Brummt: die Start-Up-Szene in Frankreich

Station F: Station F: Von der Bahnhofsruine zum weltgrößten Start-up Hub
Station F: Von der Bahnhofsruine zum weltgrößten Start-up Hub

Innovativ, kreativ und Start-Up-Primus: Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA) will Frankreich Zeichen setzen. Erstmals präsentieren sich dort auch 15 französische Jungunternehmer. Vom 1. bis 6. September könnt ihr die Start-ups im French Tech-Pavillon in Halle 26 entdecken. Oder in meiner Liste. Neben dem Vereinigten Königreich ist Frankreich das einzige Land mit einem eigenen Pavillon.

15 Start-ups in Berlin

„Wir haben uns für 15 innovative Firmen entschieden, die über echtes Entwicklungspotenzial auf dem internationalen Markt verfügen und die Kapazitäten haben, ihr Geschäft auszubauen, wenn sie auf der IFA Entscheidungsträger begeistern können“, erzählte mir im Vorfeld Foued Kéfif, der Projektleiter.

„Zum einen gibt es dank der Innovationsplattform IFA NEXT mehr Raum für Start-ups denn je, zum anderen hat sich der IoT-Bereich in Frankreich sehr stark entwickelt.“ Mit IoT meint Kéfif das „Internet of Things“, und damit eingebettete Computer, die euch unterstützten, ohne das es euch groß stört oder ablenkt.

Kéfif ist Projektleiter bei der French-Tech-Initiative, die die französische Regierung bereits 2013  ins Leben gerufen hat. Mit einem Gesamt-Budget von 15 Millionen Euro fördert sie seit 2013 gezielt die französischer Start-up-Szene und die Dynamik unternehmerischer Nachwuchstalente. ist seit Oktober 2016 ebenfalls Mitglied des French-Tech-Netzwerk, das weltweit mehr als ein Dutzend Standorte umfasst.

Station F: die Zukunftsschmiede

Neugierig geworden auf Frankreichs Start-Up-Szene wurde durch die Station F. Vier Jahre lang hatte der einstigen Freyssinet-Bahnhof im 13. Arrondissement  einer riesigen Baustelle geglichen (Fotos oben: vor Umbau). Am 29. Juni 2017 wurde die 34.000 qm große Halle von Staatspräsident Emmanuel Macron neu eröffnet: als weltweit größer Start-Up-Campus.

„Hier ist die Startup-Dichte höher als im Silicon Valley!“ betonte der französische Tech-Milliardär Xavier Niel bei der Eröffnung, der 250 Millionen Euro in den Umbau investierte. Finanziert und betrieben wird Station F mit Niels privater Programmierhochschule École 42 und Industrie- und IT-Partnern. Der Staat und die Stadt Paris unterstützen das Projekt.

In die Brutstätte für junge Unternehmen sind bereits 1.000 Start-Ups eingezogen. Auch ein Fablab zur Herstellung von Prototypen, eine Post-Agentur, eine  Außenstelle des Finanzamts und French Tech sind ebenfalls vertreten. Drei Investment-Fonds, von denen einer Niel selbst gehört, und die öffentliche Investitionsbank bpifrance findet ihr in der 340 m langen Halle, in die vier Etagen eingezogen wurden.

Dazu einen Konferenzraum für fast 400 Personen, ein Atelier mit 3-D-Druckern, Tischkicker und eine Kantine, die ab Ende 2017 rund um die Uhr geöffnet hat: Station F ist ein Mikrokosmos mit Rundumservice für Entrepreneure. 2018 schließt sich die letzte Lücke: Dann soll in nächster Nachbarschaft in drei Türmen Wohnstudios  für 600 Gründerinnen und Gründer eröffnet werden.

Ebenfalls 2018 eröffnete die Big-Mamma-Gruppe im Startup-Zentrum Station F Europas größtes Restaurant. „La Felicitá vereint unter der dem großen Glasdach der einstigen „Halle de Messageries“ auf 4.500 (!) Quadratmetern eine Trattoria, Pizzeria und Cafeteria. Doch das ist nicht alles. Hinzu kommen eine Gourmet Burger Bar,  eine Freiluftgrill-Bar und ein riesiger Biergarten mit loungigen Sitzgelegenheiten und viel Grün.

Milliardär dank Minitel

Gezielt soll es Mentoring geben für all jene, die keine guten Startchancen haben, keinen gefüllten Geldbeutel – und dann vielleicht einen ähnlichen Werdegang wie Niel hinlegen. Der Parvenü aus der verschlafenen Vorstadt Maisons-Alfort wurde mit dem beliebten französischen Onlinedienst Minitel reich: Er verbreitete auf „minitel rose“ Sexangebote. Zur Jahrtausendwende nutzten neun Millionen Franzosen Minitel… Niel hatte jedoch erkannt, dass der Zenith überschritten war, und schuf 1999 den Internetprovider Free, der seit 2012 auch im Mobilfunk tätig ist. 2017 kletterte Niel auf Platz 159 der Forbes-Liste mit den reichsten Menschen der Welt.

