Postkarte aus … Meyssac

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Jahrhunderte lang war  Meyssac ein befestigtes Dorf oder castrum des Vicomté de Turenne, das Handelswege zum Quercy sicherte. Seine Stadtmauer, deren drei Tore Zugang zur Markthalle und der gotischen Wehrkirche église Saint-Vincent gewährten, wurde im 17. Jahrhundert zerstört. Doch noch immer sind Reste dieser remparts zu sehen. Ihren Verlauf zeichnet heute ein Boulevard nach.

Der Name des Dorfes erinnert an eine geologische Verwerfung. Die faille mésozoïque de Meyssac lieferte das Baumaterial, das dem nahen Collonges den Beinamen la rouge verlieh: roter Sandstein. Auch in Meyssac wurden daraus Stadtpalais und Kirchen errichtet. Doch anders als in Collonges ist in Meyssac noch mittelalterliches Fachwerk erhalten.

Die alte Markthalle

Die Markthalle von Meyssac. .Foto: Hilke Maunder
Die Markthalle von Meyssac. Foto: Hilke Maunder

Im Herzen des alten Dorfes findet ihr la halle, die halboffene Markthalle. Ihr imposantes Schieferdach bedeckt einen Dachstuhl aus Kastanienholz, der von Pfeilern und Säulen aus rotem Sandstein getragen wird.  Jeden Dienstag und Freitag, im Sommer auch Sonntag, ist dort Marktzeit.

Foto: Hilke Maunder
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Früher wurden dort Hanf, Flachs, Getreide, Nussöl und auch Wein angeboten. Bis ins späte 19. Jahrhundert war Meyssac noch von Weinbergen umgeben gewesen. Doch um 1880 wurden sie von der Reblaus befallen, verschwanden fast vollständig und machten Platz für Trüffelhaine, die in den  1920er-Jahren sehr erfolgreich waren.

Foto: Hilke Maunder
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Das Beste vom Kalb

Als der Trüffelpilz nach und nach verschwand, wandten sich die örtlichen Bauern der Viehzucht zu.  Ihr Spezialität ist Fleisch von jungen Kälbern, die bis zur Schlachtung bei der Mutter aufgezogen wurde.  Dieses Veau de Meyssac gehört zu den Spezialitäten des Atelier Cowrrézien, das Adrien Claval, Antoine de Lantivy und Guerik Dutertre im März 2021 eröffneten. Dass das Trio Freude an Überraschungen hat, beweist bereits der Firmenname mit dem Wortspiel aus cow und vorrézien.

Foto: Hilke Maunder
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Neue Wege begingen die drei jungen Partner beim Wznsch, anders, und vor allem nachhaltig, zu wirtschaften. Adrien ist ein Landwirt, Guerik ein Schlachter – und Antoine von Beruf eigentlich Anwalt. Und jetzt auch ein ausgebildeter Schlachter. Zu dritt haben sie mitten in der Pandemie erfolgreich ein Start-up auf die Beine gestellt, das u.a. Restaurants, Supermärkte mit Spitzenfleisch von Kalb, Rind und Lamm aus lokaler Zucht der Corrèze beliefert.

Die Wehrkirche

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Hinter der Markthalle erhebt sich die befestigte gotische Pfarrkirche des Dorfes, deren Wurzeln bis in das 10. Jahrhundert zurückreichen. Die einschiffige Kirche ist den Heiligen Rochus und Vinzenz geweiht. Rochus wurde um Hilfe bei der Pest angerufen. Vincent ist der Schutzpatron der Weinbauern.

Foto: Hilke Maunder
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Im Inneren erinnern zwei Statuen – eine Pietà und eine Jungfrau mit Kind – an die Bedeutung der Marienverehrung in der Corrèze. Gegenüber der Kirche erhebt sich seit dem 16. Jahrhundert die stattliche Maison Verdès mit Wappenschild und Treppenturm.

