Die schönsten Feste in der Normandie

Le Havre: Umzug. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Das ganze Jahr hindurch ist der Veranstaltungskalender der Normandie prall gefüllt. Auf Musik, Theater und Tanz folgen bunte Märkte, Mittelaltertage und maritime Feste.

Karneval in Granville

Wehrhaft: die Haut-Bourg von Granville. Foto: Hilke Maunder
Wehrhaft: die Haut-Bourg von Granville. Foto: Hilke Maunder

Mitte Februar feiert die alte Hafen- und Seeräuberstadt fünf Tage lang ausgelassen einen Straßenkarneval. Mit 120.000 Besuchern, Konzerten, Bällen, Umzug, Konfettischlacht und Verbrennung des Karnevalskönigs im Hafen zählt er zu den größten und buntesten Veranstaltungen im Westen Frankreichs.

Die Wurzeln der Karnevalstradition liegen in den Tagen der Neufundlandfischer. Gewöhnlich stachen die Boote am Faschingsdienstag in See. Jeder Aufbruch war damals ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Vorher wurde daher noch einmal richtig gefeiert. Bis heute mit dabei beim Umzug ist ein Wagen, der Spenden für Hilfsbedürftige sammelt.

Festival de la Tulipe

Château Vendeuvre. Foto: Hilke Maunder
Château Vendeuvre, ein Juwel aus dem 18. Jahrhundert. Foto: Hilke Maunder

Im April erblühen rund 30.000 Tulpen aus mehr als 100 Arten, die den Schlosspark von Vendeuvre in ein unendlich erscheinendes Blumen- und Farbenmeer verwandeln. Narzissen, Osterglocken und Hyazinthen, die im Herbst zuvor gepflanzt worden waren, setzen darin leuchtende Akzente. Tausende Tulpen schmücken auch die 200 Jahre alte Lindenallee zu einer verwunschenen Grotte, die innen mit 200.000 Muscheln ausgeschmückt ist.

Vendeuvre inszeniert ein Tulpenfest voller Emotionen, das die Vielfalt der Blume zeigt, die aus Persien und Nordafrika nach Frankreich kam. Dort wurde sie eine der beliebtesten Schaupflanzen adliger Parks und streng französisch gestalteter Gärten. Auch mit diesen Gartentraditionen spielt das Tulpenfestival. Narzissen, Osterglocken und Hyazinthen setzen darin leuchtende Akzente. Buchsbaumhecken, mal kantig, mal kuppig geschnitten, geben Struktur.

  • Musée et Jardins du Château de Vendeuvre, 9, rue du Château, 14170 Vendeuvre, Tel. 02 31 40 93 83, www.vendeuvre.com
Tulpen blühen zu Tausenden rund ums Schloss Vendeuvre. Foto: Hilke Maunder
Tulpen blühen zu Tausenden rund ums Schloss Vendeuvre. Foto: Hilke Maunder

Jazz sous les Pommiers

Coutances ist ein kleines, verschlafenes Städtchen im Schatten seiner 76 Meter hohen Kathedrale. Doch zu Himmelfahrt ist Coutance der Hotspot der internationalen Jazzszene. Beim ältesten Jazzfestival musizieren fünf Tage lang amerikanische und europäische Stars zusammen mit Newcomern in Sälen, Kirchen, in Zelten, auf Straßen und Plätzen und bringen die Stimmung zum Kochen. Und das seit mehr als 30 Jahren mit Namen wie Michel Portal, Marital Solal und Jamie Cullen, ehe das Spektakel mit einer Parade von Brass Bands durch die Innenstadt endet.

Blühende Apfelbäume. Foto: Hilke Maunder
Die Apfelbäume blühen – im Pays d’Auge ein Erlebnis! Foto: Hilke Maunder

Pierres en Lumières

Seit 2008 verzaubert im Mai das Festival Pierre et Lumieres die schönsten Bauwerke der Basse-Normandie mit einer Lichterschau. Mehr als 200 Gebäude – Kirchen, Museen, Landsitze, selbst ganze Dörfer erstrahlen dabei in völlig neuem Licht. Ausstellungen, Konzerte, Fackelführungen machen die farbenfrohe Inszenierung von Architektur zu einem Erlebnis, das in Frankreich einzigartig ist.

Blick auf Saint-Céneri-le-Gérei mit seiner Brücke über die Sarthe
Blick auf Saint-Céneri-le-Gérei mit seiner Brücke über die Sarthe

Rencontre des Peintres

Als eines der schönsten Dörfer Frankreichs begeistert das romantische Örtchen Saint-Céneri-le-Gérei im Tal der Sarthe seit Jahrhunderten Künstler wie Camille Corot, Gustave Courbet und Léon Cogniet. An diese Tradition knüpft zu Pfingsten alljährlich das Festival Rencontre des Peintres an, die das Dorf in eine Kunstgalerie unter freiem Himmel verwandelt.

