Im Luberon zwischen Goult und Gordes. Foto: Hilke Maunder
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Luberon: Oase und Inspiration

Er inspiriert Kreative und ist Zuflucht der Prominenten, die vom Rummel an der Côte d’Azur genug haben: der Luberon. Zwischen Rebgärten und dunklen Wäldern verwirklichen sie ihren Provence-Traum.

Filmstars wie der britische Mime Hugh Grant, Regisseur Roman Polanski und seine schauspielernde wie singende Ehefrau Emmanuelle Seigner, der Regisseur Ridley Scott, Schauspieler John Malkovich und viele Schriftsteller haben im Luberon herrschaftliche Hideaways.

Die Kunstschule von Lacoste

Den Maler Bernard Aldine Pfriem zog es nach Lacoste. Dort gründete er 1969/70 die Lacoste School of the Arts, die nach seinem Tod das Savannah College of Art and Design übernahm und bis heute betreibt.

Bernard Pfriems Charisma und seine Kontakte in der Kunstwelt ermöglichten es ihm, weltberühmte Künstler wie Lee Miller, Henri Cartier-Bresson, Roland Penrose, Max Ernst und Man Ray für seine Schule zu gewinnen. Die Schwarzweißfotos von Man Ray verraten, wie es zu seinen Zeiten im Dorf ausgesehen hatte.

Mehrere Künstler von heute haben sich im Kollektiv Art Lacoste zusammengeschlossen und zeigen seit 2009 im Frühling im Rathaus und anderen Orten, die die Stadtverwaltung ihnen zu Verfügung stellt, eine Gruppenausstellung.

Heute sind dort eher regional bekannte Künstler zu sehen. 2024 gehörten dazu der dänische Lithograf und Bildhauer Finn Hauptmann, dessen Sohn Mathias derzeit der Bürgermeister von Lacoste ist. Sie erinnerte auch an Jean-Marie Fage, der 2024 mit 99 Jahren in Lacoste verstorben ist.

Ausgestellt waren ferner schon Sylvie Blanchard, die mit Kohle und Pastellfarben arbeitet, die in Lacoste lebende Schwedin Lotti Ringström mit ihren zarten Blumenbildern, Crystal Woodward und die Bildhauerin Martha Shearer mit ihren Skulpturen aus Metall.

Das Dorf von Pierre Cardin

Luberon: Die Burg von Lacoste – von Pierre Cardin saniert. Er hat sein Konterfei am Eingang verewigt. Foto: Hilke Maunder
Die Burg von Lacoste – von Pierre Cardin saniert. Er hat den früheren Burgherrn Marquis de Sade als Konterfei am Eingang verewigt. Foto: Hilke Maunder

Modeschöpfer Pierre Cardin wollte aus Lacoste ein Saint-Tropez der Kultur machen. Vier Dutzend Häuser und die stattliche Burg, die auf einem 330 Meter hohen Felskegel im Naturpark thront, kaufte er dazu.

Wo einst Henry Miller im Café de France (das trotz allen Umwerbens nicht an Cardin verkaufte) seine Notizen ins Moleskin kritzelte, später Jane Birkin sich auf einen Bergrücken zurückzog, lockten die Visionen des Pariser Modeschöpfers auch deutsche Künstler an.

„Seitdem leben immer weniger Menschen hier“, sagt Gaëtan Dupin. „Der ganze Ort ist jetzt Kulisse, statt Brot und Butter für die Einheimischen holte Pierre Cardin Kunst und Kultur für die Touristen“.

Besonders im Juli drängen sie sich in den Gassen des Bergnestes. Dann ist das Örtchen Schauplatz für das Festival de Lacoste, das der Modeschöpfer zur Millenniumswende aus der Taufe gehoben hatte. Nach seinem Tod im Dezember 2020 wurde es ihm zu Ehren umbenannt in Festival Pierre Cardin.

Zur Burg von Lacoste gehört Kunst. Und ein traumhafter Ausblick auf den Luberon. Foto: Hilke Maunder
Les bras de bienvenue: Arme des Willkommens vor der Burg von Lacoste, gefertigt von Alexander Bourganov. Foto: Hilke Maunder

Verändert haben sich nach dem Tod von Pierre Cardin auch die Verhältnisse. Seine Erben verkauften bis auf die Burg und einige Bauten den Besitz an das Savannah College of Art and Design (SCAD).

Seit 2002 schickt die renommierte Kunstschule aus dem US-Bundesstaat Georgia das ganze Jahr hindurch Studierende aus den Bereichen Fotografie, Werbung, Architektur oder Film nach Lacoste, um dort die französische Kultur zu erleben.

