Novembre numérique: Graphic Novels aus Frankreich

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Digital ist überall. Es bringt euch im Corona-Herbst Frankreich direkt ins eigene Heim. Und dies besonders in diesem November. Der Novembre Numérique feiert die Digitalkultur. Das weltweite Festival besteht bereits seit 2017.

Seitdem organisiert es das Institut français mit dem französischen Kulturnetzwerk im Ausland mit alljährlich wechselndem Schwerpunkt.

Der Novembre Numérique bietet die Gelegenheit, den Platz der digitalen Technologie in unseren Gesellschaften zu hinterfragen, sich in neuen Anwendungen zu schulen und den Reichtum und die Vielfalt der digitalen Kreation zu entdecken.

Institut Français

Frankreichs Kulturminister Franck Riester hat 2020 zum Jahr des Comics erklärt. So liegt auch der Festivalschwerpunkt 2020 auf Comics. 15 Prozent aller Comic-Veröffentlichungen in Deutschland sind Übersetzungen aus dem Französischen.

Auch, wenn ihr den Monat der Digitalkultur verpasst haben solltet: Viele der Comic-Filme könnt ihr auch danach noch im Netz genießen. Lasst euch überraschen, wie vielfältig inzwischen die graphic novels und bandes dessinées aus Frankreich sind!

Der “Monat der Digitalkultur”: die Highlights

Bis zum 30. November nimmt euch die Online-Ausstellung Machines à Bulles (auf Deutsch „Sprechblasenmaschinen)  auf eine virtuelle Reise mit, in der die Welt der Comics mit dem Digitalen verbunden wird.

Auf Tablets, Computer oder Smartphones könnt ihr zu Hause acht Comic-Geschichten durch Tippen, Scrollen oder Klicken interaktiv erleben. Angereichert durch Klangelemente schaffen die digitalen Comics ganz neue Erzählformate.

Online-Ausstellung: Machines à Bulles

Panama Al Brown lädt als Dokumentarfilm mit Zeichnungen, Archivbildern und Videos aus den 1930er-Jahren ein, den Aufstieg des ersten lateinamerikanischen Boxweltmeisters auferleben.

Nicolas Catherin und Sophie Taboni laden euch ein, in Ici tout va bien auf Französisch oder Englisch ihren virtuellen Roadtrip durch die Südsee Ozeaniens zu begleiten. Mit ihrer interaktive Reisegeschichten wurden die beiden Preisträger der Digital Challenge des Internationalen Comicfestivals von Angoulême.

Eine spannende docufiction auf Französisch ist Le Dernier Gaulois von France Télévisions. Das französisch-belgisches Doku-Drama unter der Regie von Samuel Tilman wurde bereits am 21. Dezember 2015 zum ersten Mal in Belgien auf La Trois ausgestrahlt.

Im Wechsel von computergenerierten Animationen und realen Aufnahmen erzählt der Film das Leben in Gallien vor und während des Gallischen Krieges und der Belagerung von Alesia durch die Reiseroute einer fiktiven Hauptfigur, einem Ädilen-Aristokraten namens Apator.

Von drei Frauen, drei Generationen und einem Geheimnis erzählt der Comicstrip Le Portrait d’Esther von Romain Bonnin und Pierre Jeanneau, der euch ins Paris der 1940er-Jahre entführt. Auf der Spur dieses fiktiven Gemäldes erfahrt ihr dort, eingebettet in eine spannende Geschichte, auch viel Hintergrund zu den jüdischen Enteignungen der Nazizeit.

“Das Portrait von Esther” ist sowohl ein innovatives digitales Werk als auch ein Projekt zur Sensibilisierung für die von den Nazis während des Zweiten Weltkriegs geraubten Werke. 60.000 Werke wurden jüdischen Familien während des Krieges gestohlen, weitere 2.000 warten noch auf ihre Besitzer.

Der französische Staat versteht sich als Hüter dieser Werke. Heute sind 700 der Obhut regionaler Museen anvertraut. Sieben davon findet ihr im Museum der schönen Künste in Angers, das diesen digitalen Comic beauftragt hat.

