Die Weine der südlichen Côtes du Rhône 5


Beim Radeln auf der ViaRhôna haben uns immer wieder die Weingärten an der Rhône begleitet. Doch schon nach wenigen Kilometern schwirrte uns der Kopf mit Lagen, Terroirs, Appellationen, Villages und Crus. Und dann gab es da noch die Trennung in Norden (septentrionales) und Süden (méridonales) bei den Côtes-du-Rhône-Weinen.

Doch dann hielten wir ein Heftchen in der Hand, das auf rund 100 Seiten  unterhaltsam für Durchblick sorgte. Sehr  übersichtlich listet es Trauben, Geschichte und die einzelnen Gebiete auf.

Die kleine, kompakte Enzyklopädie zu all den herrlichen Weinen, die aus dem nach Bordeaux zweitgrößten Weinbaugebiet Frankreichs stammen, gibt es kostenlos beim Marketingverband Inter-Rhône (Maison des Vins, 6, rue des Trois Faucons, F – 84024 Avignon, ).

Die Weine der nördlichen Côtes du Rhône habe ich euch hier vorgestellt.

Weinbau in XXL: südliche Côtes du Rhône

Bereits seit dem ersten Jahrhundert nach Christus wird südlich von Montélimar Wein angebaut. Bei Donzère ist mit der Villa du Molard sogar noch ein Weingut aus der Antike erhalten. Vergangenheit und Gegenwart des Weinbaus sind Thema der Weinuniversität von Suze-la-Rousse. Sie bietet auch deutsche Kurse für Weinliebhaber und Branchenprofis an!

Das riesige Anbaugebiet der südlichen Côtes du Rhône erstreckt sich auf fünf Départements: Drôme (638 Betriebe, 11.764 ha), Vaucluse ( 2.821 Betriebe, 36.560 ha), Gard (15034 Betriebe, 18.526 ha), Ardèche (232 Betriebe, 2.738 ha) sowie Rhône/Loire/Isère (123 Betriebe, 795 ha).

Hier regiert die Grenache-Traube. Und paart sich in Cuvées meist mit Syrah und Mour­vèdre, die den Weinen Struktur, Würze und Finesse verleihen. Bei den Weißweinen ist Roussanne und Marsanne die wichtigsten Reben.

Côtes du Rhône

Riesige 32036 Hektar umfasst das Anbaugebiet der AOC Côtes du Rhône, dessen Keller alljährlich insgesamt 338.452 Hektoliter produzieren – vorwiegend ehrliche, einfachere Weine. Doch in der Masse sind auch immer wieder kleine, feine Überraschungen zu finden. Eigenständig. Elegant. Verführerisch gut.

❤ Meine Empfehlung: LePlan Vermeersch, GTX, Côtes du Rhône 2007

Vom Rallye-Champion und Profirennfahrer zum Winzer: Ohne den Unfall, der die sportliche Karrieren von Dirk Vermeersch abrupt beendete, wäre  flämische Belgier wohl nie nach Frankreich gekommen. Oder genauer: ins südliche Rhônetal, wo seine Tochter in Suze-la-Rousse Önologie studierte, ihren Freund kennenlernte und jetzt mit ihm im Keller so zaubert, das bereits der erste Jahrgang Preise einheimste. Und heute Auszeichnungen Alltag sind.

Das liegt sicherlich auch am Ökolandbau und der traditionellen Verarbeitung. Erst werden die Reben mit Füßen zertreten, dann durch eine vertikale Presse geschickt. An die Zeit des Motorsports erinnern die Etiketten: GTS, GTD… und GTX. Ein 15 PS, pardon, Volumenprozent starker Cuvee, mächtig, opulent, trocken und voller Schmelz. Den könnte ich bis in alle Ewigkeit genießen…

Côtes du Rhône Villages

Die Tropfen der 8627 Hektar großen AOC Côtes du Rhône Villages sind in der Regel anspruchs­voller. Besonders, wenn sie das Recht haben, ihren Namen im Label zu führen. Das trifft zu für: Cairanne, Chus­clan, Laudun, Massif d’Uchaux, Plan de Dieu, Puyméras, Roaix, Roche­gude, Rousset les Vignes, Sablet, Saint Gervais, Saint-Maurice, Saint-Pantaleon les Vignes, Séguret, Signar­gues, Valréas und Visan.