Jedes Trimester kommen rund 70 Studierende. 34 Gebäude im oberen Teil des Dorfes hatte die Kunstschule schon viele Jahre zuvor vom Dorf erhalten mit der Auflage, das Kulturerbe zu bewahren. Jetzt gehört ihr fast das ganze Dorf.

Luberon: Die Burg von Lacoste ist zum Großteil eine Ruine.Foto: Hilke Maunder
Die Burg von Lacoste ist zum Großteil eine Ruine. Foto: Hilke Maunder

Der Traum von Rihs

Gaëtan Dupin ist der radelnde Tourguide eines luxuriösen Feriendorfes, das der Schweizer Unternehmer Andreas Rihs rund um einen verlassenen Weiler der Zisterzienser aufgebaut hat: La Coquillade, heute umbenannt in Coquillade Provence.

Séjours en Vignoble: La Coquillade. Foto: Hilke Maunder
Coquillade Provence ist von Weinbergen umgeben. Foto: Hilke Maunder

Rihs, der im Frühjahr 2018 verstarb, handelte nicht nur mit Hörgeräten, sondern auch mit Hightech-Rädern. Zum Feriendorf gehört daher auch ein Showroom von BMC samt Fahrradverleih. Die kraftvollen e-Bikes meistern die Hügel, als wären sie plattes Land.

Mit dem e-Bike saust ihr entspannt durch das Hügelland. Foto: Hilke Maunder: Mit dem e-Bike saust ihr entspannt durch das Hügelland. Foto: Hilke Maunder
Mit dem e-Bike saust ihr entspannt durch das Hügelland. Foto: Hilke Maunder

Antike Spuren

Auf schmalen, kurvigen Landstraßen saust Gaëtans Gruppe hin zur ältesten Brücke Frankreichs. Seit Römertagen überbrückt der Pont Julien mit drei Bögen den wilden Calavon.

Die einst wichtigste Brücke im provenzalischen Teil der Via Domitia ist heute Radfahrern und Fußgängern vorbehalten. Sie ist seitdem ein beliebter Picknickplatz an der 37 Kilometer langen Véloroute du Calavon.

Die Radwanderroute ist in ein dichtes Netz von voies vertes integriert – Fahrradwegen abseits vom Verkehr. Angelegt wurde sie im ehemaligen Gleisbett der Bahnlinie nach Apt.

Luberon: Gaetan Dupin radelt auf dem Calavon-Radweg. Foto: Hilke Maunder
Gaëtan Dupin liebt Ausflüge auf dem Calavon-Radweg. Foto: Hilke Maunder

Der Weg dorthin führt vorbei an Lavendelfeldern und Weingärten, Gehöften im Grün und blühenden Kirschgärten. Saftige Sorten wie die Bigarreau Napoléon mit ihren großen, süßen Früchte und die Griotte-Sauerkirsche, die für die Herstellung von Kirschwasser und Konfitüre verwendet wird, reifen dort in den Hainen.

Die Kirschensaison im Luberon beginnt mit der Burlat, eine der frühesten Kirschsorten mit süß-säuerlichen Geschmack. Bei den sechs lokalen Sorten mit IPG-Auszeichnung folgt dann die Folfer, die Summit und schließlich die Belge, die Hauptsorte des Luberon. Sie ist knackig, saftig und süß. Ihre Auswahl unterliegt einem strengen Pflichtenheft.

Seit Römertagen überspannt der Pont Julien den Cavaillon. Foto: Hilke Maunder
Frühling im Kirschenland. Foto: Hilke Maunder

2008 gab es jedoch eine Schädlingsplage im Luberon, die dazu führte, dass zahlreiche Kirschhaine abgeholzt werden mussten. Der Schädling war die Kirschfruchtfliege, die die Früchte der Kirschbäume befällt und sie ungenießbar macht. 2010 erreichte die Plage ihren Höhepunkt. Inzwischen hat sich Kirschproduktion im Luberon wieder erholt.

Kirschblüte im Luberon. Foto: Hilke Maunder
Kirschblüte im Luberon. Foto: Hilke Maunder

Schauen, riechen, staunen

Jeden Sonnabend inszeniert Apt als selbsternannte „Welthauptstadt der kandierten Früchte“ ihren Wochenmarkt als kulinarisches Gipfeltreffen: Oliven, würzig-zarter Ziegenkäse, herzhafte Hartwürste, Honig, Käse und Trüffel…. Im Sommer sind es bis zu 350 Händler, die rund um den Cours Lauze de Perret so die Sinne verführen.

