Mein Frankreich: Sabrina Kyrell 2


„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Ungefiltert, bunt und vielfältig in Erfahrungen und Bewertungen, Erlebnissen und Erinnerungen. Diese Blogparade ist euer Forum.

Und ich freue mich, wenn möglichst viele mitmachen. Und erzählen: Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Diesmal antwortet Sabrina Kyrell. Die Rheinhessin hatte schon als Kind und Teenager Geschichten geschrieben, später Reisetagebücher – und als sie sich der 50er-Marke näherte, wurden es dicke Romane…


Das Herz eines jeden Engländers schlug höher, wenn die „white cliffs of Dover“ in Sicht kamen, denn er wusste: die Heimat ist nah. So habe ich es im Englisch-Unterricht gelernt… aber warum hat mir nie jemand gesagt, dass es auf der anderen Seite des Ärmelkanals auch eine Küste mit weißen Klippen gibt?
Warum musste ich das erst als Erwachsene und ganz allein herausfinden?  Als Hilke mir vor kurzem von ihrer Blogparade erzählte, war ich Feuer und Flamme und überlegte sofort, welche Ecke dieses schönen Landes ich als „mein“ Frankreich bezeichnen würde.

Da ich mein ganzes Leben lang im Südwesten Deutschlands gewohnt habe, lag Frankreich schon immer irgendwie „vor der Tür“. Diverse Ausflüge ins Elsass und eine Klassenreise nach Paris waren die ersten Gelegenheiten zum Kennenlernen unserer Nachbarn. Kurz nach dem Abi konnte ich meine Kenntnisse von Land und Leuten vertiefen: vier junge Leute, drei Wochen, zwei Zelte und ein VW Käfer – die Bretagne wartete auf uns!

Unerwartete Standpauke

Wir genossen die Freiheit, das Essen, den Rotwein, die Sonne und die Strände. Apropos Freiheit – in diesem Urlaub wurde das erste Oben-Ohne-Foto von mir geschossen! Völlig unbedarft und unschuldig zeigte ich es zu Hause meinen Eltern und bekam eine Standpauke zu hören, die sich gewaschen hatte.

Der Vollständigkeit halber muss ich erwähnen, dass meine Mutter wenige Jahre später keinerlei Hemmungen hatte, sich selbst Oben-Ohne am Strand zu präsentieren. Bis zum heutigen Tag saunieren sie beide sehr gerne, aber 1979 war das Thema Nacktheit in der Öffentlichkeit noch etwas ganz Anderes…

Zwei oder drei Besuche in Paris kamen in meinen ersten Jahren als Reiseverkehrskauffrau dazu, dann einige Tage Strandurlaub in Arcachon, worauf ein Highlight folgte, an das ich bis heute gerne zurückdenke: eine Wanderstudienreise zu den Schlössern der Loire. Mit dem Reisebus ein Schloss nach dem anderen anzusteuern, war und ist für mich alles andere als verlockend.

Wein gegen Schnupfen

Doch über Hügel, Wiesen und Felder oder durch Weinberge zu wandern und dann irgendwann die Spitze eines Türmchens auftauchen zu sehen – das war einfach grandios. Wir näherten uns den Schlössern langsam, und dadurch war das Erleben umso intensiver. Da machte auch der eine oder andere Regenguss nichts aus. Gegen die drohende Erkältung half das leckere Essen und der köstliche Wein. Schon in unserem Zelturlaub nach dem Abi hatten wir die Erfahrung gemacht, dass Alkohol desinfiziert…

Rhône-Tour mit Krücken

War ich bis dahin immer mehr oder weniger alleine unterwegs gewesen, kam mit Anfang Dreißig dann mein heutiger Mann ins Spiel. Glücklicherweise teilt er meine Leidenschaft fürs Reisen, und seitdem ziehen wir gemeinsam durch die Welt – pardon – durch Frankreich und die Welt!

Eine Kreuzfahrt auf der Rhône stand unter keinem guten Stern. Kurz vor der Abfahrt zog sich mein Mann einen Knochenbruch zu und musste die Reise mit Krücken antreten. Das hinderte uns jedoch nicht daran, Lyon und die anderen Städte an der Route dennoch zu erkunden – die Touren waren eben etwas kürzer als sonst. Dazu kam, dass es in den Wochen zuvor stark geregnet hatte und die Rhône viel Wasser führte. Die Reise konnte nicht komplett durchgeführt werden – Schwamm drüber.