❤  Meine Empfehlung: Domaine de Mourchon, Séguret rouge 2015, Family Réserve Grenache

Fast wie Tinte, so tief und intensiv ist das dunkle Purpur im Glas, das meine Nase mit Erinnerungen an  schwarzen Johannisbeeren, Süßholz, Pflaumen und würzigen Noten neugierig machen. Der Gaumen freut sich über die Intensität der Aromen, die Kraft der Tannine. Bei diesem Tropfen, dessen Reben auf grauem Sandstein an steilen Hängen in der Appellationen Séguret wachen, paaren sich Eleganz und Ausdruck, Körper und Komplexität.

Séguret ist eine kleine, nur 368 ha große Appellation, in der der Weinbau bis in die Antike zurückreicht. Für diesen Wein nimmt die Domaine de Mourchon nur die Trauben von mindestens 60 Jahre alten Weinstöcken. Zu 100 Prozent aus Syrah in Stahltanks vinifiziert, reift er dann in Eiche für rund 10 Monate bis zur Vollendung. Bei der Kellerei der McKinlay-Family könnt ihr täglich die Weine verkosten. Für alle, die bleiben möchten, gibt es inmitten der Webgärten mit dem Winemaker’s House eine tolle geräumige Unterkunft für Selbstversorger.

Châteauneuf-du-Pape

1316 wurde ein kränklicher Mann von den Kardinälen als Nachfolger von Papst Clemens V. gewählt, die insgeheim auf eine kurze Amtszeit des 70-Jährigen hofften. Als Sommerresidenz wählte der neue Papst Johannes XXII. ein kleines Örtchen auf halbem Wege nach Orange, knapp 20 km nördlich von Avignon: Châteauneuf-du-Pape. 1313 begannen die Bauarbeiten an seinem Schloss. 1350 folgte die Anlage des päpstlichen Weinbergs, dessen Tropfen Johannes noch bis ins hohe Alter genießen konnte. Erst nach 18 Jahren im Amt verschied er mit 89 Jahren.

Das Schloss wurde in den Religionskriegen des 16. Jahrhundert zerstört, der Wein weltberühmt. Auf kalkhaltigen Kiesböden ragen auf 3100 ha seine meist nur kniehohen Weinstöcke von Erzeugern wie Château de Beaucastel, Château La Nerthe, Domaine du Vieux Télégraphe und Domaine du Pégau auf, deren Cuvées Kultstatus unter Weinkennern besitzen. Abgefüllt werden ihre AOC-Weine in Flaschen, die bis heute an die päpstliche Weinbautradition erinnern: mit den gekreuzten Schlüssel Petri und der Tiara, der Papstkrone aus drei Kronen.

Duché d’Uzès

2012 wurde die Weingärten, die sich rund um Uzès erstrecken, zur AOC aufgestuft. Doch noch immer sind ihre Tropfen ein Geheimtipp. 11.000 Hektoliter werden hier jährlich zwischen dem Pont du Gard und den Ausläufern der Cevennen produziert. Davon sind 25% Weißwein, 25%. Roséwein und 50% Rotwein. Wer neugierig is, sollte mal diese Tropfen kosten:

❤ • den Weißwein „Orenia Reserve 2015“ von Philippe Nusswitz aus dem Elsass, der heute in Durfort und Saint-Martin seine Tropfen vinifiziert, bei der Orenia mit 50% Viognier, 30% Grenache blanc, 10% Roussanne und 10% Marsanne.

• den Rosé Duché d’Uzès, Jahrgang 2016, von Mathilde Chapoutier Sélection, der mit Grenache noir und Syrah Eleganz und Komplexität vereint

• den roten Duché 2013 von der Domaine Les Lys, der aus Syrah (45%) und Grenache (55 %) komponiert wurde und in altem Holz gereift ist

• und den roten Duché d’Uzès 2015 von La Tour de Gatigne aus Saint-Chaptes, den es früher nur als vrac gab – eine traumhaft runde, kraftvolle Komposition aus 70% Syrah und 30% Grenache noir.

