Uzès: Historisches Erbe & Lifestyle

Wehrhaft: das Schloss von Uzès. Foto: Hilke Maunder
Wehrhaft: das Schloss von Uzès. Foto: Hilke Maunder

„Ach, mein kleines Uzès! Lägest du in Umbrien, dann würden die Touristen aus Paris angereist kommen, um dich zu sehen!“ …

… schwärmte André Gide (1869-1951), dessen notable Familie dort verwurzelt ist, 1926 über den Ort, an dem die Römer einst zum Schutz der Eure-Quelle ihr Militärlager Castrum Uticense errichtet hatten.

Eine Gedenktafel erinnert an den Besuch von Racine im Alter von 22 Jahren. Foto: Hilke Maunder
Eine Gedenktafel erinnert an den Besuch von Racine im Alter von 22 Jahren. Foto: Hilke Maunder

Ein zweiter berühmter Schriftsteller Frankreichs war bereits im Herbst 1661 in das Languedoc-Städtchen gekommen, hatte dort bei seinem Onkel Antoine Sconin gewohnt und Theologie studiert: Jean Racine.

Seine „Briefe aus Uzès“ an die Pariser geben ein Zeugnis vom damaligen Leben in Uzès, von den Bräuchen, aber auch von politischen und religiösen Verwicklungen.

Uzès: An der Place Dampmartin. Foto: Hilke Maunder
An der Place Dampmartin. Foto: Hilke Maunder

Das älteste Herzogtum Frankreichs

Uzès war 1632 zum Premier Duché de France ernannt worden, nachdem dem Herzog von Uzès die Vorrechte des 1. Herzogs von Frankreich zugefallen waren. Dies nutzt die Tourismuswerbung geschickt beim Stadtmarketing.

Das Herzogsschloss von Uzès
Das Herzogsschloss von Uzès. Foto: Hilke Maunder

Ist der Herzog mit seiner Familie in der Stadt, weht hoch im Wind das Banner des Adligen. Die Besichtigung des Burgschlosses muss es dir wert sein – der Herzog lässt sich den Besuch teuer bezahlen.

Sein verwinkelter wie wehrhafter Palast bildet das Herz der Altstadt. Sie hat hinter einem Boulevardring ihr mittelalterliches Gepräge fast vollständig bewahrt

Stark vertreten: die Kirche

Uzes: Cathédrale Saint-Théodorit und Tour Fenestrelle. Foto: Hilke Maunder
Die Cathédrale Saint-Théodorit mit der Tour Fenestrelle. Foto: Hilke Maunder

Gegenüber der Krone: der Klerus. Ihre Cathédrale Saint-Théodorit (1090) birgt im Innern eine der schönsten Orgeln Frankreichs.

Das Innere der Kathedrale Saint-Théodorit. Foto: Hilke Maunder
Das Innere der Kathedrale Saint-Théodorit. Foto: Hilke Maunder

Ihr aschgraues, teilweise vergoldetes und fein geschnitztes Orgelgehäuse mit 44 Register und 2.722 Orgelpfeifen wurde ab 1660 erbaut und von Läden umrahmt.

Ganz rechts am Eingang der Kathedrale: Saint-Firmin. Foto: Hilke Maunder
Ganz rechts am Eingang der Kathedrale: der heilige Saint-Firmin. Foto: Hilke Maunder

Diese wurden einst während der Fastenzeit zugeklappt, denn das Orgelspiel war in dieser Zeit des liturgischen Jahres nicht erlaubt.

Ein blau-goldenes Gewölbe schmückt die Marienkapelle. Für mich gehört sie zu den schönsten, die ich kenne. Wer Musik liebt, sollte die Nuits Musicales in der Kathedrale nicht verpassen!

Uzès: Ein Eckgebäude an der Place aux Herbes. Foto: Hilke Maunder
Ein Eckgebäude an der Place aux Herbes. Foto: Hilke Maunder

Der schiefe Turm von Uzès

Ungewöhnlich ist auch die Tour Fenestrelle (11./12. Jh.) des Gotteshauses. Sie erhebt sich rund und mit Bogengängen versehen auf einem quadratischen Sockel – wie ein italienischer Campanile.

Vor dem Glockenturm eröffnen sich von einem sandigen Platz weite Ausblicke auf das Tal der Eure.

