Herz auf!
    Wir fahren seit über 30 Jahren dort hin und wir haben vor einiger Zeit beschlossen, unseren Ruhestand – wenn es denn irgendwann so weit ist – irgendwo an einem schönen Ort der départements Aude oder P.O. zu verbringen. Auch deswegen sind Ihre Auswandererberichte eine sehr wertvolle Informationsquelle.
    Herzlichen Dank dafür und alles Gute im neuen Jahr,
    Brigitte

    • Liebe Brigitte, Ja, die Straße von Cases-de-Pène nach Tautavel! Sie habe ich an diesem Winter entdeckt, als ich zur Tour de Tautavel wanderte. Was für eine beeindruckende Landschaft! Ich drücke Ihnen den Daumen für die Häuschen-Suche. Kommen Sie gut ins neue Jahr und alles Gute für 2022! Hilke Maunder

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