Pô Bouilli: das beschwipste Brot

Pô Bouilli: 600 Brote wandern in den Ofen. Foto: Office de Tourisme, La Grave.
Pô Bouilli: Letzte Gärung für 600 Brote. Foto: Office de Tourisme, La Grave.

Im November erobern langsam die Schneeflocken Villar-d’Arêne. Im kleinen Dorf der Hautes-Alpes der Provence rücken die Einheimischen zusammen, um vor der winterlichen Skisaison die Gemeinschaft zu feiern: beim Backen des Pô Bouilli während der Fête du Pain.

Villar d’Arêne – ein kleines, sehr ursprüngliches Bergdorf der Hautes-Alpes der Provence. Foto: Office de Tourisme, La Grave.

Das Schwarzbrot der Westalpen wird nur ein Mal im Jahr gebacken – und immer am dritten Novemberwochenende. Und ein Wochenende braucht es für die 600 Brote.

In große Holztröge schütten die Männer Freitag Abend das Roggenmehl, vermischen mit Holzschiebern Wasser und Lab und lassen es gehen. Ab Sonnabend knetet das ganze Dorf: Männer, Frauen und Kinder.

Alle greifen mit ihren Händen in den Teig und walken mit ihren bloßen Händen den schweren Teig so lange durch, bis der Schweiß fließt. Und der erste Wein. Klebt der Teig nicht mehr an den Händen, ist es Sonnabend Abend. Und wieder heißt es: bonne nuit, Teig.

Das Pô Bouilli erhält seine finale Form. Foto: Office de Tourisme, La Grave

Nach der morgendlichen Sonntagsmesse stechen die Männer große Quadrate ab. Die Frauen und Kinder formen sie zu schwergewichtigen Kugeln. Fünf, mitunter sogar sechs Kilogramm bringen die Teigklöße auf die Wage. Auf langen Holzbrettern aufgereiht, ruhen sie nun.

Die Männer holen derweil das Holz. Jeder Haushalt sammelt für das große Backen Äste zum Anfeuern und dicken Brocken zum Backen.

Nach dem Mittagessen beginnt es. Dicht an dicht landen die Rohbrote im Dorfofen, 600 Stück, dicht an dicht. Eine Stunden lang wird das Pô Bouilli gebacken. Langsam senkt sich der Abend. Alle stehen jetzt mit Kerze und Lebenswasser vor der gusseisernen Ofentür voller Spannung: Ist das Brot gelungen?

Pô Bouilli: 600 Brote wandern in den Ofen. Foto: Office de Tourisme, La Grave.

Die Tür öffnet sich, und der würzige, warme Geruch des Pô Bouilli verrät: Ja, es ist gar! Noch ofenfrisch werden die Brote verteilt.

Die Dörfler reißen große Stücke aus dem Laib, tauchen sie ins Lebenswasser, halten das Brot in eine Kerze und öffnen den Mund: „Faire gauchette“! Nach ein paar Brocken flambierten Brotes macht sich wohlig-warme Stimmungen breit. Der Winter kann kommen.

Pô Bouilli (abgewandelt für Haushaltsherd)

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