Die Tour Fenestrelle neigt sich ein wenig zur Seite. Foto: Hilke Maunder
Die Tour Fenestrelle neigt sich ein wenig zur Seite. Foto: Hilke Maunder

Das Flair des Midi

Über kopfsteingepflasterte Gassen streunen Katzen. In den Stadtpalästen aus Renaissance und Klassizismus verkaufen Aussteiger, Antiquitätenhändler, Künstler und Kunsthandwerker das Lebensgefühl des Südens – Schmuck, Mode und Ambiente im Flair des Midi.

Uzès. Lifestyle-Laden an der Place aux Herbes: Foto: Hilke Maunder
Lifestyle-Laden an der Place aux Herbes. Foto: Hilke Maunder

Die Bühne der Stadt: die Place aux Herbes

Die platanenbestandene Place aux Herbes mit ihren Arkaden ist euch vielleicht schon aus dem Kino bekannt. Hier wurde unter anderem der Film „Cyrano von Bergerac“ mit Gérard Depardieu gedreht.

Uzès: Balkonpracht an der Place aux Herbes. Foto: Hilke Maunder
Balkonpracht an der Place aux Herbes. Foto. Hilke Maunder

Markt ist immer mittwochs und sonnabends ab 7.30 Uhr. Von Ostern bis Oktober findet zudem sonntags von 9 bis 19 Uhr ein Kunsthandwerkermarkt auf dem Platz statt.

Sonntags verkaufen Kunsthandwerker ihre Produkte - Textiles, Strick und Schmuck dominieren. Foto: Hilke Maunder
Sonntags verkaufen Kunsthandwerker ihre Produkte – Textiles, Strick und Schmuck dominieren. Foto: Hilke Maunder

Mittags lässt es sich ganz vorzüglich – und authentisch – bei Les Terroirs schlemmen. Die Wein- und Delikatessenhandlung samt Bistro zelebriert stylisch den Geschmack des Südens.

Schlemmeradresse in Uzès: Les Terroirs. Foto: Hilke Maunder
Schlemmeradresse in Uzès: die Terrasse von Les Terroirs. Foto: Hilke Maunder

Rundblick auf die Altstadt

100 Stufen führen hinauf zu dem schönsten Aussichtspunkt über Uzès: die Tour du Roi aus dem 14. Jahrhundert. Von oben: nur alte Häuser, so weit man sieht.

Uzès: Diese schöne Fassade findet ihr gegenüber vom Eingang des Herzogspalastes. Foto: Hilke Maunder
Diese schöne Fassade findet ihr gegenüber vom Eingang des Herzogspalastes. Foto: Hilke Maunder

Die gesamte Altstadt von Uzès steht unter Denkmalschutz. Wird gebaut, sind Farben und Materialien genau festgelegt.

Der 1972 gegründete Haras National ist das einzige französische Staatsgestüt im Mittelmeerraum. Während des Sommers kannst du zwei Stunden lang hinter die Kulissen der Hengst-Zucht schauen und das 16 Hektar große Gelände entdecken. 

Nicht nur bei Regenwetter sehenswert sind die Sammlungen zur Volkskunst, Stadtgeschichte und Keramiktradition, die das Musée Municipal George Borias im alten Bischofspalast zeigt. Etwas außerhalb gründete Henri Laffont 1862 das Lakritzwerk ZAN, das seit 1985 zur Haribo-Gruppe gehört. Die Geschichte der südfranzösischen Süßwarenindustrie dokumentiert ganzjährig das Haribo Musée du Bonbon an der Pont des Charrettes.

Uzès: Église Saint-Étienne. Foto: Hilke Maunder
Die Église Saint-Étienne. Foto: Hilke Maunder

Peter Kurzeck in Uzès

Dass auch ein deutschsprachiger Autor über Jahrzehnte in Uzès ansässig war, erfuhr ich von Blogleser Norbert Schmidt. Es war Peter Kurzeck, der ab Mitte der 1990er Jahre an einem mehrbändigen autobiographischen Romanprojekt mit dem Titel Das alte Jahrhundert gearbeitet hatte. Angesiedelt war es im Jahr 1984 in Frankfurt am Main. Dort ist Kurzecks Name bis heute bekannt. Sein Uzès spiegelte bisher nur das Hörbuch „Für immer“.