Bei Station F verfolgt der Mäzen und Mentor durchaus auch eigene Interessen: Dort konzentriert sich jetzt die vorher unübersichtliche Start-Up-Szene der Hauptstadt. Niel und seine Partner, darunter auch Facebook und Microsoft, die beide Trainings anbieten, können so jeden Trend, jede Idee, jede Genese eines neuen Produktes hauptnah verfolgen und gegebenenfalls mit dem eigenen Wagnisfonds unterstützten. Ähnliche Ziele verfolgt auch die Förderbank Bpi France. Denn Paris ist der neue Hotspot. Das sagt nicht Paris, sondern Deloitte.

Hothouse der Start-Up-Szene

Im Ranking EMEA Deloitte Technology Fast 500  führt Frankreich seit 2010 das Ranking der am schnellsten wachsenden europäischen Start-ups an. 94 der dort aufgeführten Unternehmen stammen aus Frankreich. Deutschland schaffte es 2016 mit 23 Unternehmen in die renommierte Benchmark-Liste. Fast jeden Monat gelingt es heute einer Pariser IT-Firma, bei internationalen Investoren dreistellige Millionenbeträge einzuwerben. French Tech ist en vogue, nicht nur in Paris.

BlaBla-Car & andere tolle Reise-Start-Ups

Eines der erfolgreichsten französischen Start-Ups der letzten Jahre kennt ihr bestimmt: BlaBlaCar – die Mitfahrzentrale des Internets ist seit 2016 auch in Deutschland aktiv. Heute könnt ihr auch in Russland, der Türkei, Indien, Mexiko und Brasilien auf deren Plattform Fahrten anbieten oder buchen.

Les Piaules hat im Herzen von Belleville (Paris) die Jugendherberge neu erfunden – mit praktischen, gut durchdachten 4, 6 und 8-Bettzimmern, günstigen Doppelzimmern mit viel Holz, gemütlicher Lounge samt Bar mit lokalen Produkten, Dachgarten, Schließfächern, superschnellem Internet und sehr freundlichem Personal. „Die beste Jugendherberge von Paris!“ schwärmt das Magazin L’Obs. Viel besser – und günstiger – als beim Platzhirsch Western Union funktioniert bei Moneytis der Geldtransfer ins Ausland. Die Plattform vergleicht die günstigsten Angebote und filtert sie für euch heraus.

Richtig cool sind die SeaBubbles. Die knuffigen Minifahrzeuge, die Alain Thébault und Anders Bringdal erfunden haben, haben im Mai 2017 ihren ersten Praxistest in der Bucht von La Ciotat (Bouches-du-Rhône) erfolgreich bestanden. Und auch die Pariser Bürgermeisterin ist nach einer Seine-Fahrt in den emissionsfreien Vehikeln ganz begeisgtert und würde sie gerne als neue Pariser Wassertaxis einsetzen. 2018 sollen die ersten Prototypen fertig sein.

Ich werde mir auf der IFA in Berlin erst einmal  WISTIKI von Starck ansehen. Diese kleinen vernetzten Alltagshelfer könnt ihr einfach an den Dingen anbringen, die ihr nicht verlieren möchtet. Wenn ihr das nächste Mal euren Schlüssel nicht finden können, sagt euch euer Smartphone, wo er sich versteckt…

Start-Up-Szene Frankreich: meine Infos

Tech Book über Start-Ups (leider nur auf Französisch)

Infos über Start-Ups

http://www.businessfrance.fr

http://lespepitestech.com

In den Regionen engagiert sich France Digitale 

Die Messe für Gründer ist der Salons des Entrepreneurs, der jährlich in Paris, Marseille, Lyon und Nantes stattfindet.

2016 erstmals veranstaltet wurde  in Paris Viva Technology5.000 Start-Ups kamen zur Premiere. Ein Erfolg, der sich 2017 wiederholte und steigerte.

French Tech – die staatliche Initiative zur internationale Vermarktung junger Hightech-Unternehmen.

Welche Start-Ups gibt es in Frankreich? Das verrät dieses Portal: My French Start-Up.

Start-ups aus dem Ausland, die sich in Paris ansiedeln wollen, unterstützt French Tech Ticket. 200 Unternehmen werden 2017 unterstützt.

Infos für Start-Ups in Paris hält auch die Stadtverwaltung hier bereit.

Toll ist auch die Seite  www.maddyness.com mit vielen Informationen über französische Start-Ups 

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1 Kommentar

  1. Super Beitrag ! Danke Hilke 😉
    Business France ist einer der Hauptpartner der French Tech und hilft französische Startups dabei sich in Frankreich aber auch im Ausland zu entwickeln. z.B. in Berlin mit dem French Tech Hub.

    Link zum Tech book (Englisch) und zum Austellerkatalog der IFA: http://www.businessfrance.fr/Media/Default/Livre%20Blanc%20Livret%20Tech/LIVRET%20TECH_UK.pdf
    http://www.youbuyfrance.com/medias/document/BUSINESS_FRANCE_EXHIBITORS_LIST_AT_IFA_2017_24_08_17_16_50.pdf

    Liebe Grüße,
    Isabelle

    @BF_DACH
    @BF_TechServices
    @FrenchTechbrln

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