Der Retter des Palais des Évêques

Palais des Évêques: Jacques Lextreyt auf der Terrasse. Foto: Hilke Maunder
Jacques Lextreyt auf der Terrasse des Palais des Évêques. Foto: Hilke Maunder

Ich bin immer wieder tief beeindruckt, wie sich in Frankreich die Menschen für den Erhalt ihrer Kulturgüter einsetzen.

So wie Jacques Lextreyt. Der Homöopath rettet in Bourg Saint-Andéol mit Freiwilligen den Palais des Évêques vor dem Verfall. Mehr als die Hälfte der 103 Räume im alten Bischofspalast sind bereits instand gesetzt.

Palais des Évêques:
Das bischöfliche Wappen ziert die Fassade. Foto: Hilke Maunder

Palais von Adel und Klerus

Ursprünglich war das Stadtpalais eine adelige Burg: Die Familie Mondragon ließ sie  im Mittelalter erbauen. Sicher und standesgemäß auf erhabener Lage auf dem Rocher Saint-Michel – ist der Blick von der große Terrasse auf die Rhône nicht traumhaft? Auch sie schmücken große Tonvasen von Bosset aus Anduze, wie sie schon im Ehrenhof zu sehen waren.

Palais des Évêques: Blick von der großen Terrasse auf die Rhône. Foto: Hilke Maunder
Von der großen Terrasse blickt ihr auf die Rhône. Foto: Hilke Maunder

Im Zuge der Albigenserkriege kam die Burg in den Besitz des Bischofs von Viviers.  Jene erkoren Ende des 15. Jahrhunderts die Burg zur Hauptresidenz bauten sie im Laufe der Jahrhunderte immer mehr aus. Mehr als 40 Bischöfe residierten hier im Laufe der Jahrhunderte in seinen 103 Zimmern.

Palais des Évêques: Schachspiel im Bischofszimmer. Foto: Hilke Maunder
Schach war beliebt bei den Bischöfen von Bourg-Saint-Andéol. Foto: Hilke Maunder

Bischof François-Renaud de Villeneuve jedoch verließ das Palais. Die Residenz wandelte sich zum Seminar, in der die Faculté des Arts de Valence Philosophiestudien anbot. 1852 schloss das Seminar.

Palais des Évêques: Schaufensterpuppen in Originalkostümen verleihen den Räumen Flair. Foto: Hilke Maunder
Schaufensterpuppen in Originalkostümen verleihen den Räumen Flair. Foto: Hilke Maunder

Zwei Jahre später wurde der Bau an die Congrégation des Sœurs de la Présentation de Marie, die in den historischen Mauern 140 Jahre lang eine école maternelle und eine Grundschule betrieb – bis Juni 1998. Verwaist, verfiel der seit 1946 denkmalgeschützte Bau mit seiner gotischer Fassade und den auffallend großen Schornsteine aus dem 17. Jahrhundert.

Palais des Évêques: Die Schätze der Pharmacie. Foto: Hilke Maunder
Die Schätze der Pharmacie. Foto: Hilke Maunder

Mit Engagement zum Erfolg

Bis zum Jahr 2000. Dann erwarb sie Jacques Lextreyt als résidence privée. Doch der 68-jährige Hömopath zog mit seiner Gattin Nicole in nur wenige Räume ein. Die restlichen machte er öffentlich. Und gründete die Association Palais des Evêques, die seitdem mit vielen Aktionen, Ausstellungen und Events Gelder für die Restaurierung des Bischofpalastes eintreibt.

Mittelalterfeste, wechselnde Kunstausstellungen, Firmenveranstaltungen. Die Kassen füllen sich, Raum für Raum füllt sich der Bau mit Leben, mit Geschichte und Legenden, Menschen und Mythen – hautnah zu erleben bei jedem Besuch. Und jetzt: hinein!