Nun ist diese Leerstelle behoben: Im Juli 2023 erschien im Verlag Wunderhorn das 102-seitige Büchlein Peter Kurzeck in Uzès*, konzipiert und geschrieben vom früheren Anabas-Verleger Günter Kämpf und dessen 2022 verstorbenen Frau Vilma Link-Kämpf aus Lich bei Gießen.

Uzès: Blick auf den Turm der Église Saint-Étienne. Foto: Hilke Maunder
Der Turm der Église Saint-Étienne. Foto: Hilke Maunder

Die Autoren, als ehemalige Residenten in Saint-Quentin-la-Poterie langjährige Weggefährten von Peter Kurzeck, beschreiben die Stadt und die (doch tatsächlich im Haus von André Gides Familie an der Place des Sabotiers situierte) Wohnung Kurzecks, lassen Begegnungen wieder aufleben und erinnern sich an besondere Geschichten, garnieren diese mit zahllosen Fotografien, Kurzeck-Postkarten sowie mit einigen seiner Briefe.

In einem ausführlichen Beitrag widmete sich der Deutschlandfunk dieser Kurzeck/Uzès-Publikation; nachzuhören auf  www.deutschlandfunk.de.

Peter Kurzeck. Foto: Günter Kämpf
Peter Kurzeck. Foto: Günter Kämpf

1992 hatte Kurzeck mit seiner Lebensgefährtin, der 2021 verstorbenen Autorin Birgit Vanderbeke, in Saint-Quentin ein Haus gekauft.

Nach der Trennung fand Kurzeck im nahen Uzès eine Bleibe. Sein Leben dort, seine Arbeit und seine Zeitgenossen zeichnet die Biografie nach. Wer einen Überblick zu Peter Kurzecks literarischem Schaffen erhalten will, schaut hier nach.

In der Altstadt von Uzès eröffnen sich immer wieder neue, überraschende Ausblicke. Foto: Hilke Maunder
In der Altstadt von Uzès eröffnen sich immer wieder neue, überraschende Ausblicke. Foto: Hilke Maunder

Die Weine von Uzès

Gut gekühlt: Weinpause auf der Place aux Herbes in Uzès. Foto: Hilke MaunderRund um Uzès erstrecken sich die Weingärten der wohl unbekanntesten Appellation des südlichen Rhônetales: die AOC Duché d’Uzès.

11.000 Hektoliter produziert sie jährlich zwischen dem Pont du Gard und den Ausläufern der Cevennen. Davon sind 25 Prozent Weißwein, 25 Prozent Roséwein und 50 Prozent Rotwein.

Weine für Genießer

Wer neugierig ist auf die Weiß-, Rose- und Rotweine, sollte diese Tropfen kosten:

  • den Weißwein Orenia Reserve  von Philippe Nusswitz aus dem Elsass, der heute in Durfort und Saint-Martin seine Tropfen vinifiziert, bei der Orenia mit 50 % Viognier, 30 % Grenache blanc, 10 % Roussanne und 10 % Marsanne.
  • den Rosé Duché d’Uzès von Mathilde Chapoutier Sélection, der mit Grenache noir und Syrah Eleganz und Komplexität vereint.
  • den roten Duché d’Uzès von der Domaine Les Lys, der aus Syrah (45 %) und Grenache (55 %) komponiert wurde und in altem Holz gereift ist.
  •  den roten Duché d’Uzès von La Tour de Gatigne aus Saint-Chaptes, den es früher nur en vrac gab – eine traumhaft runde, kraftvolle Komposition aus 70 % Syrah und 30 % Grenache noir.

Uzès: meine Reise-Infos

Schlafen & schlemmen

Hôtel d’Entraigues*

Sehr beliebt ist ein Sommer-Dinner im Hôtel d’Entraigues. Vom Terrassenrestaurant Les Jardins de Castille blickst du auf die Kathedrale.
• Place de l’Evêché, Tel. 04 66 22 32 68, www.hotel-entraigues.com

L’Hostellerie Provençale*

Neun nostalgische Zimmer im Herzen der alten Stadt und das Schlemmerlokal Parenthèse – perfekt!
• 1, Rue Grande Bourgade, 30700 Uzès, Tel. 04 66 22 11 06, www.hostellerieprovencale.com

Noch mehr Betten*
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Aktiv

Paddeln auf dem Gardon

Paddler auf dem Gardon. Foto: Hilke Maunder
Paddler auf dem Gardon. Foto: Hilke Maunder

Ein Spaziergang über den weltberühmten Pont du Gard gehört zum Standardprogramm. Viel spannender ist es, sich in Collias ein Kanu oder Kajak zu mieten und auf dem Gardon unter den historischen Brückenbogen hindurch zu gleiten.

