Mein Frankreich: Silke Ziegler 2


„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Diesmal antwortet Silke Ziegler. Die gelernte Finanzassistentin wurde Mitte der Siebziger Jahre in Weinheim an der Bergstraße geboren, wo sie heute noch mit ihre Familie lebt –  mit ihrem Mann, ihren beiden Kindern und ihrem verrückten Hund. In ihrer Freizeit liest sie gern, reist, wann immer möglich, wandert und schreibt – vielleicht kennen einige von ja ihre Bücher!


Wie ich meine Liebe zu Frankreich entdeckte und dadurch zum Schreiben kam …

Meine Leidenschaft für Frankreich begann vor knapp dreißig Jahren. Ganz gewöhnlich, siebte Klasse Gymnasium, der erste Französischunterricht. Und ich muss zugeben, meine damalige Lehrerin ist nicht ganz unschuldig daran, dass ich für unser Nachbarland entflammt bin. Die Sprache war das eine: Die Satzmelodie, die schön geschriebenen Worte. Aber Frau Klein schaffte es ebenso erfolgreich, uns auf eine besondere Weise die Wesensart der Franzosen, die Kultur und das Land nahezubringen.

Meine erste „richtige“ Begegnung mit Frankreich war dann jedoch eher albtraumhafter Natur. Ich war siebzehn, Schüleraustausch mit einer Schule in Dieppe in der Normandie. Der Hof, auf dem meine Gastfamilie lebte, lag kilometerweit vom nächsten Nachbarn entfernt. Heute würde ich sagen, das perfekte Urlaubsdomizil, damals war die Lage weitab in der Pampa abseits jeglicher Zivilisation der reinste Horror.

Katzen partout

Meine Gastschwester war sehr „speziell“. Sie interessierte sich für nichts, was andere Jugendliche in dem Alter begeisterte. Wir fanden einfach keinen Draht zueinander. Meine Gastmutter, eine Deutschlehrerin, sprach kein Wort Französisch mit mir, sondern übte sich an ihren Deutschkenntnissen, wenn sie schon mal eine Deutsche bei sich hatte. Tja, und dann waren da diese Katzen und der alte sabbernde Hund …

Ich bin ein echter Tierfreund, habe mittlerweile selbst schon lange Jahre einen Hund. Aber Katzen im Bett, Katzen auf der Toilette und vor allem Katzen auf dem Esstisch, die nur darauf warteten, mein Brotmesser abzuschlecken, das ging dann selbst mir zu weit. Und nein, ich habe kein Katzentrauma davongetragen.

Allerdings war ich während dieses Aufenthalts auch zum ersten Mal in Rouen und Paris. Und die positiven Eindrücke des Austauschs überwogen die sehr gewöhnungsbedürftigen Erlebnisse in der Gastfamilie bei Weitem. Nicht unerwartet bekam ich nach meiner Rückkehr nach Deutschland einen, sagen wir mal, sehr unfreundlichen Brief meiner Gastschwester. Der Gegenbesuch wurde abgesagt – worüber ich nicht wirklich unglücklich war. Und ich brannte zu diesem Zeitpunkt bereits für unser Nachbarland.

Verzaubert vom Süden

Zwei Jahre später fuhr ich zum ersten Mal privat nach Südfrankreich, auf einen Campingplatz, der zwischen Sète und Agde lag. Tja, und da war es dann vollends um mich geschehen. Diese kilometerlangen, menschenleeren Sandstrände, die engen Gassen in Sète, die alten Steinhäuser, die Düfte auf den Märkten, die wunderschönen Landschaften … Eine Liebe war geboren.

Wie das Leben so spielt, vergingen die Jahre. Ich heiratete und bekam zwei Kinder. Mein Mann war nie zuvor in Frankreich gewesen. Daher beschlossen wir eines Tages, mit den Kindern Urlaub in Südfrankreich zu machen. Ich erinnerte mich an die schönen Erlebnisse, die viele Jahre zurücklagen. Die wunderbaren Eindrücke, die sich unvergesslich in mein Gedächtnis eingebrannt hatten.

Meine Lebenswende im Midi

Unser erster Familienurlaub in Frankreich liegt nun vier Jahre zurück. Die zwei Wochen stellen, im Nachhinein gesehen, einen Schnittpunkt in meinem Leben dar. Ich habe meine komplette Familie mit dem Frankreichvirus infiziert und ich habe die Liebe zum Schreiben entdeckt. Beruflich war ich damals an einem Tiefpunkt, hatte gerade einen Job gekündigt, da ich mich unterfordert fühlte, und war auf der Suche nach einer Teilzeitstelle, die meiner Ausbildung entsprach.

Der Tag, der irgendwie alles änderte, fing ganz harmlos an. Wir sind mit den Kindern nach Sigean in den Safaripark gefahren und entdeckten am helllichten Tag an der Route Nationale unzählige Prostituierte, die auf „Herrenbesuch“ warteten. Diese Frauen konnte ich nicht mehr vergessen. Eine vage Idee entstand. Während unseres Urlaubs verdichtete sie sich und beherrschte mein Denken mehr und mehr.

Wieder zu Hause in Deutschland, kaufte ich mir einen Laptop, setzte mich hin und legte los. Vier Monate später waren 580 Normseiten vollgeschrieben, mein erstes Manuskript. Wie das Leben eben so spielt, zur gleichen Zeit fand ich eine Arbeitsstelle, und das Schreiben rückte wieder in den Hintergrund.

Im Languedoc zur Literatin

Nachdem ich jedoch in meinem neuen Job „angekommen“ war, bot mir ein Verlag die Veröffentlichung meines ersten Buches an, und ich stand wenige Monate später auf der Frankfurter Buchmesse und präsentierte stolz mein erstes Taschenbuch.

Heute, drei Jahre später, habe ich mittlerweile fünf Krimis veröffentlicht: drei davon spielen in der Heimat meines Herzens Südfrankreich, eins in Paris und eins in meiner Heimatstadt Weinheim. Das nächste Manuskript liegt zur Prüfung beim Verlag.

Frankreich und meine Bücher, das gehört untrennbar zusammen. Meine Familie und ich waren in der Zwischenzeit unzählige Male in unserem wunderschönen Nachbarland. Einen Großteil meiner Manuskripte habe ich dort geschrieben. Und jeder weitere Aufenthalt inspiriert mich zu neuen Geschichten. Ich bin gespannt, was das Leben noch für mich bereithält …

Der Beitrag von Silke Ziegler ist der 17. Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ich freue mich, wenn dieser Aufruf viele von euch zum Mitmachen inspiriert. Ob kurz oder lang, Prosa oder Lyrik, nur Fotos oder nur Text: Schickt mir eine Mail! Die Beiträge werden in loser Folge veröffentlicht.


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