Mit dabei ist stets auch der Künstler, der ein Jahr lang als Gast im Dorf lebt und arbeitet. 2015 war es der bretonische Plastiker Mich Mao. Mehr zu Saint-Céneri-le-Gérei erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.

Promenade Nocturne

Die Abtei des Mont-Saint-Michel. Foto: Hilke Maunder
Die Abtei des Mont-Saint-Michel. Foto: Hilke Maunder

Im Juli und August verwandelt sich die Abtei des Mont-Saint-Michel nach Einbruch der Dunkelheit bis Mitternacht in einen Kunstraum, in dem Solisten am Cello und der Harfe, Videoinstallationen und stimmungsvolle Lichtspiele die Klosterräume völlig neu und faszinierend anders in Szene setzen. Eine Führung gibt es nicht, dafür aber laute neue Eindrücke, die auch nach dem Besuch von La Merveille im Gedächtnis bleiben – wie der nächtliche Blick von der Terrasse auf die Bucht.

  • 11. Juli – 24. August, Mo. – Sa. 19.00 – 24.00 Uhr, letzter Einlass 23.00 Uhr, kostenloses Parken auf dem Großparkplatz von 19.00 – 2.00 Uhr
Mont-Saint-Michel während der Nocturnes. Foto: Hilke Maunder
Schauplatz abendlicher Kultur und Kunst: die Abtei des Mont-Saint-Michel. Foto: Hilke Maunder

Les Traversées Tatihou

Packt eure Gummistiefel ein! Denn vor dem Musikgenuss steht eine Wanderung. 30 Minuten lang marschiert ihr, immer entlang der Austernbänke, durchs Watt. Nur so könnt ihr nach Tatihou kommen, wo Kino und Konzerte locken. Seit 20 Jahren holt die Mini-Insel die Welt zu sich – vom argentischen Akkordeon-Virtuosen Chango Spasiku bis zur istrischen Folk Combo Veja. Filmklassiker wie The Commitments von Alan Parker und ein Festivaldorf in Saint-Vaast-la-Hougue mit Beiprogramm auf dem Festland runden das zehntägige Festival ab.

Der Blick auf Rouen von den Klippen der Seine. Foto: Hilke Maunder
Der Blick auf Rouen von den Klippen der Seine. Foto: Hilke Maunder

Die Armada Rouen

Bei der Armada Rouen geben sich die schönsten Großsegler und Windjammer ein Stelldichein an den Seine-Kais von Rouen.  Als das größte maritime Fest der Normandie erfunden wurde, lag die Schifffahrt damals danieder, und Rouen litt wie Nantes unter der Werftenkrise.

Anfang der 1980er Jahre suchte Jean Lecanuet, damals Bürgermeister von Rouen, daher nach einer Idee, die verwahrlosten Kais wieder zu beleben und zu sanieren. Sein Stellvertreter Patrick Herr schlug ihm dazu ein Rennen zwischen Rouen und New York vor, um das hundertjährige Jubiläum der Freiheitsstatue im Jahr 1986 zu feiern.

Am 17. Juni 1885 war die Statue an Bord der Fregatte l’Isère in New York angekommen. Im Mai 1885 hatte die Reise für die Statue von Bartholdi und Innenleben von Gustave Eiffel begonnen. Acht Mehrrumpfboote gingen an den Start des Rennens, das Course de la Liberté genannt wurde. Um der Veranstaltung ein festliches Flair zu verleihen, schlug er die erste Grande Pagaille vor: ein OFNI-Rennen (Unidentifizierte Schwimmobjekte) und einen großen Umzug durch die Straßen von Rouen im amerikanischen Stil mit Majoretten, Cabrios und Konfetti.

Das Publikum strömte nach Rouen und staunte. Der 23 Meter lange Katamaran Roger et Gallet, der von Eric Loizeau und Patrick Tabarly geskippert wurde, gewann das Rennen und erreichte New York in 14 Tagen.  Seit vier Jahrzehnten begeistert die Armada seitdem die Besucher aus aller Welt. 2023 steigt sie vom 8 bis 18. Juni in der Hauptstadt der Normandie.

Jeden Sommer erhalten die Badekabinen von Le Havre ein anderes Thema, das die Stadtgeschichte aufleben lässt. Foto: Hilke Maunder
Jeden Sommer erhalten die Badekabinen von Le Havre ein anderes Thema, das die Stadtgeschichte aufleben lässt. Foto: Hilke Maunder

Un Été Au Havre

Zum 500. Geburtstag im Jahr 2017 entwarf der französische Kulturmacher Jean Blaise für Le Havre ein Kulturfest, das seitdem jeden Sommer Kultur und Kunst an den Ufern der Seine und im Herzen der Hafenstadt fantasievoll inszeniert. Die beliebtesten Kunstwerke verbleiben danach in der Boomtown an der Seinemündung.