Grignan-Les Adhémar

Das 2500 ha große Anbaugebiet der Drôme Provençale kennt ihr bestimmt. Bis 2010 hieß  das Kerngebiet für süffige, schlanke Rote noch Côteaux du Trist­castin. Viele Winzer hier haben algerische Wurzeln. Denn es waren Rückkehrer aus der einstigen nordafrikanischen Kolonie, die in den 1960ger-Jahren hier den Weinbau wieder neu belebten.

Luberon

Im Hideaway der Promis, die vom Rummel an der Côte d’Azur genug haben, bedecken die Rebgärten 3362 Hektar und liefern jährlich 156.001 Hektoliter. Unter den Winzern sind zahlreiche vermögende „Aussteiger“ vertreten, die in der Wahlheimat von Peter Mayle ihren Provencetraum verwirklicht haben. Haupt­rebs­orten sind Grenache und Syrah, die gerne mit Mour­vèdre, Cari­gnan und Cins­ault flirten.

❤ Meine Empfehlung: Marrenon, Grand Marrenon rouge, Luberon, 2015

Seidig und geschmeidig paaren sich hier Grenache und Syrah zu einem Wein, der zur Familie der „Selection Parcellaires“ gehört – als ausgewählte Einzelparzelle gehört er zu den Botschaftern des bergigen Terroirs. Es gibt ihn auch ihn auch als hellgelben Weißen mit goldenen Reflexen, perfekt komponiert aus 40% Grenache Blanc, 50% Vermentino und 10% Roussanne.

Ventoux

An den Hängen des Giganten der Provence erstrecken sich die Rebgärten zwischen 200 bis 450 m Höhe – die Temperaturunterschiede sorgen für spannenden Ergebnisse im Glas! Syrah und Grenache sind gleichberechtigte Partner in den Parzellen.

❤ Meine Empfehlung: Domaine des Enchanteurs, Rêve du Rubis, Ventoux, 2011

Ein Traum in Rubinrot: Das Etikett hat Recht! Und so wird es mir kaum gelingen, dass der Wein altert… mehr als zehn Jahre sind möglich… Doch kann ich so lange widerstehen? Seine großen aromatische Kraft mit schwarzen Früchte und Sauerkirsche, seinem würzigen und runden Geschmack, seiner Finesse und Eleganz?

Costières de Nîmes

Schotter und Kiesel binden in dem 4091 Hektar großen AOC-Gebiet bei Nîmes die Hitze und sorgen für Feuer im Glas. Rot nd Rosé teilen sich zu fast gleichen Anteilen die jährlich 221.215 Hektoliter. Früher verrufen für Massenweine, sorgen heute renommierte Häuser wie Château Mour­gues du Grès und Château Grande Cassagne für herrliche Genussmomente.

❤ Meine Empfehlung: Château de Nages, JT, Costières de Nîmes, 2006

86% Syrah und 14% Mourvèdre hat Michel Gassier in Caissargues für diesen Biowein genommen, der sich zunächst recht verhalten zeigt. Dekantiert und gelüftet, gibt er sein tiefdunkles Purpur ein würzig-pfeffriges Syrah-Bouquet preis, mit wilden Kräutern, Brombeeren und Tanninen, die die dunklen Fruchtnoten gekonnt abrunden.

Die Crus der südlichen Rhône

Neben den generischen Weinen und den Villages mit und ohne Dorfnamen gibt es im Wein-Mosaik der südlichen Rhône noch acht Crus – Weinbau-Gemeinden mit Rang einer Rhône-Spitzenappellation. Seit 2016 tragen auch die Tropfen von Cairanne diesen prestigeträchtigen Zusatz auf ihrem Etikett. Für Crus gilt ein Herbizid-Verbot.

Beaumes-de-Venise

Seit 2000 Jahren liefert der Muscat Petit Grain an den  südli­chen Ausläu­fern der Dentelles de Mont­mi­rail den Rohstoff für einen Muscat, der seit 1945 als AOC Muscat Beaumes-de-Venise auf 395 Hektar und einem jährlichen Output von 6.617 Hektoliter geschützt ist. Zu diesen hocharomatischen Süßweinen hat sich 2005 als zweite AOC die Cru des Côtes du Beaumes-de-Venise gesellt für kraftvolle, leicht pfeffrige Rotweine. Sie werden auf 635 Hektar aus Grenache, Syrah und Mour­vèdre erzeugt – jährlich 21.747 Hektoliter.