Der Andrang ist dann so groß, dass ein kostenloser Shuttledienst zum Markt angeboten wird. 1996 wurde er für seine Vielfalt und Authentizität als Marché d‘exception français ausgezeichnet.

Auch die kandierten Früchte der Provence findet ihr bei Roy René. Foto: Hilke Maunder
Kandierte Früchte – eine Spezialität aus Apt. Foto: Hilke Maunder

Ein Kessel Konfitüre

Einen chaudron à confiture, einen Kessel Konfitüre, nannte Madame de Sévigné das malerische Apt, das seit Jahrhunderten berühmt ist für seine fruits confit. Für das fruchtige Naschwerk wird in wochenlanger Handarbeit das Wasser der vollreifen Frucht durch Zucker ersetzt.

Saignon: beste Aussichten!

Nach vielem Probieren und Kurven geht es zurück aufs Rad. Und immer schön stramm bergauf in ein Bergdorf, das wie ein Adlernest hoch über Apt thront: Saignon. Rocher du Bellevue, Fels Schönblick, nennt sich seine höchste Spitze und eröffnete Panoramablicke auf das Umland von Apt. Und genau hier oben serviert Un Jardin sur le Toit auf seiner 200 Quadratmeter großen Aussichtsterrasse eine moderne Bistro-Küche mit lokalen Produkten.

Große und kleine Berge

Nach dem Abstecher hin zu diesem malerischen Adlernest geht es weiter hinein in die 60 Kilometer lange und fünf Kilometer breite Bergkette, die sich zwischen Aix und Avignon beim Mourre Nègre 1125 Meter im östlich gelegenen Grand Luberon hoch aufschwingt. Auf nur 726 Meter schafft es der Petit Luberon im Westen.

Ihre kargen Gipfel und bizarren Felsen, Lavendelfelder, Weinberge und Wälder mit Aleppo-Kiefern trennt ein breites Tal mit einem Örtchen, das zum Inbegriff provenzalischer Lebensart aufstieg – und Sehnsuchtsort der Schriftsteller wurde: Lourmarin.

Der Blick auf Lourmarin Foto: Hilke Maunder
Der Blick auf Lourmarin Foto: Hilke Maunder
Dorfkirche und Uhrturm von Lourmarin. Foto: Hilke Maunder
Dorfkirche und Uhrturm von Lourmarin. Foto: Hilke Maunder

Das Dichter-Dorf

Wo Camus 1958 in einer ehemaligen Seidenraupenzucht seine letzten Lebensjahre verbrachte und auf dem Friedhof in einem leider recht verwahrlosten Grab ruht, hat heute der Hamburger Autor Andreas Heineke seine Schreibstube.

Apéro-Zeit in Lourmarin. Foto: Hilke Maunder
Apéro-Zeit in Lourmarin. Foto: Hilke Maunder

„Lourmarin steht für Ursprünglichkeit und seine Makellosigkeit, für den unbedingten Willen der Menschen, auch dem letzten Stromkasten auf der Straße Würde zu verleihen“, sagt er. Mehr zum Autor toller Krimis aus dem Luberon erfahrt ihr in meinem Salongespräch auf Youtube.

Ungeachtet der Massen, die zur Hochsaison vorbei an schlichten Fassaden in Pastell drängen, verläuft das Leben wie je und eh. Brunnen plätschern, Kinder spielen, Boulekugeln klacken.

Ein Hund bellt. Leben, wie aus der Zeit gefallen. Gérard Depardieu und Jane Birkin gefällt dies. Und auch Peter Mayle, der mit Ridley Scott zu Lebzeiten im Schatten der Platanen einen Rosé trank.

Frühling in den Weinbergen des Luberon. Foto: Hilke Maunder
Frühling in den Weinbergen des Luberon. Foto: Hilke Maunder

Die Winzerin

Gekeltert wurde er vielleicht von der jüngsten Winzerin des Luberon: Aurélie Julien. Nach Studium und Lehrjahren im Ausland kam sie 2009 als maître de chai zum Weingut Aureto Vignobles nach Goult.

Seit der Millenniumswende investierte die einst heruntergekommene cave Hunderttausende Euro in hochmoderne Kellertechnik. Zu Zweidritteln liegt der Keller heute unter der Erde. Das sorgt für bestes Klima selbst bei sommerlichen Höchsttemperaturen.

Côtes du Rhône: Im Keller der Cave Aureto. Foto: Hilke Maunder
Im Keller der Aureto Vignobles. Foto: Hilke Maunder

Goult gehört für die Einheimischen nicht mehr zum Luberon, sondern zur Montagne du Vaucluse, liegt es doch jenseits des Calavon und etwas abseits von den berühmten wie viel besuchten Namen des Luberon. Und das ist gut so, denn so konnte sich Goult sein beschaulich-charmantes Flair bewahren. Von seinem Moulin du Jérusalem schweift der Blick weit über das Tal des Calavon hinüber nach Bonnieux.

