Frankreichs nördlichste Metropole: Lille

Die Place Charles-de-Gaulle von Lille. Foto: ATOUT France/Michel Angot
Die Place Charles-de-Gaulle von Lille. Foto: ATOUT France/Michel Angot

Eben noch im Job, jetzt schon in Lille: Die Hauptstadt von Hauts-de-France liegt im Herzen Europas, nur eine Stunde von Paris entfernt. Das Auto könnt ihr getrost stehen lassen. In Lille flaniert man, radelt, oder nutzt Metro, Tram und Bus. Und trifft sich auf der Grand Place, wo sich Pariser Haussmann-Prunk mit flandrischem Erbe mixt. Unter den Arkaden der Vieille Bourse, dem schönsten Renaissancebau der Stadt, verkaufen Antiquare dicke Wälzer, alte Illustrierte und Comics.

Schachspieler überlegen sich den nächsten Zug, abends wird zum Plätschern des Brunnens Tango getanzt. Vorbei an edlen Boutiquen und der 1677 gegründeten Confiserie Meert, von der sich Staatspräsident Charles de Gaulle einst die geliebten Waffeln aus seiner Heimatstadt schicken ließ, geht es tiefer hinein ins alte Lille. In der Rue de la Monnaie entführt das ehemalige Armenhospiz Comtesse ins Mittelalter.

Charles-de-Gaulle liebte die süßen Verführer der Pâtisserie Meert. Foto: CRT Hauts-de-France

Im Musée des Beaux-Arts locken Van Dyck, Donatello, Goya und Rodin. Der Kunstpalast an der Place de la République ist mit 22.000 qm das größte Kunstmuseums Frankreich nach dem Louvre von Paris. Weiter gen Westen errichtete Vauban 1667-1673 die „Königin der Zitadellen“ aus Backstein. Mit Zoo und Naturgarten bildet der Wehrbau heute den grünen Stern der City. Am Ufer der Lys lockt der Prés du Hem mit Barfußpfad und Badesee.

Nordöstlich der Zitadelle wurde am 22. November 1890 Charles de Gaulle geboren. Sein Geburtshaus findet ihr in der Rue Princesse Nr. 9.  Seit 1983 dokumentiert es als Maison National Charles de Gaulle das Leben und Werk des ersten Staatspräsidenten im Nachkriegsfrankreich. 

Östlich der Innenstadt haben Architekten aus aller Welt mit Glas und Stahl Euralille geschaffen, das Lille des 21. Jahrhunderts mit der 120 m hohen Tour de Lille und der Tour Lilleurope, die an die Bahnhöfe „Lille Flandres“ und „Lille Europe“  andocken. Die Rue Faidherbe, die nach Villeneuve-d’Asq und zum Stadion der EURO 2016 führt, wandelte sich bereits zum Kulturhauptstadtjahr 2004 zur Bummelmeile für Spaziergänger.

Abends locken die vielen Restaurants der Rue du Gand, ein Cabaretbesuch oder ein Konzert des Orchestre National de Lille.

Live-Musik, Ausstellungen, Tanz und Theater locken in einstigen Fabriken. Zwölf von ihnen wurden für das Kulturhauptstadtjahr 2004   in Maisons Foli, multifunktionale Kultureinrichtungen, verwandelt. Besonders spektakulär gelang Lars Spuybroek und François Andrieux die Umnutzung der Leinenspinnerei Leclercq in Wazemmes.

Der einstige Güterbahnhof von Saint-Sauveur erlebte eine Wiedergeburt als Veranstaltungsareal. Der Tripostal, vormals ein Postamt, fungiert heute als Ausstellungsort für aktuelle Kunst.

Am ersten Septemberwochenende veranstaltet Lille die Braderie. Der größte Flohmarkt Europas lockt mit 100 km Tand und Trödel in der City. Kult sind auch die „Moules Frites“, Miesmuscheln mit knusprigen Pommes, die während der Braderie verspeist werden. Die Schalen der Muscheln laden im hohen Borgen auf der Straße, wo sie sich zu eindrucksvollen Bergen auftürmen…

Sonntag zieht es die Einheimischen zum Wochenmarkt von Wazemmes oder zum alten Güterbahhof von Saint-Sauveur, wo sie auf der Terrasse des Bistrots trinken, schlemmen, schauen: der perfekte Abschied eines erlebnisreichen Wochenendes in der Metropole Lille!

