So viel Frankreich steckt in … Oldenburg

((v.l.) Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt und Blains Bürgermeister Jean-Michel Buf am Partnerschaftsstein. Foto: Stadt Oldenburg in Holstein.
((v.l.) Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt und Blains Bürgermeister Jean-Michel Buf am Partnerschaftsstein. Foto: Stadt Oldenburg in Holstein.

Sie ist ein Küken unter den deutsch-französischen Freundschaften. Nicht gegründet nach dem Grauen der Weltkriege. Nicht nach der Wende. Sondern gerade erst im letzen Jahr, mitten im Sommer; die Städtepartnerschaft von Oldenburg in Holstein mit Blain im Pays de la Loire bei Nantes.

Am 26. August 2017 setzte Bürgermeister Jean-Michel Buf für Blain seine Unterschrift unter die Partnerschaftsurkunde, für Oldenburg Bürgermeister Martin Voigt. Zur offiziellen Delegation aus Oldenburg, die zur Zeremonie nach Blain gereist ware, gehörten auch Bürgervorsteherin Susanne Knees, weitere Stadtverordneten sowie Mitglieder des Partnerschaftskomitees unter Leitung von Sylvaine Mody. Geschlafen wurde bei Familien, gemeinsam gefeiert gleich mehrere Tage lang.

Die Sportler*innen des OSV in Blain. Foto: Stadt Oldenburg in Holstein.

Denn auch 15 jungen Sportlerinnen des Oldenburger SV von 1865 waren mit in die neue Partnerstadt gereist. Finanziert wurde ihre Teilnahme aus einem Topf, der zeigt, wie sehr nicht nur Institutionen, sondern die Bürger beider Städte diese Partnerschaft wollten. Die Mittel kamen nicht nur vom Deutsch-Französischen Jugendwerk. Sondern auch auch von einem Ehepaar, dass aus Anlass ihrer Goldenen Hochzeit auf Geschenke verzichtete und stattdessen um Spenden für die Jugendarbeit des Oldenburger Sportvereins gebeten hatten.

Von Menschen, für Menschen

Ein Partnerschaft, von Menschen getragen – diese Vision prägt seit den ersten Kontakten den Austausch mit Blain. Bürgermeister Martin Voigt erinnerte daran in seiner Ansprache:

Wir wollten keine Städtepartnerschaft, bei der sich offizielle Delegationen nach einem festen Rhythmus gegenseitig besuchen, sondern einen Austausch der Bürgerinnen und Bürger. Dadurch sollen möglichst viele die Menschen der jeweils anderen Stadt kennenlernen, die jeweiligen Besonderheiten als Bereicherung erfahren und dabei feststellen, dass wir doch alle Menschen dieser Erde mit ähnlichen Vorstellungen, Wünschen und Ängsten sind.

So haben wir erst einmal versucht, das Interesse in der Bevölkerung auszuloten. Die Resonanz war überzeugend, und wir haben mit interessierten Personen ein Partnerschaftskomitee gegründet. Ein solches Komitee hatten wir bei Euch kennengelernt und die Idee übernommen. Ein guter Schritt, denn das Komitee hat inzwischen sehr viel dafür getan, dass wir heute die Partnerschaft zwischen unseren Städten feierlich begründen können.

Bereits im Prozess der Gründung, verraten die Worte von Voigt, begann der Austausch. Oldenburg übernahm von Blain die Idee eines Partnerschaftskomitees. Ein Jahr lang hielten Sylvaine Mody und ihre Mitstreiter im Komitee ständig Kontakt nach Blain, begeisterten die Menschen für die Partnerschaftsarbeit  und empfingen Gäste aus Blain.

Sie weckten bei zwei weiteren Schulen Interesse an einem Austausch, vermittelten Landwirtschaftspraktikanten und gewannen weitere  Organisationen wie den Oldenburger SV von 1865 (OSV) als Unterstützer.

Nach nur einem Jahr intensiver Arbeit des Komitees waren beide Städte reif zur Unterschrift. Sie hatten einen Schüleraustausch zwischen der École Saint-Laurent in Blain und dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium weiterentwickelt zu einer echten Städtepartnerschaft.

Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt (.) und Blains Bürgermeister Jean-Michel Buf (4.v.l.) mit dem Oldenburger Geschenk – einer Kupferplakette zur „jumelage“.  Foto: Stadt Oldenburg in Holstein.

Ehrungen für Oldenburg: Prix Rovan…

Für  diesen Mut, ihre Initiativen und ihr Engagement wurden die Ehrenamtler um Sylvaine Mody am 27. Januar 2018 von Botschafterin Anne-Marie Descôtes mit dem„Prix Rovan“ geehrt. Der Preis für herausragende deutsch-französische Projekte wird seit 2006 verliehen und ist mit 3000 Euro dotiert. 2018 hatten sich elf Städte mit ihren „innovativen Ansätze, um die Zukunft Europas zu gestalten“ beworben.

Neben Oldenburg ausgezeichnet wurden die DFG Halle für ihr Projekt „Spiel-Sprachen – Sprachen-Spiele“, das minderjährige unbegleitete wie frankophone Geflüchtete mit Französischschülerinnen und -schülern zusammenbringt, und die DFG Bocholt für das Fotoprojekt „TeamWork: Acht Partnerstädte – 12 Berufe“ mit 45 jungen Berufschüler*innen aus Bocholt und seinen acht Partnerstädten.

… und Preis der Familie-Mehdorn-Stiftung

Am 21. April 2018 folgte die zweite Ehrung. Bei ihrer zehnten Preisverleihung zeichnete die Familie-Mehdorn-Stiftung im Bereich Interkulturelle Kommunikation  Sylvaine Mody und das Partnerschaftskomitee Oldenburg/Blain im Bereich für die  Vermittlung und Begleitung von Praktika im Bereich soziale Berufe für Berufsschüler aus der Partnergemeinde Blain/Frankreich aus.

Seit der Unterzeichnung hat die Partnerschaft auch im Stadtbild bereits Akzente gesetzt. In Blain heißt der Stadtpark jetzt „Parc Oldenburg in Holstein“, und eine Statue eines Künstlerehepaars erinnert an die „jumelage“ In Oldenburg sprachen sich die Stadtväter für die Umbenennung der Großsporthalle aus.

Seit dem Parkfest vom 24. Juni 2018 heißt der Bau am Schauenburger Platz nun auch offiziell Blain-Halle. Das Bild, das zwei  Grafitti-Künstler auf die Seitenwand gesprüht haben, erinnert daran, das Sport die Menschen verbindet. Und dass der Nachwuchs die Partnerschaft überhaupt erst ins Rollen gebracht hat.

 

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