Der Garten ohne Blumen

Bonnieux im Luberon. Foto: Hilke Maunder
Bonnieux im Luberon. Foto: Hilke Maunder

Nicole de Vésian schuf ihr kleines Wunder in Bonnieux. Die auf Textilien spezialisierte Stylistin von Hermès kaufte 1986 ein Dorfhaus mit brachliegendem Grund. Innerhalb von zehn Jahren verwandelte sie ihn  in ein grünes Paradies.

Sans fleurs, sans soucis“ – ohne Blumen, ohne Sorgen, war ihre Maxime. Es entstand: Le Jardin de la Louve. Auf Terrassen gen Süden schuf sie mit Stein und Blattgrün ein Gesamtkunstwerk: Beschnittener Buchsbaum umarmt steinerne Brunnen, zwischen Kieseln der Durance wachsen Feigen, hier ein Engel aus Stein, dort Lavendel ohne Rispen.

Kurz vor ihrem 80. Geburtstag verkaufte sie ihren Gartentraum. Seitdem hält die Pariser Kunsthändlerin Judith Pillsbury ihr Erbe lebendig – und öffnet den Privatgarten von April bis Juli an ausgewählten Terminen sowie zum Rendez-vous aux Jardins  den Besuchern.

Bonnieux klebt mit Ober- und Unterstadt am Hang. Ménerbes zieht sich aussichtsreich auf der Kammlinie eines Hügels mit seinen Häusern in den Farben der Erde entlang, auf denen Fenster und Türen in Weiß, Rot oder Pastellblau Akzente setzten. Im späten Frühling erfüllt der Duft von Jasmin den Ort, der zu den schönsten Dörfern Frankreichs gehört – das sorgt zur Saison für Trubel in den alten Gassen.

Ménerbes: bei Dora Maar & Peter Mayle

1944 kaufte die Fotokünstlerin Henriette Dora Markovitch, die als Dora Maar mehrere Jahre lang Picassos Lebensgefährtin war, mit dem Erlös aus dem Verkauf eines Gemäldes, das der spanische Maler ihr geschenkt hatte, in Ménerbes ein sonnengelbes Herrenhaus mit grünen Fensterläden. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1997 hielt sie sich jeden Sommer dort auf und zeichnete und malte die umliegenden Landschaften.

1998 übernahm Nancy Brown Negley, eine Künstlerin und Philanthropin aus Houston, das Anwesen und öffnete es Künstlern und Schriftstellern als Wohnsitz auf Zeit. Seit Neglys Tod führt die Nancy B. Negley Foundation, die im Haus ihren Sitz hat, das artists-in-residence-Programm fort und zeigt als centre culturel Ausstellungen von amerikanischen und internationalen Künstlern.

Nicolas de Staël arbeitete von Juli 1953 bis Juni 1954 im Lubéron. Es sind wunderschöne, auf Formen und Farben reduzierte Landschaften, die Nicolas de Staël in seinem Atelier in Lagnes zunächst mit dem Messer malt, Orgien in Blau mit Bäumen, Bergen und Tälern, alles ist blau, mit unendlich vielen Nuancen. Im November 1953 ließ er sich in Ménerbes nieder in dem großen Haus auf dem Gipfel des Dorfes, mit herrlichem Blick auf das Tal. Er malte dort den ganzen Winter 1953/1954.

Eher zufällig entdeckte Peter Mayle mit seiner Frau Ende der 1980er-Jahre während seines Urlaubs an der Côte d’Azur den Luberon. Vom Regen an der Küste vertrieben, fuhr das Paar ins Hinterland – und verliebte sich so sehr in den Luberon, dass Jennifer und Peter Mayle beschlossen, das stressige Londoner Leben gegen Südfrankreich einzutauschen.

So kam Peter Mayle nach Ménerbes – und machte sein neues Leben in Südfrankreich zum Thema seines Weltbestsellers „Ein Jahr in der Provence“ . Die Stadtväter waren nicht begeistert, weil Mayle in seinem Buch sich humorvoll einiger der Klischees über die Provence und ihre Bewohner bediente.

Sie waren so verärgert über Mayles Buch, das die Stadt und ihre Bewohner in ein schlechtes Licht gerückt habe, dass sie ihm die Ehrenbürgerschaft aberkannten, die sie ihm zuvor verliehen hatten.