Phallaina von Marietta Ren ist eine Graphic Novel auf Französisch und Englisch, deren Bilder horizontal laufen. Es erzählt das persönliche Abenteuer einer jungen Frau, deren Leben sich nicht so entwickelt, wie es vorgesehen war. Sie heißt Audrey – und versucht mit klinische Studien, den Ursprung ihrer Halluzinationen über riesige weiße Wale zu ergründen.

Marietta Ren produzierte Phallaina bereits 2016. Ihre Werk verbindet Film, Cartoon und Illustration. Inspiriert von den Kognitionswissenschaften und alter Mythologie, wird es zu eine zeitlosen Aussage über das Leben an sich: Die conditio humana als Comic strip.


In  L‘immeuble  von Victor Dulon könnt ihr die Phantasmen aufklären, denen die Hausbewohner auf ihrer Reise durch Raum und Zeit begegnen.  15 Stockwerke und 23 Räume  warten auf euch zum Erkunden in einer Nacht!

Sein Macher nennt sich in der virtuellen Welt nur Vidu. Ursprünglich aus der Welt der 3D-Animation kommend, wandte er nach seinem 1. Preis beim Festival von Angoulême für den besten digitalen Comic des Jahres 2017 mit “L’immeuble” den digitalen Comics zu.

Seitdem hat er Blue Canvas Media gegründet, eine Produktions- und Vertriebsfirma für digitale Comics. Bekannt wurde sie durch das interaktive Lese-Spiel Elya Police Investigation. Bei diesem webtoon könnt ihr zwischen den einzelnen Episoden über die Fortsetzung der Geschichte abstimmen.

Le secret des cailloux qui brillent
ist ein Gemeinschaftswerk, das Thomas Mathieu Page mit seinen Mitstreitern  Tarmasz, Emmanuel Espinasse, Jeanne Balas, Luchie, Timothé Le Boucher, Tamia Baudouin, Exaheva, T Mortis Ghost, STC019, Megaboy, Fanny Grosshans, Ima, Xavier Bouyssou, Aurore Vegas, Mirion Malle und Nina Lechartier auf die Beine gestellt hat. Eingesammelt wurden die Gelder über die US-amerikanische Crowdfunding-Plattform Patreon.

Der Web-Comic spielt im Land der Riesen. Dort entdeckt Grüt einen magischen Stein, der die Größe nach Belieben verändern kann. Mit diesem Zauberstein hofft Grüt, seine in eine Schnecke verwandelte Freundin Jeanne wieder menschlich aussehen zu lassen. In jeder Folge zeichnet ein anderer Künstler die unkonventionellen Charaktere der fantastischen Reise durch diese Welt der Magie und der politischen Instabilität.

Fabre & the City von Cépé zeigt anschaulich, wie ein Museum interaktiv und spannend seine Gemälde und Skulpturen präsentieren kann.

Pionier dieser digitalen Präsentation und  Aufwertung seiner ständigen Sammlungen war das Fabre-Museum von Montpellier. In Form einer digitalen Grafikserie lässt das innovative Kommunikations-Tool des Museum Neugierige hinter die Kulissen des Museums sieben Episoden lang blicken.

Interaktiv tauchen sie in das intime Leben der Kunstwerke ein. Für dieses Projekt, das Cépé illustrierte, arbeitete der Künstler mit der Agentur Opixido, die sich auf Museumskommunikation spezialisiert hat.

Was essen wir 2050, fragt Manger vers le futur. Der unterhaltsame Comic untersucht möglichen Entwicklungen unserer Ernährung und unseres Konsumverhaltens unter dem Aspekt von Verantwortung und Nachhaltigkeit.

Hinter dem Projekt steht die ANCA (Aliment Nutrition Comportement Alimentaire), ein Partner von AgroParisTech. Ihr Ziel ist es, das Bewusstsein für gesunde und nachhaltige Ernährung durch die Entwicklung innovativer und zugänglicher Programme zu schärfen.

Der wissenschaftliche Inhalt des Comics wurde von der ANCA mit Hilfe von Soziologen, Ökonomen und Ernährungswissenschaftlern entwickelt. Die Geschichte wurde von Benjamin Hoguet geschrieben, von Jean-Pierre François inszeniert und von Madd illustriert.