❤ Meine Empfehlung: Domaine des Bernardins, Muscat de Beaumes-de-Venise, 2005

Kellermeister Andrew Hall und sein Sohn Romain lassen ihren vin doux naturel sechs Monate lang in Inoxtanks zur Vollendung reifen. Die Trauben – Muscat Petit Grain  noir und blanc – müssen einen Zuckergehalt von mehr als  252 g / l aufweisen. Während der Fermentation erfolgt die Mutage mit reinem Alkohol von mindestens 95 Grad.

Cairanne

Das malerische Dörfchen östlich von Orange ist der jüngste Cru im Süden der Rhône. Der Cru-Bereich umfasst 956 Hektar. 37 Privat­win­zern und drei  Koope­ra­tiven produzieren dort Weiß­- und Rotweine nach dem Motto „Cairanne – un grain d’élégance!“

Gigondas

Bis 1956 war Gigondas eine Hochburg des Olivenanbaus. Doch dann zerstörte Frost die Kulturen. Sie wurden durch Weingärten ersetzt, die heute für Châteauneuf-du-Pape eine starke Konkurrenz sind.  Die 1208 Hektar große Appellation am Fuße der Dentelles de Montmirail erzeugt jährlich 37.101 Hektoliter, die aus Grenache mit klei­neren Mengen Syrah, Mour­vèdre und Cins­ault gewonnen werden und gut altern.

Lirac

Am West­ufer der Rhône findet ihr zwischen Roque­maure und Saint-Laurent-des-Arbres diese 750 ha große Appellation, in der zahlreiche große Namen aus Châteauneuf-du-Pape Rotweine herstellen – denn die Böden sind recht ähnlich.

Rasteau

Der neue Cru (seit 2010) gilt schon lange als Geheimtipp. Manche halten das Potenzial der Lagen um Rasteau für das größte des gesamten südlichen Rhône-Tals. Es wird sich auf jeden Fall lohnen, diese AOP weiter zu beobachten.

❤ Meine Empfehlung: Domaine du Trapadis, Rasteau 2000

Zu den jungen Kultwinzern der südlichen Côtes du Rhône gehört Helen Durand, der mit seiner Mutter Michèle Charavin auf dem 18 ha großen Familienbetrieb jährlich rund 60.000 Flaschen mit charaktervollen Roten abfüllt. Sie sind nicht fein und elegant, sondern konzentrierte Kraft, würzig, opulent und ungefiltert.

Tavel

Kalk­schotter, Roll­kiesel und sandige Kies­böden wächst hier der für viele beste Rosé Frank­reichs. In allen Dreisternelokalen des Hexagons findet ihr ihn als Must-Have auf der Karte. Ich bin noch am Suchen nach einem erschwinglichen Rosé, der mich überzeugt. Mir liegt nicht ganz so der Trend zu klaren, fast transparenten Rosé-Weinen….

Vacqueyras

Im Nachbardorf von Gigondas fällt der Syrah-Anteil der Weine deutlich höher aus und gibt ihnen eine etwas strengere Note.

Vinsobres

Eine noch recht junge Appellation ist Vinsobres (2005), wo auf  450 Hektar südwest­lich der Oliven-Hauptstadt Nyons in Höhen von 200 bis 450 m kraftvolle Rote aus Grenache und Syrah gekeltert werden. Zunehmend werden aber auch aromatische Weißweite aus den Sorten  Viognier, Marsanne und Rous­sanne hergestellt. Sehr gute Arbeit leisten die Genossenschaftsbauern der Cave Cooperative La Vins­obraise, die rund zwei Drittel der Produk­tion stellt. Hinzu kommen 20 Privatwinzer wie die Domaine Rocheville, die einen Lehrpfad durch ihre Weingärten und Olivenhaine angelegt hat. Hier habe ich die schöne Wanderrunde vorgestellt.

 


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