Für kleine Adrenalinkicks sorgen Wirbel, Schwall und im Wasser aufragende Äste oder Stämme, für Abkühlung ein Sprung ins kühle Nass des naturbelassenen Flusses. Am Ende der Paddeltour geht es im Bus zurück zum Start. Leihboote gibt es u. a. bei Kajak Vert, Tel. 04 66 22 80 76, www.canoe-france.com.

Ein paar Impressionen gibt es in diesem Blogbeitrag.

Nicht verpassen

Saint-Quentin-la-Poterie. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Das Töpferdorf Saint-Quentin-la-Poterie, 4 km nördlich, veranstaltet jährlich das Festival Européen des Arts Céramiques.

Erlesene Keramikkunst des 18. – 21. Jahrhunderts präsentiert das Musée de la Poterie Mediterranéenne in der Rue de la Fontaine 14. Wie sich ein Klumpen Ton in kunstvolle Keramik verwandelt, zeigen mehr als 20 Kunsthandwerker in ihren Ateliers. Mehr Infos zum Töpferstädtchen gibt es hier.

Postkarte aus … Saint-Quentin-la-Poterie

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Ein schöner Ausflug führt nach Lussan, einer alten Kamisarden-Hochburg auf einem Felsdorf – sehr malerisch!

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Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen. 50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker!  Hier* gibt es euren Begleiter.

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8 Kommentare

  1. Ein wunderbarer Bericht aus der Nimes-Gegend, danke liebe Hilke!
    Hier ringsum sind wir seit 34 Jahren in unserem Haus in Courry.
    Im Töpferdorf Saint-Quentin-la-Poterie ist im Gegensatz zum Ton, der hier überall in winzigen Läden verarbeitet wird, Joseph Monier geboren, ein französischer Gärtner, Erfinder und Unternehmer. Er gilt als der Erfinder des Eisenbetons, vielen ist er sicher bekannt, der (deutsche) Fachausdruck „Moniereisen“. Ein kleines Schaufenster hierzu findet man gerade um die Ecke des Musee de la poterie méditerranéenne. Viel schöner als dieses Museum ist natürlich das auf/suchen der vielen kleinen Töpferläden und Höfen.
    Und in Nimes gibt es tatsächlich noch ein riesengroßes Tuchgeschäft in dem man die zum Teil originalen „provenzalischen“ Stoffe finden kann. Aber die Adresse verrate ich nicht. Muss man selbst suchen.
    Herzlich
    Dieter/Didier

    • Lieber Dieter-Didier,
      ja, Saint-Quentin-la-Poterie… das durfte ich im letzten Sommer entdecken, als meine Freunde mich für ein paar Tage in ihr dortiges Feriendomizil einluden. Und darüber muss ich auch unbedingt noch einen Bericht verfassen, auch jenseits des bekannten Marktes und Museums. Danke für den Tipp zu Monier, das wusste ich nicht! Wenn Du weiter stöbern möchtest: Nîmes ist gerade frisch aktualisiert (war gerade dort wieder einmal gewesen) – und Lussan kennst Du ja bestimmt auch! Einfach im Blog oben in der Suche eingeben oder auf der Startseite schauen auf der großen Karte, die sich zoomen lässt. Herzliche Grüße! Hilke

  2. Danke für den Beitrag über Uzes. Habe richtig Fernweh bekommen. So oft sind wir schon durch die verwinkelten Gassen gebummelt und über den Markt. Ich liebe diese Stadt. Anfang der 90er sah es allerdings noch schlimm dort aus. Mittlerweile ist die Stadt wunderbar restauriert. Leider habe ich damals keine Fotos gemacht.
    Liebe Grüße
    Renate

  3. Vielen Dank für den Beitrag über Uzès. Mir hat der vor einem Jahr verstorbene deutsche Schriftsteller Peter Kurzeck, der zeitweise in Uzès gelebt und darüber sehr schöne Texte geschrieben hat, die Stadt nahe gebracht.

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