Ihr wollt länger bleiben? Dann macht einmal einen Ausflug in den Südwesten des Großraums nach Houplin-Ancoisne. Dort lädt im  Herzen der Parkes an der Deûle das MOSAÏC ein, in zehn Themengärten Kulturen der Menschen zu entdecken, die in der Metropolregion Lille leben. Auf 33 Hektar zeigt die als „Jardin Remarquable“ ausgezeichnete Anlage ihre Welt im Kleinen – mit Pflanzen, Kunst und Tieren aus der Heimat der Migranten. Konzerte und Kunstkurse, Tanz und Unterhaltung für die ganze Familie beleben den grünen Mikrokosmos der Kulturen.

Lille: meine Reisetipps

Schlafen

Hôtel Brueghel

62 Kleinode, die Nostalgie und Zeitgeist komfortabel verbinden. Schön wie das Flair ist die zentral Lage des Dreisternehauses.
•   3/5 Parvis Saint Maurice, 59800 Lille, Tel.03 20 06 06 69, https://hotel-brueghel-lille.com

Hôtel Couvent des Minimes

Karges Klosterleben in nüchternen Zellen? Von wegen! Die 75 Zimmer und acht Suiten im alten Konvent aus dem 17. Jahrhundert sind stylische Oasen, ruhig und doch zentral. Aus den Fenstern blickt ihr auf den ehemaligen Hafen. Schön: das Restaurant im überdachten Innenhof, das auch als Event-Location dient.
• 17 quai de Wault, 59800 Lille, Tel. 03 20 30 62 62, www.alliance-lille.com

Schlemmen

Aux Épherites

Ein Katzensprung von der Place de la République betreiben der Koch Alexandre Sergiu und der Konditorin Annabelle Lévêque ein Bistrot, das mit einem schlichten, natürlichen Stil die Küchenkunst vorweg nimmt: einfach und ehrlich, lokal und lecker. Vom Buchweizenerbsen-Törtchen bis zum Steinpilzsüppchen – allerbeste Bistronomie! Lasst euch vom Menü „Les yeux fermés“ acht Gänge lang überraschen!
• www.auxepherites.com

Aux Moules

Seit 1930 die Adresse zum Miesmuschelschlemmen.

• 34, rue de Béthunes, Tel. 03 20 57 12 46,

La Terrasse des Remparts

Die Lage ist traumhaft: In einem alten Stadttor aus dem Jahr 1621, mit Blick auf die Befestigungen von Vauban, bekochen euch Cathy und Bruno Suppa  im gepfleg- zeitgemäßen Dekor drinnen und draußen Küche im klassischen Stil.
• Logis de la Porte de Gand, rue de Gand, Tel. 03 20 06 74 74, www.lilleremparts.fr

Bloempot

Florent Ladeyns flämische Küche macht glücklich. Im Stammhaus der Auberge du Vert Mont – und hier, in einem Innenhof der Straße der Schlachter. Mittags beim Dreigängemenü mit Getränk für 25 Euro, abends und sonnabends bei Menüs zu 40 und 60 Euro, deren Zusammenstellung die Natur und die Produkte der lokalen Hersteller komponieren.
• 22, rue des Bouchers, Reservierung nur online, www.bloempot.fr 

Les Hauts de Lille

Nachtschwärmer werden im Obergeschoss des Kasinos noch zu später Stunde mit  Jakobsmuscheln, Seeteufel oder Hühner-Surême beglückt. • 777bis, Pont de Flandres, Tel. 03 28 14 45 50,  www.hotelsbarriere.com

Shopping

Olivier Desforges

Schöne Wäsche für Haus, Heim und Strand vom einem lokalen Hersteller, der 1974 seine erste Boutique  an der Place du Lion d’Or von Lille eröffnete – und heute international vertreten ist.
• 15, place du Lion d’Or, 59000 Lille, Tel. 03 20780417,  www.olivierdesforges.fr

Jardin de Mode

Im einstigen Kino der Rue du Faubourg des Postes von Lille vibriert die Mode am Puls der Zeit: In den Maisons de Mode, deren Ableger in Lille sich „Jardin de Mode“ nennt, kreieren junge Modemacher den Look von Morgen – Orlane Herbin mit rockiger Brautmode, Julie Meuriss mit strukturstarken Taschen, Clivia Nobili mit geometrischer Mode voller Harmonie. Entdeckt die neuen Kollektionen von mehr als 100 Designers im Mai und Dezember beim Marché des Modes.

Echte Schnäppchen findet ihr bei der Nuit des Soldes. Oder mischt euch unter die 17.000 Fashionistas, die bei den „48 Heures Maisons de Mode“ die großen Schauen auf keinen Fall verpassen wollen. Ein zweite Boutique findet ihr in Roubaix neben dem Musée La Piscine.
• Mi – Sa. 14 – 19 Uhr, www.maisonsdemode.com

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