Foto: Hilke Maunder
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Die rote Falte

Der rote Sandstein ist das Wahrzeichen der Dörfer an der Faille de Meyssac. Diese Verwerfung bringt Böden, die vom Alter her mehrere Millionen Jahre auseinander liegen, in direkten Kontakt. Dort treffen die kontinentalen roten Sand- und Tonsteinformationen des Perms, die rund 260 Millionen Jahre alt sind, auf die marinen kalkhaltigen Formationen des Jura mit einem Alter von rund 170 Millionen Jahren. Entstanden ist die Verwerfung von rund 65 Millionen Jahren, als sich die Alpen aufschoben.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Diese Verwerfung ist zwar 50 Kilometer lang, aber nicht überall sichtbar. Entdecken könnt ihr sie auf dem circuit routier de la Faille de Meyssac, einer Themenstraße mit fünf Stationen, und einem Rundwanderweg auf den Anhöhen von Meyssac. Vorab empfiehlt sich ein Besuch desEspace Découverte de la Faille de Meyssac et de la Pierre in Noailhac.

Mit Modellen, Infotafeln, Gesteinsproben und Fossilien entführt er euch in die üppigen Wälder des Perm oder auf den Meeresboden, der im Jura das Land bedeckte. Star der Sammlung ist das Fossil einer Gruppe von Langusten. Im Untergeschoss blättert die Sammlung die Baugeschichte der Region auf und zeigt Möbel aus Stein.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Meyssac: meine Reisetipps

Schlemmen und genießen

Ô ptit bistrô

Die beliebte Bar-Brasserie serviert Burger, Salate und planches zum Teilen. Das menu du jour ist günstig und gut. Bei meinem Besuch gab es Suppe, Käseküchlein, Filet Mignon mit Gratin sowie Panna Cotta mit roten Früchten.
• 1, Place du Jet d’Eau, 19500 Meyssac, Tel. 09 50 91 14 58, www.facebook.com/optitbistromeyssac

Logis Relay du Quercy

Gediegenes, grundsolides Hotel mit guter französischer Küche aus lokalen Zutaten.
• 34, Bd du Quercy, 19500 Meyssac, Tel.05 55 25 40 31, www.logishotels.com

Shopping

Les Feux de Beltane

Lokales Kunsthandwerk findet ihr beim Glasbläser Sylvain Zanibellato.
• 20, Bd du Quercy, 19500 Meyssac, Tel. 05 55 85 40 69, www.facebook.com

Mit Kindern

56 Geocaching-Stätten machen die Corrèze zur Terra Aventura. In Meyssac lockt der Parcours Au gré du grès.
www.terra-aventura.fr

Hier könnt ihr schlafen*
Booking.com

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Weiterlesen

Im Blog

Collonges-la-Rouge: Pilgerperle in Rot

Im Buch

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Der freie Reisejournalist Marcus X. Schmid hat für alle, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind, den besten Reisebegleiter verfasst: sachlich, mit viel Hintergrund, Insiderwissen und Tipps, und dennoch sehr unterhaltsam und humorvoll.

Ich kann ihn aus ganzem Herzen empfehlen, denn auch in diesem Band zu Südwestfrankreich sind tolle Tipps enthalten. Auch kritische Anmerkungen fehlen nicht. Kurzum: ein Reiseführer, der grundehrlich das Reisegebiet vorstellt – ohne versteckte Promotions.

Der gebürtige Schweizer, Jahrgang 1950, lebt heute als Autor und Übersetzer in der französischsprachigen Schweiz. Wer mag, kann ihn hier* direkt beim Verlag bestellen.

Das ganze Land

Secret Citys Frankreich*

Gemeinsam mit meinem geschätzten Kollegen Klaus Simon stelle ich in diesem Band 60 Orte in Frankreich vor, die echte Perlen abseits des touristischen Mainstreams sind. Le Malzieu in der Lozère, Langogne im Massif Central, aber auch Dax, das den meisten wohl nur als Kurort bekannt ist.

Mit dabei sind auch Sens, eine filmreife Stadt im Norden von Frankreich, und viele andere tolle Destinationen. Frankreich für Kenner  – und Neugierige!

Lasst euch zu neuen Entdeckungen inspirieren … oder träumt euch dorthin beim Blättern im Sessel oder am Kamin. Wer mag, kann das Lesebuch mit schönen Bildern hier* bestellen.

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2 Kommentare

  1. Super Text, dieses Dorf gefällt mir noch besser als Collonge-Rouge, ist lebendiger, menschlicher mit normalem Dorfleben, buntem Markt, Apotheke…
    Ganz in der Nâhe empfehle ich in Branceilles die Weinkellerei 1001 Pierres um die typischen Weine der Corrèze zu probieren.

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