Mayle selbst verteidigte sich gegen die Vorwürfe und sagte, dass er die Provence und ihre Bewohner liebe. Er habe sein Buch mit Humor und Zuneigung geschrieben. Es ist mit mehr als sechs Millionen verkauften Exemplaren bis heute eines der beliebtesten Bücher über die Provence.

Mayle verließ Ménerbes, zog nach Lourmarin und lebte schließlich bis zu seinem Tod im Jahr 2018 in Vaugines, wo das Paar abseits des Dorfes im Jahr 2011 ein fünf Hektar großes Anwesen mit einem 280 Quadratmeter großen Haus erworben hatte.

Saint-Hilaire: das Kleinod

1961 kaufte René Bride, ehemals Bürgermeister von Reims, mit seiner Frau Anne zwischen Ménerbes und Lacoste die ehemalige Abtei Sainte-Hilaire, restaurierte sie und öffnete sie für Besucher. Hin zu diesem Kleinod führt ein helles, schmales Band aus Kalk mitten durch die Garrigue bergab zu einem kleinen, unversiegelten Parkplatz.

Die Wurzeln des Klosters liegen in den Kreuzzügen, als Einsiedler vom Berg Karmel das Heilige Land verließen, um in Europa Zuflucht zu suchen. Um 1244 ließen sie sich in der Einsiedlerhöhle Les Aygalades in Marseille nieder.

Einige Jahre später erhielt eine kleine Gruppe, die in Ménerbes gut aufgenommen wurde, etwas Land an einem steilen Hang voller Höhlen gegenüber dem Luberon. Nach und nach entwickelte sich um die Höhlenwohnungen ein Kloster.

Die Karmelitermönche errichteten zunächst eine kleine romanische Kapelle, später eine größere Kapelle sowie einem Refektorium. Im 17. Jahrhundert bauten sie um den Kreuzgang herum den Kapitelsaal und im ersten Stock ein Schlafsaal.

Anschließend legten sie Terrassen mit Trockenmauern an, nutzten sie als Dreschplatz und für den Anbau von Weizen und Wein, Obst, Gemüse und Oliven. Als Stütze gen Süden und Sicherheitsvorrichtung erhielt die Anlage zum Abschluss noch eine befestigte Mauer.

In den Religionskriegen umkämpft und geplündert, später vom Papst verboten und erst 1660 wieder ein aktiv arbeitendes Kloster, hat die Abbaye de Saint-Hilaire eine wechselvolle Geschichte erlebt, die heute eine Ausstellung und Ausgrabungen wieder auferstehen lassen.

Eine ganz besondere, beschauliche wie besinnliche Aura verströmt die Anlage und lässt ahnen, wie das mönchische Leben hier einst verlief. Der Besuch ist kostenlos, eine Spende wird erbeten.

Die Farben der Erde

Luberon: In den Ockerbrüchen von Roussillon. Foto: Hilke Maunder
In den Ockerbrüchen von Roussillon. Foto: Hilke Maunder

Lourmarin, Bonnieux und Lacoste liegen im Herzen des regionalen Naturparks Luberon, der seit 1977 auf 230.000 Hektar die Vielfalt von Flora und Fauna, dörflichem Erbe und eindrucksvollen Landschaften schützt. Berühmt wurde das „Colorado der Provence“: die Ockerbrüche von Rustrel.

Seit der Antike werden dort Pigmente für Naturfarben gebrochen. In 20 Tönen leuchtet dort der Fels. Auch 20 km westlich war der Ockerabbau Jahrhunderte lang ein lukratives Geschäft.

Luberon: In den Ockerbrüchen von Roussillon. Foto: Hilke Maunder
Unterwegs auf dem Sentier des Ocres. Foto: Hilke Maunder

In Roussillon führt der Sentier des Ocres mitten durch die farbigen Felsen. Mal sonnengelb, mal tiefrot, leuchtet der Sandstein im letzten Licht der Sonne. Mehr Impressionen und Infos gibt es hier.

Luberon: In den Ockerbrüchen von Roussillon. Foto: Hilke Maunder
Von Goldgelb bis Tiefrot: die Farben der Ockerbrüche von Roussillon. Foto: Hilke Maunder

Leise durch die Lüfte

Am nächsten Tag klingelt der Wecker früh, viel zu früh. Draußen ist es noch stockdunkel. Nur die beiden Scheinwerfer des Jeeps beleuchten die Wiese, wo alle mithelfen, einen länglichen Flechtkorb mit kräftigen Schnüren mit dem bunten Ballon zu verbinden, der erst mit Luft befüllt, dann befeuert wird. Als die Sonne langsam über die ersten Hügelketten klettert, schwebt er empor, höher und höher.