Ein zwölf Quadratmeter großes digitales Fresko ist das ist La grande histoire du dessin sans finvon Elly Oldman. Die Idee zu diesem Mammutwerk kam der jungen Illustratorin aus Rennes, als sie im Frühjahr 2017 nach einem Unfall im Bett fest lag, zu zeichnen begann und ihre Bilder auf Instagram veröffentlichte: www.instagram.com/theinfinitedrawing.

200 Bilder, 15 Meter Zeichnung und 18 000 Follower später, stellt sie sie zu einem gigantischen digitalen wie interaktiven Fresko zusammen.Zeichnungen und Augmented Reality verschmelzen darin.

Ob es einem dusseligen Fuchs gelingt, durch die Fallen zu kommen, die die Tiere im Hühnerstall aufgestellt haben, habt ihr bei der App “Le Grand Méchant Renard” in der Hand.

Basierend auf Benjamin Renners Comic-Album Le Grand Méchant Renard, das 2016 mit dem Prix jeunesse du Festival d’Angoulême ausgezeichnet wurde, könnt ihr mit dieser interaktive Anwendung die Abenteuer dieses mickrigen Fuchses miterleben, der der Schrecken des Hühnerstalls werden will.

Online-Festival: Mon Comic Salon

Noch bis Ende 2020 feiert das virtuelle Festival Mon Comic-Salon des Institut français Deutschland das “Comic-Jahr | Année de la BD”. Welche Comics allein in diesem Jahr in Frankreich neu erschienen sind, verrät online dieser Katalog.

In der Culturethèque könnt ihr 300 Comics auf französisch online lesen. Klassiker wie Die Schlümpfe, SpirouBoule & Bill, aber auch Serien, die neuesten Graphic Novels und witzige Comiczine und innovative Projekten. Der kostenlose Testzeitraum umfasst drei Wochen. Wer Comics liebt und länger lesen möchte, kann ein Jahresabo abschließen.

Online-Debatte: Digitalisierung und Umwelt

Bei der Online-Konferenz “Digitales Wachstum und Schutz des Planeten, ein Oxymoron?” werden Guillaume Pitron, Inès Leonarduzzi, Denis Trystam und Thomas Hamacher am 20. November um 19.30 Uhr in München ins Gespräch kommen. Die Debatte wird live über Zoom und Facebook übertragen.

Informationen zum gesamten Programm findet ihr auf der Website www.institutfrancais.de/deutschland/kultur/buch-ideen/novembre-numerique-2020.

Über das Institut français Deutschland

Das Institut français d’Allemagne (IFA), ist Teil der französischen Botschaft in Berlin und zuständig für die Umsetzung der französischen Auslandskulturpolitik Deutschlands. Seine Hauptaufgaben sind die Förderung der französischen Sprache und Kultur. Es besteht aus einem Netzwerk von 11 französischen Instituten an 14 verschiedenen Orten.

Dabei pflegt es eine enge Beziehung zu 13 deutsch-französischen Kulturzentren. Die Handlungsfelder des Institut français Deutschland basieren auf vier Säulen – künstlerisches Schaffen, Ideendebatte, Innovation und französische Sprache.

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Angoulême ist die Comic-Hauptstadt von Frankreich. Alljährlich im Januar findet dort an der Charente Frankreichs berühmtestes Comicfestival statt. Klickt hier für Infos und Impressionen!

Angoulême: Street Art im Comic-Stil schmückt die Wände der Stadt. Foto: Hilke Maunder
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4 Kommentare

  1. Vielen Dank für Ihren neugierig machenden Beitrag! Kurzes Hineinschnuppern in “Ici tout vas bien” – genial gemacht! Da muss ich nochmals mit ein wenig mehr Muße weiterlesen.
    Viele Grüße!

    • Hallo Frau Flammersberger,
      ich muss ja gestehen, dass ich Comics nur aus meiner Kindheit kannte – und damals nicht mochte. Aber was jetzt digitale Comics und Graphic Novels leisten, finde ich schon höchst spannend, zumal die Themen auch deutlich vielfältiger sind als früher. Bin neugierig geworden :-).
      Alles Hute und schönes Wochenende! Hilke

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