Vincent Ganivet schuf für Le Havre eine "Catene de Containers", ein Bogen aus Containern. Foto: Hilke Maunder
Vincent Ganivet schuf zum Stadtfest 2017 für Le Havre eine catene des containeurs, einen Bogen aus Containern. Er ist seitdem das bunte Wahrzeichen des Seinehafens. Foto: Hilke Maunder

Fête de l’Hareng

In der Normandie ist ein schmackhafter Silberling der poisson roi, der Königsfisch: der Hering. In großen Schwärmen mit vielen Tausend Tonnen Fisch zieht er an den normannischen Küsten vorbei, wo er seit Jahrhunderten ein Klassiker der Küche ist. Bei den Heringsfesten, die im Oktober und November in Le Tréport, Fécamp, Étretat, Dieppe, Saint-Valéry-en-Caux sowie in Lieurey gefeiert werden, wird er an Marktständen in vielen Variationen serviert: gegrillt, geräuchert, mariniert, als Kipper oder als Filet.

Die Sammlung zur Heringsfischerei. Foto: Hilke Maunder
Die Sammlung zur Heringsfischerei. Foto: Hilke Maunder

Die Jakobsmuschelfeste der Normandie

Godefiche nannte Flaubert die Jakobsmuschel in seinem Roman Madame Bovary. Im Herbst wird die berühmte Muschel, die zum Wahrzeichen des Jakobsweges wurde, an den Küsten der Normandie groß gefeiert. Und besonders an der Alabasterküste – denn Dieppe ist der größte Jakobsmuschelhafen Frankreichs. Weitere Feste rund um die Jakobsmuschel steigen in Trouville-sur Mer, Courseulles-sur-Mer, Grandcamp-Maisy, Ouistreham , Villers-sur-Mer und Port-en-Bessin.

Domaine de Klauss: Jakobsmuschel - der Corail wanderte in den Jus. Foto: Hilke Maunder
Schlemmerei mit Jakobsmuschel – der corail wanderte in den Jus. Foto: Hilke Maunder

Noël au Havre

Nicht mit den traditionellen Farben grün, rot und weiß, sondern gerne kunterbunt und geradezu poppig schmücken sich die Städte der Normandie in der Adventszeit, und auch ihre Weihnachtsfreude schäumt vor Lebensfreude in der dunklen Jahreszeit. Geradezu märchenhaft ist die Verwandlung von Le Havre, das gleich mehrere Weihnachtsmärkte und ein großes Riesenrad aufstellt, Fontänen rosa sprudeln lässt, und das lila leuchtende Rathaus Père Noël überlässt, der dort sein Reich einrichtet – mit einer Märchenausstellung in XXL, Weihnachtsmann-Sprechstunde und prall gefülltem Veranstaltungsprogramm bis zum Dreikönigstag.

  • ab 1. Dezember
Weihnachten in Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Stimmungsvoll illuminiert: das Rathaus von Le Havre

Keine Bezahlschranke. Sondern freies Wissen für alle.
Keine Werbung. Sondern Journalismus mit Passion.
Faktentreu und frankophil.
Das gefällt Dir? Dann wirf etwas in die virtuelle Kaffeetasse.
Unterstütze den Blog! Per Banküberweisung. Oder via PayPal.

Weiterlesen

Im Blog

Kulinarische Erlebnisse in der Normandie

Im Buch

Glücksorte in der Normandie*

Steile Klippen und weite Sandstrände, bizarre Felslandschaften und verwunschene Wälder, romantische Fachwerkstädtchen und moderne Architektur – die Normandie hat unzählige Glücksorte zu bieten.

Gemeinsam mit meiner Freundin Barbara Kettl-Römer stelle ich sie euch in diesem Taschenbuch vor. Wir verraten, wo die schönste Strandbar an der Seine liegt, für welche Brioches es sich lohnt, ins Tal der Saire zu fahren, und wo noch echter Camembert aus Rohmilch hergestellt wird.

Unser Gemeinschaftswerk stellt euch insgesamt 80 einzigartige Orte vor, die oftmals abseits der eingetretenen Pfade liegen. Wer mag, kann es hier* bestellen.

Das ganze Land

Secret Citys Frankreich*

Gemeinsam mit meinem geschätzten Kollegen Klaus Simon stelle ich in diesem Band 60 Orte in Frankreich vor, die echte Perlen abseits des touristischen Mainstreams sind. Le Malzieu in der Lozère, Langogne im Massif Central, aber auch Dax, das den meisten wohl nur als Kurort bekannt ist.

Mit dabei sind auch Sens, eine filmreife Stadt im Norden von Frankreich, und viele andere tolle Destinationen. Frankreich für Kenner  – und Neugierige!

Lasst euch zu neuen Entdeckungen inspirieren… oder träumt euch dorthin beim Blättern im Sessel oder am Kamin. Wer mag, kann das Lesebuch mit schönen Bildern hier* bestellen.

* Durch den Kauf über den Partner-Link, den ein Sternchen markiert kannst Du diesen Blog unterstützen und werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci !

Merci fürs Teilen!

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.