Kühl ist es. Und still. Weingärten wechseln mit Weiden und Äckern. Eine schmale Straße windet sich hin zu einem einsamen Gehöft. Eine Stunde lang schwebt der Heißluftballon so über den Luberon. Anfangs wird in 200 bis 300 Meter Höhe gefahren. Später geht es bis auf 1.000 Meter hinauf. Dann erscheint Gordes am Horizont als wehrhaftes Häusermeer.

Gordes: das Adlernest

Das Mittelalterdorf auf der Steilklippe dominiert ein Château, das Victor Vasarely restaurierte und heute das Werk des belgischen Malers Pol Mara ausstellt. In seinen engen Gassen mit hohen, schmalen Häusern drängen sich Galerien, Boutiquen und Bars, Souvenirshops und Cafés. Gordes lebt vom Tourismus. Und dies ist leider immer stärker zu spüren.

Außerhalb vereint das Village des Bories Dutzende „Iglus“ aus Stein, die Feldarbeiter vor 500 Jahren als Schutzhütte und Lager errichtet haben.

Zum Abschluss schwebt der Ballon über ein Postkartenmotiv: Schlicht und kantig ruht das Zisterzienserkloster Notre-Dame de Sénanque nördlich von Gordes inmitten von Lavendelfeldern.

Immer tiefer sinkt der Ballon. Dann sind die Baumspitzen erreicht, landet der Ballon überraschend weich wieder auf der Wiese. Mitten im Zusammenräumen macht es plötzlich „plopp“. Auf den Baptême en Air, die erste Reise im Heißluftballon, wird mit Champagner angestoßen. Santé!

Frühling in den Weinbergen des Luberon. Foto: Hilke Maunder
Frühling in den Weinbergen des Luberon. Foto: Hilke Maunder

Luberon: meine Reisetipps

Anreise

Nächstgelegener internationaler Flughafen ist der Aéroport Marseille-Provence, der von Deutschland aus über die Drehkreuze Paris und Lyon angeflogen wird. Der Luberon liegt rund eine Autostunde nördlich.

Schlemmen

La Bastide de Capelongue

Zwei Michelinsterne schmücken die Haute Cuisine von Édouard Loubet in La Bastide de Capelongue. Wer bleiben will, quartiert sich in der Ferienwohnung der Ferme oder in den 17 edlen Gästezimmern der Bastide ein.
• Les Claparèdes, Chemin des Cabanes, Bonnieux, Tel. (04 90 75 89 78, www.capelongue.com

Le Carillon

• Avenue du Luberon, 84220 Goult, Tel. 04 90 72 15 09, www.restaurant-goult.com

La Bartavelle

Typisch französische Küche von Emmanuel und Sylvie Champion .
• 29, rue du Cheval Blanc, 84220 Goult, Tel. 04 90 72 33 72, https://labartavellegoult.com

Le GOULTois

Der Dorftreff von Goult zum Apéro.
• Rue de la République, 84220 Goult, 04 90 72 95 66, www.facebook.com

La cuisine 2 Gaël

Für alle, die im Ferienhaus oder Womo nicht selbst kochen möchten: Frische Küche zum Mitnehmen oder ein Leihkoch für daheim.
• 39, rue du Syrah ZAC Du, Av. du Tourail, 84580 Oppède, Tel. mobil 06 08 14 79 68, www.lacuisine2gael.com

Le petit café de Jeanne

• 12, rue de Sainte-Cécile, 84580 Oppède, Tel. 04 90 76 74 01, www.lepetitcafedesjeanne.fr

Abheben

Mit dem Heißluftballon über den Luberon fahren, ist ein unvergessliches Erlebnis. Es gibt diverse Anbieter, u.a. Montgolfière Luberon und Sport Découverte. Die Preise bewegen sich für eine Person ab 230 Euro, für zwei Personen ab 450 Euro.

Schlafen

Luberon: Blick auf das Feriendorf La Coquillade vom großen Pool aus. Foto: Hilke Maunder
Luberon: Blick auf das Feriendorf Coquillade Provence vom großen Pool aus. Foto: Hilke Maunder

Coquillade Provence*

Wohnkultur, Gourmet-Cuisine, Weine aus der hauseigenen Aureto-Kellerei, elegante Zimmer und Suiten sowie das größte Spa der Provence: Andreas Rihs, der verstorbene Gründer der High-Tech-Radmarke BMC, verwandelte einen alten Weiler in ein luxuriöses Fünfsterne-Feriendorf in den Weinbergen. Hier könnt ihr das traumhafte Resort, das zur Luxushotel-Vereinigung Relais & Châteaux gehört, im Blog entdecken.
• 84400 Gargas, Tel. 04 90 74 71 71, www.coquillade.fr