Ein kleiner Rundgang durch das Palais der Bischöfe

Palais des Évêques:
Der Innenhof des Bischofspalastes birgt einen kleinen Garten. Foto: Hilke Maunder

Öffnet das hohe rote Tor, das in die Mauer der schmalen Straße eingelassen ist. Es öffnet sich zum quadratischen Cour d’Honneur, einem Garten mit alten Rosen, Heil- und Duftpflanzen. Und einer Katze, die um die Gartentische streicht, und später um meine Beine.

Palais des Évêques: Die Hauskatze tigert im Innenhof-Garten umher. Foto: Hilke Maunder
Die Hauskatze tigert gerne im Garten des Innenhofes umher. Foto: Hilke Maunder

Geradeaus geht es hin zu einem Saal, in dem wechselnde Ausstellungen gezeigt werden. Linker Hand wohnen Jacques und Nicole, rechter Hand beginnt der Rundgang mit einem kleinen Museum zur Geschichte von Ort und Objekt.

Palais des Évêques:
Die Kapelle des Bischofspalastes dient heute als kleine Kunstgalerie. Foto: Hilke Maunder

Und zu einer Kunstausstellung. In der Kapelle, die erst im 18. Jahrhundert erbaut wurde, könnt ihr 50 Arbeiten des französischen Illustrators und Malers René Margottan sehen.

Palais des Évêques:
Werke von René Margottan schmücken die Wände der Bischofskapelle. Foto: Hilke Maunder

Sie zeigen religiöse Motive und profane Themen. Sehr bunt und plakativ, mitunter ein wenig angelehnt an den Stil von Marc Chagall. In einigen Räume sind auch noch Wandfresken aus dem 17.Jahrhundert original erhalten!

Palais des Évêques: der Rittersaal. Foto: Hilke Maunder
Der Rittersaal. Foto: Hilke Maunder

Gegen Ende des Hundertjährigen Krieges  ließ Guillaume de Poitiers für Feiern und Feste die wunderschöne Salle des Banquets reich mit Wappen ausschmücken. Hier könnt ihr Sonntag abends ein Menü genießen – oder mittelalterliche Bankette erleben, die mehrmals im Jahr stattfinden. Viele der Gäste kommen im Mittelalter-Look!

Palais des Évêques: der Rittersaal. Foto: Hilke Maunder
Der Rittersaal: was für ein Ambiente für Feste! Foto: Hilke Maunder

Gekocht wird dann wie einst in den beiden grandes cuisines. Ein länglicher Tisch aus dickem Holz, funkelnde Kupfertöpfe… wenn das Feuer im Kamin fackelt, muss es wunderschön aussehen!

Palais des Évêques: die Küche beim Rittersaal. Foto. Hilke Maunder
Die Küche, in der bei Veranstaltungen im Rittersaal bis heute gekocht wird. Foto: Hilke Maunder
Palais des Évêques: Dieses Kupfergeschirr ist bis heute in Gebrauch. Foto: Hilke Maunder
Dieses Kupfergeschirr ist bis heute in Gebrauch. Foto: Hilke Maunder

Letzte Station des Rundgangs ist die Bibliothek der Bischöfe. “Da steckt noch viel Arbeit drin!” sagt Jacques Lextreyt. Bis unter die Decke stapeln sich viele Gänge lang die alten Schinken. Mit seinen ehrenamtlichen Helfern wird Monsieur auch dies in den nächsten Jahren schaffen. Merci pour la visite!

Palais des Évêques: die Bibliothek. Foto: Hilke Maunder
Die Bibliothek. Foto: Hilke Maunder
Palais des Évêques: Wer die Restaurierungsarbeiten unterstützen möchte, kann es mit dem Kauf lokaler Kunst tun. Foto: Hilke Maunder
Wer die Restaurierungsarbeiten unterstützen möchte, kann es mit dem Kauf lokaler Kunst tun. Foto: Hilke Maunder

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