Avignon und die Camargue, Nizza und die Cote d’Azur waren Ziele, die wir in den Jahren danach und bei besserem Wetter besuchten. Seit damals schlummert eine zarte Liebe für Nizza in meinem Herzen. Die Stadt mit ihrer Lage am Meer, den verwinkelten Gassen und den lebendigen Märkten haben es mir angetan.

Da macht es besonders traurig, wenn Terroristen versuchen, diese mediterrane Lebenslust mit einem feigen Anschlag zu zerstören. Es ist ihnen nicht gelungen, genauso wenig wie es den feigen Dieben, die unser Wohnmobil auf einen Supermarkt-Parkplatz aufbrachen, gelungen ist, uns von weiteren Frankreich-Reisen abzuhalten.

Doch wie aus meinen einleitenden Sätzen vermutet werden kann, ist es eine andere Region, die sich tief in meiner Seele eingenistet hat. In zwei Urlauben mit dem Wohnmobil erkundeten wir einen Teil der bretonischen Küste und die Küste der Normandie bis fast hinauf zur belgischen Grenze.

Wir hatten immer unsere Fahrräder dabei und erkundeten darauf die Umgebung. Wir waren begeistert von der schönen Landschaft, den malerischen Dörfern, dem leckeren Essen und ganz besonders von den netten, hilfsbereiten Menschen.

Aufgrund unserer Begeisterung – und weil mein Schwiegervater dort in Kriegsgefangenschaft gewesen war –  nahmen wir die Schwiegermutter auf unserer Frankreich-Reise 2010 mit nach Barneville in ein hübsches Ferienhaus und zeigten ihr die Schauplätze aus dem Zweiten Weltkrieg, von denen sie bisher nur aus Erzählungen gehört hatte.

Die Klippen des Pays de Caux

Mein persönliches Highlight nach all diesen Reisen ist eindeutige die Gegend zwischen Etretat und Treport. Die Küste bietet immer wieder neue Ausblicke – bedrohlich und gefährlich oder einfach nur atemberaubend schön.

Irgendwo dort entdeckten wir ein kleines Schloss, auf einem Hügel gelegen und mit weitem Blick übers Land. Dieses Schlösschen und die weiße Steilküste sind mir so lebendig in Erinnerung geblieben, dass ich sie Jahre später als Schauplatz für meinen Roman „Schritte im Treibsand“ auswählte. Ich brauchte einen Ort, an dem sich vier mächtige Drogenbosse zu Verhandlungen treffen konnten, ohne mit unliebsamen Störungen rechnen zu müssen…

Lust auf eine Leseprobe? Auf einer nicht-öffentlichen Seite meines Blogs habe ich einige Ausschnitte zusammengestellt, nur für die Leser von Hilkes Blog – hier ist der Link. Herzlichen Dank, liebe Hilke, dass ich an Deiner Blogparade teilnehmen durfte. Durch das Schreiben des Artikels bekam ich richtig Lust, wieder mal eine Reise nach Frankreich zu unternehmen…


Der Beitrag von Sabrina Kyrell ist der 18. Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ich freue mich, wenn dieser Aufruf viele von euch zum Mitmachen inspiriert. Ob kurz oder lang, Prosa oder Lyrik, nur Fotos oder nur Text: Schickt mir eine Mail! Die Beiträge werden in loser Folge veröffentlicht.

 


2 Gedanken zu “Mein Frankreich: Sabrina Kyrell

  • Inge

    Hallo ihr lieben Blogger, wie schön immer wieder so nette persönlich geprägte Geschichten über die ganz spezielle Liebe zu Frankreich zu lesen. Danke für jeden Beitrag, danke Hilke, dass du es ermöglichst. Sabrinas Erlebnisse sind meinen ähnlich und auch ich empfinde eine ganz besondere Liebe zu diesem landschaftlich etwas rauherem Teil Frankreichs, Normandie – Bretagne. Nochmals danke und ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag …..

    • Sabrina Kyrell

      Liebe Inge,
      vielen Dank für Deinen netten Kommentar. Es freut mich, ein verwandte Seele gefunden zu haben. Die Landschaft in der Region Bretagne und Normandie ist wirklich wunderschön, aber auch die Geschichte, die in den Städten, Schlössern, Landhäusern und Gedenkstätten sichtbar wird, macht eine Reise immer wieder interessant und lehrreich…

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