Hôtel Sainte-Anne*

Sieben klimatisierte Komfortzimmer, Terrasse und Garten, Lounge-Bar mit Provence-Weinen, Parkplatz, Gepäckraum und die Altstadt vor der Tür: Das Hôtel Sainte-Anne ist in Apt eine gute Wahl.
• 62, place du Faubourg du Ballet, 84400 Apt, Tel. 04 90 74 18 04, www.apt-hotel.com

Le Jas de Gordes*

Eine Oase der Ruhe ist das Jas de Gordes, das inmitten eines schattigen Parks mit mediterranen Pflanzen in einem traditionellen Steinhaus 19 Gästezimmer im Stil des Südens birgt.
• Route de Cavaillon, 84220 Gordes, Tel. 04 90 72 00 75, www.jasdegordes.com

Noch mehr Betten*

 

Frühling im Luberon - auch in den Olivenhainen. Foto: Hilke Maunder
Frühling im Luberon – auch in den Olivenhainen. Foto: Hilke Maunder

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Im Blog

Alle Beiträge aus dem Département Vaucluse vereint diese Kategorie.

Im Buch

Klaus Simon, Hilke Maunder, Roadtrips Frankreich*

Roadtrips FrankreichDas zweite gemeinsame Werk mit Klaus Simon stellt euch die schönsten Traumstraßen zwischen Normandie und Côte d’Azur vor. 14 Strecken sind es – berühmte wie die Route Napoléon durch die Alpen oder die Route des Cols durch die Pyrenäen, aber auch echte Entdeckerreisen wie die Rundtour durch meine Wahlheimat, dem Fenouillèdes.

Von der Normandie zur Auvergne, vom Baskenland hin zu den Stränden der Bretagne und dem wunderschönen Loiretal laden unsere Tourenpläne ein, Frankreich mobil zu entdecken – per Motorrad, im Auto, Caravan oder Wohnmobil. Hier* gibt es das Fahrtenbuch für Frankreich!

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13 Kommentare

  1. Ich kann mich in so vielen Eindrücken nur wiederfinden. Der Luberon ist meine zweite Heimat geworden.
    Apt finde ich gerade deswegen so toll, weil es nicht so rausgeputzt und schickimicki ist. Die Menschen dort sind ehrlich und zugewandt, die Bevölkerung durchmischt und bunt. Man findet schnell Bekanntschaften und auf Dauer Freund*innen.
    Restaurants nicht zu finden, ist unmöglich. In den Seitenstraßen gibt es so viel zu entdecken. Einfach herrlich.
    Ich liebe den Markt am Samstag ebenso. Im Sommer natürlich knackevoll und touristisch, aber ab 14 Uhr am Samstag kehrt die Normalität zurück. Das finde ich schön.

    Zu La Coquillade muss ich sagen: Mit dem Ort zog auch vermehrt ein Publikum in den Luberon, dass die ganze Gegend eher negativ beeinflusst. Viel Luxus und überhaupt schmiegt sich die Anlage nicht in die Umgebung und grenzt sich eher ab. Das Weingut hat meiner Meinung auch wenig bis nichts mit den ganzen Weingütern und den Kooperativen der Region gemein, die eher für ehrliches Handwerk und Tradition stehen. Die Aureto-Weine kenne ich seit etwa 2008 und sie schmecken, aber stilistisch passen sie nicht wirklich rein.

    Nochmal zurück nach Apt: Hier noch ein paar Empfehlungen zum Shoppen und Dinieren…

    – Meine Frau bekommt geschmackvolle Bekleidung zu fairen Preisen und stets freundlicher Bedienung bei Veronique von „Les Demoiselles“ (https://www.facebook.com/people/Les-Demoiselles-Apt/100057637592584/)
    – Die schönsten Dinge aus handgemachtem Ton bekommt man in der Poterie Kessler (https://atelierbuisson-kessler.com/)
    – Hervorragende marokkanische Küche wird im „L’Alhambra“ serviert (https://www.provence-tourismus.de/gastronomie/luberon/lalhambra/provence-780552-1.html)
    – die Créperie „Le Chant de L’Heure“ macht köstliche Galettes und Crépes und vieles mehr (https://www.lechantdelheure.com/)
    – Weine kauft man bei Sylvain von „V Comme Vin“ (https://vcommevin.com/)

    Die Liste könnte noch viel viel länger sein.

    1. Lieber Martin, ganz herzlichen Dank für Deine Eindrücke und Deine tollen Tipps – sie werde ich beim nächsten Mal einmal testen. Merci und herzliche Grüße! Hilke

  2. Erinnert/ Angeregt durch eine TV Reportage im Winter, bin ich gerade vom Osterurlaub im Luberon zurück. Es hat sich gelohnt dort nach rund 10 Jahren mal wieder hinzufahren.
    Insbesondere im Frühling. Wobei mich blühender Lavendel schon reizen würde. Eigentlich war es recht ruhig und beschaulich, auch wenn sich da die subjektive Perspektive coronabedingt verschoben hat.
    Nur eines hat mich enttäuscht. Während Dörfer wie Gordes sich rausputzen, wo jenseits des Ortskerns vor 10-25 Jahren noch verfallene Ruinen standen, scheint sich Apt zum Schlechteren zu entwickeln. Es war wenig los, viel Leerstand, etwas runtergekommen. Ein ansprechendes Restaurant fürs Abendessen ist mir beim Rundgang durch die Altstadt auch nicht über den Weg gelaufen. Zum Essen bin ich dann nach Saignon hochgefahren.
    Besonders enttäuscht war ich vom samstäglichen Markt. In meiner Erinnerung zog er sich durch die ganze Altstadt und mit allem, was so ein franz. Markt so zu bieten hat. Ich habe verstreut 3 Stände hier, 3 Stände am nächsten Platz usw. vorgefunden. Überwiegend auch
    nur Obst/ Gemüse. Nach 30min und Kauf eines Fougasse sowie eines Beutel Kräuter war der Gang für mich (leider) erledigt. Mag auch am schlechten Wetter gelegen haben. Vielleicht.
    Ich fahre sicher wieder mal in den Luberon. Apt werde ich aber auslassen.
    PS: Weiss jemand, wann die Quelle in Fontaine-de-Vaucluse zum letzten Mal mehr als eine Höhle war? Ich habe sie ganz früher sprudeln sehen. Jetzt und vor gut 10 Jahren war nur ein tiefes Loch und ein trockenes Bachbett zu sehen. Nur Pech gehabt jeweils oder doch ein Dauerzustand dank Klimawandel?

    1. Hallo Ralf, danke für Deine Eindrücke! In Frankreichs ländlichen Regionen haben zwei Jahre Pandemie die ohnehin schwierige Situation arg verschärft, das ist nicht nur in Apt zu sehen. Der Markt wächst ab Ostern kontinuierlich. Im Sommer ist er dann so, wie Du ihn erinnerst. Ich hoffe, Du hast dennoch wunderschöne Tage in Frankreich verbringen können! Viele Grüße, Hilke

      1. Hallo Hilke, gut wars danke.
        Vielleicht geb ich ihm noch eine Chance zu einer anderen Jahreszeit.
        LG Ralf

  3. Am Liebsten würde ich sofort losfahren.Wir sind oft mit dem Wohnmobil im Luberon gewesen.Es ist wirklich ein Traum dort.
    Ein schönes Osterfest für Alle

    1. Hallo Martina,
      das denke ich auch immer, wenn es dauergrau und kalt bei uns ist. Aber jetzt ist es ja selbst in Norddeutschland traumhaft! Frohe Ostern & Joyeuses Pâques!

  4. Wir haben den Luberon mehrfach im Frühsommer bereist, der Mai und Anfang Juni ist die beste Reisezeit, bevor der Rummel um die auch hier genannten Orte beginnt. Ausgangspunkt war immer das reizende Städtchen L‘Isle -sur-La- Sorgue, umgeben von Wasser mit seiner wunderschönen Altstadt, bekannt für seine Märkte , besonders aber den europaweit bekannten Antiquitätenmarkt, der immer sonntags stattfindet. Schöne Restaurants , Cafés direkt am Wasser, der Sorgue, und kleine Läden mit landestypischen Angeboten, Souvenirs und natürlich Kitsch. Die Sorgue darf für Kanufahrten genutzt werden, Ausgangspunkt ist immer die Fontaine de Vaucluse, auch ein touristisches Highlight. Die Sorgue hat das ganze Jahr über eine Temperatur von 12-14 Grad, nicht zum Schwimmen frei gegeben, liegt in einem Naturschutzgebiet.Bei YouTube stellt sich der Ort mit seinen Schönheiten vor, die Bilder sagen alles!

    1. Liebe Frau Schmidt, herzlichen Dank für Ihren Kommentar und den Hinweis auf L’Isle-sur-Sorgue – ein wirklich zauberhaftes Städtchen! Und die Sorgue zum Paddeln kann ich ebenfalls nur empfehlen. Frohe Ostern!

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